Neue Studiengänge : Der Wind steht günstig

Erneuerbare Energien bieten Ingenieuren gute Jobaussichten. Die Unis reagieren darauf mit neuen Fächern

Die Zahlen können sich sehen lassen: Im Jahr 2020 soll es 470.000 bis 600.000 Beschäftigte im Bereich der erneuerbaren Energien geben, also in Windenergie, Bio- und Solarenergie, Wasserkraft und Erdwärme. Derzeit sind es rund 380.000, vor knapp zehn Jahren waren es nach Angaben des Umweltministeriums erst um die 160.000 Beschäftigte. Das bisherige rasante Wachstum hängt natürlich auch an der starken Förderung des Bundes. Sie stieg von rund 120 Millionen Euro auf etwa 600 Millionen Euro. Die neuen Jobs entstehen in der Produktion, Planung, Beratung oder Montage. Es sind also vor allem Ingenieure und Techniker gefragt.

Die Hochschulen sind dabei, auf die steigende Nachfrage zu reagieren und spezialisierte Studiengänge einzurichten. Zum vergangenen Wintersemester gab es 173 Bachelor- und Diplomstudiengänge, die vollständig auf erneuerbare Energien ausgerichtet waren oder dort ihren Schwerpunkt setzen. Zählt man auch die Masterstudiengänge dazu, die dualen Studiengänge und die Weiterbildungen, sind es insgesamt 380. Und es werden noch mehr. Damit rechnet zumindest Theo Bühler vom Wissenschaftsladen in Bonn. Der gemeinnützige Verein führt eine Studiengangstatistik und analysiert regelmäßig Arbeitsfelder.

Die Studiengänge sind meist den Fachgebieten Maschinenbau, Elektrotechnik oder Bauingenieurwesen zugeordnet. Führend sind dabei die Fachhochschulen, weil sie mit ihrem Studienangebot flexibler sind; aber auch weil manche kleine Hochschule hoffe, mit einem Trendbegriff neue Studenten anzulocken, sagt Bühler.

Die Auswahl ist groß: Die TU Dresden etwa bietet den Studiengang Regenerative Energiesysteme an, in den höheren Semestern können sich die Studenten zum Beispiel auf Geothermie spezialisieren oder Energieeffizienz. An der TU Darmstadt gibt es seit dem Wintersemester 2012/13 den Masterstudiengang Energy Science and Engineering, zu dem auch regenerative Formen der Energiegewinnung gehören. An der Fachhochschule Kiel lernen Studenten seit dem vergangenen Jahr, wie Windparks auf hoher See geplant und gebaut werden können. Die Universität Stuttgart bietet den Studiengang Erneuerbare Energien mit den Wahlbereichen elektrische, thermische oder kinetische Energiesysteme an. An vielen Hochschulen lernen die Studenten in den ersten Semestern die Grundlagen etwa für Maschinenbau und spezialisieren sich erst danach, beispielsweise mit Vorlesungen zu thermischen Prozessen und neuen Systemen der Kraftwerkstechnik.

Was unterscheidet die Fächer von herkömmlichen Ingenieurfächern?

Po Wen Cheng hält in Stuttgart einen Stiftungslehrstuhl für Windenergie. Er sagt: "Das Studium vermittelt nicht nur typische Maschinenbaukenntnisse, sondern zum Beispiel auch meteorologisches Wissen." Weil die Windenergie sich ständig weiterentwickelt, "braucht es jedes Jahr eine Aktualisierung der Lehrmaterialien."

Und gibt es Unterschiede zu den klassischen Maschinenbaustudenten? "Sie beschäftigen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen wie nachhaltiger Energieversorgung, und viele von ihnen wollen etwas verändern", sagt Po Wen Cheng. Und: "Sie sind sehr engagiert, das sieht man auch daran, dass sie auch zum Semesterende noch vollzählig in die Veranstaltung kommen."

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ich hatte tatsächlich noch was vergessen:

Erdwärme und Gezeitenenergie gehören dazu, beruhen aber auf einem anderen physikalischen Prinzip als doe Sonnenenergie.
Aber Sie haben Recht, für uns auf der Erde kommt als weitere unabhängige Energiequelle die Kernfusion und die -spaltung ( zumindest theoretisch ) in Frage.
Dass die Sonne die zu uns kommenden Strahlung aus kernphysikalischen Prozessen "gewinnt" ist im Grunde unerheblich, weil weit weg.
BTW, scheiß-fehlende Editierfunktion.

bleibt zu hoffen

daß die meisten derjenigen die solche Fächer studieren zweigleisig fahren,

um nachher nicht windenergie zu betreiben,sondern darüber zu diskutieren als Journalisten bzw als Politiker und Manager entfernt damit zu planen.

In Deutschland wird das über die dinge reden in Medien bzw das Verwalten und Managen der Dinge in Management und (öffentlicher) Verwaltung immer noch 10 mal besser bezahlt als die Tätigkeit selbst,und das krisensicher.

Denn über Wind und Sonne wird auch in hundert Jahren noch in Parlamenten und Medien und Management ewig (mit oder ohne Kalauer) und entspannt diskutiert werden zu horrenden Stundensätzen.

Jedoch Vorsicht: wer die eigentliche Arbeit erledigen möchte,wird irgendwann vom billigeren Kollegen in Fernost abgesägt,der hat die Rente mit 30 noch längst nicht durch.

Zustimmung

Ja, da haben Sie, finde ich, recht, und, ganz allgemein betrachtet: Die Zerschneidung und Überbauung von Lebensräumen - Straßen, Parkplätze, zugeschotterte und nur aus Kunstrasen bestehende Gärten ohne Bäume und Büsche, Überdüngung durch die Landwirtschaft und Monokultur, Verkehr - das sind die wirklich großen Probleme im Naturschutz allgemein und den Vogelschutz - die nur leider allzu schnell beiseite gekehrt werden, wenn sich mit ihnen Geld verdienen lässt.
- Offshore-Windparks wurden kürzlich sogar als Ansiedlungsgebiet für die selten gewordenen Hummer in der Nordsee diskutiert
- Bürgerwindparks tragen zur Demokratisierung und Dezentralisierung der Stromversorgung bei und bringen den Teilhabern _bei guter Planung_ hervorragende Erträge.
- Ob es von Anfang an spezialisierte Studiengänge braucht, weiß ich trotzdem nicht - das Risiko für die Studenten bei einer sehr frühen Festlegung auf ein Thema sehe ich durchaus. Sinnvoll finde ich die Angebote auf jeden Fall für die Masterausbildung.