Al-KaidaGefährliche Hochzeit

Die Al-Kaida-Gruppen im Irak und in Syrien verbünden sich. von 

Die berüchtigste und gefährlichste Dschihadisten-Truppe im syrischen Bürgerkrieg, Dschabhat al-Nusra, gehört zu Al-Kaida: Das hat der Anführer der Irak-Filiale des Terrornetzwerks in einer Ansprache nun offiziell mitgeteilt. Der Name der gemeinsamen Organisation sei "Islamischer Staat im Irak und Syrien", sagt Abu Bakr al-Baghdadi.

Es gibt wenig Grund, diese Behauptung in Zweifel zu ziehen. Geheimdienste vermuten schon länger eine enge Verbindung zwischen Dschabhat al-Nusra und Al-Kaida im Irak – zu offensichtlich ist der Transfer von Personal und Know-how im Bombenbau aus dem Nachbarland. Trotzdem ist die Nachricht wichtig. Denn sie macht deutlich, dass es Al-Kaida um mehr geht als um bloße Unterstützung für die Dschihadisten in Syrien oder eine punktuelle Kooperation mit ihnen.

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In der Verschmelzung der Terrorgruppen spiegeln sich langfristige, ideologisch motivierte Ziele für die gesamte Region wider. Denn so wenig es Al-Kaida im Irak allein um den Kampf gegen US-Truppen ging, so wenig geht es Dschabhat al-Nusra heute nur um den Sturz des Regimes von Baschar al-Assad. Die lokalen Konflikte dienen zur Rekrutierung, Mobilisierung und Professionalisierung. Letztlich aber strebt Al-Kaida mehr an: Einflusszonen quer durch den Nahen Osten, egal wie klein, in denen sie Macht und Recht ausübt; Angriffe auf israelische Ziele; schließlich die Planung internationaler Terroranschläge.

Die irakische Al-Kaida-Filiale greift schon länger in die Nachbarländer aus. 2012 wurden in Jordanien Dschihadisten festgenommen, die mit Anleitung aus dem Irak und Waffen aus Syrien mutmaßlich vorhatten, diplomatische Einrichtungen in Jordanien zu attackieren. Künftige Planungen dieser Art sind wahrscheinlich, etwa in Zusammenarbeit mit Al-Kaida-nahen Dschihadisten im Libanon und auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, eventuell auch in der Türkei. Je chaotischer die Zustände dort, desto einfacher können die Terroristen agieren – auch transnational.

All das zeigt, dass der Bürgerkrieg in Syrien immer größere Folgewirkungen entwickelt. Die terroristische Bedrohung durch Al-Kaida betrifft potenziell die gesamte Region. Sie ist angesichts des massenhaften täglichen Sterbens in Syrien aktuell zwar nicht das Hauptproblem. Aber sie wird in dem Maße wachsen, in dem sie vernachlässigt wird. Sie muss jetzt mit in den Blick genommen werden.

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    • Schlagworte Hochzeit | Syrien | Bürgerkrieg | Geheimdienst | Irak | Region
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