Die Bezeichnung "bügelfrei" für Hemden ist eine Irreführung der Verbraucher. Es gibt kein Baumwollhemd, das ohne Bügeln nach dem Waschen völlig knitterfrei ist. Allenfalls kann man sagen, dass der Bügelaufwand bei diesen Hemden und bei denen, die ehrlicherweise "bügelleicht" heißen, kürzer ist als bei völlig unbehandelten Hemden.

Wie bekommt man Baumwolle dazu, weniger zu knittern? Indem man sie mit Kunststoff beschichtet. Acht von zehn Oberhemden, sagt die Stiftung Warentest, werden heute entprechend "ausgerüstet", auch wenn das nicht auf dem Etikett steht. Je mehr von den Kunstharzen verwendet wird, umso glatter ist das Hemd, allerdings sinkt auch der Tragekomfort. Irgendwann wird die Beschichtung fühlbar, das Hemd wirkt steifer, und der Schweiß wird nicht mehr so gut aufgenommen.

Die Imprägnierung ist gesundheitlich nicht immer unbedenklich – fast alle Stoffe enthalten Formaldehyd, auch wenn sich die Hersteller bemühen, den Anteil zu senken.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Dass die Wirkung nach einigen Wäschen verpufft, weil die Beschichtung sich auflöst, muss der Kunde heute nicht mehr befürchten. Dasselbe gilt fürs Bügeln – bevor die Wirkung dahin ist, hat sich das Hemd durchs Waschen so abgenutzt, dass man es nicht mehr tragen kann. Die Antwort auf die Frage, ob der Mann "bügelfreie" Hemden bügeln darf, lautet also: Er darf nicht nur – er muss, wenn er adrett aussehen will.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio