ManagerinnenMänner unter sich

Die Deutsche Bank hat ein Frauenproblem. von 

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Archiv)

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Archiv)  |  © Daniel Roland/AFP/Getty Images

Dem größten Geldhaus des Landes fehlen Topmanagerinnen. Weder im siebenköpfigen Vorstand noch im Group Executive Committee, der erweiterten Führung für das Tagesgeschäft, sitzt eine Frau. Die Deutsche Bank wird ausschließlich von männlichen Führungskräften gesteuert. Der Abgang von Charlotte Jones ist ein Indiz dafür, dass sich daran auch so schnell nichts ändern wird. Jones war zuletzt Stellvertreterin von Finanzvorstand Stefan Krause, verlässt das Haus nun aber im Lauf des April, Ziel unbekannt (ZEIT Nr. 15/13).

Wenn es um clevere Produkte, neue Märkte und Profite geht, schreitet die Deutsche Bank meist voran. Wenn es um Frauen in Führungspositionen geht, sieht es anders aus. In börsennotierten deutschen Konzernen stellen Frauen nach einer neuen Studie nur 5,9 Prozent aller Vorstände. Das ist wenig, aber immerhin steigt der Wert. Bei der Deutschen Bank sind es null Prozent. Das ist traurig, zumal die Bank als Primus der Finanzbranche mit ihren Entscheidungen immer auch wichtige Signale setzt, und in dieser Frage ist das Signal, das sie setzt, ein schlechtes.

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Das Problem: Jones ist bei der Deutschen Bank kein Einzelfall. Im Spätsommer vergangenen Jahres wechselte Donna Milrod, stellvertretende Chefin des US-Geschäfts, zu einer New Yorker Handelsfirma. Und Pam Kaur, die seit 2011 die interne Revision der Deutschen Bank leitete, arbeitet seit Anfang April für die britische Großbank HSBC. Diese Personalie ist besonders pikant, denn Kaur leitete mit anderen die interne Untersuchung der Deutschen Bank zu den Manipulationen des internationalen Zinssatzes Libor durch mehrere Mitarbeiter. Gemeinsam mit Personalvorstand Stephan Leithner und Chefjustiziar Richard Walker erstellte sie jenen Zwischenbericht, auf dessen Basis Aufsichtsratschef Paul Achleitner im Juli 2012 alle aktiven und früheren Vorstände von einer Verwicklung in die skandalösen Vorgänge freisprach. Ihr Abgang habe "definitiv nichts" mit dieser Aufgabe oder möglichen Differenzen im Zuge der Aufklärung des Falls Libor zu tun, versichert die Bank auf Nachfrage. Nun, natürlich können es nachvollziehbare persönliche Gründe sein, warum eine Jones, eine Kaur und eine Milrod gehen. Gleichwohl werfen ihre Abgänge kein gutes Licht auf die Bemühungen der Bank, Frauen zu fördern.

Grundsätzlich fühlt sich das Institut diesem Ziel verpflichtet. So gibt es eigens dafür interne Programme. Seit Jahren hält die Deutsche Bank in Frankfurt regelmäßig eine Konferenz unter dem Titel Women in European Business ab. Im vergangenen Jahr zeigte sich Jürgen Fitschen dort willens, im eigenen Haus für Wandel zu sorgen. "Ich werde nicht in den Ruhestand gehen, bevor wir nicht eine Frau im Vorstand haben – wozu ich auch das Group Executive Committee zähle." Kurz darauf trat er zusammen mit Anshu Jain als Vorstandschef der Deutschen Bank an und bekannte in einem Interview, das Thema Frauen in der Führung stehe auf ihrer Agenda weit oben. Viel Zeit bleibt dem 64-jährigen Fitschen nicht mehr, um seinen Worten Taten folgen zu lassen. Sein Vertrag läuft drei Jahre – und eines davon ist bereits verstrichen, ohne dass sich in der Topetage des Hauses etwas geändert hätte. Beim großen Revirement zum Start ernannte die Bank lauter Männer.

Das Geldhaus verweist darauf, dass im Aufsichtsrat 8 von 20 Posten von Frauen besetzt werden, und zwar auf Arbeitnehmer- wie auf Anteilseignerseite. Sowie darauf, dass der Anteil von Frauen am weltweit insgesamt rund 10.000 Personen zählenden Senior Management der Bank "in den letzten Jahren erkennbar gestiegen" sei – auf aktuell rund 18 Prozent. Bis ganz nach oben hat es aber noch keine dieser Topmanagerinnen geschafft.

Die Deutsche Bank war schon einmal weiter. 1988 holte sie Ellen Schneider-Lenné in den Vorstand, als erste Frau in der Führung einer deutschen Großbank überhaupt. Schneider-Lenné blieb bis zu ihrem Tod 1996 im Amt. Es wird Zeit, dass sich die Deutsche Bank ihrer Vorreiterrolle erinnert.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und argumentativen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

  2. Sie schreiben ja selbst, dass im Aufsichtsrat 40% Frauen sitzen und im Management gesamthaft knapp 20%. Ist das eigentlich viel oder wenig im Vergleich? Verraten Sie nicht - wahrscheinlich weil sie es nicht wissen.

    Sie schlagen also vor den Frauenanteil an einem Vorstand bestehend aus 7 Personen zu messen und ihn als Kenngröße für ein Unternehmen mit ca. 100.000 Mitarbeitern heranzuziehen?

    Mal als Tipp: Mich würde interessieren, wieviel % Frauen gibt es im unteren Management (Gruppenleiter), wieviel % gibt es im Middlemanagement (Abteilungs- und Bereichsleiter) und wieviel % gibt es im Top-Management. Das verglichen mit einem Industrie-Benchmark und ich wäre begeistert.

    Alles andere ist für mich Kaffeesatzleserei, darauf eine so polemische Überschrift aufzubauen, finde ich journalistisch nicht nur problematisch, sondern eine Unverschämtheit.

    24 Leserempfehlungen
  3. ...nicht die Deutsche Bank. Für die Besetzung des Vorstandes sollte doch der bisher erbrachte Leistungsausweis ausschlagebend sein, nicht die Ausstattung mit primären Geschlechtsorganen.

    Ich bin sicher, wenn eine Frau demnächst das notwendige Potential erkennen lässt, wird Sie Ihre Chance zum Wechsel in den Vorstand bekommen.

    Im Aufsichtsrat ist ja die "Quote" bereits planmässig erfüllt, so hätte es die denn gegeben.

    14 Leserempfehlungen
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    Die ZEIT betrachtet vor allem nur oberflächliche Zahlen und geht nicht tiefer.

    Ich studiere an einer der renommiertesten Hochschulen für Bankwirtschaft und zahlreiche Alumnis sind in leitenden Positionen im Kreditwesen.

    In meinem Kurs sind 50 Männer und 6 Frauen! Wie soll man da jetzt bitte eine Quote erfüllen, wenn es IN DIESEM Bereich nicht die qualifizierten Frauen gibt?

    Eine Frauenquote von 40 oder 50% würde nur bedeuten, dass unqualifizierte Frauen die Position bekommt und besser qualifizierte Männer nicht. Das ist in diesem Fall eine Frage von einfacher Statistik!

    Vielleicht sollte die Lebenswirklichkeit mal über diesem ganzen Genderkram stehen.

    • raflix
    • 21. April 2013 11:11 Uhr

    Es sollte nicht um das Geschlecht gehen, eben deswegen ist es verwunderlich, dass so wenig Frauen bei der Deutschen Bank in Top-Positionen kommen. Oder glauben sie ernsthaft, dass alle aufgestiegenen Männer allein wegen ihrer Leistung befördert wurden und der Fakt, dass sie Männer sind, keine Rolle gespielt hat?

  4. zeigt, dass es auch ohne Quote ging.
    Die Frage ist jetzt warum kamen keine Frauen nach, wenn schon welche oben waren?
    Die unter Beitrag 2 gestellten Fragen gehen in die richtige Richtung.
    Man kann schlecht die Position ganz oben einnehmen, wenn man nict den Weg nach dort zurücklegt.
    Insofern ist die Quote für Toppositionen ein arg seltsamer Ansatz, der nur wenigen nützt. Man fragt sich direkt, wer so etwas für wen initiiert.

    4 Leserempfehlungen
    • loboc
    • 21. April 2013 10:01 Uhr

    So eine trotzige Überschrift.. Wollten die Medien auch mal Politik spielen, doch das störrische Politikervolk liess sich nicht vor den Karren spannen.. Jetzt muss man halt am Sonntag noch ein wenig nach treten.
    Wann wird die Zeit Quoten für Professoren fordern?

    3 Leserempfehlungen
  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten und verzichten Sie auf krude Theorien. Die Redaktion/mak

  6. nämlich vollkommene ideologische Verblendung. Die Gesellschaft braucht keine Unternehmensführer/innen mit Eierstöcken, sie braucht fähige. Wenn man etwas für die Gleichstellung der Frau tun will, fördert die unterste Managementebene. Das produziert brauchbare Führungskräfte, die sich dann auch mit Fokus auf den Geist, nicht den Körper, durchsetzen können.

    Das Krakeele nach Aufsichtsratsposten nervt.

    15 Leserempfehlungen
  7. 8. [...]

    Entfernt. Bei Fragen und Kritik wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Der Kommentarbereich soll der sachlichen Diskussion vorbehalten sein. Die Redaktion/mak

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  • Schlagworte Deutsche Bank | Frauenquote | Managerinnen | Management | Bank
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