WärmedämmungDer Kampf um die Häuser

Ohne Gebäudesanierung keine Energiewende. Bisher fehlt dafür das Geld. Kommt jetzt eine Abgabe für alle? von 

Über kaum etwas wird in Deutschland mehr gestritten als über die Energiewende. Einig sind sich die Parteien nur in einer Erkenntnis: Soll die Versorgung umweltschonend werden und obendrein zuverlässig und bezahlbar bleiben, muss gespart werden, vor allem beim Heizen. Wer weniger verbraucht, muss weniger zahlen, so die einhellige Logik dabei. Die Regierung will sogar dafür sorgen, dass die Wohnhäuser bis zur Mitte des Jahrhunderts nahezu klimaneutral werden, also fast ohne Heizöl und Erdgas auskommen. Doch jetzt zeigt sich, dass für den gigantischen Umbau das Geld fehlt. Nach der Bundestagswahl könnte deshalb auf die Bürger eine neue Abgabe zukommen – und auf die Politik ein Kampf um die Häuser.

Es geht um die Sanierung von Zehntausenden Gebäuden, die Deutschlands größte Energieschleudern sind. Auf sie entfallen 40 Prozent der insgesamt verbrauchten Energie, sie tragen rund ein Drittel zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) bei. In ihrem Energiekonzept hat die Regierung deshalb angekündigt, den Energiebedarf der Häuser bis zum Jahr 2050 um rund 80 Prozent reduzieren zu wollen. Die Sanierung des Gebäudebestandes sei "die wichtigste Maßnahme, um den Verbrauch an fossilen Energieträgern nachhaltig zu mindern und die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren", heißt es in dem Dokument.

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Viele Politiker nähren außerdem die Hoffnung, das Vorhaben senke die Kosten für eine warme Wohnung. Am günstigsten sei "diejenige Energie, die gar nicht erst verbraucht wird", erklären Joachim Pfeiffer und Thomas Bareiß, die für die Sache zuständigen Fachleute der CDU; dem Gebäudebereich komme hierbei "die Schlüsselrolle" zu. "Ohne den Gebäudesektor wird der Umbau der Energieversorgung nicht funktionieren", sagt Pfeiffer. Nicht einmal die Opposition opponiert in dieser Angelegenheit. Im "Regierungsprogramm" der SPD heißt es beispielsweise, die richtige Antwort auf steigende Energiepreise sei "die konsequente Steigerung der Energieeffizienz"; auch im Wohnungsbau sei noch viel zu holen.

Wärmedämmung: Schwache Wände

In Deutschland gibt es gut 18 Millionen Wohngebäude. Nach Angaben der Deutschen Energieagentur sind über zwei Drittel davon vor 1979 gebaut worden, also bevor es eine Wärmeschutzverordnung gab. Alte Häuser verbrauchen mehr Energie als neue. Bei 62 Prozent der älteren Wohngebäude ist mittlerweile das Dach oder die oberste Geschossdecke gedämmt worden; die Außenwände wurden allerdings nur bei 28 Prozent energetisch saniert.

Klein braucht mehr

Der Energieverbrauch von Gebäuden wird in Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr gemessen. Der Durchschnittswert liegt gegenwärtig bei 177 Kilowattstunden, das entspricht 17,7 Litern Heizöl. Ein Viertel aller Wohngebäude verbraucht allerdings mehr als 250 kWh, nur 8 Prozent begnügen sich mit 70 Kilowattstunden. Neubauten kommen mit rund 50 kWh aus. Ein- und Zweifamilienhäuser verbrauchen im Regelfall mehr Energie als Mehrfamilienhäuser.

Kein Wunder, dass vor Kurzem eine Schlagzeile der Tageszeitung Die Welt für helle Aufregung sorgte. Die große Lüge von der Wärmedämmung, titelte das Blatt. Die Zeitung hatte mit einer ähnlichen Schlagzeile zwar schon vor mehr als zwei Jahren Stimmung gegen die Gebäudesanierung gemacht ("Null-Emissionsstandard kostet 2,6 Billionen Euro"); damals kam die Angst einflößende Ziffer jedoch von der Lobby der Immobilienwirtschaft, während die aktuelle Hiobsbotschaft aus einer unverdächtigen Quelle stammt: von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Die KfW fördert die Gebäudesanierung mit öffentlichem Geld. Allerdings reicht die bisherige Hilfe – es sind vor allem zinsverbilligte Kredite – bei Weitem nicht aus, um die Ziele des regierungsamtlichen Energiekonzepts zu verwirklichen. Der Gebäudebestand müsste nicht nur schneller saniert werden, die Sanierung müsste auch gründlicher sein als heute, meinen Experten.

Das Forschungsinstitut Prognos hat der KfW nun bestätigt, dass beides möglich wäre, wenn die Förderung opulenter wäre. Unterm Strich entstünden so nicht nur neue Arbeitsplätze, die Wirtschaft wachse sogar etwas mehr, das Programm finanziere sich deshalb am Ende selbst, so die Studie. "Deutschland profitiert von der Energiewende", ließ die KfW freudig wissen, als sie die Studie veröffentlichte. Es war eine Botschaft an die Politik, mehr Mittel für die Bank lockerzumachen.

Ob die energetische Sanierung eines Gebäudes aus der Sicht eines potenziellen Investors rentabel ist oder nicht, damit beschäftigt sich die Prognos-Studie nur beiläufig – und missverständlich: 838 Milliarden Euro an Investitionen sind laut der Expertise bis zum Jahr 2050 aufzubringen, um die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erfüllen. Die eingesparten Energiekosten betragen laut Prognos aber nur 372 Milliarden Euro. Es bleibt also eine gewaltige Differenz in Höhe von 466 Milliarden Euro. Die KfW selbst kommentierte diese Zahlen in einer Pressemitteilung mit den Worten, die notwendigen Investitionen ließen sich "nicht allein aus den eingesparten Energiekosten refinanzieren".

Leserkommentare
  1. Ist auch eingerechnet, dass viele Häuser spätestens 20 Jahre nach der Dämmung wegen Bauschäden abrissreif sein werden? Und was passiert dann mit dem Dämmungsmüll?

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    Styropor und ähnlichen Materialien können Sie leicht z. B. dadurch verflüssigen und neuen Produktzyklen zuführen, dass sie etwas Aceton dazu geben. Dafür gab's schon vor Jahren mal einen Preis bei Jugend forscht.

    tausende Jahre nicht verrotten kann zu Bauschäden führen..

    Es gibt derzeit 10% Architekten die seit 30 Jahren Erfahrung haben mit Passivhäusern und Plusenergie Häusern, diese Erfahrung hat gezeigt ohne Architekten hat man Bauschäden.

    Jeder Hobby Architekt die weiteren 90% Prozent versuchen sich an Passivhäusern ohne Erfahrung.

    Gut Ausgebildete Planer kosten ihr Geld für eine nachhaltige und mit niedrigen Lebenslaufzykluskosten.

    Aber 60 Prozent der Bevölkerung baut ohne Planer und saniert mit Baumarktartikeln.

    Da ist es kein Wunder das nach 20 Jahren Bauschäden und Entsorgung auf sie zu kommen.

    eine MInderheit , die ökologisch korrekt leben will und sonst keine Probleme hat , will der Masse den korrekten Lebensweg aufzwingen. Das darf nicht sein!

    Bezeichnend ist einfach - und ja, liebe Zeit, bitte läschen sie das nicht- , dass die meisten Grünen eben Beamte sind und sich diesen Unsinn auf Kosten der Masse leisten können.
    Ehrlich gesagt, ist diese Haltung grob asozial und eine den Deutschen eigenes Wesensmerkmal, weil es anderorts keine so priviligierten beamten gibt!

    (zBsp gibt der RS-Optimist, KOmmentator, hier gibt zu in einem Beamtenwohnverein zu leben und glaubt, diese Vermietung sei repräsentatvi für alle Vermieter ..so viel Weltfremdheit muss es erst mal in einem Mensch geben)

    Alternativ zum teuren und aufwendigen Rückbau alter Dämmsysteme kann man diese auch "aufdoppeln". Das ist nicht nur billiger, sondern es entsteht auch weniger Müll. Außerdem müssen 2020 per Gesetz mindestens 70% der Dämmstoffe recyclebar sein: http://www.waerme-im-dial...

  2. Ich wohne seit fast 40 Jahren in einer Wohnung des "Beamtenbauvereins". Dieser Verein, ist gegründet worden, um Beamten bezahlbare Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Gründer müssen wahre Propheten gewesen sein, als sie diesen Verein in den 20er Jahren gegründet haben! Was diesen Verein aber so erwähnenswert macht, ist sein Art, wie er die Bausubstanz und Wohnungswerte, pflegt und erhält! Unter anderem ist man jetzt dabei, die Häuser "alle" neu zu isolieren mit Dämmplatten, Dachsanierungen, Fensteraustausch, alles was dieses Programm so hergibt. Bis heute haben wir Mieter noch nichts von einer Mieterhöhung gehört, sie wird mit Sicherheit, wie bisher immer nach Sanierungen, im akzeptablen Rahmen noch kommen. Warum schreibe ich das? Weil es verantwortungsvolle Vermieter gibt, die "nicht" warten bis sie gezwungen werden was zu tun, sie tun dies, weil sie die Wohnungen in einem guten, akzeptablen Zustand halten wollen und zufriedene Mieter haben möchten. Denn wie der Name ja schon sagt, es ist ein Verein, da möchte man zufriedene Mitglieder haben, sonst hat der Vorstand ein Problem!!!

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    in ihrem "Beamtenwohnverein" wird so viel staatliche subventioniert, dass sich ihr toller Vermieter das auch leisten kann.
    (die mesiten Zeitleser sind übrigens Beamte und wissen gar nicht, wie es ist die politischen Entscheidungen auf dem eigenen Buckel auszutragen).
    Ein normaler Vermieter wird eben bei so SChmarn , wie Energiewendegesetzen, viel auf die Mieter umlegen.
    (zBsp auch die tolle Vermögenssteuer der Grünen bzw. auch bei der ERbschaftssteuer wird dann ex ante aufgeschlagen)
    Schon toll, wie verblendet manche Menschen sind

  3. So wie die Herren Prof. G. Hauser und Prof. K. Sedlbauer (Fraunhofer-Institut für Bauphysik) für den Lobbyverband der Dämmstoffindustrie GDI publizieren,

    http://www.gdi-daemmstoff...

    hat andererseits ohne dafür gratifiziert worden zu sein, bereits seit Ende der 90er Jahre Prof. Dr. ing. Claus Meier, Nürnberg für alle Interessierten zugänglich auf seiner Homepage detailliert über den bauphysikalischen groben Unsinn der Wärmedämmung publiziert.

    Wenn selbst DIE WELT, sicher kaum das Kampfblatt der Linken und Mieterverbände, umfänglich über den Unsinn der Dämmung informiert

    http://www.welt.de/finanz...

    kann der Interessierte bezüglich der versprochen Energieeinsparversprechen schon mal skeptisch werden.

    Die unverdrossen unter „Gesparte Energie“ angeführten Berechnungen der Dämmstoffindustrie bezüglich einer Altbestandssanierung halten mit Ausnahme der Heizungsmodernisierung auch nicht im Entferntesten einer ingenieurwissenschaftlichen Überprüfung stand. Die wenigen bisher von seriösen, d. h. lobbyfernen Quellen publizierten Vor- und Nachheruntersuchungen sind bezogen auf das Renditeergebnis durchweg ernüchternd.

    Eine an dem Lebenserwartungszeitraum orientierte Amortisation ist nicht darstellbar!

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    Haben Sie den Artikel, den Sie kommentieren, nicht gelesen? Darin wird erklärt, dass jedes Haus in Abständen erneuert werden muss und dass wenn man die Erneuerung mit einer Dämmung kombiniert, die Kosten für die Dämmung sich stark reduzieren. Allerdings fürchte ich, dass das Überlesen der relevanten Passagen bei Ihnen kein verständiges sondern ein ideologisches Problem sein könnte. Das gab's bei ökologischen Zukunftsthemen schon öfter. Das ist in Grenzen normal. Das ist schlicht der Unwille, etwas zu verändern. Wenn's schlimm kommt, die Angst vor Neuem.

    "Styropor als Fassadendämmstoff ist häufig das Material der Wahl, wenn Häuser wärmegedämmt werden sollen. Doch das kann verheerende Folgen haben: für das Raumklima und auch im Brandfall.

    Bereits vor einem Jahr haben wir uns mit dem Thema Wärmedämmung beschäftigt und auf Risiken und Probleme hingewiesen.

    Vor allem unser Brandtest mit dem Wärmedämmstoff Polystyrol sorgte bundesweit für Aufsehen.

    Nach wie vor ist die Frage: Wer profitiert wirklich von ständig verschärften Energiesparverordnungen und dem dadurch angeheizten Boom der Wärmedämmverbundsysteme: die Bewohner, die Umwelt oder nur die Lobby?"
    http://www.ndr.de/ratgebe...

  4. ... wer zig-tausende Euro für schon ein kleines Haus investiert um damit 500 Euro im Jahr zu sparen (50% unserer derzeitigen reinen Heizkosten), dem ist nicht mehr zu helfen. Selbst wenn sich die Energiepreise verdoppeln würde ich eine schwarze Null dieser Investition selbst mit staatlicher Hilfe und einer Lebenserwartung von 150 Jahren nicht mehr erleben. Dazu noch Brandgefahr etc.

    Unsinn hoch drei. Freiwillig nie.

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    Wenn Sie ein Haus mit nur ein paar zig-tausend Euro gekauft haben, dürfte das schon ein älteres sein. Wenn da die Holzfenster alle paar Jahre neu gestrichen werden müssen, kommen Ihnen die Vorteile von Plastikfenstern von Mal zu Mal bedenkenswerter vor. Wenn Sie keine 150 Jahre alt werden wollen, um von deren Vorteile noch zu partizipieren, sollten Sie sie eher früher als später einsetzen. Machen Sie's in kleinen Häppchen, wenn sie die Kosten fürchten. Zuerst die Nordseite, dann die Ostseite usw.

    Wenn der Putz erneuert werden muss, gehen sie die Dämmung an. Eben wie im Artikel beschrieben, sollten Sie die Renovierungen sinnvoll kombinieren.

    Wenn davon 50% eingespart werden = 7 % der Heizkosten !

  5. Und später, wohin mit dem Sondermüll?

    Es ist bislang kein Verfahren zur Trennung der Fraktionen der Wärmedämmverbundsysteme als einsatzreif bekannt. Wenn es denn überhaupt der Gesundheit zuträglich ist: In ca. 20 % aller nachträglich gedämmten Wohnungen sind massive Schimmelprobleme die Folge – aus verschiedenen Gründen und dies ist einen ENTWERTUNG des Immobilienvermögens – derzeit ein großes Thema der Immobilienwirtschaft.

    Bauphysikalisch werden viele in der Baustellenpraxis realisierten Objekte als mittlerweile bedenklich eingestuft: Die Probleme der „abgesoffenen Dächer“ bis hin zur unbeherrschbaren Taupunktproblematik (Stichwort Schimmelbildung) ist bekannt und führen oft zum drastischen Werteverfall der sanierten Immobilie.

    Dass die lobbygesteuerten Politiker, dieser Markt ist viele Milliarden groß, dieses Wissen unterdrücken, die bei nachträglicher Dämmung oftmals eingebauten Bauschäden ignorieren, ist typisch für die heutige Verfassung in diesem Land! So werden Mieter und Eigenheimbesitzer auf dem Altar des Gewinnstrebens geopfert!

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    Schimmelprobleme die Folge"

    Wenn das bekannt ist, wäre es ja eigentlich sinnvoll über automatische Lüftungssystem nachzudenken.

    Solche Lüftungssystem können unterschiedlich aufwendig realisiert sein. Die edelste Variante ist ein Luftaustauschsystem, bei dem per Wärmetauscher die neue, trockene Luft von draußen mit der Wärme der alten Luft auf nahezu Raumtemperatur aufgewärmt wird.

    Ergebnis ist eine immer superfrische Luft, die kaum noch extra aufgeheizt werden muss und die sogar puffert, dass das neue Ledersofa etwas eigentümlich riecht oder die MDF-Schrankwand etwas mehr Chemikalien emittiert, als gut ist.

    Schimmeln tut da nur noch der Camembert.

    • Plupps
    • 20. April 2013 10:03 Uhr

    Das Fass ob die Art der jetzt verwendeten Dämmung überhaupt nachhaltig ist, oder eher Sondermüll lohnt sich nicht aufzumachen.

    Wer ein 60er Jahre Einfamilienhaus mit etwa 120 qm Fläche besitzt und eine komplette Dämmung, neue Heizung und neue Fenster einbaut, muss mit Kosten von minimal 70.000 Euro rechnen. Sollten Abweichung von Standardmaßen etc vorliegen werden es schnell 85.000.

    Dann ist das Haus im Zuschnitt, Fliesen und dem größten Teil der Subvstanz etc aber immer noch 60er-Jahre-Look und 50 Jahre alt. Rasiert man die Hütte ab und baut neu liegt man zwischen 150.000 und 200.000 Euro und hat in jedem Fall ein größeres und besseres Haus.
    Grundsätzlich muss man die Abschreibung eines Hauses ohnehin neu berechnen. Wenn Folien und Dämmung nur eine zu erwartenden Lebnsdauer von 20 bis maximal 30 Jahren haben sollten, steht dann die nächste Groertüchtigung an. Die Kosten von 70.000 Euro (plus Zinsen) müssen dann auf diese Jahre komplett umgelegt werden. Ich selbst würde zweifeln, ob ein nachgedämmtes Haus die Luftdichtprüfung auch nach zehn Jahren noch übersteht.

    Persönlich glaube ich, dass man am besten fährt wenn man gar nichts macht und in zehn Jahren entscheidet. Und Politker Ziele? Das ist ja keine innere Verpflichtung, häufig sind die ja schön dumm dran, die den Wünschen der Politkaste folgen

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    Ihre Berechnungen stimmen mit den meinen für Omas Häuschen überein. Ihre Schlussfolgerungen ebenso.

    Nur sind Mieter nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden, haben gleichwohl mit 11% jährlich die Modernisierungskosten die Aufwendungen letztlich in voller Höhe zu tragen, bei ungewissem Erfolg und je nach Baustellenpraxis dem sodann erhöhten Risiko der Schimmelbildung.

    Die Industrie hat auch schon das Desaster der verschimmelten Wohnungen reagiert: So werden nunmehr z. B. für Mehrfamilienhäuser hochwertige Isolierfenster mit Gasfüllung und Dreifachverglasung in integrierten Zwangsentlüftungen verkauft, d. h. man bohrt einfach Löcher in den hochwertigen Rahmen…

    Und die Mieter werden derzeit von den Gerichten zum regelmäßigen Lüften verurteilt – sehr lebensfern!

    Sehe ich genauso! Meine Eltern wohnen z.B. in ihrem selbstgebauten Häuschen aus den sechzigern. Eine Superdämmung nach neuesten "Anforderungen" würde sich nie rechnen. Und solche Häuser der BJ 1950-1970 bilden oft ganze Stadt- bzw Ortsteile.

    Davon abgeshen brauchen meine Eltern - trotz Nulldämmung- aber relativ wenig Öl und auch Gesamternergie (Kleine Zimmer, nur ein Teil davon wird im Winter beheizt und zusätzlich Kachelofen). Ja, in meiner Jugendzeit, hatte ich halt Eiskristalle am Fenster im OG. Schlafzimmer wurden/werden meist nicht beheizt.

    Würde man hier nun zu restriktive Vorgaben machen, käme dies einer Entwertung bis schleichender Enteignung gleich. Für viele dieser älteren Hausbeitzer +- 70 Jahre ist ihr Häuschen ihr ein und Alles und von sehr großem (persönlichem) Wert. Jetzt kommt mal Einer und sagt diesen Leuten Ihr Häuschen sei sanierungs- oder abruchreif......

    Aber daraus eine Verpflichtung zu machen, finde ich abenteuerlich!

    Die Diagnose, daß die Mittelschicht langsam aber sicher zugrunde gerichtet wird, sollte nun langsam mal ernst genommen werden. Haben sich die Herren auch mal Gedanken gemacht, wie ein kleiner Wohneigentumsbesitzer das alles immer bezahlen soll?

    Die Lobby der Dämmstoffindustrie hat gute Arbeit geleistet: Klar, wo "Umweltschutz" draufsteht – dafür ist Brüssel immer zu haben! Moral hin, Profit her.
    An den aus dem letzten Loch pfeifenden Kleinverdiener, dem man mit diesen Paragrafen auch noch die letzten Ersparnisse aus der Tasche ziehen will, um diese an die Dämmstoffindustrie umzuverteilen, hat natürlich wieder niemand gedacht.

    Zumal man bitte Folgendes der Vollständigkeit auch erwähnen sollte:
    - Dämmstoffe sind teilweise hoch(!)giftig, und die Gifte können durch Auswaschung und Ausdünstung in die Umwelt gelangen. In der Schweiz soll es in der Nähe neu errichteter Wohnsiedlungen bereits vollkommen tote Bäche geben.
    - Dämmstoffe halten nicht ewig, sondern müssen oft nach wenigen Jahrzehnten erneuert werden
    - Jedes Gebäude ist anders. Nicht immer ist also eine energetische „Sanierung“ nach Schablone sinnvoll. Schon von daher sollte man sich mit Verpflichtungen zurückhalten
    - Und schließlich das Allerwichtigste: Um Dämmstoffe zu herzustellen, wird viel Energie verbraucht! Man sollte also sorgfältig abwägen, in welchem Verhältnis die spätere Energieersparnis zum Energieverbrauch der Dämmstoffproduktion steht!

    • output
    • 20. April 2013 11:08 Uhr

    Nur mit einem Neubau lassen sich moderne Wärmedämmung und Belüftung realisieren. Die nachträglich eingebaute Wärmedämmung hat noch zu viele Unbekannte, deren Auswirkungen sich heute noch nicht erkennbar sind. Insoweit stimme ich ihnen zu.

    Kritik habe ich aber an ihrer Kostenrechnung. Zitat: „Rasiert man die Hütte ab und baut neu“ käme man auf Neubaukosten zwischen 150T€ bis 200T€. So weit so gut. Doch hierbei haben sie offensichtlich die Kosten für das >Abrasieren< ausgeblendet. Der Abriss schlägt kostenmäßig enorm zu Buche. Ich schätze ihn auf rund ein Drittel des Neubaus.

  6. ..mit an der Fassade aufgeklebten Styropor-Blöcken - dilettantischer geht's nicht. Die Probleme, die dabei auftreten, wurden vorher schon in manchen Kommentaren angesprochen.

    Wollte man wirklich Energie- und Kosten-sparende Häuser bauen, erforderte dies ganz neue Denkansätze und Technologien, die zu bestehenden Bauwirtschaft überhaupt nicht kompatibel sind. Man sollte sich daher meiner meiner Meinung nach auf energieeffiziente Neubauten konzentrieren bevor man schöne Altbauten verschandelt.

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    ... würde ich mir hier ein hübsch gelegenes Grundstück kaufen und ein Erdschiff in/an einen Hügel bauen. Günstiges bauen durch Recycling, energieeffizient, autark.

    Aber in diesem Bürokratenland kriegt man ja keine Baugenehmigung für Erdschiffe, hier ist alles auf konventionelle Häuser ausgelegt.

    Ich kenne das problem ,was geschieht wenn man eine alte haus dämmt?
    Ganz einfach,da leben die menschen dort drinnen mitten im schimmel paradies,ich wohne in so ein haus,ständig am kämpfen mit schimmel,und,wasser an die wände,solche häuser gibt es genügend im Deutschland.
    Frage mich ob da nicht ein absicht drin stecht,denn wenn menschen dort leben werden sie alle krank und sterben irgenwann,und es gibt dann weniger treibstoff produzenten.
    Was wir brauchen ist nicht flickscusterei sondern planung am bau,moderne und bezahlbare häuser.

    • bayert
    • 20. April 2013 10:14 Uhr

    die Außenwand ist für 30 und 40% des gesamten Wärmeverlustes verantwortlich. Die Dämmung der Keller- und obersten GEschossdecke bring zusammen etwa so viel, wie eine Dämmung der Außenwand, ist aber meist deutlich preiswerter (und einfacher).

    Das große Problem bei der nachträglichen Dämmung ist, dass die Belüftung ausgespart wird. Ohne Belüftungsanlagen kann der Wohnkonfort sinken (ich kann Belüftungsanlagen nur wärmstens empfehlen). Der nachträgliche Einbau einer zentralen Belüftungsanlage ist aber schwierig und teuer.

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    Mit Hilfe einer Rohrleitungskamera wie sie bei Hauskanalinspektionen eingesetzt wird, sind auch die von Ihnen empfohlenen Belüftungsanlagen zu durchfahren. Die Ergebnisse bei seit einigen Jahren in Betrieb befindlichen Systemen sind teilweise gruselig, weil sie oft nicht gesäubert und gewartet werden. Die Schmutzablagerungen bilden zusammen mit der üblichen Feuchtebelastung aus der Normalnutzung einen idealen Nährboden für Mikroorganismen, dem die Bewohner nicht entrinnen können.

    Interessant ist, dass es für die notwendige Pflege dieser Anlagen kaum Hinweise und keine Vorschriften gibt.

    Verständlich, dass die mit den gesundheitlichen Folgen belasteten Bewohner oft nicht die Ursachen ihrer Beschwerden erkennen.

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  • Schlagworte Gebäude | Sanierung | Energiewende | Energiepolitik
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