Sie müssen auf alles eine Antwort haben. Oder wenigstens wissen, wen sie fragen können. Ob man bei Verabredungen zu Telefonterminen den Zeitunterschied zu Deutschland in die Mail schreiben soll. Welche Schulen es für den zweisprachigen Nachwuchs gibt. Wie man in München am besten eine Wohnung findet. Ob die sri-lankische Partnerin in Bayern wohl Anschluss findet?

Wer bei Kerstin Dübner-Gee und ihrer Kollegin Gerlinde Baumer in München anruft, lebt und arbeitet im Ausland, plant aber eine Rückkehr nach Deutschland. Genauer: nach Bayern. Und ist Akademiker, meist Ingenieur oder Naturwissenschaftler, und sucht hierzulande einen Job in der industriellen Forschung oder im Projektmanagement. Anlaufstelle ist das Büro von "Return to Bavaria" – einer Initiative des bayerischen Wirtschaftsministeriums, die hoch qualifizierte deutsche Fachkräfte, die im Ausland arbeiten, für den heimischen Arbeitsmarkt begeistern soll.

Denn Deutschland fehlen die Fachkräfte. In den nächsten zwei Jahren, so eine Studie der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), können deutschlandweit rund eine Million Stellen für Akademiker nicht besetzt werden, davon 280.000 für Ingenieure. Im Jahr 2035 werden vier Millionen Stellen unbesetzt sein, wenn nichts dagegen unternommen wird.

Vor allem Ingenieure, IT-Experten, Ärzte und Pflegekräfte müssen her – auch aus dem Ausland. Die Bundesregierung führte deshalb für Akademiker erst die Green Card ein und vergangenes Jahr die Blue Card, die es Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern erleichtern sollen, in Deutschland zu arbeiten.

Welcher Mittelständler lädt schon einen Bewerber aus den USA ein?

Mittlerweile versuchen auch einzelne Bundesländer, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben: Hessen wirbt in Spanien um Pflegekräfte, Nordrhein-Westfalen hat ein Rückkehrerprogramm für Nachwuchsforscher aufgelegt, und Bayern hat die Initiative "work-in-bavaria" gestartet. Ein Baustein davon ist das "Return to Bavaria"-Büro, das im Januar eröffnet wurde, als erste Anlaufstelle für Rückkehrwillige.

Oft haben diese nach dem Studium mit einem staatlichen Stipendium für einen Forschungsaufenthalt Deutschland verlassen und sind dort, wie Monika Wilhelm, Projektleiterin von "Return to Bavaria" sagt, "von bayerischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen ein bisschen vergessen worden, während sie von den Unternehmen des Ziellands intensiv umworben werden".

Vor allem Mittelständler scheuen sich, für ein Vorstellungsgespräch Bewerber aus dem Ausland einzuladen. Denn in Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch darauf, dass Reisekosten für ein Vorstellungsgespräch vom potenziellen Arbeitgeber gezahlt werden müssen. Welcher Mittelständler aber lädt einen Bewerber aus San Francisco zum Gespräch und zahlt tausend Euro für Flug und Unterkunft, wenn es auch einen Bewerber aus Frankfurt oder Fürstenfeldbruck gibt?