Es ist eine alte Geschichte, aber sie wirkt erstaunlich neu: Irgendwo in Schweden, wo Mütter und Kinder blond und pragmatisch und die Reihenhaussiedlungen hell und staubfrei sind, hält man sich Haussklaven aus Elaste, Kunsthaar und Chipkarte, die alles können, was Menschen können – arbeiten, Auto fahren, Sex machen. Und darüber hinaus aber noch ein paar Kleinigkeiten mehr, an denen selbst die perfekten Schweden manchmal scheitern – immer nett sein, nie die Geduld verlieren, Alte pflegen, Kindern vorlesen, immer zuhören, nie widersprechen, jeden Morgen den Frühstückstisch decken.

Die Hubots, wie die Maschinenmenschen in Lars Lundströms Drehbuch heißen, werden nicht bei Fackelschein und mit einem dampfenden Gebräu aus Fliegenbeinen des Nachts auf dem Krähenhügel zusammengezaubert, sondern in Hubot-Märkten von biederen Angestellten im gedeckten Anzug verkauft. Sie sind je nach Programmierung abgerichtet auf die Nöte junger Familien, älterer, frustrierter Ehefrauen oder rüstiger Senioren. Sie eignen sich als Arbeitssklaven in der Industrie, als Sexsklaven, als Liebhaber und Fitnesstrainer.

Dauerlächelnde, gefühls- und faltenlose Androiden

Das Verrückteste und beste an dieser Serie ist die Normalität der Computermenschenwelt. Die dauerlächelnden, gefühls-, fett- und faltenlosen Androiden essen nicht, rauchen nicht, sündigen nicht, lügen nicht, machen sich nicht wichtig und sind nicht geldgierig. Ihre Nächte verbringen sie still und bescheiden auf dem Küchenstuhl neben der Steckdose. Alles Subjektive, das im Räderwerk der Hocheffizienzgesellschaft gelegentlich knirscht, ist aus ihnen herausprogrammiert.

Die Serie ist originell, weil sie den alten Golem-Mythos (der Mensch schafft sich einen künstlichen Gefährten und verliert die Herrschaft über ihn) umdreht: Das Problem ist nicht die neue Maschine, das Problem ist der alte Mensch. Er hält nicht mit. Das Unechte ist das neue Echte: Vom Leben ramponierte Ehemänner werden von ihren Frauen für blendend aussehende Hubots verlassen, Opa bekommt seinen Kamillentee von einem Hubot mit Schürze und Dauerwelle. Alle sind begeistert. Die fortschrittlichen Schweden sorgen sich alsbald darum, ob Mensch und Hubot nicht heiraten und Kinder adoptieren dürfen. Und überhaupt: Brauchen Hubots nicht geregelte Arbeitszeiten?

Die Zukunft liegt bei leicht mutierten Über-Kunstmenschen

"Mein wirkliches Leben ist in die Ritzen zwischen mir und meinem Film gefallen", schreibt David Shields in Reality Hunger, seinem vor drei Jahren in New York erschienenen Essay über die neue Ununterscheidbarkeit zwischen "echt" und "unecht". Und auch Lars Lundströms Serie macht wenig Aufhebens davon, dass sich mit den alten Authentizitätsvokabeln keine Geschichte mehr erzählen lässt. Eine Partei, die für "echte Menschen" eintritt, besteht nur aus einem Häuflein Loser und rührender Deppen, die in längst verlassenen Begriffsruinen wie "die Natur des Menschen" herumtappen.

Die Zukunft liegt bei den leicht mutierten Über-Kunstmenschen, die herrenlos durch die schwedische Serie marodieren, auf der Suche nach einem maschinenfreundlichen Leben im Posthumanismus. Wenn die Maschinen, mit denen wir Tisch und Bett teilen, eines Tages die Augen aufschlagen, werden wir uns nach dieser Serie nicht mehr wundern.

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