Zahlreiche Geldinstitute bauen derzeit Stellen ab. Die Commerzbank kündigte Ende Februar an, 1.800 Jobs in Deutschland zu streichen. Die HypoVereinsbank will mehrere Hundert Mitarbeiter loswerden, und auch bei der Deutschen Bank steht ein Sparprogramm bevor. Die Geldhäuser leiden darunter, dass viele Anleger angesichts der Schuldenkrise zögern, in Fonds oder Versicherungen zu investieren. Deshalb fehlen Provisionseinnahmen. Zudem erschweren die Skandale der Vergangenheit die Akquise neuer Kunden. "Das Vertrauen zurückzugewinnen wird die wichtigste Aufgabe aller Banken in den kommenden Jahren sein", sagt Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Aller Banken? Nicht ganz. Banken, die Kredite nach ökologischen und sozialen Kriterien vergeben, erleben einen Ansturm. So begrüßte die GLS Bank 2012 rund 27.000 neue Sparer – ein Plus von 23 Prozent. Die Einlagen, die Kunden auf Sparkonten des Instituts parken, wuchsen um 20 Prozent. Ähnlich gute Zahlen meldeten die Umwelt-, die Ethik- und die Triodos Bank.

Mit rund 300.000 Kunden sind die grünen Geldhäuser Nischenanbieter. Doch der Wandel zu ernsthaften Wettbewerbern ist in vollem Gange. Und das Potenzial ist groß: Laut einer Studie des Beratungshauses zeb und des Marktforschungsinstitutes puls sind 16 Millionen Deutsche für "sozial-ökologische Bankangebote" empfänglich.

Kein Wunder, dass die Etablierten – etwa die Sparkassen – nun reagieren und sich ebenfalls in zunehmendem Maße als nachhaltig präsentieren.

Das Konzept der grünen Institute ist einfach: Hier bekommt nicht jeder Kredit, Geld gibt’s nur für ökologische, soziale und kulturelle Projekte. Neben Hausbesitzern, die energetisch sanieren, gehören Ökobauern, Bioläden und Windparkbetreiber genauso zur klassischen Klientel wie Sozialunternehmer, die Kindergärten oder Behindertenwerkstätten eröffnen.

Dadurch wissen Sparer, was mit ihren Ersparnissen geschieht – zumal die Ökoinstitute ausgiebig über Projekte informieren, die sie finanzieren. Auf der Homepage der Triodos Bank etwa finden Kunden detaillierte Angaben zu Dorfkäsereien, Hühnerfarmen, Solaranlagen und Windparks, die einen Kredit erhielten.

Das kommt an: 2012 gewann Weltmarktführer Triodos, der erst seit 2010 in Deutschland aktiv ist, 2.200 Kunden – ein Plus von 85 Prozent. "Wir kommen natürlich von einem niedrigen Niveau", sagt Deutschland-Geschäftsführer Georg Schürmann. "Aber es läuft besser als geplant, und wir gehen davon aus, dass wir im laufenden Jahr ein ähnlich hohes Wachstum verzeichnen wie 2012." Auch bei der GLS Bank erwartet man, das Tempo beizubehalten.

Entsprechend selbstbewusst treten die Ökoinstitute auf. Im Rahmen des Kongresses der Global Alliance for Banking on Values am 13. März gaben 22 Nachhaltigkeitsbanken aus aller Welt eine "Berliner Erklärung" ab, in der sie einen "fundamentalen Wandel" der Finanzbranche sowie "mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Vielfalt" forderten. Der Zeitpunkt, um Aufmerksamkeit auf das Geschäftsmodell zu lenken, ist günstig: Klassische Geldhäuser sind kleinlaut damit beschäftigt, ihre unrühmliche Vergangenheit aufzuarbeiten, wie die Skandalserie der vergangenen Monate zeigt.

Angesichts ständiger Negativschlagzeilen ist das Image der Branche schlecht wie nie. Laut einer Umfrage, die die Gesellschaft für Konsumforschung im Februar veröffentlichte, vertrauen nur 29 Prozent der Deutschen ihrer Bank. Im Vorjahr waren es 36 Prozent. Je dunkler das Gesamtbild, desto heller erstrahlen die Alternativen GLS, Triodos & Co. "Jeder Skandal im klassischen Bankgewerbe führt dazu, dass Kunden zu einer nachhaltigen Bank wechseln", sagt Schürmann. Sie gelten als die Guten, denen es nicht um Profitmaximierung geht. "Der Zuwachs ist zum Teil Protestkunden zu verdanken", sagt der Darmstädter Bankenprofessor Dirk Schiereck. Aber auch die Zahl der Anleger wachse, die aus Überzeugung nachhaltig investierten.