Maik und Sylvia Eminger hängen der Blut-und-Boden-Ideologie der NSDAP an und glauben, dass ein echter Deutscher nur auf seiner eigenen Scholle glücklich wird. 2005 zieht das Paar nach Brandenburg, in acht Jahren bekommen sie fünf Kinder, denen sie germanische Namen geben. Einen ihrer Söhne nennen die Emingers mit drittem Namen Adolf.

Auch André und Susann Eminger in Zwickau bekommen Kinder, zwei Söhne. Die Familien besuchen sich, zu Weihnachten gestaltet André Grußkarten mit einem Hakenkreuz. Bekannten schickt er SMS, die mit "heil" oder "ein erfolgreiches kampfjahr" enden. Freunden schickt er eine Einladung zu einer Führung durch die Burg Schönfels bei Zwickau: "Je nachdem wie die Stimmung ist, werden wir selber singen, natürlich alte HJ-Lieder, wie es sich für Nationalsozialisten gehört."

Jedes Jahr organisieren Maiks und Andrés Eltern ein großes Familientreffen in Johanngeorgenstadt, zu dem nicht nur die Zwillinge, sondern auch die beiden anderen Geschwister mit ihren Familien kommen: der Bruder und die ältere Schwester, eine Rechtsanwaltsgehilfin. Beide haben mit der Naziszene nichts zu schaffen. Einmal beginnt Maik auf der Terrasse eine Grundsatzdiskussion über das "Dritte Reich". Sein Schwager bittet ihn, damit aufzuhören. Als Maik weiter fabuliert, wird der Schwager laut, er ist kurz davor, zuzuschlagen, wie er den Ermittlern später sagt. Erst als die Schwester darum bittet, das Geschrei bleiben zu lassen, legt sich der Streit.

Später bekommt die Schwester per E-Mail ein Foto von ihrem jüngeren Bruder geschickt, auf dem ein Hakenkreuz zu sehen ist. Sie retuschiert es weg, bevor sie ihren Kindern das Bild von Onkel Maik zeigt.

André Eminger gibt sich in der Öffentlichkeit unauffällig, seitdem sein erster Sohn geboren wurde. Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel weichen mittellangem Haar, Kinnbart und einfachen Turnschuhen. Seine wahren Ansichten trägt er auf der Haut: Neben dem judenverachtenden Tattoo hat er ein Horst-Wessel-Porträt auf der Brust, eine "Schwarze Sonne" aus drei übereinandergelegten Hakenkreuzen am Bein, einen Wehrmachtssoldaten am Arm.

Der Versuch, als normale Familie wahrgenommen zu werden, gelingt. Bekannte beschreiben André und Susann Eminger als sehr kinderlieb. Sie seien ruhige, stille Hausbewohner gewesen, sagen die Nachbarn in Zwickau. Auch der Vorstand der Kleingartenanlage Heimattreue e. V. kennt sie nur als unauffällige Pächter.

Mit ihrer scheinbaren Normalität verhindern André und Susann Eminger, dass ein Verdacht auf das NSU-Trio fällt, das in Zwickau mehr als ein Jahrzehnt lang wenige Kilometer entfernt von ihnen lebt. Fast jede Woche besucht Susann Eminger ihre Freundin Beate Zschäpe. Sie bringt die Kinder mit, die bei Zschäpe in der Badewanne plantschen und mit ihr und den Katzen zum Tierarzt gehen. Im Zwickauer Brandhaus findet die Polizei später eine Lego-Kamera, einen Spielzeughubschrauber, ein Kinderfahrrad und ein Foto, das Zschäpe und Susann Eminger Arm in Arm zeigt.

Die Freundschaft zu den Emingers rettet den NSU im Winter 2006. Zu diesem Zeitpunkt hat das Trio bereits elf Banken überfallen und eine beispiellose Blutspur in ganz Deutschland hinterlassen. 800 Zinknägel zerfetzten 2004 die Haut von 22 überwiegend türkischstämmigen Männern und Frauen in der Kölner Keupstraße. Im Sommer 2006 verblutete der 21-jährige Halit Yozgat hinter dem Tresen seines Internetcafés in Kassel, Böhnhardt und Mundlos hatten ihm zweimal in den Kopf geschossen. Auch die acht vorherigen Opfer starben durch Schüsse ins Gesicht.

An einem Dezembermorgen 2006 klingelt es in der Wohnung, in der sich die Untergetauchten verstecken. Beate Zschäpe öffnet, vor ihr steht ein Polizist. Es geht um einen Einbruch bei einem Nachbarn. Der Beamte bittet Zschäpe um eine Zeugenaussage. Sie stammelt, sie habe keine Zeit.

Sie wird auf die Polizeiwache geladen, um dort auszusagen, ob sie etwas von dem Einbruch mitbekommen habe. Aber Zschäpe ist das einzige Mitglied der Terrorzelle, das keinen gefälschten Personalausweis besitzt. Sie steckt in der Klemme.

André Eminger hilft. Er gibt ihr den Ausweis seiner Frau Susann und begleitet Zschäpe auf die Wache. Nach einer Dreiviertelstunde darf das vermeintliche Ehepaar Eminger wieder gehen, der Polizist hat die Lüge geglaubt. Näher kam die Polizei den Terroristen in all den Jahren nie. Ohne die Unterstützung von André Eminger wäre der NSU damals wohl aufgeflogen.

Dabei ist André Eminger den Behörden in Sachsen seit den Jahren der "Weißen Bruderschaft" kein Unbekannter. Im März 2003 sprechen ihn Beamte des Verfassungsschutzes an. Sie wollen ihn als V-Mann werben. Eminger antwortet, er sei ausgestiegen, und seine Familie sei jetzt das Wichtigste in seinem Leben. Weitere Gespräche lehne er ab, sagte er den Verfassungsschützern.

Die Beamten glauben ihm. Zwei Jahre später organisiert Eminger eine Rassenkundeschulung für 40 Neonazis. Auf Fotos, die 2007 aufgenommen wurden, zeigt er den Hitlergruß. 2011 findet das LKA auf seinem Rechner eine Hakenkreuzfahne und Hitler-Bilder. Sein Kundenkennwort bei seinem Mobilfunkanbieter lautet: "HorstWessel".

Während André Eminger den NSU unterstützt, macht sich Maik in der Naziszene einen Namen als Wander-Tätowierer. Er gilt als vielseitig, hat Kunden in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Auch André und dessen Freunde lassen sich bei ihm tätowieren. Maik Eminger aber trägt seine Ideologie noch auf anderen Wegen in die Welt.

Der Vater sagt zu Freunden: "Meine Jungs kommen nicht in den Knast"

Auf einer Website, deren Inhalte nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden teilweise Maik Eminger zuzuschreiben sind, heißt es unter anderem, das deutsche Volk bestehe "nur noch aus Völker- und Rassenbastarden bzw. aus erbkranken Individuen". Der einzige Ausweg sei "der Nationale Sozialismus", der "nur durch fortgesetzte und dauernde Erziehung angestrebt, erreicht und erhalten werden kann".