Musiker Peter Plate"Ich war 20 Jahre lang der Onkel von Rosenstolz"

Sein Leben war Arbeit und Party – jetzt lebt Peter Plate monogam und singt erstmals ohne seine Band Rosenstolz. von 

Peter Plate bei einer Filmpremiere 2009

Peter Plate bei einer Filmpremiere 2009  |  © Jens Kalaene/dpa

ZEITmagazin: Herr Plate, mit "Schüchtern ist mein Glück" haben Sie zum ersten Mal ein Album ohne die Band Rosenstolz produziert. Warum?

Peter Plate: Nach 20 Jahren Rosenstolz hatten Anna und ich den Wunsch, mal etwas anderes zu machen. Für eine Band ist das eine sehr, sehr lange Zeit. Ich war 20 Jahre lang der Onkel von Rosenstolz.

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ZEITmagazin: Ist der Neuanfang vielleicht auch eine Antwort auf Ihr Burn-out vor vier Jahren?

Plate: Burn-out ist ein komisches Wort. Als der Arzt mir das sagte, kannte ich es natürlich schon, aber damals wurde es gerade zum totalen Modewort. Jeder schrieb ein Buch darüber. Jetzt hatte auch ich dieses Etikett. Vielleicht muss ich einfach anerkennen, dass ich depressive Schübe habe.

PETER PLATE

45, lernte 1991 die Sängerin AnNa R. kennen, mit der er das Duo Rosenstolz gründete und bald darauf das erste Album herausbrachte. 2011 machte Plate die Trennung von seinem langjährigen Partner öffentlich, im Dezember 2012 gab Rosenstolz bekannt, eine Pause auf unbestimmte Zeit einzulegen

ZEITmagazin: Jedenfalls haben Sie erst mal weitergemacht mit Rosenstolz.

Plate: Ich kannte es nicht anders: Ich war der Peter von Rosenstolz, und so war für Anna und mich klar: Sobald ich halbwegs genesen bin, machen wir weiter. Dazu muss ich sagen: Rosenstolz hat immer funktioniert, weil wir so viel Spaß hatten. Bei der letzten CD haben wir festgestellt, dass uns der Spaß abhandengekommen ist. Ob das mit dem Burn-out zu tun hat? Vielleicht.

ZEITmagazin: Was heißt es, wenn der Spaß abhandenkommt?

Plate: Rosenstolz war immer ein Abenteuer. Ich ging nach Berlin und habe mein Studium geschmissen. In den frühen Neunzigern war deutsche Musik tot. Es gab Schlager, sonst nichts. Wir machten deutsche Musik. Die wollte keiner hören. Also haben wir uns über die schwul-lesbischen Bühnen und über die Kleinkunst nach oben gespielt. Bis 1998. Dann gab es den ersten kleinen Erfolgsschub. Mit Liebe ist alles wurde Rosenstolz auf einmal groß. Und wenn etwas groß wird, verändert es seinen Charakter.

ZEITmagazin: Macht Kämpfen mehr Spaß als Ankommen?

Plate: Ich liebe das Kämpfen mehr. Nach so einem Erfolgsalbum sagen alle: Spürt ihr Druck? Und man sagt natürlich: Nein. Aber man stellt fest, dass man anfängt, sich zu wiederholen. Und fragt sich: Wofür strampelt man eigentlich? Um oben zu bleiben? Oder um würdevoll abzusteigen?

ZEITmagazin: Aber von Ihrem Neustart geht auch Druck aus.

Plate: Ich weiß, was ein Fan ist. Als Zehnjähriger war ich Abba-Fan, und als die Band auseinanderbrach, war das für mich ganz schlimm. Deshalb weiß ich: Ich muss die Leute jetzt wirklich überzeugen mit meiner Musik, denn die hätten natürlich lieber ein Rosenstolz-Album.

Das war meine Rettung
Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen   |  © qsus/photocase

ZEITmagazin: Wie wird man zum Workaholic?

Plate: Mir hat das einfach wahnsinnig Spaß gemacht, ständig über die eigenen Grenzen zu gehen. Irgendwann merkte ich: Mein Privatleben stimmt nicht mehr! Na, dann arbeite ich eben einfach noch mehr. Dann gab es nur noch Arbeit oder Party, nichts dazwischen. Das macht auf Dauer einsam. Heute ist die Arbeit meine Party. Die Party an sich brauche ich nicht mehr, denn ich bin jetzt in einer glücklichen Partnerschaft. Ich renne mit 45 nicht mehr in die Disco, aber wenn ich auf der Bühne noch so ein bisschen rumstrampeln kann, ist das toll.

Leserkommentare
  1. "Fernsehen ist ein Erotikkiller. Macht einfach müde. Wie soll man sich danach noch aufraffen?"
    Ja, raus mit dem TV-Gerät!!!

    Und da ich das früher nicht persönlich konnte, tue ich es jetzt: Vielen Dank, Herr Plate, für die überaus unterhaltsamen Konzerte in der "Schwulen Sau" in Hannover Anfang/Mitte der 90er!

    2 Leserempfehlungen
  2. Ein toller Mensch!

  3. Das ist ja so an sich nicht schlimm. Aber wenn er sich mal seine kreuzbrave Hausmütterchenmusik der letzten 10 Jahre angehört hätte, dann hätte die Erkenntnis auch früher kommen können.

    2 Leserempfehlungen
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    Diese Einschätzung ist jetzt sicher nicht beliebig übertragbar, aber "du bist am Leben" hat mir in einer weniger guten Phase Kraft gegeben. Ansonsten wünsche ich Peter Plate viel Glück - auch wenn er natürlich nicht das Stimmvolumen hat wie seine Ex-Duo-Partnerin.

    • dacapo
    • 11. April 2013 22:34 Uhr

    ....... seine Musik angehört, es geht ja auch nicht anders. Haben Sie schon mal den Spruch gehört, "jeder nach seiner Facon"? Offensichtlich nicht, sonst hätten Sie sich Ihre Bemerkung sparen können. Nebenbei bemerkt, ich bin kein Freund solcher Musik.

  4. Diese Einschätzung ist jetzt sicher nicht beliebig übertragbar, aber "du bist am Leben" hat mir in einer weniger guten Phase Kraft gegeben. Ansonsten wünsche ich Peter Plate viel Glück - auch wenn er natürlich nicht das Stimmvolumen hat wie seine Ex-Duo-Partnerin.

    Eine Leserempfehlung
    • dacapo
    • 11. April 2013 22:34 Uhr

    ....... seine Musik angehört, es geht ja auch nicht anders. Haben Sie schon mal den Spruch gehört, "jeder nach seiner Facon"? Offensichtlich nicht, sonst hätten Sie sich Ihre Bemerkung sparen können. Nebenbei bemerkt, ich bin kein Freund solcher Musik.

  5. Klar hab ich den Spruch gehört. Ich will ihm ja auch weder seine Einstellung noch seine Musik nehmen. Meinetwegen könnte er mit Frau und anderthalb Kindern in einer Doppelhaushälfte leben und Helene Fischer am Piano begleiten. Aber dann damit zu kokettieren, dass er sich plötzlich seiner "Bürgerlichkeit" bewusst wird ist doch ein bisschen albern.

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