SchuleSchule kann mehr

Unsere Kinder lernen das Falsche, sagt Richard David Precht. Er formuliert zehn Prinzipien für eine Bildungsreform. von Richard Precht

Gibt es die optimale Schule? Natürlich nicht! Eine optimale Schule wäre eine Schule, die von jedem Lehrer und jedem Schüler als perfekt empfunden wird. Das ist nicht möglich. Aber nach all dem, was wir aus der Hirnforschung, der Entwicklungs- und der Lernpsychologie wissen, kann man von einem "gehirngerechteren Lernen" ausgehen und im Gegensatz dazu von einem, das den Spielregeln des nachhaltigen Lernens widerspricht.

Was also wäre eine gute Schule? Und wie können wir unsere Schulen besser machen? Das Leistungsniveau steigern bedeutet vor allem eines: nicht schneller lernen und nicht mehr Schulstoff, sondern langsamer lernen, tiefer, eindringlicher, und in jenen Wissensgebieten, die dafür geeignet sind, individueller. Gutes Lernen, so könnte man sagen, ist wie guter Sex: Nicht auf Tempo und Frequenz kommt es an, sondern auf die Eindringlichkeit, die individuelle Variation und den nachhaltigen positiven Effekt auf unsere Psyche. Der Vergleich ist schon deshalb nicht weit hergeholt, weil es sich bei allen Erregungen unseres Gemüts immer um das gleiche Belohnungszentrum handelt, das jedes Mal (mit leichten Unterschieden in den chemischen Cocktails) aktiviert wird.

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Man stelle sich also eine Schule vor, bei der unsere Kinder und Jugendlichen von den 100 Prozent Wissensstoff ein paar Jahre später mehr als nur ein Prozent in Erinnerung haben. Eine Schule, in der man so lernt, dass man statt loser Brocken und toter Phrasen Zusammenhänge behält. Kurz: Es geht um ein höheres Bildungsniveau! Doch wie erreicht man das?

1. Kinder wollen lernen

Seit Maria Montessoris Vorstellung vom Kind als "Baumeister seines Selbst" ist es eine kluge Einsicht, Kinder nicht mehr "belehren zu wollen", sondern ihnen zu helfen, sich selbst etwas beizubringen. Dafür gilt als erstes Gebot, die intrinsische Motivation des Kindes nicht zu zerstören, sondern sie zu pflegen und zu fördern. Eine gute Pflege besteht dabei gewiss nicht darin, Kinder mit Angeboten zuzuballern, wie manche Eltern dies heute tun, sondern unter anderem im rechtzeitigen Rückzug der Lernbegleiter. Kinder müssen sich auch einmal langweilen dürfen, allerdings nicht gerade deshalb, weil man sie mit schlechtem Unterricht traktiert. Beim Lernen unterstützend tätig zu werden, das Potenzial eines Kindes zu entfalten, heißt weder, es überfordernd alleinzulassen, noch, es an jeder erdenklichen Stelle zu sichten, es hervorzuzerren und zu vernutzen. Die intrinsische Motivation ist eine sensible Pflanze. Sie stirbt, wenn man sie nicht mit Anregungen gießt, aber man kann sie auch ebenso leicht überdüngen und ertränken.

Das Buch

Anna, die Schule und der liebe Gott heißt das neue Buch von Richard David Precht, das seit dem 22. April im Handel ist. Precht bringt darin seine Entrüstung über das deutsche Bildungssystem zum Ausdruck und entwirft das Bild einer besseren Schule. Im ersten Teil ("Die Bildungskatastrophe") stellt er dem Bildungssystem eine verheerende Diagnose. Im zweiten Teil ("Die Bildungsrevolution") macht er Vorschläge zum Umbau der Schule. Diese sind zum Teil recht radikal, wie etwa die Einführung einer Kindergartenpflicht vom dritten Lebensjahr an. Der hierveröffentlichte Text basiert auf dem vorletzten Kapitel des Buchs.

2. Jedes Kind ist anders

Das zweite Prinzip besteht darin, ein Kind individuell lernen zu lassen. Eine gute Schule muss sich nach den Bedürfnissen, den Begabungen und dem Lerntempo eines jungen Menschen richten und ihn dazu befähigen, dieses Tempo selbst zu steuern. Ob man dazu wie früher in einer Bibliothek stöbert und von Buch zu Buch wandert oder sich heute in den digitalen Labyrinthen des Internets vorwärtsforscht, ist in der Sache letztlich das Gleiche. Nur dass es heute weniger sinnlich, dafür aber erheblich einfacher und schneller geworden ist. Wer auf diese Weise seine Neugier befriedigt und spielerisch lernt, erlebt die Freude der Selbstständigkeit und entwickelt fortschreitend Selbstvertrauen. Was unter diesen psychologischen Umständen gelernt wird, hat weit bessere Chancen, für das Leben erhalten zu bleiben, als das heutige Lernen im standardisierten Klassenzimmerunterricht. Wenn der Lehrer dazu als Coach Hilfestellungen leistet und allzu viele verlockende Ablenkungen unterbindet, ist einem optimalen aufbauenden Lernen keine Grenze gesetzt. Desgleichen gilt für die wechselseitige Hilfe und den Ansporn durch Mitschüler im jahrgangsübergreifenden Unterricht.

3. Vergesst die Fächer

In der Schule gleicht die Welt einem Apothekerschrank, bei dem jede Ausziehschublade ein anderes Etikett trägt: Mathematik, Physik, Biologie, Geschichte oder Englisch. Aber in der Welt außerhalb der Schule hängen all diese Gebiete untrennbar miteinander zusammen. Dieser Zusammenhang wird im heutigen Schulunterricht kaum sichtbar. Die Demarkationsgrenzen zwischen den Fächern hemmen den Erkenntnisgewinn und zügeln die Neugier. Vielmehr kommt es auf das Verstehen von Sinn und Sinnlichkeit der Dinge an und die Zusammenhänge dieser Welt. Vieles lernt sich einfacher und wird besser erinnert, wenn das Lernziel nachvollziehbar ist. So lassen sich viele Bereiche der Geografie, der Geschichte, der Physik, der Chemie, der Biologie, der Ökonomie und der Politik am besten in Projekten verstehen. Zum Beispiel zum Thema "Klimawandel". In so einem Projekt könnte der Erdkundelehrer mit dem Physiklehrer die meteorologischen Verhältnisse aufzeigen und der Politiklehrer die Klima-Kriege in der sudanesischen Darfur-Region darlegen, während die Klasse Argumente und Ideen sammelt und austauscht, welche Lösungen es geben könnte – und zwar des Spaßes und der Übung halber auf Englisch. Auch die Spielregeln unseres Wirtschafts- und unseres Rechtssystems, zwei sträflich vernachlässigte Themen an unseren Schulen, lassen sich in Projekten darstellen und durchspielen.

4. Bildet Lernteams

Auf einen Klassenunterricht, der die Kinder nach dem Alter rekrutiert und sie zwingt, im Gleichschritt dasselbe zu lernen, wird die Schule der Zukunft verzichten. Es ist bekannt, dass Kinder und Jugendliche umso freudiger lernen, je stärker sie sich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlen. Die Frage ist nur, ob dies tatsächlich Jahrgangsklassen sein müssen. Was für die ersten vier bis sechs Schuljahre sinnvoll sein mag, sollte nicht für die gesamte Schulzeit gelten müssen. Spätestens mit dem siebten Schuljahr finden sich Freundschaften auch schnell jahrgangsübergreifend (die älteren Jungen sind ohnehin interessanter für die Mädchen). Wichtiger als das gleiche Alter sind ähnliche Interessen, die sich zu Lernteams organisieren lassen.

5. Vertieft Beziehungen

In einer konventionellen Schule gibt es einen Schulleiter und darunter ein Kollegium von vielleicht hundert Lehrern. Eine intensive Arbeitsbeziehung zwischen Schulleitung und Lehrern entsteht auf diese Weise eher selten oder gar nicht; man kennt sich oft nur flüchtig. Das Gleiche gilt für das Verhältnis von Lehrern und Schülern. Der Chemielehrer, der eine Klasse für ein Jahr unterrichtet und im nächsten Jahr eine andere übernimmt, hat kaum die Möglichkeit, mehr über seine Schüler zu erfahren, geschweige denn sich persönlich für sie verantwortlich zu fühlen. Deshalb ist es notwendig, den Schulkörper zu untergliedern in einzelne Lernhäuser. Von der ersten bis zur zehnten Klasse gehören die Schüler des Zuges A einem Lernhaus an, die Schüler des Zuges B einem anderen und so weiter. Jedes Lernhaus wird von einem Lernhausleiter betreut und verantwortet. Statt aus einem anonymen Lehrerkollegium besteht die Schule nun aus mehreren kleineren Kollegien, die als Teams in den Lernhäusern zusammenarbeiten. Kompetition, die durch den Wegfall des Ziffernsystems nicht mehr innerhalb einer Jahrgangsklasse stattfindet, gibt es jetzt als spielerischen Wettbewerb zwischen den Lernhäusern, die auf Vorleseturnieren oder im Kopfrechnen gegeneinander antreten können.

Leserkommentare
    • alen
    • 18. April 2013 7:34 Uhr

    Bei der Forderung nach Ganztagsschulen wird vergessen, dass diese mit Inhalten gefüllt werden müssen. Es ist sinnlos Schüler von 7:30 bis 16 Uhr an einem Ort "gefangen" zu halten. Diese Zeit wird mit "Freistunden", Mensastunden usf. künstlich aufgebläht.
    Fünf Stunden Wissensvermittlung am Tag langt vollkommen aus. Freiwillige Betreuung am Nachmittag kann eine Möglichkeit sein, darf aber keine Verpflichtung sein.
    Inhalte können vielfältig sein und könnten in den regulären Unterricht integriert werden. Es müssen Möglichkeiten gegeben sein, bei denen Schüler individuell bzw. in der Gruppe gefördert werden. Hierzu gehört m.E. auf jeden Fall Sport, musikalische Ausbildung, künstlerische Ausbildung, um nur einige zu nennen. Schüler können sich freiwillig für etwas entscheiden.
    Es gibt Sportvereine, Musikschulen, Kunstschulen, interessante Menschen, die wissenswertes mitteilen können. Diese könnten integriert werden. Warum muss ein Instrumentalunterricht nachmittags stattfinden? Warum kann das Basketballtraining nicht morgens um 11 Uhr sein? Warum kann die Theatergruppe nicht um 7:30 Uhr proben? Warum kann der Förster nicht einen Morgen lang mit den Schülern im Wald unterwegs sein?
    Dies erfordert Logistik, finanzielle Mittel, Örtlichkeiten. Ich könnte mir vorstellen, gerne in so eine Schule zu gehen. Ansonsten ist es besser um 13 Uhr nach Hause zu gehen und die Freizeit genießen, persönlichen Vorlieben nachzugehen und Zeit finden für Sport, Musik, Kunst, Wald, Literatur, Ruhe...

    Eine Leserempfehlung
  1. Liebe Zeit,

    auch wenn einzelne Thesen und Argumente von Herrn Precht bis zu einem gewissen Grad mit wissenschaftlichen Erkenntnissen einhergehen, war ich doch etwas überrascht, dass eine solche Einzelmeinung von einem nicht gerade ausgewiesenen Experten in diesem Bereich im Wissensteil platziert wurde. Dies gibt den Ideen m.E. einen falschen Anstrich, da macher Leser/manche Leserin vielleicht denken mag, dass die Behauptungen es gebe diese und jene Studien, die seine Thesen stützen würden leichtfertig glauben. Ich selbst bin da skeptischer, zumal "die" Bildungsforschung und auch "die" Lehr-Lern-Psychologie (so diese heterogenen Disziplinen sich denn überhaupt so einhellig zitieren lassen) selten so eindeutige Empfehlungen geben kann, wie von Herrn Precht suggeriert. Wozu man hier Hrinforschung benötigt verstehe ich sowieso nie, aber das ist eine andere Debatte. M.E. wäre der Artikel besser in einem anderen Ressort aufgehoben, da es sich nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse zur Schulstrukturreform handelt. Ich würde mich freuen, wenn so etwas künftig passender platziert wird.

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    sind zwei Paar Schuhe, wie Ihr Kommentar eindrücklich beweist.

    >Wissenschaft< als organisierte Form des Wissenserwerbes ist dabei übrigens ganz eindeutig der engere Begriff.

    Ich würde mich daher freuen, wenn Ihre Kommentare in Zukunft etwas gehaltvoller ausfallen würden.

    • cluwe
    • 20. April 2013 16:59 Uhr

    Ich habe mich zwar auch erst gefragt, warum ein Philosoph sich so ausführlich zum Thema Schule äußert. Aber an sich finde ich die Vorschläge von Precht sehr gut. Mit Ausnahme der Betreuungspflicht. Das hat ja wirklich etwas von Gefängnis (wie es allerdings bei der derzeitigen Schulpflicht ja auch schon der Fall ist). Stattdessen würde ich mir Einrichtungen wünschen, wo die Betreuungsqualität so gut ist, dass die Kinder gern hingehen und die Eltern sie gerne hingehen lassen. Solche Einrichtungen gibt es sogar schon. Mein Sohn geht in eine gebunde Ganztagsgrundschule (Montessorischule in freier Trägerschaft) und ist dort am Nachmittag kaum wegzukriegen.

    Was mir an Prechts Beitrag fehlt, ist der Blick über den Tellerrand der Schule hinaus. Solange der Zugang zum tertiären Bildungsbereich weiterhin so stark vom Durchschnitt der Schulnoten abhängt, wird sich an der Leistungsorientierung in der Schule wenig ändern. Schon in der Grundschule herrscht Druck, den Übergang auf das Gymnasium zu schaffen.

    Wie viel entspannter wäre die Schulzeit, wenn man sich als Mensch mit seinen individuellen Stärken und Schwächen an der Uni oder einem Unternehmen vorstellen könnte! Aber in einem Land, wo man sich mit Fachhochschulabschluss und 20 Jahren Berufserfahrung trotzdem nicht auf Stellen bewerben kann, in den ein Hochschulabschluss gefordert ist, wird das wohl noch lange dauern.

  2. für alle Kinder in Deutschland vom zweiten Lebensjahr an.
    Denn:
    "Die Schule der Zukunft kümmert sich um die ganze Lernbiografie, statt sie, wie bisher, zu einem erheblichen Teil der Willkür, dem Vermögen und dem Unvermögen von Elternhäusern "
    so wie hier:
    http://upload.wikimedia.o...

  3. ...das er im Grunde rückwärtsgewandt ist fällt nicht so schnell auf.

    Denn welche Art des Lernens entsprcht seinen Thesen ?

    Nun, das Lernen von Vaters/Mutters Beruf in einer statischen, ständischen Gesellschaft, gelehrt On-on-One vom Vater/der Mutter. Die Berufe dürfen auch nicht zu schwierig sein, aber dann geht das schon.

    Ob sich Herr Precht überlegt hat wie ein chinesisches Kind nach seiner Methode schreiben lernen soll ? Das geht NUR mit langem Auswendiglernen.

    In der nachfolgenden ZEIT hat der Hamburger Schulsenator eine Replik geschrieben (leider nicht Online), sehr treffend.

    Ansonsten sei auf John Hattie http://www.zeit.de/2013/0... verwiesen, die komplette Antithese zu Herrn Precht. Jeder von uns der auch nur EINEN guten Lehrer hatte weiß: Hattie hat recht, Precht möcte ein Buch verkaufen.

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    Hatties Studie stellt keineswegs eine Antithese zu Herrn Precht dar. Beide haben völlig unterschiedliche Absichten.

    Hattie hat überprüft, welche Faktoren förderlich für den Schulerfolg sind, d.h. wie Schüler die Anforderungen der Schule am besten bewältigen. (Allein auf dieser Ebene sind die Ergebnisse aussagekräftig!).
    Precht dagegen geht es um die Frage, inwiefern schulische Anforderungen überhaupt auf das Leben nach der Schule und die gesellschaftliche Teilhabe vorbereiten.

    Hattie behält recht, wenn es um eine optimale Wissensvermittlung geht. Precht behält recht, wenn es um die Abschaffung des trägen Wissens zugunsten eines verfügbaren (angewendeten) Wissens geht.

    Hattie und Precht widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich meiner Ansicht nach hervorragend! Besser gesagt: Hatties Ergebnisse untermauern die Forderungen Prechts an vielen Stellen! Wer sich mit der Materie auskennt, kann Hatties Ergebnisse in Prechts Schulmodell integrieren. Individuelles Lernen und Projektunterricht machen den Lehrer nämlich NICHT überflüssig - im Gegenteil!
    Bevor Sie also das nächste Mal von Antithesen sprechen, informieren Sie sich bitte besser.

    Abschließend noch: Gegen Auswendiglernen hat Precht sicher nichts, solange die Sinnhaftigkeit erkennbar ist. Für ein chinesischen Kind ist es also durchaus sinnvoll, chinesische Schriftzeichen auswendig zu lernen - vorausgesetzt es lebt in China!

  4. sind zwei Paar Schuhe, wie Ihr Kommentar eindrücklich beweist.

    >Wissenschaft< als organisierte Form des Wissenserwerbes ist dabei übrigens ganz eindeutig der engere Begriff.

    Ich würde mich daher freuen, wenn Ihre Kommentare in Zukunft etwas gehaltvoller ausfallen würden.

  5. Ich finde diesen Artikel sehr gut und ich sehne mich danach, dass in unserem deutschen Schulsystem ENDLICH etwas geschiet!

    Es wird Zeit, dass wir aus den alten Strukturen rauskommen und endlich mal etwas neues und vorallem viel SINN-VOLLERES! WIr müssen doch unsere Kinder auf das Leben vorbereiten und nicht darauf, das nachzuplappern, was der Lehrer sagt! WIr brauchen frei denkende Menschen, die in der Lage sind Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Und wir brauchen eine Gesellschaft, die alle so akzeptiert, wie wir sind! Jeder mit seinen Fähigkeiten, in seinem Rhythmus und in seiner Individualität.

    Und das tollste ist: Die Schweden zeigen uns: ES IST MÖGLICH!
    http://www.focus.de/schul...

    Eine Schule, so wie Precht sie fordert gibt es schon!!! Und diese sind sogar sehr erfolgreich!!!

    Los Deutschland, habe den Mut für zukunftsträchtige Entwicklungen!

  6. Hatties Studie stellt keineswegs eine Antithese zu Herrn Precht dar. Beide haben völlig unterschiedliche Absichten.

    Hattie hat überprüft, welche Faktoren förderlich für den Schulerfolg sind, d.h. wie Schüler die Anforderungen der Schule am besten bewältigen. (Allein auf dieser Ebene sind die Ergebnisse aussagekräftig!).
    Precht dagegen geht es um die Frage, inwiefern schulische Anforderungen überhaupt auf das Leben nach der Schule und die gesellschaftliche Teilhabe vorbereiten.

    Hattie behält recht, wenn es um eine optimale Wissensvermittlung geht. Precht behält recht, wenn es um die Abschaffung des trägen Wissens zugunsten eines verfügbaren (angewendeten) Wissens geht.

    Hattie und Precht widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich meiner Ansicht nach hervorragend! Besser gesagt: Hatties Ergebnisse untermauern die Forderungen Prechts an vielen Stellen! Wer sich mit der Materie auskennt, kann Hatties Ergebnisse in Prechts Schulmodell integrieren. Individuelles Lernen und Projektunterricht machen den Lehrer nämlich NICHT überflüssig - im Gegenteil!
    Bevor Sie also das nächste Mal von Antithesen sprechen, informieren Sie sich bitte besser.

    Abschließend noch: Gegen Auswendiglernen hat Precht sicher nichts, solange die Sinnhaftigkeit erkennbar ist. Für ein chinesischen Kind ist es also durchaus sinnvoll, chinesische Schriftzeichen auswendig zu lernen - vorausgesetzt es lebt in China!

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