SchuleSind Sie der bessere Lehrer, Herr Precht?

Warum Richard David Precht glaubt, dass die deutschen Schulen zu den schlechtesten der Welt gehören, und wie er sie verändern will. von  und

DIE ZEIT: Herr Precht, lassen sich Bestseller über Bildung nur als Untergangsszenarien und Erlösungsfantasien schreiben?

Richard David Precht: Ich formuliere keine Erlösungsfantasien, sondern konkrete Vorschläge, wie man die Schule heute besser machen kann. Darüber möchte ich eine Debatte auslösen. Deshalb ist das Buch zum Teil mit der Glut des Apostels geschrieben.

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ZEIT: Sie schreiben von "Lernfabriken, die Kreativität töten", und warnen, dass man einer Mittelschichtfamilie heute nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen kann, ihr Kind auf eine staatliche Schule zu schicken. Geht’s nicht eine Nummer kleiner?

Precht: Ich habe die Schule mit drei Stiefkindern in Luxemburg durchgemacht und erlebe jetzt gerade die Grundschule meines Sohnes. Und da frage ich mich schon, wie das, was in heutigen Klassenzimmern gang und gäbe ist, noch möglich ist. Etwa dass die Schüler an einem Tag fünf oder sechs verschiedene Fächer haben, die nichts miteinander zu tun haben. Oder dass sie pausenlos Tests und Klausuren schreiben und anschließend das meiste von dem Gelernten wieder vergessen dürfen. Ich glaube, dass das, was unsere Kinder in der Schule lernen, und das, was sie im Leben brauchen, stärker als jemals zuvor auseinanderfallen.

ZEIT: Deutschland ist eine führende Exportnation; unsere Jugendarbeitslosigkeit gehört zur niedrigsten der Welt; deutsche Doktoranden sind an internationalen Spitzenuniversitäten willkommen. Ganz so schlecht können unsere Schulen nicht sein.

Das Buch

Anna, die Schule und der liebe Gott heißt das neue Buch von Richard David Precht, das seit dem 22. April im Handel ist. Precht bringt darin seine Entrüstung über das deutsche Bildungssystem zum Ausdruck und entwirft das Bild einer besseren Schule. Im ersten Teil ("Die Bildungskatastrophe") stellt er dem Bildungssystem eine verheerende Diagnose. Im zweiten Teil ("Die Bildungsrevolution") macht er Vorschläge zum Umbau der Schule. Diese sind zum Teil recht radikal, wie etwa die Einführung einer Kindergartenpflicht vom dritten Lebensjahr an. Der hierveröffentlichte Text basiert auf dem vorletzten Kapitel des Buchs.

Precht: Zum einen gibt es keine Garantie, dass unser Wohlstand noch lange erhalten bleibt. Zum anderen will ich gar nicht ausrechnen, wie viel mehr tolle Ingenieure und fantastische Forscher unser Bildungssystem hervorbringen könnte, wenn wir Schulen hätten, in denen auf Nachhaltigkeit gelernt wird. Es kann doch nicht sein, dass wir mehr als neunzig Prozent von dem, was wir in der Schule lernen, wenige Jahre später vergessen haben. Oder wissen Sie noch, was das Ohmsche Gesetz ist oder der Ablativus absolutus?

ZEIT: Wie viel Faktenwissen bei den Schülern hängen bleibt, ist doch kein Kriterium für Erfolg.

Precht: Von Erfolg kann man angesichts der deutschen Schulmisere nun wirklich nicht sprechen. Sonst wäre es kaum erklärlich, dass jedes Jahr mehr Eltern ihre Kinder an Privatschulen anmelden.

ZEIT: Der Privatschulanteil liegt in Deutschland bei gerade einmal acht Prozent.

Precht: Ich rede von gefährlichen Entwicklungen, die wir heute noch aufhalten können. Seit Bekanntwerden der Pisa-Studie ist die Zahl der Kinder, die in Privatschulen gehen, rasant gestiegen. Wenn das so weitergeht, werden zumindest in der Mittelschicht irgendwann mehr Kinder auf private als auf öffentliche Schulen gehen. Dann haben wir die Zweiklassengesellschaft ab der Grundschule. In so einer Gesellschaft will ich nicht leben. Schon heute gehört Deutschland ja zu den Ländern, in denen sich die Herkunft besonders stark auf den Schulerfolg auswirkt.

ZEIT: In Ihrem Buch schreiben Sie sogar, Deutschland habe eines der schlechtesten Bildungssysteme unter allen Industrienationen der Welt. So viel wir wissen, hat sich unser Schulsystem in vielerlei Hinsicht verbessert. Beim Pisa-Vergleich liegen unsere Schüler inzwischen beim Lesen im Mittelfeld, in Mathe und den Naturwissenschaften im oberen Drittel.

Precht: Wenn Sie mein Buch lesen, wissen Sie, was ich von den Pisa-Untersuchungen halte. Ich glaube nicht, dass man den Bildungsstand einer Nation in einem zweistündigen Test messen kann.

ZEIT: Sie selbst berufen sich doch laufend auf Pisa-Daten, um zu beweisen, wie schlecht die deutschen Schulen sind.

Precht: Ich zitiere Pisa ein paar Mal, und zwar hauptsächlich dort, wo die Studie meiner Meinung nach eine Aussagekraft hat: bei den Sozialdaten. Und die belegen nun einmal eine sehr hohe Abhängigkeit des Schulerfolgs in Deutschland vom Elternhaus. Sollte sich die Situation in jüngster Zeit etwas verbessert haben, freut mich das natürlich.

Leserkommentare
  1. Precht reitet eines der wohlfeilen Themen, die aus dem Stand die Gemüter erhitzen.
    Damit kann man gut Geld verdienen.
    Was er als (eigene?) Reformvorschläge verkauft, ist lediglich eine Abschrift längst praktizierter und bewährter Privatschulkonzepte.
    Im Fernsehen freut man sich ja immer über die "Glut des Apostels" (oh bitte!), aber in der ZEIT hätte ich es schon gerne ein bisschen überlegter gehabt. Ist doch eigentlich ein ernstes Thema.
    Hat Precht Recht, oder hat Precht nicht Recht? Egal, ich wünsche mir einfach eine aufrichtigere Diskussion mit durchdachteren Beiträgen zu diesem Thema. Lieber ohne Precht.

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    ...nur will womöglich auch DIE ZEIT ihr Geld verdienen. Zumal im Online-Teil, den wir hier kommentieren. Den ausführlicheren Teil zum Buch gabs ja in der Printausgabe.
    Und wenn Precht die Medienmacht besitzt, Debatten wieder anzustoßen, dann ist das auch schon was. Geld machen hin oder her, falsch ist das ja nicht, was Precht da sagt.

    • cs1111
    • 22. April 2013 18:37 Uhr

    Darum geht's doch gar nicht. Wie Sie ganz richtig sagen - die Konzepte sind zumindest ansatzweise ja bereits Realität - in PRIVATschulen. Warum nicht überall? Mir geht Precht ja auch etwas auf die Nerven, aber...
    Ich bin selbständiger Lehrer (M.A.) für alles, was mit Englisch weltweit zu tun hat, und arbeite hauptsächlich mit Erwachsenen und mit Jugendlichen. Die Erwachsenen lernen einfach besser wenn die Sprache in einem relevanten Kontext angeboten wird (und der ist für eine Geschäftsfrau nunmal nicht „Vergangenheitsformen der unregelmässigen Verben“, für Kinder übrigens auch nicht), die Jugendlichen rennen mir nur vom Hör-Sagen („ich hab gehört Sie kriegen mich hin“ (sic!)) die Tür ein. Warum? Ich hoffe es liegt an meiner Ausbildung – ich hatte an der Uni das ungeheure Glück, an 2 Profs zu geraten, die an Fächerübergreifendes Lernen glaubten, und die im Verbund mit anderen sog. „Wahnsinnigen“ Shakespeare’s Romeo und Julia im Seminar anboten zusammen mit Profs von Geschichte, Psychologie, Literaturwissenschaften, Theaterwissenschaften, Film-und Musikwissenschaften, Linguisten... (Fortsetzung folgt, vielleicht sollte ich einen Leserartikel schreiben? Witz!)

    ist zwar weitgehend zuzustimmen. Was fehlt ist harsche Kritik an der Willkür und Festhalten der Struktur der föderalen Bildungspolitik wie sie landesfürstliche Kirchenregimenter einst manifestiert haben.
    (Beispiel Land Berlin, wo mit jeder neuen Regierung, insbes. nach der Wende, eine "Reform" die andere ablöste - zum irreparablen Schaden ganzer Schülergenerationen. Wobei generell zu beobachten ist: Je mehr die Politik von "Bildung" faselt und ihre "Reformen" nach Gutsherrenart den Schulen übergangslos überstülpt, desto rasanter verblöden die Schüler)

    Prechts System-Veränderungsvorschläge speisen sich jedoch
    1. aus "alten Hüten" der Reformpädagogik, die jeder Lehramstsstudent zwar pauken muss, die in der Praxis an staatl. Schulen höchstens ansatzweise projektartig umgesetzt werden
    und
    2. aus einem von entwicklungspsycholgischen Einsichten völlig unbeleckten ideologieträchtigen Blödsinn, wie z.B. die Forderung einer Flächen deckenden Kindergartenpflicht für alle Kinder in D. vom 2. Lebensjahr an. Mit der unhaltbaren, weil pauschalen Begründung:

    "Die Schule der Zukunft kümmert sich um die ganze Lernbiografie, statt sie, wie bisher, zu einem erheblichen Teil der Willkür, dem Vermögen und dem Unvermögen von Elternhäusern "

    Das ist kalter Ideologie-Kaffee pur - a`la einer gewissen Margot H.
    wie hier dokumentiert:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2d/Bundesarchiv_Bild_183...

    Ich kann den beiden Herren zu ihrem Umgang mit Prechts Antworten nur gratulieren. Dass die ZEIT über das Buch eines bekannten (meiner Meinung nach Möchtegern-) "Intellektuellen" berichtet, sehe ich nicht als Problem. Ich finde, die Fragen zeugen von einem kritischen Umgang mit dem Thema und mit Prechts Aussagen und genau das wünscht man sich doch für einen Artikel/ein Interview.

    Bei solchen Aussagen geht mir regelmäßig der Hut hoch. Wir haben "rechnerisch" eine geringe Jugendarbeitslosigkeit, weil sich in Deutschland ca. 300.000 Jugendliche, die man aus unserem Bildungssystemen entlässt, in sogenannten "Übergangssystemen" befinden. Diese Jugendlichen werden aus ihren Schulen feierlich entlassen, finden keinen Ausbildungsplatz, werden wieder eingesammelt und in "Berufsvorbereitungsmaßnahmen" solange geparkt, bis sie volljährig sind und die Statistiken bereinigt haben.

    Warum so eine unnütze Aussage?

    Wenn Precht schreibt: "Ich glaube, dass das, was unsere Kinder in der Schule lernen, und das, was sie im Leben brauchen, stärker als jemals zuvor auseinanderfallen."

    ... und darauf kommt :

    "Deutschland ist eine führende Exportnation; unsere Jugendarbeitslosigkeit gehört zur niedrigsten der Welt; deutsche Doktoranden sind an internationalen Spitzenuniversitäten willkommen. Ganz so schlecht können unsere Schulen nicht sein."

    ... dann stellt dies hervorragend heraus, wie Recht der Precht hat. Die Zukunft benötigt andere Denk-Qualtiäten. Auf breiter Ebene.
    Sein Diskurs/Anstoß sollte mit entsprechender Seriosität Unterstützung finden.
    Ein Ausruhen auf Lorbeeren von Gestern ist so Sinnvoll, wie das Sinnieren über Jungendsportabzeichen als 80 Jähriger.
    Wer sich die Augen zuhält und sagt "ich seh`nix", der sieht mehr, als er denkt.

  2. Ja, Herr Precht wird sich bei Ansicht seines Kontos prächtig freuen. Einen Beitrag zur Verbesserung der Schulen hat er mit so einem Blabla allerdings nicht geleistet.
    Übrigens: Ich bin mir sicher, dass die Eltern, die jetzt über dich ach so verschulte (!!) Schule so furchtbar jammern, genauso über den Projektunterricht jammern würden, wenn der nicht nur als Spielerei sondern ernsthaft betrieben würde. Dann wird es nämlich für die Kinder auch anstrengend und es gibt auch welche (vielleicht sogar die eigenen?? Horror!!), die weniger können als andere. Nun ja, zumindest können die Kids dann beim von Precht favorisierten Projekt über die Goethezeit was richtig Relevantes für ihr heutiges Leben lernen...

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    "Nun ja, zumindest können die Kids dann beim von Precht favorisierten Projekt über die Goethezeit was richtig Relevantes für ihr heutiges Leben lernen..."

    Sie glauben ernsthaft, die Beschäftigung mit deutscher Literatur ist nicht praxisrelevant? Ich habe mir angewöhnt, täglich zwanzig, dreißig Seiten klassische deutsche Literatur zu lesen. Ich war selbst erstaunt, wie rasch sich mein Schreib- und Sprechstil in relativ kurzer Zeit verbessert hat.

    Die Früchte dieser Mühen ernte ich schon jetzt - ganz PRAKTISCH im Alltag: im Studium, in der Partnerschaft, ganz allgemein im Umgang mit Menschen.

    Ganz nebenbei verdanke ich dem Lesen von Herder, Wieland und Co. Lebensweisheiten, die ich nicht missen möchte.

    Also nochmals die (Suggestiv-) Frage: Kann es überhaupt etwas praxisrelevanteres geben, als die Beschäftigung mit klassischer deutscher Literatur??

    Es ist keine neue Erkenntnis, dass Lernen verbunden mit Begeisterung und Lachen wesentlich effektiver ist. Ich erlaube mir hier mitreden zu können (3 Kinder 28 ,25 und 17) Ein emormes Potential der Kinder wird heute einfach beginnend in der Kinderkrippe als Verwahrstelle und in der Schule vernichtet. Angst ist leider die Grundlage der Bildung in deutschen Schulen. Kinder interessieren doch die wenigsten Lehrer. Ich habe acht verschiedensten Schulen kennengelernt und komme zu diesem Ergebnis.
    Ich habe meinen Jüngsten aus dem System der öffentlichen Schulen abgemeldet, bevor er völlig zerstört wird. Folge: Lernbegeisterung, Enthusiasmus, Zukunftspläne. Endlich mal wieder ein entspannter Umgang. Hauptsache raus aus dem Unsinnigen zerstörerischem Lernapparat; mal wieder Wertschätzung zwischen Schüler und Lehrer erleben und umgekehrt.
    Ja, es ist heute schwerer Lehrer zu sein. Dies umso schwerer, wenn diese sich selbst jeder Anpassung an die geänderte Kinderwelt verschließen.

    Ich gehe heute noch einen Schritt weiter und behaupte: Dieses angstbasierte deutsche Schulsystem hat Methode und Ziel. Das ist so gewollt. Im Gleichschritt in die kontrollierte Gesellschaft.

    Die Welt ist global. Wer durch die Eltern die notwendinge Rückendeckung erfahren kann, wird sein Potential entfalten.

    So spaltet sich die Gesellschaft und Deutschland verliert seine kreativen und freien Denker.

    • msknow
    • 23. April 2013 6:37 Uhr

    sagt oftmals mehr über uns, als über den Adressaten.

    In diesem Sinne befreien Sie sich erst einmal von ihrem von Geld gefesselten Gedanken. In einer angestoßenen Diskussion über die Zukunft der Bildung zuerst an Geld zu denken, wirft einen bedenklichen Schatten.

    Zumal die Diskussion im Hintergrund bestimmt seit 2003 andauerte. Die Liga derer, die sagen, dass wir unseren Kindern mit diesem feudalen Bildung-ist-Ausbildung Verständnis Gewalt antun, ist vor allem unter Wissenschaftlern gewachsen ("Archiv der Zukunft"). Zumal sie mit einer Wissensrendite von weniger als zehn Prozent erwiesener Maßen völlig ineffizient ist.
    Die Chinesen sind einfach besser oder mehr im Konkurrenzdenken ("Ich bin nur etwas wert, wenn der Andere am Boden liegt."), was wir bisher getan haben. Wie lange wollen wir unsere Art zu Denken beschleunigen bis wir feststellen, dass wir etwas tatsächlich anders machen müssen, um dem etwas entgegenzustellen.

    • karoo
    • 23. April 2013 8:03 Uhr

    Erstaunlich wie Sie über Eltern und Schüler sprechen. Diese Haltung sehe ich als das Grundproblem des deutschen Schulsystems an. Denn Schulsystem hin oder her - wenn Lehrer (und gewesene Lehrer, die dann die Ministerien bevölkern) Eltern und Schüler als eine Art unfähig zu erziehende lästige Haustiere betrachten, ist jedes Schulsystem für die Katz.

    Projektarbeit ist natürlich sinnvoller, nur sollte man da vielleicht statt der Lehrer Leute aus der Projektpraxis holen, um mit den Schülern Planung und Durchführung von Projekten zu üben.

    Ich bin froh, dass Herr Precht sich des Themas annimmt, damit es ins öffentliche Bewußtsein kommt und diskutiert wird. Und die Lehrer und Ministerialbeamten sollten sich tunlichst bemühen ihre Schüler zu fördern, statt abzukanzeln, denn wer, wenn nicht ihre Schüler soll schließlich für ihre Pensionen buckeln (freilich, ohne selbst Anrecht auf eine angemessene Altersversorgung zu haben). Da hilft es wenig den Wichtigtuer an der Tafel zu geben.

    • sfgrw
    • 25. April 2013 11:36 Uhr

    In meiner Lehrerausbildung wurde ich nicht darauf vorbereitet, was die Unterschiede zwischen einer 5.Klasse mit 70% Mädchen in Dahlem (Berlin) und einer 11. Klasse in Kreuzberg (80%Migranten) ist.
    Der erziehungswissenschaftliche Anteil während des Studiums dürfte 15% nicht überschritten haben. Von der Abwesenheit des Themas Entwicklungspsychologie ganz zu schweigen. Nun wird ein Gymnasiallehrer mit 2 wissenschaftlichen Hauptfächern auf die Kinder und Jugendlichen losgelassen. Im Gymnasium ist weder Max Weber von Bedeutung noch Saussure. Was also soll ein Lehrer mit diesem Ballast anfangen?
    Ich empfand das System als krank und habe es deshalb verlassen.
    Miese nicht bedarfsgerechte Lehrerausbildung sowie ein verkrustetes System des Wissenpaukens sind wahrlich zu hinterfragen.
    Dass Herr Precht mit seinem Buch hierzu eine über fällige Debatte los tritt, begrüßte ich sehr.
    Leider muss er sich mit vielen Menschen auseinandersetzen, die sich für Experten halten, nur weil sie selber einmal Schüler waren und sich nicht mehr so gerne an die miesen Lehrer und den vielen Schwachsinn, den sie pauken mussten, erinnern können und mögen.

  3. Traurig, traurig! Das einige den Gedanken der Profitgier inzwischen für nahe liegender halten als den einer leidenschaftlichen Überzeugung! Herrn Precht scheint es -wie mir persönlich auch- ein Herzensanliegen zu sein ein längt überfälliges Umdenken herbeizuführen! Darüber, wie Kinder lernen und wo wir mit unserer Gesellschaft hinwollen.Darüber wie unsinnig Vieles in unserem Bildungssystem ist und wie sehr es hingenommen wird. Aus dem System heraus zu denken und radikal umzudenken erfordert Mut und gute Argumente! Möglicherweise sollte man sich zunächst mit den neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandersetzen (wenn man das Buch nicht kaufen will) ehe man so zynisch urteilt.

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    Nun erhitzen sich die Gemüter im Moment ja gerade über der Hattie-Studie, die die Lehrkraft ganz in den Mittelpunkt des Lernens stellt. Projekt-Lernen scheinen da nicht so gut wegzukommen - so viel mal zum Thema Precht und neueste Erkenntnisse.

    Und wenn Precht vom schlechtesten Schulsystem der Welt spricht, ist das doch Humbug. Sicher gibt es immer viel zu verbessern, aber besser als in Afghanistan, Indien, USA etc etc ist unser Schulsystem mit Sicherheit. Immerhin dürfen unsere Kinder (auch die Mädchen) in die Schule gehen, und die Eltern müssen kein Schulgeld bezahlen. Ich habe kürzlich mal die Amerikaner meiner Bekanntschaft gefragt, was von den staatlichen Schulen so zu halten ist: nichts Gutes, war die einheitliche Auskunft. Der Prechtsche Alarmismus ist mMn der Sache in keiner Weise dienlich.

  4. ich wollte eigentlich wirklich gerne einen langen Beitrag schreiben, in dem ich mein Empfinden und (Nicht-)Verständnis gegenüber dieser Antworten wiedergeben wollte. Dann erblickte oben rechts die lustige Zahl, die bei jedem Zeichen nach unten zählt.

    1) Nein, liebe Zeit, das Internet ist nicht zu klein, um auch längere Beiträge zu speichern.

    2) Auf der Plattform einer Zeitung, die eventuell meinungsbildenden (haha!), aber gewiss keinen zur Entscheidungsfindung beitragenden Charakter hat, empfinde ich es regelrecht als Beleidigung, dem jeweiligen Leser nicht zuzubilligen, selbst zu entscheiden, wieviel Zeit und Energie er ver(sch)wendet, um sich über langatmige Kommentare aufzuregen, bzw. konstruktiv zu diskutieren.

    3) Gibt es ein Forum? Dann wäre 2) gestrichen.

    Mit viel Hass!(tm) aber noch mehr Liebe.
    kanister

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    .. erinnert mich an eine Anekdote, die wohl Goethe zugeschrieben wird. Sein Brief an einen Freund endete mit dem Satz: "Mein lieber Freund, ich hatte leider nicht genügend Zeit, Dir einen kurzen Brief zu schreiben"

    Die Kunst des Schreibens liegt nicht darin, wie viel man schreibt, sondern was man schreibt. Und da ist nicht die Menge an Buchstaben entscheidend, sondern der Inhalt. So manches inhaltsleere Geschwafel bleibt einem so erspart. Und wenn es gar nicht anders geht, gliedern Sie Ihre Gedanken und machen drei (oder) mehr Kommentare daraus.

  5. Nun erhitzen sich die Gemüter im Moment ja gerade über der Hattie-Studie, die die Lehrkraft ganz in den Mittelpunkt des Lernens stellt. Projekt-Lernen scheinen da nicht so gut wegzukommen - so viel mal zum Thema Precht und neueste Erkenntnisse.

    Und wenn Precht vom schlechtesten Schulsystem der Welt spricht, ist das doch Humbug. Sicher gibt es immer viel zu verbessern, aber besser als in Afghanistan, Indien, USA etc etc ist unser Schulsystem mit Sicherheit. Immerhin dürfen unsere Kinder (auch die Mädchen) in die Schule gehen, und die Eltern müssen kein Schulgeld bezahlen. Ich habe kürzlich mal die Amerikaner meiner Bekanntschaft gefragt, was von den staatlichen Schulen so zu halten ist: nichts Gutes, war die einheitliche Auskunft. Der Prechtsche Alarmismus ist mMn der Sache in keiner Weise dienlich.

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    Mal eine Frage?
    Arbeitet Precht nicht im Dunstkreis der dubiosen Bertelsmann-Stiftung?
    Wen ja, dann Bertelsmann-Stiftung nachgoogeln, deren Ziele nachlesen und dann weiß man, was man zu erwarten hat.

  6. Das erste grundlegende Prinzip „Kinder wollen lernen“ stimmt so nicht. Viele wollen lernen und sind neugierig, ganz unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Doch beim Aufwachsen in einer multimedialen Welt, früh von ihren Eltern aller gesellschaftlichen Schichten mit elekt-ronischem Spielzeug versorgt, lernen sie beim Daddeln, dass ihr erfolgreiches Handeln sofort belohnt wird. So werden Fähigkeiten wie Ausdauer, Durchhaltevermögen und Frustrationsto-leranz abtrainiert und damit das wichtigste Gut von Kindern abgetötet: Die Neugierde.
    Wenn man sofortige Belohnungen gewohnt ist und plötzlich merkt, dass die Neugierde für einen bestimmten Sachverhalt eine längere Auseinandersetzung mit dem Wunschthema nach sich zieht, bevor der Erfolg eine persönliche Befriedigung ermöglicht, dann stirbt sie. Viele Jugendliche sind heute nicht bereit, solch eine Anstrengungsbereitschaft zu leisten, auch in für sie interessanten Bereichen.
    Und das Argument „In der Schule lernen, um zu vergessen.“ - Das Lernen an sich ist eine Fä-higkeit, die sich zu trainieren lohnt, auch gegen innere Widerstände. Nur dann kann man neue Inhalte mit Ansatzpunkten verknüpfen, Vergleiche erstellen und sich eine fundierte Meinung bilden, die über die spontane Reaktion basierend auf Gefühle hinausgeht. Klar vergessen wir vieles, weil wir es nicht mehr brauchen. Wir vergessen aber auch Dinge, die wir im Alltag benötigen, wie ich neulich meine EC-PIN. Und dabei war ich beim Erlernen zutiefst intrin-sisch motiviert.

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  7. Wo hat der allwissende Meister denn die "Kulturtechniken" erlernt?

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    ... denn die Kulturtechnik des Lesens verlernt? Ich wiederhole für Sie mal die Textstelle: "In Ihrem Buch: schreiben Sie sogar, Deutschland habe eines der schlechtesten Bildungssysteme unter allen Industrienationen der Welt."

    Ich widerhole es noch einmal für Sie "großer Meister":

    "eines der schlechtesten" und "INDUSTRIENATIONEN".

    "Ich habe die Schule mit drei Stiefkindern in Luxemburg durchgemacht und erlebe jetzt gerade die Grundschule meines Sohnes."

    hält eine kleine Überraschung bereit: Luxemburg liegt dort weit abgeschlagen noch hinter Deutschland.

  8. ...Ich freue mich schon auf Ihre konkreten Vorschläge zur Umsetzung in der nächsten Ausgabe der ZEIT. Denn sie sollen ja mehr sein als nur allgemeine Denkanstöße.
    Ich persönlich würde gern die kompetenten Leute kennenlernen, die Sie hinter sich versammeln oder vor sich hertreiben, um den revolutionären Ideen zum Erfolg zu verhelfen. Sie wollen sich doch sicher nicht allein auf Ehrenamtliche verlassen.
    Auch würde mich Ihre Vorgehensweise interessieren. wissenschaftlich oder pragmatisch? - Sie selbst sind ja bekannt als der Wissenschaftler, der Pragmatismus sehr hoch bewertet. Außerdem: was soll der langwierige Prozess der Hypothesengenerierung und -prüfung? Man sieht in der Praxis doch sehr schnell, was geht und was nicht geht, und kann dann das ändern, was nicht läuft. Das halte ich für effizient.
    Ich habe Erfahrung in verschiedenen Ehrenämtern und fühle mich insofern von Ihnen angesprochen. Schreiben Sie mir, wenn Sie noch Unterstützung benötigen. Ich bin bereit, Zeit und Kraft für eine gute Sache zur Verfügung zu stellen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Arnold Messer
    amesser@web.de

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