Steuerparadies Cayman-Islands (Archivbild) © David Rogers/Getty Images

In den vergangenen Jahren haben Anwälte und Steuerberater die Welt mit einem Netz aus schwer durchschaubaren Arrangements überzogen, welches Steuervermeidung und Korruption in alarmierendem Ausmaß ermöglicht. Private Finanzvermögen in Steueroasen sind auf 21 Billionen Dollar angewachsen, darunter neun Billionen aus Entwicklungsländern. Eine Reihe winziger Hoheitsgebiete wie Zypern oder die Cayman Islands sind zur Heimat von Billionen Dollar von Konzernvermögen geworden, weil sie eine unschlagbare Kombination aus Nullsteuern und Geheimhaltung anbieten. Manche Branchen wie die Schifffahrt sind längst von Steueroasen dominiert.

Obwohl es sehr profitabel ist, wenn das Handeln von Konzernen undurchschaubar wird, liegt es doch eindeutig nicht im allgemeinen Interesse. Die Situation ist entstanden, weil sie nicht durch nationalstaatliches Handeln aufgehalten werden konnte. Man kann nur etwas dagegen tun, wenn die großen Volkswirtschaften auf hoher politischer Ebene kooperieren. Die am besten geeignete Plattform dafür ist das Treffen der G-8-Industrienationen, und das Thema steht für dieses Jahr auf der Agenda.

Steuervermeidung lebt davon, dass es über 700 unabhängige Steuerjurisdiktionen auf der Welt gibt, und in jeder davon kann man den Sitz seines Unternehmens anmelden. Der Wettbewerb hat Steueroasen entstehen lassen.

Die einfachste Form der Steuervermeidung bedient sich der Verrechnungspreise: Die Niederlassung eines Konzerns in einem Hoheitsgebiet mit hohen Steuern "verkauft" ihre Produkte an eine andere Niederlassung in einer Jurisdiktion mit niedrigen Steuern – zu einem Preis, der unter dem wahren Wert liegt. Dann fallen in der Hochsteuerland-Niederlassung geringere Profite an, also geringere Steuern. G-8-Länder begrenzen dies üblicherweise, weil sie die Preise für solche Transaktionen innerhalb von Konzernen genau untersuchen, aber der Trick bleibt ein akutes Problem etwa in Afrika, wo die Steuerbehörden das nicht können. Als ich mit Steueraufsehern in Sambia darüber sprach, warum die Kupfergesellschaften so wenig Steuern zahlten, obwohl doch der Weltpreis für Kupfer so hoch sei, bekam ich das so erläutert: Es gebe in Sambia eben nur wenige echte Steuerexperten – alle in Diensten der Konzerne.

Die G8 kann viel dazu beitragen, dass Afrika besser mit diesem unternehmerischen Fehlverhalten klarkommt. Afrika leidet hier, weil seine kleinen Jurisdiktionen keine Chance haben, jede für sich die notwendigen Kapazitäten in den Ämtern aufzubauen. Daher wäre es eine Hilfe, wenn Informationen über Transferpreise weltweit zur Orientierung veröffentlicht würden. Die Industrieländerorganisation OECD will eine solche Datenbank aufbauen, und die G8 könnte das politisch anstoßen. Internationale Konzerne, die in Afrika operieren, müssten sich an diese Richtlinienpreise halten oder Abweichungen davon melden und begründen.

Eine größere Herausforderung ist es, die Manipulation von Verrechnungspreisen in den wohlhabenden G-8-Staaten anzugehen. Intellektuelles Kapital von hohem Wert – Erfindungen, geheime Produktionsformeln, Rechte an Designs oder Medien – gehört rechtlich gesehen häufig einem Konzernableger in einer Steueroase, wo dieses Kapital allerdings keineswegs entstanden ist. Konzernableger in Jurisdiktionen mit höheren Steuern kaufen die Rechte an diesem Kapital und transferieren damit Profite in die Steueroase.

Dagegen vorzugehen ist kompliziert: Es gibt keine ideale technische Lösung. Eine Option wäre, dass Unternehmen genau angeben müssen, wo ihre Profite jeweils entstehen. Solche Transparenz könnte den Anreiz zur Steuervermeidung vermindern, weil damit Imagerisiken einhergehen können. Das britische Institute of Chartered Accountants empfiehlt, dass Unternehmen nur solche Steuerkonstruktionen aufbauen, die sie gegenüber der Öffentlichkeit verteidigen wollen würden.