SteuerfluchtKeine Geheimnisse mehr!

Die Verschleierung von Konzernaktivitäten in Offshorezentren schadet der ganzen Welt. Ein Reformvorschlag des englischen Ökonomen Paul Collier von Paul Collier

Steuerparadies Cayman-Islands (Archivbild)

Steuerparadies Cayman-Islands (Archivbild)  |  © David Rogers/Getty Images

In den vergangenen Jahren haben Anwälte und Steuerberater die Welt mit einem Netz aus schwer durchschaubaren Arrangements überzogen, welches Steuervermeidung und Korruption in alarmierendem Ausmaß ermöglicht. Private Finanzvermögen in Steueroasen sind auf 21 Billionen Dollar angewachsen, darunter neun Billionen aus Entwicklungsländern. Eine Reihe winziger Hoheitsgebiete wie Zypern oder die Cayman Islands sind zur Heimat von Billionen Dollar von Konzernvermögen geworden, weil sie eine unschlagbare Kombination aus Nullsteuern und Geheimhaltung anbieten. Manche Branchen wie die Schifffahrt sind längst von Steueroasen dominiert.

Obwohl es sehr profitabel ist, wenn das Handeln von Konzernen undurchschaubar wird, liegt es doch eindeutig nicht im allgemeinen Interesse. Die Situation ist entstanden, weil sie nicht durch nationalstaatliches Handeln aufgehalten werden konnte. Man kann nur etwas dagegen tun, wenn die großen Volkswirtschaften auf hoher politischer Ebene kooperieren. Die am besten geeignete Plattform dafür ist das Treffen der G-8-Industrienationen, und das Thema steht für dieses Jahr auf der Agenda.

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Steuervermeidung lebt davon, dass es über 700 unabhängige Steuerjurisdiktionen auf der Welt gibt, und in jeder davon kann man den Sitz seines Unternehmens anmelden. Der Wettbewerb hat Steueroasen entstehen lassen.

Die einfachste Form der Steuervermeidung bedient sich der Verrechnungspreise: Die Niederlassung eines Konzerns in einem Hoheitsgebiet mit hohen Steuern "verkauft" ihre Produkte an eine andere Niederlassung in einer Jurisdiktion mit niedrigen Steuern – zu einem Preis, der unter dem wahren Wert liegt. Dann fallen in der Hochsteuerland-Niederlassung geringere Profite an, also geringere Steuern. G-8-Länder begrenzen dies üblicherweise, weil sie die Preise für solche Transaktionen innerhalb von Konzernen genau untersuchen, aber der Trick bleibt ein akutes Problem etwa in Afrika, wo die Steuerbehörden das nicht können. Als ich mit Steueraufsehern in Sambia darüber sprach, warum die Kupfergesellschaften so wenig Steuern zahlten, obwohl doch der Weltpreis für Kupfer so hoch sei, bekam ich das so erläutert: Es gebe in Sambia eben nur wenige echte Steuerexperten – alle in Diensten der Konzerne.

Die G8 kann viel dazu beitragen, dass Afrika besser mit diesem unternehmerischen Fehlverhalten klarkommt. Afrika leidet hier, weil seine kleinen Jurisdiktionen keine Chance haben, jede für sich die notwendigen Kapazitäten in den Ämtern aufzubauen. Daher wäre es eine Hilfe, wenn Informationen über Transferpreise weltweit zur Orientierung veröffentlicht würden. Die Industrieländerorganisation OECD will eine solche Datenbank aufbauen, und die G8 könnte das politisch anstoßen. Internationale Konzerne, die in Afrika operieren, müssten sich an diese Richtlinienpreise halten oder Abweichungen davon melden und begründen.

Eine größere Herausforderung ist es, die Manipulation von Verrechnungspreisen in den wohlhabenden G-8-Staaten anzugehen. Intellektuelles Kapital von hohem Wert – Erfindungen, geheime Produktionsformeln, Rechte an Designs oder Medien – gehört rechtlich gesehen häufig einem Konzernableger in einer Steueroase, wo dieses Kapital allerdings keineswegs entstanden ist. Konzernableger in Jurisdiktionen mit höheren Steuern kaufen die Rechte an diesem Kapital und transferieren damit Profite in die Steueroase.

Dagegen vorzugehen ist kompliziert: Es gibt keine ideale technische Lösung. Eine Option wäre, dass Unternehmen genau angeben müssen, wo ihre Profite jeweils entstehen. Solche Transparenz könnte den Anreiz zur Steuervermeidung vermindern, weil damit Imagerisiken einhergehen können. Das britische Institute of Chartered Accountants empfiehlt, dass Unternehmen nur solche Steuerkonstruktionen aufbauen, die sie gegenüber der Öffentlichkeit verteidigen wollen würden.

Leserkommentare
  1. ...bei den Begrifflichkeiten.

    Oben steht:

    "In den vergangenen Jahren haben Anwälte und Steuerberater die Welt mit einem Netz aus schwer durchschaubaren Arrangements überzogen, welches Steuervermeidung und Korruption in alarmierendem Ausmaß ermöglicht."

    In Deutschland ist Steuervermeidung völlig legal und korrekt, nach Aussage des Bundesfinanzhofes und sämtlicher Experten, vgl.

    http://www.uni-saarland.d...

    bitte also diesen Begriff nicht in einen Topf werfen mit kriminellen Machenschaften !

    2 Leserempfehlungen
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    • tnie
    • 18. April 2013 13:27 Uhr

    unzweifelhaft sind ein Großteil der Steuervermeidungskonstruktionen absolut legal. Dafür gibt es ja Steuerberater.

    Das ändert nichts daran, dass man schon sehr kreativ sein muss, um solches Handeln moralisch zu rechtfertigen. Wenn die Zeit unmoralisches und ungesetzliches Handeln in einen Topf werfen und gemeinsam anprangern möchte mag das nicht die feine Art sein, aber es ist weitgehend legitim. Ich stimme Ihnen aber insofern zu, dass im Artikel deutlicher klargestellt werden sollte, dass eben zwei unterschiedliche - aber verwandte - Phänomene beschrieben werden.

    Es geht hier um rechtliches Niemandsland und um Auslegungen von Gesetzestexten. Und in den meisten Fällen ist es dem Berater klar, das dies nicht im Sinne des Gesetzes ist.

    Aber um diese Hintertürchen zu finden oder dafür zu sorgen das es sie gibt, werden diese Leute ja auch gut bezahlt.

    Hier von völlig legal und korrekt zu schreiben, zeigt die ganze Verkommenheit dieser Branche.

    ...Sie haben es nicht verstanden, mit Verlaub, in Deutschland sind nicht nur viele Steuervermeidungen legal,

    sondern alle,

    deswegen gibt es die Unterscheidung zwischen Steuervermeidung, Steuerumgehung und Steuerhinterziehung, es schadet den Journalisten nicht, bevor Sie solche Artikel schreiben (ich hoffe, es liegt nur an der Übersetzung) sich mit den termini technici vertraut zu machen, die hier gelten,

    Sie merken doch an sich selbst, wie sich falsch gewählte Begrifflichkeiten einprägen und festsetzen, und so ensteht auch ein falsches Bild insgesamt, denn streng genommen vermeidet jeder Steuer, der in der Mittagspause eine Currywurst mitnimmt, statt sie vor Ort zu verzehren (nur bekommt es natürlich weder von der Imbissbude gesagt noch wirds billiger, aber das ist ein anderes Thema).

    Sprache ist ja durchaus in der Lage auch paradoxe Zustände zu beschreiben.
    *Legale Übeltäter* ist so ein einfacher wie zutreffender Begriff!
    Für kriminelle Steuerhinterzieher ist die Judikative zuständig,
    gegen die legalen Übeltäter sollten wir gesellschaftlichen Druck auf die Legislative ausüben!

    Steht irgendwas in dem Zitat davon, dass etwas Illegales gemacht wurde? Doch wohl nicht, sondern es wird nur festgestellt, dass Steuerberater und Rechtsanwaelte ein System geschaffen haben, dass Korruption und Steuervermeidung ermoeglicht bzw. vereinfacht. Und der Autor stellt in Frage, ob dies normativ gerechtfertigt ist bzw. verneint dies. Oder meinen Sie, es muesse grundsaetzlich aus welchem unsinnigen Grunde auch immer eine Moeglchkeit der Steuervermeidung geben? Kein Oekonom dieser Welt wuerde so einen Unsinn fordern, denn dies schafft ja erst Steuerverzerrungen, die grundsaetzlich unerwuenscht sind.

    • tnie
    • 18. April 2013 13:21 Uhr

    Ich würde ja zu gern glauben, dass das Anprangern von unlauteren Steuerkonstruktionen Unternehmen wirklich davon abhalten würde, weil Imageschäden wirklich Einfluss auf das Konsumverhalten hätten - aber wer glaubt denn wirklich daran?

    Der Apple-Konzern - einer der "wertvollsten" Konzerne der Welt - dient als ein super Beispiel für das Gegenteil: bekanntermaßen miese Arbeitsbedingungen in der Herstellung (Stichwort Foxconn) in Kombination mit kriminell niedrigen Steuerzahlungen (Einkommenssteuersatz von sage und schreibe 1,9%, siehe z.B. http://www.wiwo.de/finanz...).
    Man könnte meinen, dass das bei einem Unternehmen im Endkundenmarktsegment (wer könnte schon irgendeinen Industriekonzern boykottieren, dessen Name auf keinem Produkt steht das man kauft, also ist Image hauptsächlich ein Problem für handel mit Endkunden) für ein ruiniertes Image sorgt. Tut es das?

    Realistisch betrachtet weisen doch alle börsendotierten Unternehmen in ihren Bilanzen aus, wie viel (eher: wenig) Steuern sie bezahlen. An den Finanzmärkten ist aber eben das effektive Vermeiden von Steuern ein Kaufargument als wenn ein Unternehmen auf die bescheuerte Idee kommt, sein Einkommen ganz normal zu versteuern.

    Eine Leserempfehlung
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    egal: die Zeit versucht auf Teufel komm raus mit der SZ die Positionen der Grünen und SPD , der neuen Gerechtgigkeitsfanatiker zu uppen.
    amüsant- wenn auch durchsichtig.

    Die bösen Reichen werden nun schon kriminalisiert , um ja jeden für die Steuerpläne der Grünen empfänglich zu machen.
    Dass diese Partei dabei ihr eigenens Klientel als profiteuer der Umverteilung zum Staat im Fokus hat, nämlich Staatsbeamte, wird galant verschwiegen.

    Nun: Reich ist man ab 1 Mio ? Legt man die Grenzen höher ist der Ertrag zu gering.Tja..ein Paradox..mir ist fast so ,als sei das schon mal beschrieben worden.
    In einer Woche werden sich Trittin und Kretschmann mit Palmer und Roth so in den Haaren liegen, dass es amüsant werden wird

    • tnie
    • 18. April 2013 13:27 Uhr

    unzweifelhaft sind ein Großteil der Steuervermeidungskonstruktionen absolut legal. Dafür gibt es ja Steuerberater.

    Das ändert nichts daran, dass man schon sehr kreativ sein muss, um solches Handeln moralisch zu rechtfertigen. Wenn die Zeit unmoralisches und ungesetzliches Handeln in einen Topf werfen und gemeinsam anprangern möchte mag das nicht die feine Art sein, aber es ist weitgehend legitim. Ich stimme Ihnen aber insofern zu, dass im Artikel deutlicher klargestellt werden sollte, dass eben zwei unterschiedliche - aber verwandte - Phänomene beschrieben werden.

    Antwort auf "Bitte aufwachen..."
  2. "In Deutschland ist Steuervermeidung völlig legal und korrekt, nach Aussage des Bundesfinanzhofes und sämtlicher Experten, vgl.
    http://www.uni-saarland.d...
    bitte also diesen Begriff nicht in einen Topf werfen mit kriminellen Machenschaften !"

    Das kann man so nicht stehen lassen:

    Der Link, den Sie angeben erklaert nur die Begrifflichkeiten, dass es "legitime Steuervermeidung", "illegitime Steuervermeidung" und "Steuerhinterziehung" gibt.

    ... und ich denke die Grenzen sind dabei wie immer fliessend.
    Ich kann aber nicht nachvollziehen, wie man es erlaubt und ev noch als legitim bezeichnet, wenn Gewinne, die in einem Land erworben werden, dann ploetzlich auf Zypern entstanden sein sollen, wo es nur einen BriefkastenAbleger dieser Firma gibt, ohne Büro, Komputer, Angestellem ...das ist laecherlich und nach meinem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden NICHT LEGITIM und muss unter die Rubrik "Steuerhinterziehung"...
    kann sein, dass da immer noch einige Personen, Anwälte, Gerichte in verschiedenen "Jurisdiktionen" dies als legitim erachten, aber gendau DAS MUSS SICH ÄNDERN! - weil es die Steuern in dem Land vermindert, wo die Gewinne tatsächlich erworben werden! Dh unserem Staat (im Endeffekt uns Bürgern) fehlen diese Steuern!

    3 Leserempfehlungen
  3. Es geht hier um rechtliches Niemandsland und um Auslegungen von Gesetzestexten. Und in den meisten Fällen ist es dem Berater klar, das dies nicht im Sinne des Gesetzes ist.

    Aber um diese Hintertürchen zu finden oder dafür zu sorgen das es sie gibt, werden diese Leute ja auch gut bezahlt.

    Hier von völlig legal und korrekt zu schreiben, zeigt die ganze Verkommenheit dieser Branche.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bitte aufwachen..."
  4. ...Sie haben es nicht verstanden, mit Verlaub, in Deutschland sind nicht nur viele Steuervermeidungen legal,

    sondern alle,

    deswegen gibt es die Unterscheidung zwischen Steuervermeidung, Steuerumgehung und Steuerhinterziehung, es schadet den Journalisten nicht, bevor Sie solche Artikel schreiben (ich hoffe, es liegt nur an der Übersetzung) sich mit den termini technici vertraut zu machen, die hier gelten,

    Sie merken doch an sich selbst, wie sich falsch gewählte Begrifflichkeiten einprägen und festsetzen, und so ensteht auch ein falsches Bild insgesamt, denn streng genommen vermeidet jeder Steuer, der in der Mittagspause eine Currywurst mitnimmt, statt sie vor Ort zu verzehren (nur bekommt es natürlich weder von der Imbissbude gesagt noch wirds billiger, aber das ist ein anderes Thema).

    Antwort auf "Bitte aufwachen..."
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    Aber das kann ich auch, denn in ihrer angegebenen Textpassage steht nichts davon das Steuervermeidung illegal wäre.

    Weshalb also der mehr als unnötige Hinweis, das dies nicht kriminell ist.

  5. Sprache ist ja durchaus in der Lage auch paradoxe Zustände zu beschreiben.
    *Legale Übeltäter* ist so ein einfacher wie zutreffender Begriff!
    Für kriminelle Steuerhinterzieher ist die Judikative zuständig,
    gegen die legalen Übeltäter sollten wir gesellschaftlichen Druck auf die Legislative ausüben!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Bitte aufwachen..."
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    ...es gibt keine legalen Übeltäter, entweder legal, oder Übeltäter.

    Moralische Wertungen sind hier teilweise auch nicht angebracht, jedem Millionär steht offen, sein Geld oder Gold nach Takkatukkaland zu bringen, salopp gesagt, solange er die Kapitalerträge versteuert, bei Steuerpflicht im Inland,

    genauso wie es jedem Mallorcaurlauber im Sinne von Herrn Gabriel freisteht, auf Mallorca 10 Euro Spesen auszugeben, pro Nacht, oder 10.000.

  6. ...es gibt keine legalen Übeltäter, entweder legal, oder Übeltäter.

    Moralische Wertungen sind hier teilweise auch nicht angebracht, jedem Millionär steht offen, sein Geld oder Gold nach Takkatukkaland zu bringen, salopp gesagt, solange er die Kapitalerträge versteuert, bei Steuerpflicht im Inland,

    genauso wie es jedem Mallorcaurlauber im Sinne von Herrn Gabriel freisteht, auf Mallorca 10 Euro Spesen auszugeben, pro Nacht, oder 10.000.

    Antwort auf "Ich bin hellwach!"
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    und der Trägheit unserer Legislative finde ich moralische Überlegungen und Wertungen gesellschaftlich immer nötiger und wichtiger!
    Egal ob es sich um unsinnige Fleischtransporte durch Europa handelt oder Finanzsysteme und Geldströme auf digitalen Wegen um den Globus.

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