Stilkolumne : Blumenmuster

Eine Stilkritik
Sag mir, wo die Blumen... ah, hier: Hemd von Carven, 290 Euro © Peter Langer

Wer sich ein Bild von der misslichen Lage des männlichen Geschlechts machen möchte, sollte sich einfach mal in der Männermode umschauen. Die aktuellen Kollektionen richten sich nicht mehr an den Mann, der sie tragen soll, seine Bedürfnisse, Ansprüche und Eigenheiten spielen offenbar keine Rolle. Es geht dabei um die Frau – und wie sich der Mann in Beziehung zu ihr setzt. Mal sollte er metrosexuell sein, dann durfte er wieder maskuliner auftreten – und nun ist er wieder in einer besonders zarten Ausformung gefragt. Jedenfalls wenn man zum Maßstab nimmt, was ihm zur Ausstattung für diesen Sommer angereicht wird. Es wird nämlich blumig. Hatten florale Drucke die Damenmode der vergangenen Sommer schon fest im Griff, blüht es nun auch auf Herrenhemden kräftig. In seiner ersten Herrenkollektion für Carven hat der Designer Guillaume Henry einen botanischen Blumendruck integriert. Und Henry ist nicht der einzige textile Gärtner: Es gibt tropische Prints bei Balenciaga, solche in Pastellfarben bei Bottega Veneta, neonfarbene bei Dirk Bikkembergs. Blumen kommen auf Seide bei Gucci daher, als abstrakte Rosen bei Paul Smith oder knallig bunt und grafisch bei Versace.

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Übrigens hatte der Blumenprint in seiner ursprünglichen Form gar nichts Feminines. In den vierziger Jahren zierten Blumen das "Aloha Shirt", das auf Hawaii getragen wurde. Es wurde vor allem durch die amerikanischen Soldaten weltweit bekannt. Einen Botschafter hatte es in Elvis Presley, der sogar 1973 das Konzert "Aloha from Hawaii" im Blumenshirt spielte. Und dann war da natürlich noch Tom Selleck, Hauptdarsteller in der Serie Magnum, der als Privatdetektiv durchgehend in einem mit Hibiskusblüten bedruckten Hemd zu sehen war. Das Hawaii-Hemd verhieß eben ein süßes Leben in der Südsee, befreit von allen Sorgen. Bevor es so beliebt wurde, war es übrigens das Kleidungsstück der sorgenbehafteten sozialen Randgruppen der Insel.

Nun soll der Mann wieder Blumen tragen. Er tut das weder als Rockstar noch als Macho. Die Blüten sind Symbol für seine neue Empfindsamkeit. Das Carven-Hemd ist übrigens mit Blumen bedruckt, die an botanische Abbildungen in Enzyklopädien erinnern. Immerhin kann man auf diese Weise zum Ausdruck bringen: Wir sind nicht nur sensibel, wir sind auch gebildet.

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Metrosexuell?

„Metrosexuell“ lese ich in der neuen ZEIT, äh: genauer: ZEIT-MAGAZIN: Nein, nicht bei Martenstein. Der hätte das Adjektivsel ironisiert. Da steh ich auf dem Schlauch. Wen oder wenn soll ich fragen? Irgendeinen buschigen Querulanten oder Oben-Unten-verdreht-sein-Künstler? Einen begrifflichen Baseltitz? Oder den Schnuller meiner Enkelein (1;1 J.), den ich noch beschreiben könnte?
Da, ich lese im ganzkörper-dienlichen Wiki und keiner hat es mir bisher beigebracht: Irgendwie ein bisschen modern, nicht zu viel. Ganz wacker männlich. Denn das Begriffchen scheint sich nicht auf Frauen anwenden zu lassen:
http://de.wikipedia.org/w...
Aber, Pustekcuhen, indem Artikelchen geht es nicht um Sexualität. Sondern: Wie Frauen es schaffen, einen Manna, der sich nicht ablenken lassen will von seiner normal-high-Role, zu verkleiden. Zur Not auch mit dem geschickten Abbild von metrosexuellen lümchen, pardon: Blümchen. Ja, auf dem Hemd. Nicht an oder auf seinem Geschlechtslümmel. Den jede Frau so heimlich belecken darf wie das Abziehbild eines Metrosexuellen.
Aber, bitte, privatest! Nicht in einem ZEIT-Mgaasinn, pardon: -Magazin.

Aber, nein: Blümchen sind nicht sexuell. Und sie haben Wirkungen, die durch Farbe und Formen und Freisinn geboren werden.