Vogelgrippe H7N9Neue Viren, ganz unauffällig

Warum das neue Grippevirus aus China uns noch nicht sorgen muss von 

Veterinärexperten testen in Hongkong Hühner auf das Influenzavirus A/H7N9.

Veterinärexperten testen in Hongkong Hühner auf das Influenzavirus A/H7N9.  |  © Philippe Lopez/AFP/Getty Images

Die Welt hielt den Atem an. Killerviren überzogen das Land, niemand fühlte sich mehr sicher vor den Mikroben, die Menschen waren aufgeschreckt vom schrillen Alarm der Medien. Das Schweinegrippevirus wurde 2009 zu Recht Erreger genannt.

Verglichen damit, herrscht derzeit eine fast unheimliche Gelassenheit. Denn erstens haben wir in diesem Winter die heftigste Grippeepidemie der vergangenen Jahre erlebt. Zweitens kommen von der arabischen Halbinsel beunruhigende Nachrichten über elf Todesfälle durch einen bisher völlig unbekannten Verwandten des Sars-Virus. Drittens sind in China bereits mehrere Menschen durch das Grippevirus H7N9 gestorben, das nie zuvor Menschen infiziert hat. Noch vor wenigen Jahren hätte solch ein Szenario Öffentlichkeit und Medien in Panik versetzt.

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Ist die neue Ruhe nun fahrlässig oder gerechtfertigt? Immerhin, der heftige Grippewinter ist überstanden. Und der neue Verwandte des Sars-Virus breitet sich nur sehr langsam aus. Bleibt noch die Frage: Wie gefährlich ist das neue Grippevirus H7N9? Dieser seltsame Erreger befällt das Geflügel, aber macht es nicht krank. Deshalb breitet er sich unbemerkt in immer mehr Hühnerställen aus. Er reist wie 2006 das Vogelgrippe-Virus H5N1 – nur unauffälliger. Dabei befällt er hier und dort Menschen, die oft schwer erkranken. Bis Mittwoch sind neun Infizierte gestorben.

Flexible Grippeviren

Grippeviren kommen in der Natur in unterschiedlichsten Varianten vor und sind auf verschiedene Wirte spezialisiert. Unter Menschen umgehende Influenza-Viren lösen jedes Jahr eine Grippewelle aus, die um den Erdball geht. Allein in Deutschland erkranken jährlich Hunderttausende bis über eine Million Menschen an einer echten Grippe.

Welcher Virus-Subtyp die Grippewelle dominiert, ist von Jahr zu Jahr verschieden. In der Saison 2009/2010 war es zum Beispiel A/H1N1, der unter dem irreführenden Namen Schweinegrippe bekannt wurde, weil er einst in Schweinen mutierte und sich zu einer von Mensch zu Mensch ansteckenden Form entwickelte. In der aktuellen Saison gehen nach Informationen des Robert Koch-Instituts weiterhin A/H1N1 und H3N2 zu etwa gleichen Teilen um, ein weiteres Drittel der Infizierten bekommen eine Grippe vom Typ B.

Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

Vogelgrippe-Varianten

In Einzelfällen können auf Vögel spezialisierte Influenza-Viren auch Menschen befallen. Die bekannteste für Menschen relevante Form ist A/H5N1.Sie ist seit 2003 immer wieder vereinzelt unter Menschen aufgetreten, vor allem in Ägypten, Indonesien und Vietnam – und zwar fast immer in Regionen, in denen Menschen in engem Kontakt mit infiziertem Geflügel leben, Tiere schlachten und das Fleisch selbst verarbeiten. Bis heute haben sich damit 648 Menschen infiziert, 384 starben daran (Stand Dezember 2013).

Der Erreger ist aber nach wie vor hauptsächlich ein Problem für Geflügelbauern und er löst keine großen Epidemien unter Menschen aus. Er bleibt eine Tierseuche, die nur in Ausnahmefällen Menschen betrifft. 

Erkenntnisse über das noch recht unerforschte Virus A/H7N9 schließen die Wissenschaftler weitgehend aus dem, was sie über A/H5N1 wissen. Bislang starben an dem neuen A/H7N9-Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO über 40 Menschen, mehr als 140 haben sich infiziert.

Die Vogelgrippe A/H10N8 hat im Dezember 2013 erstmals nachweislich einen Menschen infiziert – und getötet.

Gerade weil sich dieser neue Grippeerreger so heimlich ausbreitet, wird er weit kommen – auch nach Deutschland. Bis jetzt aber scheint das Virus nur direkt vom Federvieh auf den Menschen zu springen. Solange sich nicht Menschen untereinander anstecken, sollte Distanz zu Geflügelzuchten und -märkten Ansteckung ausschließen. Wie gut das hierzulande funktioniert, zeigt die Vogelgrippe. Sie ist seit dem großen Vogelseuchenzug 2006 nie ganz verschwunden. Im Februar gab es wieder einen Ausbruch in einem Brandenburger Entenmastbetrieb. Niemand ist gestorben, und noch immer springt dieser Erreger nicht leicht von Mensch zu Mensch.

Die Virenjäger haben dazugelernt. Die Überwachung ist verschärft, die Weltgesundheitsorganisation verkündet täglich den neuesten Stand. Die ersten Testkits für das Virus werden gerade in den USA entwickelt, ebenso ein Impfstoff-Prototyp. In ersten Prüfungen reagierte das neue Virus empfindlich auf bekannte Grippemedikamente wie Oseltamivir und Zanamivir. Zwar sind Grippeviren generell unberechenbar. Aber derzeit entspricht die allgemeine Gelassenheit ganz der Lage. Nur die Fachwelt bleibt gespannt.

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Leserkommentare
  1. Die Vogelgrippe kann sich durch kaltes Trinkwasser ausbreiten. Menschen scheiden das H7N9 Vogelgrippevirus mit Erbrochenem und Fäkalien aus. So gelangen die Vogelgrippeviren über das Abwasser in die Gewässer. Infizierte Tiere verschmutzen durch Fäkalien und mit ihren Ausscheidungen aus Nase und Maul bzw. Schnabel das Wasser. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Oberflächen-, Quell- und Grundwasser sind mit Viren belastet. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb tritt die Influenza bei uns überwiegend im Winter auf. Die sehr kleinen Viren werden im herkömmlichen Wasserwerk nur unvollständig gefiltert. Chlorung z. B. bringt wenig, weil Viren im Wasser verklumpt vorkommen und deshalb von den herkömmlichen Desinfektionsverfahren nicht vollständig erreicht werden. Die Ultrafiltration des Trinkwassers für 0,50 Euro je Person und Monat ist erforderlich.

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