Nur wenige Rezepte, die einem in Magazinen und Kochbüchern gefallen, kocht man nach. Das macht nichts. Es geht darum, sich vorzustellen, wie es wäre, die Gerichte zu kochen. Man kann sich eine Rezeptsammlung anlegen namens: Die besten Rezepte, die ich nie nachgekocht habe und nie nachkochen werde. Das ist so schön melancholisch wie Judith Schalanskys Atlas der abgelegenen Inseln über Orte, die sie nie bereisen wird.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Nigel Slaters neues Kochbuch mit dem Titel Tender eignet sich gut fürs Fantasie-Kochen, denn es ist fast 600 Seiten dick, aufwendig gestaltet wie ein Bildband, und man kann darin stundenlang lesen ohne die geringste Absicht, etwas daraus zu kochen. Das Buch handelt vom Obst, das Slater in seinem Hinterhofgarten in London anbaut (der erste Band ist letztes Jahr auch bei DuMont erschienen und handelt von Gemüse). Rhabarber, das erste Obst des Jahres (botanisch gesehen ein Gemüse), isst er zu Schweinefleisch, Makrele und Lachs. Aber, sagt Slater, am besten ist Rhabarber immer noch als Dessert. Also wird er mit Blutorangen und Vanille im Ofen geschmort.

Ein Rezept, so einfach, dass man es vielleicht doch in die Realität umsetzt. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Rhabarber abspülen, Blätter entfernen. Die Stängel in kurze Stücke schneiden und in eine ofenfeste Form geben. 2 Orangen schälen, die weiße Haut vollständig entfernen, Früchte in dicke Scheiben schneiden und zum Rhabarber geben. Den Saft der anderen beiden Orangen auspressen und über das Obst in der Form geben. Alles mit Zucker bestreuen – wer es süßer mag, nimmt etwas mehr als einen Esslöffel. Die Vanilleschote längs aufschneiden, in die Form legen. Mit Alufolie abdecken und im Ofen backen, bis der Rhabarber weich ist. Das dauert wahrscheinlich 20 Minuten. Abkühlen lassen und in Gläser füllen, die man vor dem Essen eine Stunde im Kühlschrank kalt stellt.

Rhabarber mit Orange
(für 4 bis 6 Personen)

750 g Rhabarber
4 Blutorangen
1 EL Zucker (am besten Rohrohrzucker)
1 Vanilleschote