Die Ausstellung "De l'Allemagne. 1800–1939" im Louvre sorgt seit zwei Wochen für eine lebhafte Debatte in Deutschland und Frankreich. Sie war mit dem deutschen Partner, dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte, das von dem Kunsthistoriker Andreas Beyer geleitet wird, organisiert worden. Die Kunstwerke – darunter Gemälde von Caspar David Friedrich und Max Beckmann – wurden vom Louvre konzeptionell mit der deutschen Nationenwerdung verzahnt, was in der ZEIT (Nr. 15/13) kritisiert worden war. Wir berichteten darüber hinaus, dass sich Andreas Beyer von der Ausstellung distanziert hat. Von der Konzeption der Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft des französischen Staatspräsidenten und der Bundeskanzlerin gezeigt wird, empfand sich das Deutsche Forum ausgeschlossen und als Materialbeschaffer degradiert. Wir dokumentieren leicht gekürzt einen Brief des scheidenden Louvre-Präsidenten an die ZEIT, der unsere Auseinandersetzung mit der Ausstellung für "frankophob" und "polemisch" hält.

Die Anschuldigungen, mit denen den deutschen Lesern weisgemacht werden soll, der Louvre hätte mit seiner Ausstellung eine "unheimliche" Sicht von Deutschland vermitteln wollen, erscheinen mir als völlig unbegründet. Schon die Leitidee der Ausstellung ist das genaue Gegenteil eines solchen Ansatzes. Wir hatten keinen anderen Ehrgeiz, als dem französischen Publikum die Möglichkeit zu bieten, den Reichtum, die Vielfalt und Kreativität der deutschen Malerei von 1800 bis 1939 zu entdecken.

Es ist unbestritten, dass das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris bei der Entstehung dieser Ausstellung eine Rolle gespielt hat. Tatsächlich hatte es dem Louvre ein Projekt über "Weimar 1800" vorgeschlagen – ein für eine "Sonderausstellung" geeignetes Thema in einem kleineren Bereich des Museums. Ich selbst hatte auch schon lange über eine Ausstellung rund um die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts nachgedacht.

Daher habe ich, als mir der Vorschlag des Deutschen Forums unterbreitet wurde, die Gelegenheit zu einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen ergriffen. Es schien mir jedoch auf der Hand zu liegen, dass dieses Projekt, aufgrund der fast völligen Unwissenheit des französischen Publikums über diese Periode der deutschen Malerei und weil die Ausstellung für das Gedenkjahr an die wiedergewonnene deutsch-französische Freundschaft geplant war, einen ganz anderen Umfang bekommen müsste.

Ziel der Ausstellung De l'Allemagne ist es, das Interesse der französischen und ausländischen Besucher des Museums für die deutsche Kunst des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts zu wecken, indem sie mit der dem internationalen Publikum weitaus vertrauteren Kunst der Zwischenkriegszeit verbunden wird. Mit dieser ehrgeizigen und thematisch gewagten Ausstellung in seinen glanzvollsten Sälen mit Werken von außergewöhnlicher Qualität, wovon viele noch nie in Frankreich gezeigt wurden, hat der Louvre auf diese Weise einen profilierten Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft leisten wollen und, im Zusammenhang mit den Feiern zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags, den kulturellen Dialog zwischen Franzosen und Deutschen zu fördern und zu stärken versucht.

Oberste Aufgabe des Louvre ist es, sich in erster Linie an das breite Publikum zu richten. Die Jahreszahlen, die die Ausstellung eingrenzen, 1800 und 1939, sollten leicht einzuprägen sein. 1939 markiert den Beginn des Zweiten Weltkriegs, er betrifft ganz Europa und die ganze Welt. Der Louvre war darauf bedacht, weder 1933 noch 1937 (das Jahr der Ausstellung Entartete Kunst) zu wählen, was dahingehend hätte interpretiert werden können, dass sich das deutsche Kunstschaffen damals einzig und allein auf die Nazikunst beschränkte – als hätte es keinen Ausdruck von Widerstand vonseiten der Künstler gegeben.

Diese lange Periode wurde nicht gewählt, um einen vollständigen, linearen Überblick über die Kunstrichtungen in Deutschland zu geben, sondern um dem französischen Publikum drei Schlüssel zum Verständnis der deutschen Kunst anzubieten: ihre Beziehung zur Vergangenheit, die Beziehung zur Natur und die Beziehung zum Menschen. Diese Vorentscheidung zielte unter anderem darauf ab, jede Möglichkeit einer teleologischen Auslegung zu vermeiden, die den Eindruck einer Kontinuität von der Romantik zum Nationalsozialismus hätte erwecken können.