DemografieDie schon wieder!

Sie sind viele, sie sind reich, und sie sind mächtig: Die Babyboomer bestimmen, wo es langgeht – in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kultur. Warum kommen die Jüngeren nicht gegen sie an? Eine Polemik von 

Ein Rentner in Lederhosen erklärt mir, wie Deutschland zu retten ist: "Der Euro muss weg!" Ein weißbärtiger Mann winkt mit einem Hundertmarkschein. Der 72-jährige ehemalige Wirtschaftsprofessor Joachim Starbatty posiert mit seinem Buch Tatort Euro. Im Foyer laufen der 73-jährige ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel und der 72-jährige ehemalige CDU-Staatssekretär Alexander Gauland an mir vorbei. Es ist der Gründungsparteitag der "Alternative für Deutschland" im Hotel Intercontinental in Berlin.

Früher, vor 33 Jahren, als die Grünen entstanden, waren die Protestler jung, hier sind die meisten über 50. Früher trugen die Alternativen lange Haare, heute tragen sie Einstecktuch. Damals träumten sie von einer Zukunft voller Sonnenenergie. Heute wollen sie die D-Mark zurück.

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Wann habe ich eigentlich angefangen, mich zu wundern?

War es im März, als der Altpunker Campino (50) für den wichtigsten deutschen Musikpreis Echo nominiert wurde, gemeinsam mit den Altrockern Bruce Springsteen (63), Joe Cocker (68) und Peter Maffay (63)?

War es im Winter, als die Altpolitiker Peer Steinbrück (66) und Rainer Brüderle (67) zu Hoffnungsträgern ihrer Parteien gekürt wurden?

Oder war es nach der Wahl in Italien, wo seither ein 87-jähriger Staatspräsident und ein 76-jähriger korrupter Milliardär um die Macht rangeln, gemeinsam mit einem 70-jährigen ehemaligen Investmentbanker, einem 64-jährigen Komiker und einem 61-jährigen Sozialdemokraten?

Vielleicht war es auch während einer dieser Talkrunden, in denen der 44-jährige Markus Lanz als "junger Mann" bezeichnet wurde – oder als eine 74-jährige ehemalige Nachrichtenmoderatorin behauptete, Männer, die Frauen herabwürdigen, "sind nun mal so".

Kann sein, dass es in jenen Wochen war, als die Zahl der jungen Arbeitslosen in den Euro-Krisenländern einen neuen Rekord erreichte – einige Feuilletons aber fürs Sitzenbleiben in den Schulen kämpften, als sei es ein Menschenrecht. Womöglich war es auch die Ankündigung neuer Actionfilme mit Sylvester Stallone (66) und Arnold Schwarzenegger (65)?

Ich weiß nicht, wann es anfing – ich weiß nur, dass es auf einmal da war: dieses Gefühl, dass die Zeit festgefroren ist.

Die Deutschen sind das zweitälteste Volk der Welt, vor den Italienern, nach den Japanern. Jeder zweite Bundesbürger ist älter als 45, jeder dritte Wahlberechtigte ein Rentner.

Sie, lieber ZEIT-Leser, sind im Schnitt 51 Jahre alt. Der durchschnittliche Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Programme ist über 58. Ich bin 35 und habe nichts gegen Menschen, die älter sind: Ich liebe meine Eltern, ich habe viele ältere Freunde, meine Chefs sind in Ordnung. Doch für Menschen unter 40 kann sich das Leben anfühlen wie ein immerwährendes Auswärtsspiel.

In der Schule habe ich gelernt, dass der Bevölkerungsaufbau unserer Gesellschaft an eine Zwiebel erinnert: unten ein schmales Ende (das waren wir Kinder), oben ein schmales Ende (die Alten), dazwischen ein gewaltiger, kraftstrotzender Bauch: unsere Eltern, eine Menge Leute zwischen 20 und 50. Das war in den Achtzigern.

Inzwischen ist der Bauch nach oben gerutscht, Jahr für Jahr wandert er, und bald, so prognostiziert es das Statistische Bundesamt, wird aus der Zwiebel ein Pilz werden: ein schmaler Stiel (wir), darüber ein breiter Hut, die Menschen über 60.

Ich frage mich: Was macht das mit einer Gesellschaft?

Peter John Mahrenholz läuft durch ein ausgebautes Loft im Hamburger Karoviertel. Hohe Decken, große Fenster, Holzfußboden. Es sind die Räume der Werbeagentur Jung von Matt, Mahrenholz ist dort der Chefstratege.

Seine Geschäftsgrundlage ist es, zu wissen, wie die Deutschen denken und fühlen, wie sie leben, konsumieren und altern. Ein offener Aufzug surrt zwischen bunt bemalten Betonwänden nach oben, Mahrenholz steigt aus, öffnet am Ende des Flurs eine weiße Kunststofftür und betritt ein Zimmer, das sich von allen anderen Räumen in der Agentur unterscheidet. Niedrige Decke, Teppichboden, Gardinen. Vor dem Fenster steht eine Couchgarnitur, gegenüber eine Schrankwand aus Holzimitat.

"In diesem Wohnzimmer leben der 48-jährige Thomas und seine 46-jährige Frau Claudia", sagt Mahrenholz. Natürlich gibt es Thomas und Claudia nicht wirklich. Die Werber von Jung von Matt haben Deutschlands typisches Wohnzimmer nachgebaut.

Im Regal stehen Harry Potter, Thilo Sarrazin, ein paar Porzellankatzen und ein Flachbildfernseher. Thomas und Claudia seien konservativ, sagt Mahrenholz. Durch das Fernsehprogramm navigieren sie noch immer mit einer Programmzeitschrift. Erst langsam beschäftigen sie sich mit Sozialen Netzwerken im Internet, ihre Musik kommt noch immer aus dem CD-Spieler, nicht aus einem MP3-Player.

Mahrenholz setzt sich oft in dieses Wohnzimmer. Für Thomas und Claudia entwirft er seine Werbekampagnen, denn für Thomas und Claudia entwickeln die Unternehmen ihre Produkte. Die 48- bis 67-Jährigen sind die wichtigste kommerzielle Zielgruppe der Welt.

In fast allen Industrieländern setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein gigantischer Babyboom ein – in Deutschland begann er erst einige Jahre später, aber auch hierzulande gilt: Nie zuvor und nie danach wurden so viele Kinder geboren wie zwischen 1946 und 1965. Die sogenannten Babyboomer sind die größte und wohlhabendste Alterskohorte aller Zeiten.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich respektvoll. Danke, die Redaktion/sam

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    • Oakman
    • 20. April 2013 9:45 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/sam

    wollen wir das, kann Wachstum nur mit einer steigenden Bevölkerung möglich sein, warum sollte unsere Bevölkerung nicht wieder sinken können. Sind wir nicht jetzt schon eines der Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte? Obwohl wir inzwischen weniger Geburten als Todesfälle haben steigt unsere Bevölkerung weiterhin. Was war daran falsch als die Bevölkerung nur 60 Mio stark war? Es sollte eigentlich jedem klar sein das konstantes Wachstum nicht möglich ist, hätte unsere Bevölkerung sich in dem Tempo vergrößert wie zur Babyboomer Phase dann wären wir schon weit über 100 Mio in Deutschland und Ende dieses Jahrhunderts wohl auf die 200 Mio gegangen...

    • Wyt
    • 20. April 2013 9:31 Uhr

    [...]

    Die Zahlen lassen sich durch eine höhere Geburtenrate durchaus ändern.
    Hier ist die jüngere Generation biologisch bedingt gefragt.

    Gekürzt. Bitte werden Sie nicht persönlich. Danke, die Redaktion/sam

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    Nun sollen wir jungen das (in Krisenzeiten) nachholen, was ihre Generation (in den fetten Jahren) verpennt hat? Kinder hätten geboren werden müssen, als es das Gebot der Stunde war und vor allem als sich eine größere Kinderschar noch finanzieren ließ.

    Mit anderen Worten: In ihrer Generation!!!

    Aber ihre Generation hat das nicht getan und sich der Dekadenz hingegeben.
    Und deshalb finde ich es ungerecht das die jungen viel länger arbeiten müssen und fast nichts von ihrem Lohn und ihrer Rente haben werden.

    Die Kürzungen sollten JETZT und für die JETZIGE ältere Generation stattfinden, denn diese war es die den Mist verbockt hat und nicht jene Generation, welche erst Jahrzehnte später geboren wurde.

    Die Zahlen lassen sich durch eine höhere Geburtenrate durchaus ändern.
    Hier ist die jüngere Generation biologisch bedingt gefragt.

    Sie sind ja ein ulkiger Geselle. Zu der Zeit, als ich geboren wurde (frühe 80er), war es für jemanden, der noch nicht lange im Berufsleben stand, möglich, mit seinem Gehalt eine vierköpfige Familie zu finanzieren. Heute braucht man für diesen Spaß aber mindestens mal anderthalb Einkommen, wenn einer nicht wirklich gut verdient - und dann hat man vielleicht das Geld, aber dummerweise kaum noch die Zeit.

    aber es ist doch nicht die ganz große Lösung, jetzt auf einmal wieder mehr Kinder zu bekommen?!
    Wem soll das nützen; ist denn nicht nahezu jeder Arbeitsplatz bereits besetzt? Wollen wir weiter künstlich neue (Arten von) Jobs schaffen, damit die Jungen so tun können, als ob sie irgendetwas Zusätzliches erwirtschaften?

    Bei vernünftiger Verteilung der Ressourcen ist bei der heutigen Produktivität jetzt schon absolut genug da, um alle Alten "durchzufüttern"- wahrscheinlich selbst doppelt so viele..
    Leider sind Einkommen und Vermögen extrem ungleich verteilt; eine unbestrittene Tatsache und zugleich die einzig logische Erklärung dafür, dass es großen Teilen der Bevölkerung immer schlechter geht!

    Hier und nur(!) hier muss man ansetzen.

    Kinderkriegen attraktiver zu machen um das Ersatzheer für den Ausbeutermarkt zu vergrößern und einen Planeten mit bereits jetzt kaum noch reparablen Umweltdefekten noch dichter zu bevölkern (in den letzten 100 Jahren hat sich die Bevölkerung versiebenfacht), nenne ich Wahnsinn!- so wie die ganze Idee des Wirtschaftswachstums.

  2. Guter Artikel, aber die Frage muss erlaubt sein, warum tut Ihre Generation nichts dagegen? Warum schiebt Ihre Generation das Kinderkriegen immer weiter nach hinten? Denn das wäre ein erster Schritt, den Bauch wieder nach unten rutschen zu lassen.

    Klar, jetzt kommt es wieder. Wie soll man Kinder kriegen in einer Zeit, wo nichts sicher ist? Dieses Argument klingt hohl und fahl. In anderen Ländern ist die soziale Absicherung noch weniger ausgeprägt als in Deutschland und die Menschen kriegen trotzdem (oder gerade deswegen?) Kinder. Wir sind ein Land der Pessimisten und Pessimisten sehen immer nur das Dunkle am Himmel. Andere Länder, (z.B. USA), sehen überwiegend Licht am Horizont (trotz wirklich karger sozialer Sicherheit) und sorgen dafür, dass die Form der Zwiebel weitgehend erhalten bleibt.

    Ich kann mir nicht helfen, aber wenn Ihre Generation so verzagt ist, ist sie selber schuld.

    Ich gehöre zu den Babyboomern und ich bin nicht froh darüber, weil ich eigentlich nur volle Kindergärten, volle Schulen, knappe Ausbildungs- und Arbeitsplätze und später wohl volle Pflegeheime kenne. Ich würde mir wünschen, ihre Generation würde mehr Mut an den Tag legen und das Jammern einstellen. Es gab Generationen vor Ihnen, die hatten den Mut und die Zeiten waren auch nicht sicherer. Nur anders.

    Fangen Sie einfach an, egal ob mit dem Kinderkriegen oder dem Protest, wie es Ihre Eltern gemacht haben (68er). Ich würde es unterstützen, denn ich kann die alten Nasen auch nicht mehr sehen.

    36 Leserempfehlungen
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    Ich stimme nicht mit ihnen überein, dass der gegenwärtige Geburtenrückgang der "Verzagtheit" der potentiellen Eltern anzulasten ist. Es ist viel weniger Pessismismus als Pragmatismus, der zu dem Verzicht auf Kinder führt. Nicht ohne Grund ist das Bekommen eines Kindes in Deutschland das größte Armutsrisiko für Frauen. Überhaupt finde ich die ganze Argumentation im Sinne von "bekommt einfach mehr Kinder dann ist der demographische Wandel zu stoppen/die Folgen nicht so schlimm" oberflächlich und realitätsfern. Und das auf vielen verschiedenen Ebenen.

    Ich gehöre auch zu den Babyboomern und mit vollen Schulen etc gebe ich Ihnen auch recht.
    Aber es war doch unsere Generation, die aufgehört hat, ausreichend viele Kinder zu bekommen, um die Pyramide zu erhalten, so dass unsere Kinder jetzt Angst vor der Zukunft haben ( Wobei natürlich die Altersverteilung nicht die einzige Ursache hierfür ist )

    Warum haben denn die Babyboomer keine Kinder bekommen? So eine "Zwiebel" kann doch nur entstanden sein, weil diese Generation nicht mal annähernd so viele Kinder bekam, wie sie Mitglieder hat.
    Und ist das nicht auch irgendwie der letzte Punkt der diskutiert werden könnte, anstatt über die Renten, Arbeitszeiten, Gehälter, etc. nachzudenken sagen Sie: "Bekommt doch mehr Kinder!" - Sollen wir die in die selbe Situation bringen?

    Warum ändert unsere Generation einfach nichts daran? Aus Ihrem Beitrag kann man heraus lesen, dass das ändern darin bestünde "einfach mehr Kinder" zu bekommen.

    Nun das ist leider heute nicht mehr so einfach möglich. Die Babyboomer hatten wirtschaftlich mehrere Vorteile. In den Sozialsystemen, welche bekanntlich Umlagesysteme sind kamen auf viele Arbeitstätige (Babyboomer) wenige Renter, da etliche von diesen Rentnern ein Opfer des Kriegs wurden. Ebenfalls profitierten die Babyboomer von der Situation, dass man quasi ganz Europa von Null aufbauen musste / konnte. Hier ist natürlich Arbeit für alle da. Heute leben wir in einer gesättigten Welt, in welcher die Menschen nahezu alles besitzen. Arbeitsplätze gingen nach Fernost verloren. Jetzt fragt man sich warum meine Generation (20-35) so wenig Kinder hat? Die Babyboomer konnten (zumeist) mit einem Gehalt ein Haus finanzieren, zwei mal im Jahr Urlaub machen und richtig gut leben. Meine Generation kommt mit zwei Gehälter häufig gerade so über die Runden. Kinder sind für viele unvereinbar, da mangels Grippenplätzen oft ein Gehalt wegfallen würde. Während die Babyboomer heute am Höhepunkt ihrer Karriere sind und noch von starken Gewerkschaften und Betriebsräten profitiert haben, werden viele junge Arbeitnehmer nur noch als Zeitarbeiter oder befristet eingestellt. Das ist natürlich eine spitzen Basis für eine Familie.

    Die wichtigste Frage ist aber... (Fortsetzung)

    Die wichtigste Frage ist aber, warum waren die Babyboomer selbst so egoistisch und habe nicht genug eigene Kinder bekommen und die Alterspyramide gebrochen? Jetzt unken die Babyboomer (die selbst nicht genug Kinder bekamen) die heutige Generation soll es doch richten. Man verlang also von der heutigen Generation, dass dieses wenigen Arbeitstätigen die (zumeist hohen Renten) der Babyboomer bezahlen, mindestens 3 eigene Kinder aufziehen und sich darauf freuen im Alter Grundsicherung zu beziehen. Nur damit die "goldene Generation" sich von jeder Schuld freisprechen kann.

    Meine Eltern sind Babyboomer. Mein Vater hat 5 Geschwister (ursprünglich sogar 6) meine Mutter hat 4 Geschwister. Ich habe also richtig viele Onkel und Tanten. Schon alleine in meiner Familie würde eine Generationen-Versorgung nicht klappen, weil meine Onkel und Tanten im Schnitt nur 1,4 Kinder habe. Interessant ist die Penetranz mit der gerade dieses Problem ignoriert wird. Natürlich hat man ein RECHT auf seine Rente, weil man ja eingezahlt hat. Die Frage wie den jetzt die 1,4 Kinder (im Schnitt) der eigenen Familie das rechnerisch machen sollte, wird mit "Dummheit" beantwortet. "Es gäbe ja auch noch andere Familien". Übersetzt heißt das soviel wie: Sollen halt die Kinder von anderen Familien, die mehr Kinder bekamen für uns bezahlen. Hauptsache für uns wir bezahlt.

    • Sehr
    • 20. April 2013 12:41 Uhr

    Entschuldigung, aber haben sie den Artikel überhaupt bis zum Ende gelesen? Wenn ja, dann tun sie es doch bitte noch einmal und sie werden entdecken, dass fast alle ihre "Lösungsvorschläge" widerlegt werden.

    Warum verzagt die jüngere Generation? Warum ist sie so angepasst? Ich sage Ihnen warum: Wir sind die Kinder von euch Babyboomern. Aufgewachsen im Wohlstand. Relativ wohlbehütet. Mittlerweile hat sich die Welt aber gewandelt und wandelt sich immer schneller. Die Verunsicherung ist groß, denn es gibt keine "klaren Wege" mehr. Für euch hat die Welt Sinn gemacht. Eure Ziele waren klar. Für uns macht die Welt kaum noch Sinn. Ziele werden diffuser, die Zukunft ist nicht greifbar.

    Es gibt keine Trennung zwischen "den Babyboomern" und "den Jüngeren", denn schließlich sind wir eure Kinder. Ihr musstet euch euren Wohlstand erarbeiten und habt praktisch in Echtzeit miterlebt, wie eure Arbeit zum Wohlstand beigetragen hat. Dies hat euer Selbstbewusstsein in eure Schaffenskraft gestärkt. Ihr hattet ein Bild der Zukunft. Ihr hattet auch nicht so viele Alternativen und Entscheidungsmöglichkeiten, denn eure Welt war überschaubarer. Da kann der Mensch, schon psychologisch gesehen, leichter eine wichtige Entscheidung fällen.

    Meine Generation (Jahrgang 81) ist im Wohlstand aufgewachsen. Eure Arbeit hat den Wohlstand erzeugt. Eure Arbeit hat die Grundlage für die heutige Vielfalt der Möglichkeiten geschaffen. Ihr braucht mit dieser Vielfalt aber nicht mehr umgehen. Deshalb schwelgt ihr in der Vergangenheit. Wir dagegen haben nie eine andere Welt kennengelernt. Wohlstand, Technologie und Informationsflut lähmen uns. Haben uns abhängig gemacht. Dessen müssen wir uns bewusst werden.

    • L0rdi
    • 20. April 2013 14:55 Uhr

    Ihre Generation hat uns unter anderem auch Flexibilität gepredigt. Warum sollten wir also hier bleiben? Ich kenne in meiner Generation doch einige, die nur noch ihr Studium beenden wollen, um dann aus Deutschland raus zu kommen. Ähnliches übrigens in Spanien und Italien. Nachdem uns lange genug gepredigt wurde, wir sollen flexibel sein, werden wir das auch sein. Und die Kohlen aus dem Feuer holen können Sie nach Aufkündigung des Generationenvertrags schön selbst :)

    Generation diese Erde und ihre Ressourcen bis zum letzten Ende ausgelutscht haben und für alle jetzt kommenden Generationen nur noch Kruemmel übrig sind. Ihre Generation hat über alle Verhältnisse gelebt und sich ohne wenn und aber an künftigen Generationen bedient. Ihre Generation hat uns Schulden hinterlassen, für die noch meine Kinder und deren Enkel blechen dürfen. Ihre Generation hinterlässt politisch verbrannte Erde und hat uns auf einen Europaeischen Kurs geschickt, der, wenn wir nicht ganz vorsichtig sind, im Albtraum enden wird.

    Wir bekommen einfach zu zaghaft Kinder, weil wir den Dreck, den Ihre Generation hinterlassen hat, auslöffeln müssen.

    • Alf_ma
    • 20. April 2013 22:10 Uhr

    Warum unsere Generation nicht mehr Kinder bekommt?
    Als ich vor 3 Jahren 20-jährig schwanger war, war die erste Frage der Gynökologin ob ich nicht abtreiben wolle. Ich finde diese Frage ist symbolisch dafür dass man uns nichts mehr zutraut. Ich sah mich keineswegs als "halbes Kind" und ich bin es auch nicht. Wenn aber meine 76-jährige Bekannte sagt, sie wäre noch jung, dann stimmt irgendwas nicht.

    ...an 68 sollte man sich dann eher weniger ein Beispiel nehmen, denn das war der Zeitraum ab der die Geburtenrate pro Frau von 2,4 auf 1,5 sank...

    • foabi
    • 22. April 2013 10:44 Uhr

    Es ist einfach andere darauf zu verweisen, dass sie selbst Schuld sind, wenn man selbst viel bessere Bedingungen genossen hat. Viele Junge Menschen würden gerne eine Familie gründen, haben aber keiner berufliche Sicherheit und ähnlich Randbedingungen, welche die Baby-Boomer hatten.

    Der Artikel ist Spitze! Ich hätte nur noch eine Erwähnung der Wissenschaft gewünscht. Auch dort herrscht die geriatrische Diktatur.

    ....selten einen so interessanten Artikel gelesen. Ich denke da ist ziemlich viel wahres dran!

    Freiheit ist natürlich was Tolles! Aber es kann eben nicht jeder damit umgehen. Die Meisten sind mit ihrer Freiheit überfordert.
    In den meisten Fällen führt die grenzenlose Freiheit nur zu festgefrorener Unentschlossenheit.
    Daher können sich junge Frauen heutzutage nicht mehr so recht zum Kinderkriegen durchringen.

  3. 4. Danke

    für diesen Artikel!
    Bitte viel mehr davon!

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    Noch nie habe ich einen Zeit Artikel über soziale Netzwerke weiter verbreitet.

    Als 18 Jähriger noch ein großer Fan der Zeit - v.a. des Dossiers damals - beziehe ich heute (etwas mehr als 10 Jahre später) beinah alle meine Informationen über das Netz. Öffentliche rechtliche -, seriöse, und gedruckte Medien beiten zwar nach mühsamer Suche oder als Zufallsfund noch manchen Leckerbissen, der den mühsamen Weg dorthin belohnt, doch in der Regel kann mir selbst die Tageszeitung die mich zur Zielgruppe erklärt, keine wirklich relevanten Inhalte mehr bieten. Leider hab ich mich nach und nach von allen unseren Leitmedien verabschiedet, verfolge die Zeit und andere Tageszeitungen nur noch Online um mich auf dem laufenden zu halten, was meine Mitmenschen so denken - oder verschaffe mir mitihnen einen Überblick über die "Leitthemen" unserer Gesellschaft.

    Diesen Artikel werde ich jetzt über soziale Netzwerke weiter verbreiten. Schlicht und einfach, weil er mehr Sprengkraft birgt, als beinah der gesamte Rest der Ausgabe vom letzten Donnerstag.

    Danke für den Artikel liebe Autorin!

    ...wie in der Schule immer die Antwort lautete, mit der man nichts falsch machen konnte :-)

    Nein, es war wirklich einer der großen Artikel seit langem, wie man sie nicht alle Tage in der Zeitung hat.
    Ich habe ihn gestern abend vorm Einschlafen gelesen, und heute morgen nach dem Aufwachen war ich mit den Gedanken natürlich gleich wieder dabei...

    Ein eigenartiger Text:
    Es steht sehr viel Wahres drin, aber auch viel Stuß.
    Daher wohl auch mit "Polemik" überschrieben.
    Ich werde wohl noch einige Zeit brauchen, um meine Gedanken dazu zu ordnen.

  4. der allerdings daran scheitert die These auch belegen zu wollen.
    Spätestens wenn ein Humphrey Bogart ausgeblendet wird um mit James Dean die Argumentation stützen zu können (gerade die 40er, 50er und 60er waren anders als heute von älteren Stars geprägt) fällt selbige in sich zusammen. Eine weniger "allumfassende" These wäre hier mehr gewesen.

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    Leider macht sich dieser richtige/wichtige Artikel durch diese unpassenden Altersverlgeiche angreifbar. Anderes Beispiel im Artikel: der Altersvergleich von 2 (passend zum Artikel gewählten) "Bond-Girls".

  5. Wurde ihm sein Titel "Professor" aberkannt?

    Eine Leserempfehlung
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    • e-fred
    • 20. April 2013 10:56 Uhr

    Professor ist kein Titel, sondern eine Amt- oder Berufsbezeichnung einer Person mit Lehrauftrag an einer Hochschule. Übt die Person diesen Beruf nicht mehr aus, dann nennt man sie auch nicht mehr Professor. Mit aberkennen hat das nichts zu tun.

    • ajs
    • 20. April 2013 9:42 Uhr

    Tatsächlich wird es für die Jüngeren immer schwerer, mit ihren Ideen durchzudringen um eben, wie ein anderer Kommentator schreibt, "die Zukunft in die Hand zu nehmen." Man muss hierfür allerdings häufig erstmal eine Gruppe von Überfünfzigjährigen überzeugen. Und die Mitarbeiter, die man auf seine Seite bekommen muss, sind auch durchschnittlich 45. Wir versuchen es trotzdem, aber wie sind unsere Erfolgsaussichten, wenn man uns einfach überstimmen kann (mit dem Geldbeutel oder im Wortsinne)?

    Und "selber Schuld, hättest du halt mehr Geschwister gehabt" halte ich ehrlich gesagt nicht für einen sehr hilfreichen Beitrag.

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  6. es ist eine üble Vermischung von Tatsachen und Fiktion.

    Ich hätte hierzu lieber mal einen Gastbeitrag vom Chef des Bayernkuriers der Sage und Schreibe in den letzten gefühlten drei Jahren einmal (EINS, UNO) im Presseclub sass.

    Dieser sagte sinngemäß das Deutschland immer noch Überbevölkert ist durch die Babyboomer. Anhand der Arbeitsplätze die durch Automatisierung, Spezialisierung und EDV/Software Weiterentwicklung vernichtet werden kann man gar nichts ausrichten.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Ton. Danke, die Redaktion/sam

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