Bisher war es kein großes Problem für mich, mein Geld loszuwerden. Was ich verdiene, gebe ich auch gerne aus, ich kaufe ein und fahre in den Urlaub. Dennoch bleibt immer Geld übrig, und das landet auf meinem Tagesgeldkonto. Ehrlich gesagt, wusste ich bis vergangene Woche nicht mal mehr genau, wie hoch die Tagesgeldzinsen sind. Seit sie auf ein Prozent gefallen sind, hefte ich die Briefe meiner Bank ungelesen ab. Zwar prophezeiten mir deren Chefvolkswirte bis zuletzt, der Leitzins würde bald wieder steigen, aber das will er einfach nicht. Trotzdem ist über die Jahre ein nettes Sümmchen zusammengekommen, bis die Inflation meine Zinsen überholt hat. Seitdem habe ich nun ein Problem: Mein Geld vernichtet sich neuerdings von allein. Und ich habe keine Lust, ihm dabei zuzusehen.

Doch wohin bloß damit? An der Frage scheitern zurzeit selbst Hedgefonds-Manager und Profiinvestoren, die Chefs der weltgrößten Kapitalanlagegesellschaften geben zu, sie wüssten nicht mehr, wo ihr Geld gut aufgehoben sei. Und ich als Normalsparer soll es wissen? Mein Geld liegt nicht von ungefähr auf einem Tagesgeldkonto: Ich wollte, dass es sicher ist, täglich verfügbar, unkompliziert. Aber die Zeiten haben sich geändert, also habe ich meinen Mut und meine Kontoauszüge zusammengesammelt und Termine mit Menschen gemacht, die dafür bezahlt werden, mein Problem für mich zu lösen. Ich gehe zu drei Bankberatern, die mir als mittelmäßig ratlosem und mittelaltem Sparer erklären sollen, wo ich am besten einen mittelgroßen Betrag für fünf Jahre anlege. Ich will von ihnen die Antwort auf die 100.000-Euro-Frage.

Auf meiner Liste stehen die Deutsche Bank (der fällt bestimmt etwas Aufregendes ein), die Sparkasse (die legt mein Geld garantiert solide an) und eine Honorarberaterbank (die macht daraus hoffentlich mehr als die Konkurrenz). Und ich will als aufgeklärter Kunde versuchen, mein Geld mithilfe einer Finanzplattform im Internet selbst unterzubringen.

Als Erster empfängt mich der Mann von der Sparkasse. Trotz seines jugendlichen Alters sieht der genau so aus, wie man sich früher einen "Bankbeamten" vorstellte. Er weiß, wie ich heiße, allerdings weder, was ich will, noch wie viel Geld ich mitbringe. Macht nichts, er ist ein echter Allzweckberater, und so erfahre ich über ihn eine Menge: Er mag Fußball, liebt Sammeltassen und kocht hingebungsvoll Kaffee. Von mir weiß er nach einer Stunde immer noch nicht viel mehr, nur dass ich mein Geld gern sicher anlege, aber auch Aktienfonds besitze. Zugegeben, ich mache es ihm nicht gerade leicht, er soll ja etwas leisten für mein Geld. Schließlich streicht er davon später seine Provision ein. Viele Details braucht er offenbar auch nicht: Dass ich Ende 30 bin, notiert er, aber Beruf, Familienstand, Zukunftspläne – spielen in meinem persönlichen "Vermögensoptimierungsgespräch" keine Rolle. Vielleicht trifft das Wort "Gespräch" es auch nicht ganz: Unser Termin dauert eine Stunde, davon reden wir fünf Minuten lang miteinander. Den Rest der Zeit beschäftigt sich mein Berater mit seinem Computer.

In meinem Beratungsgespräch spielt meine Zukunft keine Rolle

Der verkündet ihm, dass ich zur "Risikogruppe 2" gehöre und ein sehr sicherheitsliebender Anleger bin. Entsprechend solide klingt sein Vorschlag: 60 Prozent meines Geldes soll ich in Spareinlagen investieren, den Rest je zur Hälfte in Aktien und Immobilien. Nur die Produkte sind erstaunlich: 20.000 Euro landen auf dem Sparbuch für winzige 0,15 Prozent Zinsen – da bringt mein Tagesgeld mehr, das liegt immer noch bei 1,0 Prozent, ich hab’s inzwischen nachgesehen. Für weitere 20.000 Euro soll ich eine Stufenzinsanleihe der Deka-Bank kaufen, die bringt erst 1,3 Prozent Zinsen, später 1,6 Prozent. Inflationsausgleich ist anders. Und das Letzte, was ich von der Deka mitbekommen hatte, war, dass sie riskante Zinspapiere kaufte und 2011 so tief in die roten Zahlen rutschte, dass sie für das Jahr 2012 die Geschäftszahlen gar nicht erst vorhersagen wollte. Auf die Frage, warum ich ausgerechnet der Deka-Bank bis 2019 mein Geld leihen sollte, antwortet mein Berater: "Weil die Deka-Bank die Wertpapiere der Sparkassen verwaltet und die Anleihe Sie als Kunden nichts kostet. Wir bekommen von der Deka Geld dafür, dass wir das Papier vermitteln, es finanziert die Sparkassen also." Interessant, doch sollte mein Geld nicht erst mal mich finanzieren?

Vielleicht gelingt das mit den übrigen 60.000 Euro, von denen 20.000 in einem offenen Deka-Immobilienfonds landen sollen – "Das ist eine sichere Bank" – und 40.000 Euro in der Deka-BasisanlageA60. Die verteile das Geld zur Hälfte auf Zinspapiere und den Aktienmarkt, erklärt mein Berater. "Auch alles sehr sicher." Was er nicht sagt und was mir erst später klar wird: 60 Prozent meines Geldes stecken am Ende in Fonds, für Sicherheitssparer ist das beunruhigend viel. Zudem ist die Basisanlage, so lese ich im Kleingedruckten, ein Dachfonds, der noch nicht einmal ein Jahr lang auf dem Markt ist. Welche Erträge er abwirft, lässt sich leider noch nicht sagen, wohl aber, dass er jedes Jahr 596 Euro Verwaltungsgebühren kostet und mein Berater für die Vermittlung 1.600 Euro Provision kassiert. Meine neue Vermögensaufteilung würde ihm insgesamt 2.652 Euro einbringen, die Sparkasse würde inklusive laufender Kosten in fünf Jahren 6.650 Euro an mir verdient. Ob sich mein Vermögen mehrt, muss sich dagegen zeigen.

Die Deutsche Bank will mich zum Bausparen überreden

Beim Berater der Deutschen Bank staune ich tags darauf wirklich. Er sagt nur: "Bausparen", und seine Augen beginnen zu leuchten. Ausgerechnet die Bank, die lange nach 25 Prozent Eigenkapitalrendite gierte, will mit mir bausparen? Inzwischen ist mir klar, warum, beim ersten Termin finde ich die Idee aber vor allem spannend. Nach 20 Minuten fällt die entscheidende Frage: "Haben Sie schon mal über das Thema Immobilien nachgedacht?" Natürlich, wer hat das in diesen Zeiten nicht. Ich höre mich sagen, dass eine Eigentumswohnung schon eine gute Idee wäre, nur ein bezahlbares Objekt zu finden sei nicht so einfach, ich hätte schon geschaut. Ich wundere mich selbst über meine Auskunftsfreude, aber hier nehmen mich auch gleich zwei Mitarbeiter in die Mangel. Sie beschießen mich abwechselnd mit Fragen und Vorschlägen, nachdem sie Daten zu meiner Arbeits-, Wohn- und Lebenssituation abgefragt und in Tabellen einpflegt haben. Ich komme mir vor wie beim Arzt, der sich nach meinem Wohlergehen erkundigt, nach meinem finanziellen in diesem Fall.