WohneigentumSuche im Exzess

Die Hauspreise steigen weiter. Soll man noch kaufen oder es lieber lassen? Erfahrungen eines Zauderers von Daniel Schönwitz

Ich bin ein Junge vom Land, es war eigentlich immer klar, dass es irgendwann wieder ein Häuschen mit Garten sein muss. Mit Platz für die Kinder, im Grünen, natürlich. So wie früher im Westerwald. Frischverheiratet und voller Pläne, bereiteten meine Frau und ich die Operation "Hauskauf" im Mai 2008 generalstabsmäßig vor. Neues Auto, größere Wohnung, Luxus-Urlaub? Wir fuhren weiter den klapprigen Nissan und blieben in der alten Mietwohnung, obwohl es nach Maries Geburt 2010 dort ganz schön eng für uns drei wurde.

Aber wir sparten. Monat für Monat. So viel, dass wir 2011 genug Eigenkapital beisammenhatten, um mit den Banken über eine vernünftige Finanzierung reden zu können. Dachten wir jedenfalls – und begannen endlich mit der Suche. Unser Traum schien langsam wahr zu werden.

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Nur hatten wir all die Monate mit den falschen Preisen geträumt. In der Nähe unserer Wohnung und in guten Lagen Düsseldorfs waren die Preise explodiert. Für Häuser, die 2008 teuer, aber irgendwie bezahlbar schienen, waren die Kaufpreise auf einmal blanker Wahnsinn. Selbst für Häuser in Randlagen riefen Verkäufer astronomische Preise auf.

Seitdem sind eineinhalb Jahre vergangen. Die Situation auf dem Immobilienmarkt hat sich in dieser Zeit kein bisschen entspannt. Im Gegenteil: Die Preise sind weiter gestiegen, in Düsseldorf allein 2012 im Schnitt um über fünf Prozent. In einigen Ecken um über 60 Prozent in nicht einmal drei Jahren.

Da tröstete mich wenig, dass auch vermeintliche Experten nicht so recht wussten, wie sie den Immobilienboom erklären sollten. Als möglichen Grund führen sie fast immer die Inflationsangst der Deutschen an. Dabei ist die Teuerungsrate zuletzt stetig gesunken; einige Ökonomen warnen sogar vor einer Deflation, also sinkenden Preisen.

Schon klar, die Zinsen sind niedrig und die Kredite billig, für Bundesanleihen gibt es nicht mal mehr zwei Prozent. Vielleicht kann sich auch deshalb schon jeder vierte Deutsche vorstellen, in Immobilien zu investieren, wie ich in einer Studie lesen musste. Jeder dritte Berufstätige, der seine Altersvorsorge aufbessern möchte, plant angeblich wie wir den Bau oder Kauf eines Eigenheims.

In Zeiten der europäischen Schuldenkrise sind wir offensichtlich nicht die Einzigen, die ihr Geld in Beton anlegen wollen. Von mir aus sollen sie, sollen sie doch München Schwabing, Hamburg Eimsbüttel und den Berliner Prenzlauer Berg gentrifizieren, aber nicht ausgerechnet auch noch Düsseldorf.

Wer vom Eigenheim träumt, steckt heute wie damals im selben Dilemma wie wir: Soll man noch kaufen? Steigen die Preise weiter, oder ist der Markt schon verdorben? Also doch lieber weiter zur Miete wohnen – zähneknirschend, dafür aber ohne großes finanzielles Risiko?

Das Haus war eher ein Fall für die RTL-Show "Einsatz in vier Wänden"

Ich wollte schon vor zwei Jahren das Handtuch werfen. Je mehr ich über Immobilien und die damit verbundenen Risiken las, desto eher wollte ich weiter mieten statt unweigerlich zum Sklaven unseres Hauses werden, der sich die Zinsen ein Leben lang vom Mund absparen müsse. Die Zwangsversteigerung immer vor Augen, nörgelte ich daheim, dass nur diejenigen behaupten, Immobilien seien sicher, die mit Immobilienanlagen Geld verdienen. Viele Anleger, die Angst vor Inflation oder davor haben, dass der Staat zur Bankenrettung ihr Sparguthaben dezimiert, sollen das glauben. Aber wovor sollen Immobilien bitte schön sicher sein? Vor dem Staat? Der kassiert doch beim Kauf erst Grunderwerbsteuer – bis zu fünf Prozent! Und anschließend jedes Jahr auch noch Grundsteuer.

Leserkommentare
    • Jaak
    • 28. April 2013 19:51 Uhr

    Ich habe das Abenteuer Eigentümer zu werden bereits mit 24 gewagt, vor ein paar Monaten.

    Wir haben hier Preise (nicht in Deutschland) wo in einer guten Lage die Preise zum Teil um 5000-6000 Euro pro Quadratmeter liegen.

    Was mir auffiel ist das die Banken einem locker das Geld für ein hochpreisiges Auto leihen, aber bei Immobilien überaus zaghaft sind. Ich verdiene überdurchschnittlich und habe eine mehr als sichere Arbeit, nunja einige Banken fordern mehr als die Hälfte Eigenkapital damit man was leihen darf, was bei Häusern die mittlerweile im Landesschnitt ca. 500.000 Euro und mehr kosten doch echt ein Witz ist. Selbst mit dem Hinweis das man die Wohnung vermieten möchte, geben die wenigsten sich zufrieden.

    Wie soll man die Preise nach unten bekommen wenn die Mittel- und Unterschicht fast kein Geld bekommt um sich was zu kaufen und die großen Immobilienmarkler sich fast das ganze Land aufteilen?

    Viele warnten mich davor überhaupt etwas zu kaufen, jedoch sehe ich persönlich eine Immobilie welche vermietet wird als eine Kapitalanlage, welche mir nachher bei der Bank in eine bessere Handelssituation zu bringen. Die Sicherheiten heut zu tage sind zum Teil grotesk.

    • Kauri
    • 28. April 2013 20:00 Uhr

    Wenn die Lage gut und die Substanz des Hauses auch o.k. Ist, dann ist alles nur eine Frage des Preises! Die Hauspreise sind in den begehrten Lagen Deutschlands seit 2008 pro Jahr um 10% gestiegen! Die durchschnittliche Preissteigerung ist nicht aussagekräftig!
    So - und jetzt wird getilgt! Dafür wird manch ein Euro verwendet, der alternativ für unnütze Kleinigkeiten drauf gegangen wäre! Allein das ist ein Vorteil! Von der Lebensqualität - - insbesondere auch für die Kinder - ganz zu schweigen! Gratulation!

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    • Kauri
    • 28. April 2013 20:01 Uhr

    Pro Jahr um 10% , meine ich!

  1. Die tatsächlich gezahlten Preise sind einfacher zu ermitteln. Bei jeder
    (Zwangs-) Versteigerung eines Amtsgerichts gibt es ein Gutachten dazu.

    Da wird der Wert einer Immobilie haarklein aufgrund tatsächlich bezahlter Preise ermittelt.
    Da fehlt auch noch der bei Maklern übliche Haftungsausschluss.

    2 Leserempfehlungen
  2. Prinzipiell wird die Demographie langfrsitig zu Wertverlusten bei Immobilien in Deutschland führen. Allerdings erst langfristig und auch nicht überall. Für Eigennutzer mit mittlerer zeitlicher Perspektive ist dies also nicht unbedingt vorrangig.
    Sich zu wundern, dass ausgerechnet Düsseldorf anzieht, ist schon recht naiv. Neben Hamburg, Frankfurt, Köln und Berlin ist es die einzige große Stadt nördlich des Mains, die tatsächlich aufstrebt. Wer dort günstig unterkommen will, findet in der Nähe das Ruhrgebiet, Wuppertal und Krefeld, allesamt deutlich auf dem absteigenden Ast.
    Deutschland zentralisiert sich immer stärker um die großen Zentren herum. Eine Ausnahme (neben dem Ruhrgebiet als Verlierer) bildet lediglich der süddeutsche Raum, wo auch vergleichsweise kleine Städte wie Erlangen, Tübingen oder Landshut viel Potential haben. Allerdings gibt es auch dort eine gewisse Konzentration, während Regensburg - Erlangen oder Bamberg gewinnen, verlieren Sulzbach, Coburg oder Hof.

  3. Denn das ist das größte Risiko von allen.
    Wessen Risiko? Ich hoffe, die Antwort bleibt Ihnen erspart.

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  4. Die Lage ließe sich nur durch eine Angebotsausweitung entspannen. Grün-Rot will das nicht, also gehen die Preise in den wirtschaftsstarken Regionen steil nach oben.

    Beispiel Stuttgart:

    Haus nach dem Tod der zuvor dort wohnenden Person zu verkaufen. Nicht sonderlich groß, stark renovierungsbedürftig, aber top Lage. 4000,- € pro m² plus etwa 1000,- € m² Sanierungskosten. Drei Tage nachdem der Makler sein Schild ans Fenster geklebt hatte, hat er es wieder abgerissen. Es hatten wohl um die 90 Interessenten angerufen und er wollte sich weitere Anfragen ersparen.

    So beliebt Häuser bei der Bevölkerung sind, so verhaßt sind sie bei linken Politikern. Schlimme Umweltzerstörung durch Besserverdienende, etc. bla, bla. Stattdessen wird die Westplatte gefordert, weil die so ökologisch und sozial korrekt sei.

  5. Beim Lesen erhält man den Eindruck als wenn der Autor in einen weniger noblen Vorort von Düsseldorf gezogen sei und dort ein Schnäppchen ergattert hat.

    Für alle, die sich nicht mit Düsseldorf auskennen: Urdenbach ist ein Randbezirk im Süden von Düsseldorf und kein Vorort. Fast ausschließlich Eigenheime wohlhabender Leute. Ausländer- und Hartz IV Quote kleiner 2%. Alles nachlesbar in der Düsseldorfer Stadtteilstudie.

    Das verfälscht den Eindruck des Artikels doch sehr stark, wo haben Sie vorher gesucht? In Oberkassel oder mitten in der Innenstadt? So viele noblere Stadtviertel gibt es nicht. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Sie eher 1-2 Jahre benötigt haben, um Ddorf wirklich kennenzulernen.

    Kurzum: In Holthausen, Eller, Wersten, Reisholz hätten sie sicher günstigere Immobilien gefunden, von Gegenden wie Garath ganz zu schweigen (alles ebenfalls Ddorfer Süden). Sie wollten allerdings anscheinend unbedingt in einer sehr sehr noblen Gegend wohnen.

    Viel Spaß im Düsseldorfer Süden und viel Glück beim Renovieren !

    via ZEIT ONLINE plus App

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    Das halte ich für ein Gerücht. Es gibt einige soziale Brennpunkte wie z.B. um die Haus-Endt-Straße herum, wo der A-Anteil bei 16% und die H IV-Anteil bei 39% liegt. Selbst in dem übrigen Stadtteil liegt die Quote deutlich über 5%, aus meiner Sicht kann sich Urdenbach wegen des schlechten Umfeldes in die falsche Richtung entwickeln. In Düsseldorf insgesamt steht die nördliche Hälfte deutlch besser dar als der Süden, in dem die übelsten Stadtteile wie z.B. Eller, Garath, Reisholz, Holthausen liegen.

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