Selbstmordanschlag in der somalischen Stadt Mogadischu, 14. April 2013 © Mohamed Abdiwahab/AFP/Getty Images

Schon als kleiner Junge wollte ich Journalist werden. Ich liebte es, Erzählungen über die Geschichte meines Landes und über den afrikanischen Kontinent zu lesen. Inzwischen arbeite ich seit 13 Jahren als Journalist. Ich schreibe viel über Korruption, leider auch oft über Gewalt. Vergangenen Sonntag töteten Kämpfer der islamistischen Al-Schabaab-Miliz bei einem Anschlag auf ein Gericht in Mogadischu 32 Zivilisten, 58 weitere Menschen wurden verletzt. Es war der schlimmste Terrorangriff in Somalia seit 2011. Und ich war einer der wenigen Reporter, die überhaupt noch zum Gerichtsgebäude fuhren.

Ich lebe in Somalia. Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen war es 2012 das zweitgefährlichste Land für Journalisten, nach Syrien. 18 Medienvertreter wurden umgebracht und mindestens 28 verletzt. Die Polizei ermittelt nicht. Somalias Hauptstadt Mogadischu zählt für Journalisten zu den zehn gefährlichsten Orten der Welt. Bei dem Anschlag auf das Gericht waren unter den Toten auch ein Journalist und zwei Anwälte, die für mehr Pressefreiheit gekämpft hatten.

Seit mehr als zwanzig Jahren hat Somalia keine effiziente Zentralregierung mehr – 1990 stürzten Kriegsherren und Clanmilizen das frühere Regime von Präsident Siad Barre, es folgten Piraterie und Extremismus. Trotzdem wird die Medienlandschaft in meinem Land seit 2005 vielfältiger. Es gibt mehr als 50 unabhängige Radiostationen und Hunderte Onlineportale, knapp zehn Fernsehstationen und Dutzende Tageszeitungen.

Von Anfang an war ich entschlossen, über Korruption zu sprechen, aber manchmal schweige ich nun doch, zu meiner eigenen Sicherheit. Ich erinnere mich zum Beispiel, wie ein Regierungsbeamter mir einmal sagte, die Art, wie ich berichtet hätte, gefalle ihm nicht. Es ging um Manipulation bei den Wahlen.

Ich schreibe viel über humanitäre Probleme und arbeite oft investigativ. Ich tue das, weil Korruption, Bevorzugung und Vetternwirtschaft in meinem Land gewaltige Ausmaße haben.

Es ist in Somalia kaum möglich, öffentlich über Morde und andere kriminelle Aktivitäten von Kriegsherren zu sprechen – aus Angst vor Rache. Immer wieder bekomme ich anonyme Anrufe. Die Leute werfen mir vor, dass ich negativ über sie berichte. Sie sagen, dass ich damit aufhören solle. Anfang 2011 rief ein Mitglied einer islamistischen Gruppe in meinem Büro an. Er drohte meinem Kollegen, er werde uns alle töten. Er behauptete, wir würden eingewanderte Christen unterstützen und dass jeder Journalist ein Spion sei. Ich lebte damals in großer Angst. In manchen Nächten schlief ich in einem Hotelzimmer. Ich fürchtete, dass man mich zu Hause überfallen würde.

Als Radiojournalist habe ich in vielen Regionen Somalias gearbeitet. 2006 kam es im Süden und in Mogadischu zu schweren Gefechten zwischen der teilweise militanten Union islamischer Gerichte – die gegen die Regierung kämpfte – und der äthiopischen Armee, die Somalias schwache Übergangsregierung unterstützte. Ich floh mit meiner Familie nach Puntland, in eine Region im Nordosten Somalias, und arbeitete dort für ein Lokalradio. 2010 entspannte sich die Situation, und ich kehrte nach Mogadischu zurück. Vergangenes Jahr wurden sehr viele Journalisten ermordet, die meisten von ihnen waren Radiojournalisten. Ich beschloss, meinen Job beim Radio aufzugeben und als freier Onlinejournalist zu arbeiten. Freie Journalisten sind nicht so leicht zu identifizieren wie Radio- und TV-Journalisten, deren Gesichter überall zu sehen sind.