Neben Kolumbien sind die USA und Russland Deutschlands wichtigste Steinkohle-Lieferanten. Dem Statistischen Bundesamt zufolge importierte Deutschland 2012 rund 10,5 Millionen Tonnen Steinkohle aus den USA, zehn Millionen Tonnen aus Russland und 8,5 Millionen Tonnen aus Kolumbien. Auf Rang vier folgt Südafrika mit rund zwei Millionen Tonnen.

In allen Herkunftsländern hat der Abbau der Kohle gravierende soziale und ökologische Folgen. Sie werden in dem Report Bitter Coal beschrieben, den die Menschenrechtsorganisation FIAN und die Umweltorganisation urgewald am Dienstag in Berlin vorstellten. "Für die Steinkohle, die in unseren Kraftwerken verbrannt wird, verlieren Indigene in Kolumbien ihr Land, werden in den USA Bergspitzen weggesprengt und in Russland sowie in Südafrika Flüsse und Grundwasser vergiftet", heißt es darin.

In Russland kaufen dem Report zufolge E.on, RWE, Vattenfall und EnBW Kohle ein; vor allem im westsibirischen Kuzbass. Die Region sei ein "ökologisches Notstandsgebiet", berichten FIAN und urgewald. Luft, Böden und Trinkwasser seien extrem durch Schadstoffe belastet. Lebensmittel aus dem Kuzbass wiesen sehr hohe Konzentrationen an Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen auf. Die Krebsrate sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen, die Lebenserwartung der Menschen deutlich niedriger als anderswo. Und immer wieder würden Kohlearbeiter durch Unfälle in den Minen sterben.

Für Bitter Coal wurden die fünf größten Stromversorger Deutschlands befragt: E.on, RWE, Vattenfall, EnBW und Steag. Alle nannten auch die USA als ein wichtiges Lieferland. Die für Deutschland bestimmte Steinkohle wird dort vor allem in den Appalachen abgebaut. Um an den Rohstoff zu gelangen, sprengen die Förderkonzerne ganze Bergkuppen und kippen den Abraum in die Täler. Das Verfahren habe laut des Bitter Coal- Reports bereits mehr als 500 Bergspitzen zerstört und 6.500 Quadratkilometer Wald vernichtet – und das in einem der artenreichsten Gebiete Nordamerikas. Schwermetalle und andere Schadstoffe belasteten Flüsse und Grundwasser. Auch die Krankheits- und Sterblichkeitsraten seien durch den Kohleabbau stark gestiegen.

In Südafrika ist Wasser so knapp, dass viele Einheimische nicht über sauberes Trinkwasser verfügen. Für die Kohlekonzerne aber ist, Bitter Coal zufolge, genügend Wasser vorhanden. Zusätzlich vergifte das saure Grubenwasser Flüsse, Seen und Grundwasser mit Sulfat, Schwefelsäure und Schwermetallen. Das Gift könne die Existenz vieler Landwirte, Händler und Herbergsbetreiber zerstören, die vom Tourismus leben. Die Arbeitsbedingungen seien so schlecht wie zu Apartheid-Zeiten und der Grund für viele Streiks. Laut Bitter Coal beziehen E.on, RWE, EnBW und Steag Kohle aus Südafrika.

Der Titel des Reports ist eine Anspielung auf die Nachhaltigkeitsinitiative Better Coal, die vor drei Jahren von RWE, E.on, Vattenfall und weiteren internationalen Energieversorgern gegründet wurde. Die Konzerne erklären, durch die Initiative die Verhältnisse beim Kohlebergbau weltweit verbessern zu wollen. Doch FIAN und urgewald sehen Better Coal als Greenwashing, als "Versuch der Branche, Forderungen nach echter Transparenz und Rechenschaftspflicht abzuwehren". Dabei sei der Verhaltenskodex, über den die Konzerne beraten, so vage formuliert, dass er Kohleabbau selbst in Naturschutzgebieten erlaube. Zudem gehe die Überprüfung des Kodex zu langsam voran. "Bis 2015 sollen vier Gruben auditiert werden", heißt es im Bitter Coal- Bericht. Bei diesem Tempo "laufen viele Minen Gefahr, ausgekohlt zu sein", bevor die Auditoren überhaupt in ihrer Nähe auftauchten.