SpeicherkraftwerkeWende rückwärts

Speicherkraftwerke, wichtig für die Energiewende, lohnen sich immer weniger. von 

Mehr Erzeugung erneuerbarer Energie, Ausbau eines intelligenteren Stromnetzes und höhere Speicherkapazität – das sind die drei entscheidenden Elemente für das Gelingen der Energiewende. Doch während die Leistungskapazität von Windparks, Biomassekraftwerken und Solaranlagen in den vergangenen Jahren jeweils um rund 20 Prozent stieg, geht es beim Netz- und Speicherausbau nur schleppend voran. Bei letzterem herrscht sogar Katerstimmung.

Der Grund: Das komplizierte energiewirtschaftliche Regelwerk schafft falsche Anreize. Zwar ist die Zahl einschlägiger Paragrafen in den vergangenen 15 Jahren von 19 auf 306 gewachsen. Doch der Regelwust führt nicht zum gewünschten Ergebnis. Eine umfassende Revision ist längst überfällig, wird aber vor der Bundestagswahl nicht mehr stattfinden.

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Ausgerechnet dem ältesten Stromspeicher droht deshalb das Aus. Seit über 80 Jahren ist das Pumpspeicherkraftwerk Niederwartha in der Nähe von Dresden für die Stabilität des deutschen Netzes im Einsatz. Nachts, wenn der Strombedarf gering und der Preis entsprechend niedrig ist, drücken seine Pumpen Wasser aus dem Unter- in das Oberbecken. Sobald Industrie und Haushalte am nächsten Tag besonders viel Strom verbrauchen, lässt man das hochgepumpte Wasser durch Turbinen nach unten zurückschießen. Bis zu 120 Megawatt speist das Pumpspeicherkraftwerk kurzfristig ins Netz ein und hält es so stabil.

Technisch klappt das einwandfrei, es ist inzwischen aber nicht mehr wirtschaftlich. "Die Anlage rechnet sich nicht mehr", sagt Lutz Wiese, Sprecher des Betreibers Vattenfall, "im schlimmsten Fall müssen wir sie noch in diesem Jahr stilllegen." Auch der Bau des größten deutschen Pumpspeicherkraftwerks im Südschwarzwald ist in Gefahr. Über 60 Millionen Euro hat die Schluchseewerk AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stromriesen RWE und EnBW, bereits ausgegeben, "aber das Marktdesign für Speicher funktioniert derzeit nicht", sagt die Unternehmenssprecherin Julia Ackermann.

Lange Zeit waren Pumpspeicherkraftwerke sehr rentabel. Denn die Preisdifferenz zwischen billigem Nachtstrom und teurem Spitzenlaststrom, "Spread" genannt, lag deutlich über sechs Cent pro Kilowattstunde, 2008 sogar über zehn Cent. Damit konnten die Betreiber Kredite abzahlen, Betriebskosten decken und einen schönen Profit einfahren. Doch das hat sich gründlich geändert.

Gleich von drei Seiten ist das Geschäftsmodell unter Druck geraten. Der hohe Zuwachs an Solaranlagen hat erstens dazu geführt, dass die Verbrauchsspitze am Mittag an sonnigen Tagen inzwischen mit Sonnenstrom gedeckt wird. Der Preis steigt nicht mehr. Pumpspeicherkraftwerke werden zwar im Winter und an verregneten Sommertagen weiterhin gebraucht. Aber die Zahl der Tage, an denen sie Geld verdienen können, hat deutlich abgenommen.

Gleichzeitig ist das Netzentgelt gestiegen, das Speicherkraftwerke für den Billigstrom zahlen müssen, der ihre Pumpen antreibt.

Ganz besonders hoch ist es im Osten Deutschlands. In diesem Jahr liegt es bei zwei Cent pro Kilowattstunde – und damit oft höher als der Spread. In Österreich zahlen Speicherkraftwerke nur 0,3 Cent.

Und drittens lässt sich mit sogenannter Regelenergie immer weniger Geld verdienen. Die Netzbetreiber beziehen sie zwar auch von Pumpspeicherkraftwerken, um bei plötzlichen Schwankungen von Angebot und Nachfrage auf ausreichende Leistungsreserven zurückgreifen zu können. Doch die Prognosen werden dank besserer Computermodelle immer zuverlässiger. So kann die Leistung von Kohlekraftwerken, die früher als zu träge galten, rechtzeitig auf den Bedarf eingestellt werden.

Das Gesamtergebnis ist unerfreulich. Zwar übertrifft die installierte Leistung der Solaranlagen in Deutschland inzwischen jene der Kohlekraftwerke. Doch der schöne Schein trügt. Im Netz fließt nämlich noch immer zehnmal so viel Kohle- wie Solarstrom. Der Kohlestromanteil nimmt seit 2011 zu. Er sorgte 2012 sogar für einen Exportboom. Billige Emissionszertifikate für CO₂ machen Kohlestrom attraktiv, noch nie hat Deutschland so viel in die Nachbarländer exportiert wie 2012. Netzausbau und Offshore-Windkraft kommen dagegen kaum voran. Und beim Aufbau der dringend nötigen europäischen Kooperation herrscht Stillstand.

Eigentlich sollte die Energiewende dem Klimaschutz dienen. Doch 2012 sind die deutschen Treibhausgasemissionen wieder gestiegen, nach 2009 zum zweiten Mal. Verkehrte Welt.

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Leserkommentare
  1. 1. Spread

    Bei der Preisdifferenz muß man auch noch den Verlust oder Wirkungsgrad berücksichtigen.

    Von der Energie die beim Hochpumpen des Wassers benötigt werden kommen nur ca. 80 % wieder Zurück.

    Der Rest wärmt als Verlsut das Wasser und die Umwelt auf.

    Diese 20 % Stromverlsut müssen auch noch bezahlt werden.

    Gaskraftwerke sind auch sehr flexibel, dann kann man ganz auf die Pumpspeicher verzichten.

    2 Leserempfehlungen
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    Bei Gaskraftwerke stellen sich die selben Probleme.
    Kraftwerke und Speichertechnologien benötigen sehr hohe Investitionskosten für ein Produkt, dass sehr billig ist. Das bedeutet, dass man erst eine Rentabilität erreichen kann, wenn man diese über lange Zeiträume arbeiten.
    Sowohl ein Pumpspeicherkraftwerk als auch ein Gaskraftwerk kann niemals für nur ein paar Wochen im Winter rentabel laufen.

    sondern die Investitions und Betriebskosten zuzüglich des erwarteten Gewinns.

    Das Problem der Speicherkraftwerke wurde doch im Artikel schon recht deutlich beschrieben. Erstens gibt es einen deutliche Preisverfall beim Spitzenlaststrom und zweitens wird der Bedarf mittlerweile viel genauer ermittelt.

    Was der Artikel nicht erwähnt ist, dass man gerade Wind und Sonne wesentlich genauer regeln kann, als Großkraftwerke und die Vorausberechnung der wahrscheinlichen Stromerzeugung hervorragende Resultate erzielt.

    Gerade die Windgeneratoren lassen sich problemlos drosseln und wieder hochfahren. Wieder hochfahren funktioniert natürlich nur, wenn man sie vorher im gedrosselten Zustand lässt. Aber das ist wesentlich günstiger als auf Pumpspeicherkraftwerke zurückzugreifen.

    Und sollte das riesige Off-Shore Potential auch noch abgerufen werden, wird sich die Sache nur noch verschlimmern.

    Die ganze Energiewende wurde vermurkst. Die wirklich notwendigen Anpassungen wurden nicht gemacht, dafür stellt sich heraus das alle Veränderungen der derzeitigen Regierung kontraproduktiv waren.

    Ich kann Ihrer Argumentation folgen, kann jedoch nicht sehen, wie ein Gaskraftwerk mit Speichertechnologie einen Wirkungsgrad von 80% nur annähernd erreichen kann. Strom in Gas und wieder zurück in Strom zu verwandeln hat - geeignete Anlagen vorausgesetzt - einen Wirkungsgrad von gerade mal 20%.

  2. Bald wird der Staat (auch bekannt als Der Steuerzahler und Der Stromkunde) die gesamte Kette vom Erzeuger über die Verteiler bis zur Steckdose subventionieren. Noch jemand ohne Fahrschein? Ach ja, richtig, die Energiespeicherer. Nun ja, warten wir es ab, ist ja nur eine Frage der Zeit.

    5 Leserempfehlungen
  3. Der Autor erwartet, daß mehr „Erneuerbarer“ Strom, intelligente Netze und zusätzliche Speicher diese Energiewende zum Erfolg führen könnten.

    Er blendet aus, daß es sich bei Netzausbau, Speicherbau, Smart Grid, Smart Meter, Power-to-Gas, Lastmanagement und allen anderen teuren Folgemaßnahmen um den Versuch handelt, Probleme zu lösen, die es ohne den Zufallsstrom aus Wind und Sonne gar nicht gäbe.

    Vordringlich brauchen wir deshalb intelligente Politiker. Die werden den planwirtschaftlichen Unsinn EEG stoppen und zügig den Rückbau der sogenannten Erneuerbaren einleiten. Hoffentlich bald.

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    wo willst du nur hin? Auch das Rad schafft Probleme, die es ohne das Rad nie gegeben hätte - willst du deswegen drauf verzichten?

    Warum glauben sie, haben Meteorologen Hochkonjunktur??

    Wind und Sonne lassen sich hervorragend vorher sagen.
    Weder verdunkelt sich ganz Deutschland überraschend noch wird ganz Deutschland überraschend Windstill.

    Im übrigen, wie kommen sie denn darauf, das wir früher kein Lastmanagment gebraucht hätten?? Glauben sie die Schwankungen der Stromabnahme wurde mit einem Fingerschnippen gelöst??

    Bei den Großkraftwerken, hatte man viel mehr Probleme als heute, weil die Möglichkeiten der Regeleingriffe viel weniger waren und die Regelstrecken mit Totzeiten behaftet waren, die punktuelle Reglungen fast unmöglich machten.

    Bis das Großkraftwerk auf die Abnahmeanforderung reagiert hat, waren diese Anforderungen schon wieder ganz anders.

  4. „Das Gesamtergebnis ist unerfreulich. Zwar übertrifft die installierte Leistung der Solaranlagen in Deutschland inzwischen jene der Kohlekraftwerke. Doch der schöne Schein trügt. Im Netz fließt nämlich noch immer zehnmal so viel Kohle- wie Solarstrom. Der Kohlestromanteil nimmt seit 2011 zu. Er sorgte 2012 sogar für einen Exportboom.“

    Der Autor ist ein EE-Konterrevolutionär! Im Netz fließt 45% Kohlen- und 3% Solarstrom. Und exportieren wir nicht Kohlestrom, sondern verschenken ins Ausland Wind- und Solarstrom. In den zehn Jahren der EE-Wende-Revolution sollte man so viel schon verstehen…

    6 Leserempfehlungen
  5. Wie im Artikel bereits erwähnt, sind Kohlekraftwerke inzwischen viel flexibler und können damit die Schwankungen von Sonne und Wind problemlos ausgleichen.

    Nur die Dinosaurier von Atomkraftwerken lassen sich nicht anpassen.

    Das mit dem Zufallsstrom ist nur ideologische Hetze geistig unbeweglicher

    In Groß-Deutschland sind es von Nord nach Süd und von Ost nach West jeweils ca. 1000 km.

    Da scheint nie überall gleichzeitig die Sonne und da bläßt nie überall der Wind gleich.

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    #5 Konterrevolution
    Als Sie Ihren Kommentar schrieben, waren 90 Prozent der installierten Windleistung nicht verfügbar. Das war Zufall. Es hätte auch mehr oder weniger gewesen sein können.

    Die installierte Solarleistung war zu 100 Prozent nicht verfügbar. Das war kein Zufall.

    Bei dem Erneuerbaren Gedöns ist allein der nächtliche Beitrag der Sonne gut berechenbar. Sogar für die geistig Unbeweglichen. Der große Rest ist Zufall.

    Falls Sie damit meinen, dass Atomkraftwerke keinen Lastfolgebetrieb fahren können, so stimmt das schon - allerdings nicht für alle Atomkraftwerke. Es braucht technische und genehmigungsrechtliche Voraussetzungen, dann können AKWs sehr wohl Lastfolgebetrieb durchführen, und in Deutschland sind das auch ein paar, die das tun bzw. gemacht haben (Isar II). Einfach mal nach "Lastfolgebetrieb" und "Kernkraftwerk" googeln, da findet man schon was.

    Ich (obwohl auch nicht gerade pro Kernkraft) würde, mit Verlaub, empfehlen, sich besser erst einmal schlau zu machen und statt dessen weniger knallige Vokabeln wie "Dinsosaurier" zu verwenden. Lautsprecher hat dieses Forum eigentlich genug.

  6. Bei Gaskraftwerke stellen sich die selben Probleme.
    Kraftwerke und Speichertechnologien benötigen sehr hohe Investitionskosten für ein Produkt, dass sehr billig ist. Das bedeutet, dass man erst eine Rentabilität erreichen kann, wenn man diese über lange Zeiträume arbeiten.
    Sowohl ein Pumpspeicherkraftwerk als auch ein Gaskraftwerk kann niemals für nur ein paar Wochen im Winter rentabel laufen.

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    Antwort auf "Spread"
  7. wo willst du nur hin? Auch das Rad schafft Probleme, die es ohne das Rad nie gegeben hätte - willst du deswegen drauf verzichten?

    9 Leserempfehlungen
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    #7 Burmuda
    Ohne das Rad hätte es nicht einmal Windmühlen gegeben. Die waren in ihrer Zeit überaus nützlich. Bis zur Erfindung der Dampfmaschine. Endlich war der Müller unabhängig von den Zufällen des Wetters.
    Was heute gewaltig daherkommt, 200 Meter hoch und mit beeindruckender Nennleistung, ist vollkommen abhängig vom Wetter und deshalb für die verläßliche Stromversorgung rund um die Uhr nicht zu gebrauchen.
    Die Windindustrie richtet überall maximalen Schaden an bei minimalem Nutzen.

  8. Alle Pumpspeicherwerke verstaatlichen, Reichensteuer einführen und gleich erhöhen, davon die unwirtschaftlichen Pumpspeicherwerke finanzieren. Fertig.

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