Vermögen : Wo ist das Geld hin?

Die Deutschen sparen viel, aber bilden kaum Vermögen.

Zwei Freunde sitzen im Wirtshaus: "Der eine isst zwei Schweinshaxen, der andere trinkt drei Maß Bier und drei Schnäpse. Im Durchschnitt geht es den beiden ganz gut, aber in Wahrheit hat sich der eine überfressen, und der andere ist besoffen." – So pflegte einst Franz Josef Strauß im Bierzelt die Interpretationsprobleme von Durchschnittswerten bei schiefen Verteilungen zu erklären.

Einkommens- und Vermögensverteilungen sind schöne Beispiele dafür. Sie sind "rechtsschief". Es gibt viele kleine und mittlere Werte und nur wenige mit hohen, die aber den Durchschnitt nach oben ziehen. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei der Vermögensverteilung, wie die aufsehenerregenden Ergebnisse einer Studie der Zentralbanken der Euro-Zone zeigen.

Bemerkenswert an dieser Studie ist, dass in Deutschland die Durchschnittsvermögen der privaten Haushalte im Vergleich der Euro-Länder ziemlich niedrig liegen und die Verteilung der Vermögen hierzulande am stärksten gespreizt ist. Nach der Studie beträgt das durchschnittliche Nettovermögen der deutschen Privathaushalte 195.000 Euro und das Medianvermögen – also das mittlere Vermögen, das die nach Vermögenshöhe sortierten Haushalte genau in zwei Hälften teilt – nur 51.000 Euro.

Letzteres ist der niedrigste Wert in allen beteiligten Euro-Ländern. Selbst in der Slowakei, Portugal oder Slowenien hat der mittlere Haushalt mehr auf der hohen Kante als in Deutschland. Beim Durchschnittsvermögen liegt Luxemburg mit 710.000 Euro je Haushalt erwartungsgemäß an der Spitze. Knapp dahinter kommt Zypern überraschend auf den zweiten Platz. Auch in Spanien und Italien sind die Durchschnitts- und Medianvermögen deutlich höher als in Deutschland. Sogar in Griechenland und Slowenien liegen die Medianvermögen doppelt so hoch wie hierzulande.

Stefan Bach

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und Experte für Verteilungspolitik

Angesichts der Euro-Krise und der Rettungspakte für die Südländer, die von den "reichen" Nordländern garantiert werden, sind diese Ergebnisse außerordentlich brisant. Ist der deutsche Otto Normalverbraucher also nur halb so reich wie sein Kollege in Griechenland und Slowenien? Ist der mittlere Haushalt in Spanien oder Italien dreimal so reich wie in Deutschland und der in Zypern sogar fünfmal?

Die Bundesbank erklärt die niedrigen Vermögen der Normalbürger in Deutschland vor allem mit der breiten Absicherung durch die sozialen Sicherungssysteme sowie mit umfangreichen staatlichen Leistungen der Wohnungs- und Bildungspolitik. Ferner macht sich die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland bemerkbar, und stark steigende Immobilienpreise hat es in Deutschland nicht gegeben. Außerdem sind die Haushalte in Deutschland kleiner, was die Durchschnittsvermögen drückt. Schließlich spielt auch die Wiedervereinigung eine Rolle, denn im Westen sind die Vermögen deutlich höher als im Osten.

All das sind wichtige Punkte, aber sie können die Unterschiede noch nicht erklären. Das gilt vor allem für die institutionellen Besonderheiten der an der Untersuchung teilnehmenden Länder. Die Ansprüche der Bürger an die sozialen Sicherungssysteme werden in der Studie gar nicht erhoben. Dabei geht es um sehr viel Geld. Schon eine monatliche Grundsicherungsleistung für einen Alleinstehenden von 800 Euro – einschließlich Wohnungskosten – entspricht auch bei vier Prozent Zinsen über 20 Jahre immerhin einem Kapitalwert von 133.000 Euro. Insofern sind selbst Hartz-IV-Empfänger nicht mittellos.

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Kommentare

61 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Artikel zum grünen PArteitag des DIW

das Institut ist klar links orientiert..sollte man dazu sagen...genauso wie Beckert werden eben immer neue Proumverteilungsartikel lanciert.
Bezeichnend, dass auch Allmendinger auf dem letzten Parteitag der Grünen eine Vortrag hielt.
Insofern soll die Umverteilung wissenshaftlich flankiert werden.
Man könnte auch einfach nicht jeden Arzt und Lehrer verbeamten,
dann wäre Deutschland schon geholfen

Wg Haushaltsgröße

also ganz so einfach kann man es sich nicht machen. Richtig ist, dass Kinder ohne Berufstätigkeit (kann bis 30 gehen) das Haushaltsvermögen wohl nicht erhöhen.

Das Zusammenleben mehrere erwachsener Generationen aber dann doch. Vor allem der Single-Haushalt im Vergleich zu einem Paar-Haushalt drückt das Haushaltsvermögen - ist ja simpel
Ein Paar hat 100.000 - jetzt trennen sie sich und die neuen Haushalte sind um die Hälfte ärmer (50.000)
Oder ganz einfach: Oma wird im Haus der Familie gepflegt - Haushalt hat zwar kein Geld und viel Arbeit aber eine große Immobilien im Wert von 350.000 Euro - also reich.

Kinder bringen Omas in Heim - die ist ein neuer Haushalt mit Kohle Null etc etc

Und zur Einordnung: ich selbst weise die Relativierungen zurück. Wer sich ein bisschen in Europa umschaut, weiß dass es den Deutschen häufig bei weitem nicht so gut geht, wie Frau Merkel denkt