Steueroasen : "Cowboymanier"

Profitieren die Finanzzentren? Fragen an Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker.

DIE ZEIT: Deutschland steht auf einer Liste der geheimniskrämerischsten Staaten auf Platz neun, vor Panama oder Zypern – vor allem wegen des Finanzzentrums Frankfurt. Zu Recht? Sie sind Frankfurts oberster Wächter über Steuern und Finanzen.

Uwe Becker: Natürlich ballt sich in Frankfurt die Finanzwirtschaft, wir sind der Finanzplatz Deutschland. Aber daraus automatisch solch einen Schluss zu ziehen greift doch arg kurz.

ZEIT: Experten raten Behörden, sich nicht Steueroasen wie Panama vorzuknöpfen, sondern die Dienstleister, die Briefkastenfirmen einrichten und Geld überweisen – und die sitzen in London oder Frankfurt.

Becker: Allein die Tatsache, dass sie präsent sind, heißt noch nicht, dass sie auch unsaubere Geschäfte tätigen. Klar entstehen da, wo Handel betrieben wird, wo das Know-how sitzt, auch Produkte, die Türen Richtung Steuervermeidung öffnen. Das zu generalisieren geht mir aber zu weit.

ZEIT: Ihnen muss daran gelegen sein, dass alle brav ihre Steuern zahlen. Andererseits profitieren Sie davon, wenn es den Banken und ihren Dienstleistern wie etwa Anwälten gut geht.

Becker: Ich sehe da keinen so großen Widerspruch. Die Finanzwirtschaft spielt weiter gefasst mit rund 40 Prozent der Steuereinnahmen eine gewichtige Rolle für die Stadt, das ist richtig. In Frankfurt wird aber ordentliches Bankgeschäft betrieben, von der Firmenfinanzierung über das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung bis zum klassischen Privatkundengeschäft.

ZEIT: Die Deutsche Bank steht in der Kritik, weil sie geholfen haben soll, Hunderte Trusts oder Stiftungen in Steueroasen einzurichten. Solche Vehikel helfen oft, Steuern zu vermeiden.

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