Vor ein paar Wochen bekamen die Anwälte der Deutschen Bank in New York unangenehme Post vom Berufungsgericht: Ehemalige Kunden der Bank beantragten eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens gegen das Institut. Sie fordern Schadensersatz – potenziell Hunderttausende Dollar. Die Kläger waren Teilnehmer von Steuersparmodellen, und sie behaupten, die Bank hätte ihnen verschwiegen, dass ihre Transaktionen illegal waren.

Die Vorwürfe stammen aus einem der größten Steuerbetrugsskandale der USA. Die Deutsche Bank war darin tief verwickelt. Über zehn Jahre zogen sich die Ermittlungen hin, Ende 2010 sah sich die Bank schließlich gezwungen, die Vorwürfe der amerikanischen Justizbehörden einzugestehen und eine Strafe von 554 Millionen Dollar zu zahlen. Mit dem Vergleich konnte die Bank eine Klage abwenden, die für das Institut möglicherweise fatale Folgen gehabt hätte. So musste etwa die Bank Wegelin, die älteste Schweizer Privatbank, nach einer offiziellen Anklage in den USA schließen. Auch dabei ging es um Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

An der Steueraffäre beteiligt waren zahlreiche bekannte Namen aus der internationalen Wirtschaftswelt – Banken, Wirtschaftsprüfer und Steuerkanzleien. Sie kassierten Hunderte Millionen Dollar an Gebühren. Gemeinsam arrangierten sie ein komplexes System, durch das wohlhabenden amerikanischen Steuerzahlern – meist Unternehmer und Erben – Anlageverluste entstanden, die jedoch lediglich vorgetäuscht wurden.

Die Partner entwarfen eine ganze Palette von Steuersparmodellen, denen sie eingängige Kürzel gaben: Short Sale, SOS, Swaps und Homer. Gemeinsam war allen Modellen, dass der Kunde seine Steuerlast zwar vermindern konnte, wirkliche Verluste aber nicht entstanden.

Eines der führenden Finanzinstitute in dem Geschäft war die Deutsche Bank. Nach Schätzungen der Ermittler halfen deren Mitarbeiter mindestens 2.100 Kunden dabei, insgesamt bis zu 29 Milliarden Dollar angeblicher Verluste zu kreieren. Nach Angaben der Ermittler sollen dem amerikanischen Fiskus auf diese Weise sechs Milliarden Dollar Steuern entgangen sein.

An den Steuersparmodellen ebenfalls beteiligt war die internationale Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG. Auch KPMG drohte eine Anklage, die das Unternehmen in seiner Existenz bedroht hätte. 2005 zahlte der Wirtschaftsprüfer deshalb 456 Millionen Dollar, um das Verfahren beizulegen. Auch KPMG-Konkurrent Ernst & Young war mit 123 Millionen Dollar dabei, um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Die Hypovereinsbank, ein weiteres beteiligtes Kreditinstitut, kam mit vergleichsweise bescheidenen 30 Millionen Dollar davon.

Mit der Millionenstrafe hatten die Verantwortlichen der Deutschen Bank gehofft, die Affäre endlich beilegen zu können. Doch viele Kunden, die sich nun mit den Nachforderungen der Steuerbehörden konfrontiert sehen, fühlen sich als Opfer. Sie behaupten, von den Initiatoren der Steuersparmodelle über die Legalität der Transaktionen getäuscht worden zu sein. Mehr noch: Die Deutsche Bank habe durch ihre Hinhaltetaktik die Ermittlungen bewusst lange hinausgezögert, um so Sammelklagen auf Schadenersatz zu verhindern und eine Verjährung der Vorwürfe zu erreichen. Der Fall ist vom New Yorker Bezirksgericht abgelehnt worden, wogegen die Kläger jetzt Berufung eingelegt haben. Die Deutsche Bank wollte dazu keine Stellung nehmen.