VorstellungsgesprächDas Zitat... und Ihr Gewinn

Voltaire sagt: Der Mensch muss ein ungeheurer Ignorant sein, der auf jede Frage eine Antwort weiß. von 

Hart wie ein Kinnhaken war sie, die Frage an den Entwicklungsleiter: "Mal angenommen, wir würden Sie einstellen, aber Ihre Frau lehnte den Umzug an unseren Standort ab. Wofür würden Sie sich entscheiden: für unsere Position – oder für Ihre Frau?" Solche Stressfragen sollen klären: Wie souverän geht der Bewerber mit brenzligen Situationen um?

Mit meiner ABBA-Formel können Sie auf Stressfragen souverän antworten: A steht für Allgemein, B für Beispiel, B für Bezug zur offenen Stelle, A für Allgemein. Antworten Sie in dieser Reihenfolge.

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"Allgemein" bedeutet: Arbeiten Sie das größere Thema hinter der Frage heraus. Der Entwicklungsleiter hätte sagen können: "Ich tue alles, um wichtige Entscheidungen schon im Vorfeld abzusichern." Damit hat er den Kern erfasst und kann ihn aufs Geschäftliche übertragen – durch ein positives "Beispiel" aus der Vergangenheit: "So habe ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber ein neues Produkt eingeführt und schon im Vorfeld lange mit dem Vertrieb gesprochen.

Erst als ich wusste, die Verkäufer stehen hinter mir, bin ich mit dem Projekt zur Geschäftsleitung gegangen." Durch den "Bezug" zur neuen Firma zeigt der Bewerber, was sein neuer Arbeitgeber davon haben könnte: "Auch bei Ihnen wäre es mir wichtig, den Vertrieb bei gewagten Innovationen einzubeziehen. Denn nur mit dem, was die Verkäufer auch verkaufen wollen, werden wir erfolgreich sein." Und am Ende, beim "Allgemeinen", schlägt der Bewerber den Bogen zur ursprünglichen Frage: "Und natürlich habe ich vor meiner Bewerbung bei Ihnen mit meiner Frau gesprochen und sichergestellt, dass sie voll hinter dem Umzug steht. Sie würde sich darüber sogar freuen!"

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Man muss kein Ignorant sein, um auf jede Frage eine Antwort zu wissen (wie Voltaire das schreibt) – sondern nur gut vorbereitet! Die ABBA-Formel hilft Ihnen, brisante Fragen zu entschärfen (durch den Schwenk ins Allgemeine), Ihre Antworten zu vertiefen (durch konkrete Beispiele), der neuen Firma den Nutzen aufzuzeigen (durch Bezüge zur neuen Aufgabe) und elegant abzuschließen (durch eine allgemeine Aussage, die den Einstieg wieder aufgreift).

In zwei bis drei Tagen können Sie die Umsetzung der Formel erlernen. Schreiben Sie einfach die schlimmsten Fragen auf, die Ihnen einfallen, und antworten Sie laut. Nach diesem Training werden Sie Stressfragen als Chance begreifen. Kein Waterloo – ABBA sei Dank!

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Leserkommentare
  1. Wenn mir jemand auf die Frage, wie er mit seiner Frau den Umzug regelt, erst eine Geschichte erzählt, wie toll er in seiner Firma mit dem Einkauf koordiniert, um mir dann Lehren zu erteilen, wie ich doch bitte mit anderen Abteilungen umgehen soll, ist er bei mir als schwätziger Selbstvermarkter unten durch.

    38 Leserempfehlungen
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    ...bei vielen anderen aber leider! nicht...

  2. Da ja die Frage schon mit der Frau besprochen war, der Bewerber also nicht auf dem falschen Fuß erwischt wurde, lautet die Antwort knapp: "Kein Problem, einem Umzug steht nicht im Wege!" Alles weiter ist nur kriecherisches rumgeseiere. Wiederwärtig!

    29 Leserempfehlungen
  3. 4 Leserempfehlungen
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    ...ein e streichen: widerwärtig :-)

  4. klasse Antwort! Also wenn man sich auf einen Job bewirbt, in dem es darauf ankommt abzuschweifen und belanglosen Mist zu erzählen, falls man mal nicht weiter weiß. Für alles andere gibts Ehrlichkeit.

    20 Leserempfehlungen
  5. ... so einen Quark zu reden ist ganz sicher nicht zu empfehlen. Und wieso bitteschön schlägt der Bewerber in Wehrles Beispiel beim "Allgemeinen" den Bogen zurück zur Frage? Er tut es doch viel mehr im "Konkreten". Kurz: das Beispiel ist ein lausiger Ratschlag und mit der Formel ABBA hat es auch nichts zu tun.

    6 Leserempfehlungen
  6. 6. [

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag, Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
  7. Schade, Kommentar Nummer 6 war der erste, richtig geistreiche Kommentar. Denn die ersten fünf Kommentare zeigen nur, dass ihnen die Phantasie dafür fehlt, dass Herr Wehrle nur ein Beispiel aufgeführt hat, an dem man sich dann orientieren kann.

    Aber scheinbar scheint es das Hobby der meisten hier zu sein, Artikel im allgemeinen und die des Herrn Wehrle im Speziellen in ihre Einzelteile zu zerreißen. Und die ZEIT macht auch noch mit, indem sie wahre Kommentare (Nummer 6) löscht.

    Fröhliches Löschen. ;)

    3 Leserempfehlungen
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    ein brauchbares Beispiel bringen.

    Wenn jemand eine Bewerbung an einem fernen Ort ohne Wissen seiner Frau abzieht wäre für mich der Bewerber auch unten durch. So ein Typ der Leute die Einsprüche anbringen können gezielt aus dem Loop hält ist sehr schädlich für die Unternehmenskultur

  8. Ich stand mehrmals vor der Notwendigkeit, Leute einzustellen. Es fällt auf, dass in den Bewerbungsunterlagen in der Regel krampfhaft versucht wird, aus Mücken Elefanten zu machen. Sachlich klar und kurz ist meiner Meinung nach immer die beste Antwort.

    8 Leserempfehlungen

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