GehaltsverhandlungDas Zitat... und Ihr Gewinn

Marie von Ebner-Eschenbach sagt: Überlege einmal, bevor du gibst, zweimal, bevor du annimmst, und tausendmal, bevor du verlangst. von 

"Welches Einstiegsgehalt stellen Sie sich vor?", fragt der Personalchef. Der Uni-Abgänger zuckt ratlos die Schultern und bittet um ein Angebot. Gerade Berufseinsteiger können schlecht einschätzen, welches Gehalt für sie drin ist. Und wenn sie es können, haben sie Hemmungen, viel zu fordern. In ihrem Nacken sitzt die Befürchtung, eine hohe Forderung werfe sie aus dem Rennen. Je billiger ein Bewerber ist, desto größer sind angeblich seine Jobchancen.

Aber dieser Gedanke führt in die Irre, denn die Firmen wollen nicht die billigsten Bewerber, sondern die besten. Und jeder weiß: Qualität hat ihren Preis! Wer ein ordentliches Gehalt fordert und sich gut verkauft, setzt damit ein Signal – ihm wird auch eine ordentliche Leistung zugetraut.

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Ehe man fordert, sollte man zwar nicht tausendmal überlegen (wie Marie von Ebner-Eschenbach rät), aber zumindest gründlich recherchieren: Welche Gehälter werden für Abgänger mit meiner Qualifikation bezahlt? Nutzen Sie Gehaltsvergleiche im Internet, Gespräche mit Absolventen, die schon im Beruf sind, oder den Austausch mit praxisnahen Professoren. So erfahren Sie die Spannbreite der Gehälter. Nun fragen Sie sich: Wie groß ist der Nutzen, den ich der Firma biete?

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".


Wer mit durchschnittlichen Noten studiert hat, keine besonderen Praktika mitbringt und nur wenig vorweisen kann, was zur Branche oder Firma passt, kann auch nur ein durchschnittliches Gehalt fordern. Wer jedoch erstklassige Noten hat, seine Praktika auf eine Branche abgestimmt und eine Abschlussarbeit verfasst hat, die relevant ist für die Firma – der bietet dem Unternehmen einen überdurchschnittlichen Nutzen. Und der kann auch ein überdurchschnittliches Gehalt fordern. Bis zu 15 Prozent mehr sind drin.

Die erste Zahl, die bei der Verhandlung im Raum steht, setzt den Maßstab. Kommt Ihnen die Firma mit einem mickrigen Angebot zuvor, fällt es schwer, diese Zahl deutlich nach oben zu handeln – nicht aus logischen, sondern aus psychologischen Gründen. Umgekehrt: Haben Sie zuerst eine anständige Forderung in den Raum gestellt und gut begründet, tut sich die Firma schwer, diesen Betrag wesentlich zu drücken – sofern Sie wirklich der Wunschkandidat sind. Es braucht beherzte Forderungen, um beherzte Zusagen zu bekommen.

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Leserkommentare
  1. Es ist eine frechheit, dass die Bezahlung der arbeit die geleistet wird vom bewerber verhandelt werden muss. Entweder bezahlt die firma anständig oder sie lässt es. Das verhandeln findet innerhalb eines solchen machtgefälles statt, dass es unsittlich ist. Und die coolness die im artikel verlangt wird haben sicherlich die wenigsten vor allem in der (unbegründeten) panik der nach-uni-stellensuch-Phase.

    14 Leserempfehlungen
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    ist es nicht nur normal, das gehälter verhandelt werden, sondern auch innerhalb der anstellung immerwieder neu verhandelt werden.
    was ist daran schlimm?

    Liebe Foristin, lieber Forist,

    das ist nicht unsittlich, sondern Markt. Wer viel zu bieten hat, kann mehr verlangen. Würden Sie für ein mittelmäßiges xyz viel ausgeben? Nein, auch Sie wollen für einen anständigen Preis eine anständige Gegenleistung.

    Schöne Grüße

    ...das LEUTE! Menschen! Und es geht eben nicht darum wer mehr zu bietenb hat, sondern wer sich besser verkauft! Das ist ein himmelweiter unterschied...

  2. Herr Wehrle, das ist ein gutgemeinter Ratschlag.
    Für den Einzelfall kann das klappen, aber die Realität sieht doch wohl anders aus.
    Die hohe Arbeitslosigkeit sorgt für andere Sitten.
    - Man ködert mit Praktikumsstellen, um dann Halbtagsjobs anzubieten.
    - Leiharbeiter haben naturgemäß den Vortritt.
    - Ohne Vitamin B bekommt man meist nur das was übrigbleibt.
    Nichts neues in den letzten Jahren.
    "Bewerber" lasst Euch nicht entmutigen, aber seid Euch darüber im Klaren, dass es oft mehr Lotterie-Spiel mit Beschiss ist, einen Job zu bekommen.
    Geschweige denn eine gute Bezahlung.

    9 Leserempfehlungen
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    bei allem respekt... aber das können Sie ja nicht ernst meinen? unter akademikern herrscht seit jahren absolute vollbeschäftigung.

    gar keine frage, man muss nach seinem traumjob ein bisschen suchen, in ein paar unternehmen wird es nicht auf anhieb funktionieren, einfach weils nicht passt. aber generation praktikum? nicht existent (von spezialfällen wie der werbebranche abgesehen). nur über kontakte? nie erlebt. leiharbeiter!? gibts nur auf einem niveau, auf dem ohnehin nicht über gehälter verhandelt wird.

    finde den kommentar daher ein bisschen am thema vorbei bzw. besser gesagt, das sind kommentare aus einer anderen zeit... lang lang ists her..

    • quax74
    • 19. Mai 2013 20:07 Uhr

    ... bringt einen "grünen" Bewerber nicht in diese blöde Situation. Ich wurde diese Frage nie gestellt (ist schon eine Zeit her). Und heute, von der anderen Seite aus, würde ich auch nie die Frage stellen (lassen). Anders ist es, wenn der Bewerber von sich aus fragt und verhandeln will (wobei da eh nur sehr wenig geht).

    Aber "gut" ist natürlich immer relativ und in manchen Branchen mag das wohl dazu gehören.

    6 Leserempfehlungen
  3. bei allem respekt... aber das können Sie ja nicht ernst meinen? unter akademikern herrscht seit jahren absolute vollbeschäftigung.

    gar keine frage, man muss nach seinem traumjob ein bisschen suchen, in ein paar unternehmen wird es nicht auf anhieb funktionieren, einfach weils nicht passt. aber generation praktikum? nicht existent (von spezialfällen wie der werbebranche abgesehen). nur über kontakte? nie erlebt. leiharbeiter!? gibts nur auf einem niveau, auf dem ohnehin nicht über gehälter verhandelt wird.

    finde den kommentar daher ein bisschen am thema vorbei bzw. besser gesagt, das sind kommentare aus einer anderen zeit... lang lang ists her..

    4 Leserempfehlungen
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    • cm30
    • 19. Mai 2013 20:55 Uhr

    > unter akademikern herrscht seit jahren absolute vollbeschäftigung.

    Bitte mit Zahlen und Fakten belegen. Oder meinten Sie den eigenen Bekanntenkreis? Dann wohnen Sie bestimmt in.. München!?

  4. ist es nicht nur normal, das gehälter verhandelt werden, sondern auch innerhalb der anstellung immerwieder neu verhandelt werden.
    was ist daran schlimm?

    Antwort auf "unsitte"
    • shtok
    • 19. Mai 2013 20:43 Uhr

    praxisnahen Profs. während einer Fachkonferenz im Wasser bereich. Was sind die Einstiegsgehälter für Absolventen, Antwort 40-60k. Da ging dann nur ein erstauntes Raunen durch die Reihen der Praktiker.
    In D ist Geiz nun mal geil und besonders im Ing. bereich haben sich viele Firmen an das niedrige Gehaltsniveau, ausgelöst durch das Überangebot nach der Wende, gewöhnt und davon möchte man nicht mehr ablassen. Architekurbüro in LSA 10 angestellte Architekten frisch von der Uni Durchschnittsgehälter 1200-1600 Euro/Monat brutto, alle Ü stunden abgegolten. Da die jungen Architeken glauben so die notwendige Berufspraxis zu bekommen nehmen sie es an, meist ist nach 6 Monaten Schluss.
    Großer Ing. Consulter in Sachsen, Einstellungsgehälter 1400-1600 Euro, promoviert 1800 Euro brutto, Mehrsprachigkeit ist Pflicht max Gehalt nach 10 Jahren 2600 Euro/Monat brutto, dann ist Schluss.
    Großer Ing. Dienstleister aus dem nordt. Raum Gehälter bei Festanstellung 2600 Euro/Monat brutto, selbe Position dort als Leihing. 3000 Euro/Monat, bei den letzten Beiden ist eine Versetzung an alle Dienstorte (deutschland- und weltweit) auf Anweisung kurzfristig möglich. Im übrigen beinhalten die meisten Verträge in D eine Klausel, die es verbietet, über den Vertragauskunft zu geben.
    Also wenn man in D Arbeit sucht, billig sein, sonst bleibt man auf der Strasse sitzen.
    Alternativ ins Ausland, da trifft dann das Gesagte des Autors mEn zu.

    3 Leserempfehlungen
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    ... für Ingenieure bezahlt, der wird sicher auch nur diejenigen bekommen, die das mitmachen. Ich sag mal: Wer gute Leistungen bringt und das auch weiß, der meldet sich bei solchen Unternehmen gar nicht erst, sondern steckt sie in die C-Schublade. Ich mutmaße mal, dass Ihr "großer Ing.-Dienstleister" vielleicht groß, aber qualitativ nicht state of the art ist.

    Keinem wird ein Bein ausgerissen, wenn er es einfach mal bei der nächsten Bewerbung mit einem fetten Gehaltswunsch versucht. Zur Not ist das eine Vorstellungsgespräch eben mal gescheitert, die Erfahrungen nimmt man mit ins Nächste. Ich kann mir auch vorstellen, dass eine weiche Strategie interessant ist der Art

    "Anbetracht meiner Qualifikationen schätze ich meinen Wert auf 50.000 im Jahr, da ich ..., ... und ... . Ich möchte mich aber gern auch nach Ihren Möglichkeiten erkundigen. Wieviel würden Sie einem Absolventen meiner Qualifikation bieten?"

    Wenn es klappt, kann danach gut gehandelt werden und die "Forderung" ist nicht so hart, wie erst gedacht.

    Es ist immer wieder bemerkenswert, dass Ingenieure, die die Qualifikation eines Facharbeiters haben und noch deutlich übersteigen, trotzdem oft genug schlechter gestellt sind als diese - trotz all' des Geredes vom Fachkräftemangel, gerade auch von Seiten des VDI. Das Argument ist dann die fehldende Berufspraxis. Warum allerdings sollte ein Schüler Abitur machen und studieren, wenn er mit Realschulabschluss und 3 Jahren Lehre nicht nur früher, sondern im gleichen Lebensalter auch mehr bekommt?

    Hier sägt sich Deutschland, nicht zuletzt dank seiner Tradition in Technik und Ingenieurwesen glimpflich durch die Finanzkrisen gekommen, den Ast ab, auf dem es sitzt...
    Zudem könnten Ingenieure anfangen, sich umzuschauen (Schweiz, Niederlande, Skandinavien) oder in lukrativeren Branchen (bei den o.a. Gehältern wäre das ja schon ein Kassiererjob im Baumarkt) anzuheuern. Dann gäbe es irgendwann tatsächlich einen Mangel...

    ... vom Fach ab. Ich berichte gerne von unseren Absolventinnen und Absolventen im Bereich Elektrotechnik und Informatik. Da liegt das typ. Einstiegsgehalt bei ca. 40.000 - 42.000 EUR für B.Sc., und um die 50.000 EUR beim Master (M.Sc.). Promovierte liegen bei ca. 55.000 EUR. Es gibt nach unten und oben Ausnahmen. Wer mäßig abschneidet, lange studiert hat und sonstwie nichts weiter vorzuweisen hat, liegt natürlich deutlich unter den genannten Zahlen (30.000-35.000). Es sind mir allerdings auch Promovierte bekannt, die aufgrund großer Erfahrungen im EU-Projektmanagement für Unternehmen sehr interessant sind und dann auch bei ca. 60.000 EUR starten. Wie gesagt: Elektrotechnik, Informatik .... im Maschinenbau sieht es ähnlich aus.
    Bauingenieurwesen, Abwasserwirtschaft, Architektur, etc. ist etwas anderes .... leider!

    • cm30
    • 19. Mai 2013 20:55 Uhr

    > unter akademikern herrscht seit jahren absolute vollbeschäftigung.

    Bitte mit Zahlen und Fakten belegen. Oder meinten Sie den eigenen Bekanntenkreis? Dann wohnen Sie bestimmt in.. München!?

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "vollbeschäftigung!?"
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    ..:Arbeitslosenquote unter Akademikern 2,4%

    http://www.spiegel.de/uni...

    http://www.faz.net/aktuel...

    Lt. nachfolgendem Spiegel-Artikel lag die Akademiker-Arbeitslosenquote 2011 bei gerade einmal 2,4 %. Ich war über Ihre seltsame Annahme einer hohen Arbeitslosigkeit genauso überrascht wie der Mitforist

    http://www.spiegel.de/uni...

  5. ..:Arbeitslosenquote unter Akademikern 2,4%

    http://www.spiegel.de/uni...

    http://www.faz.net/aktuel...

    Antwort auf "@Divinus84"
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    • cm30
    • 19. Mai 2013 21:14 Uhr

    Mein Vorredner sprach aber von "geringer Arbeitslosigkeit" im Zusammenhang mit "Traumjob".

    Ist denn ein Praktikum für lau nicht auch "in Arbeit". Genug ähnliche Beispiele von Geringverdienern und nicht gemeldeten arbeitslosen Akademikern finden Sie auch in den Kommentaren zu den Links, die Sie mir schickten.

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  • Schlagworte Gehalt | Gespräch | Internet | Unternehmen
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