Wer hier einzieht, sollte Englisch können. Zum Lernen treffen sich die Studenten in der LearningCorner, zum Waschen im LaundryRoom, zum Gewichtheben in der FitnessBox, zum Chillen auf dem RoofTop mit Blick über die Frankfurter Skyline.

Und wohnen können sie hier auch, im Headquarter, einem luxuriösen Studentenwohnheim im Stadtteil Bockenheim. Theresa Reul, 20, lebt in einem der Apartments: Typ Classic, 20 Quadratmeter, Küchenzeile mit Edelstahl-Mikrowelle, Duschbad mit Fußbodenheizung, Bett, Tisch, Stühle in dezent-schickem Weiß und Braun. Dafür zahlt sie 500 Euro im Monat, alles inklusive, auch der Concierge am Empfang und die Location Scouts, die schauen, wo man gut tanzen oder essen kann. "Mir war es wichtig, dass ich mich in der Wohnung wohlfühle und dass es keine Absteige ist", sagt die Psychologie-Studentin. Als sie im vergangenen Wintersemester zum Studium nach Frankfurt kam, war sie spät dran und der Wohnungsmarkt leer gefegt. Das Apartment im Headquarter war ihre "einzige Alternative". Ihre Eltern seien zwar nicht begeistert gewesen, sagt Reul, weil es so teuer sei, aber "sonst hätte ich ohne was dagestanden".

Weil die Wohnungsnot in den Universitätsstädten so groß ist, drängen verstärkt private Investoren in diesen Markt. Und sie schaffen nicht nur mehr Wohnraum, sie schaffen luxuriöse Lebenswelten. Mit Designermöbeln statt Sofas vom Flohmarkt, mit eigener Pantry statt Schließfächern im Gemeinschaftskühlschrank – das zieht viele Studenten an, weil sie nach langer Suche verzweifelt sind – oder weil sie verwöhnt sind.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 4.000 Apartments, die gezielt jungen Leuten angeboten werden. Ende des Jahres werden es mehr als 6.000 sein. Ob in Mainz, Darmstadt oder Münster – überall wird kräftig gebaut. Der größte Anbieter in diesem Segment ist die Firma Youniq. Sie betreibt in acht Städten Häuser mit insgesamt 1.700 Apartments, "alle voll vermietet", sagt das Vorstandsmitglied Marcus Schmitz. Die Nachfrage sei "immens hoch". Allein in diesem Jahr würden weitere 1.300 Wohnungen hinzukommen. Die meisten und zudem deutlich preiswerteren Zimmer bieten zwar die Studentenwerke. Sie betreiben bundesweit an allen Hochschulstandorten Wohnheime mit zusammen 230.000 Plätzen. Doch die Nachfrage ist viel höher, die Wartelisten sind lang. "Uns fehlen 25.000 Wohnheimplätze", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Geschäftsführer des Deutschen Studentenwerks. Seine Kollegen vor Ort vermitteln mittlerweile junge Leute als Haushaltshilfen an Senioren – als Gegenleistung für ein Zimmer.

So viele Studenten wie noch nie

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt sei derzeit dramatisch, sagt Meyer auf der Heyde, weil so viele Menschen studieren wie noch nie. 2,5 Millionen Studierende sind eingeschrieben, und es werden noch mehr. Im Herbst drängt der nächste doppelte Abiturjahrgang, diesmal aus Nordrhein-Westfalen, an die Hochschulen. Dazu kommen vermehrt ausländische Studenten nach Deutschland. Bund und Länder stellen mit den sogenannten Hochschulpakten mehrere Milliarden Euro für den Ausbau der Studienplätze zur Verfügung, doch in die Infrastruktur, in Wohnheime etwa, wird kaum investiert.

Das übernehmen nun private Anbieter. Selbst in ostdeutschen Städten wie Leipzig und Greifswald, in denen es viel Leerstand gibt, lohnen sich offenbar profitorientierte Wohnheime. Da setzt Youniq auf Studenten, die nicht am Stadtrand in einem unsanierten Plattenbau wohnen wollen. "Wir orientieren uns an den Bedürfnissen moderner Studenten, die flexibel und mobil sein müssen", sagt Schmitz. Die Apartmentblöcke zielen auf eine Studentengeneration, die ein auf Effizienz getrimmtes Bachelorstudium absolviert. "Wir haben in unseren Häusern Leute, die sehr zielstrebig studieren, die in Ruhe leben und lernen wollen", sagt Reiner Nittka, Vorstand der Immobiliengesellschaft GBI, die unter dem Namen Smartments in Hamburg direkt hinter dem Hauptbahnhof 160 Apartments vermietet, alle komplett möbliert, mit Parkett und bodentiefen Fenstern. Es habe, sagt Nittka, keine fünf Wochen gedauert, da seien alle Wohnungen vermietet gewesen. Die Zimmer erinnern nicht zufällig an die Einrichtung von Budget-Design-Hotels – GBI baut auch die Motel-One-Hotels.