DIE ZEIT: Herr Heemann, Sie haben sich durch das Bremer Uni-Projekt "Rent-a-Teacherman" als Student an eine Grundschule vermitteln lassen, an der nur Frauen unterrichten. Was machen Sie als Mann denn anders?

Hauke Heemann: Eigentlich gar nichts. Ich raufe nicht die ganze Zeit mit den Jungs und spiele auch nicht ständig mit den Schülern Fußball.

DIE ZEIT: Es ist also kein Problem, dass es so wenige männliche Grundschullehrer gibt?

Heemann: Doch. Denn ich bin für die Kinder Rollenbild und Identifikationsfigur, vor allem für die Jungen. Einer sagte, mit mir könne man besser über typische "Jungsthemen" reden. Es geht aber auch um ganz simple Dinge: Beim Sportunterricht muss jetzt nicht mehr die Lehrerin in die Jungsumkleide, das kann ich machen. So bleibt die Intimsphäre gewahrt.

DIE ZEIT: Also profitieren vor allem die Jungs?

Heemann: Nein, auch die Mädchen sagen, dass es ihnen gefällt, dass auch mal ein Mann da ist. Es geht um Vielfalt. Genauso wie man für Lehrer mit Migrationshintergrund kämpft, sollte es auch viele Lehrkräfte mit "Männlichkeitshintergrund" geben.

DIE ZEIT: Nur 11 Prozent der Grundschullehrer sind männlich, auch Sie studieren eigentlich für das Gymnasiallehramt. Warum wollen Männer nicht in die Grundschule?

Heemann: Berührungsängste und Unwissen. Viele, ich auch, haben ein falsches Bild: Die geistig anspruchsvollen Dinge laufen im Gymnasium ab, in der Grundschule macht man nur Kinderkram – Basteln, Bilder ausmalen. Dass die Lehrer dort sehr wichtige Entwicklungsarbeit leisten, sehen sie nicht. Sie interessieren sich mehr für die Inhalte als für die Kinder.

DIE ZEIT: Werden Sie selbst denn jetzt Grundschullehrer?

Heemann: Nein, wohl erst mal nicht, ich könnte auch nicht so einfach wechseln. Wir Lehramtsstudenten müssen uns ja schon zu Beginn des Bachelors für eine Schulform entscheiden und dann dabeibleiben. Wenn man, wie ich jetzt, erlebt, wie bereichernd die Arbeit in der Grundschule sein kann, ist es meist schon zu spät.