Stimmt's?Wird Bier in grünen Flaschen schneller schlecht als in braunen?

...fragt Werner Kalbfleisch aus Biberach. von 

Auch wenn Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gebraut wird – es ist ein chemischer Cocktail aus Hunderten von Substanzen, der sich unter dem Einfluss von Wärme und Licht auch noch in der Flasche verändert. Besonders gefürchtet ist der sogenannte Lichtgeschmack. Der entsteht, wenn sich aus dem Hopfen stammende Bitterstoffe in MBT (3-Methyl-2-buten-1-thiol) verwandeln. Das Zeug schmeckt so intensiv, dass man es herausschmecken kann, wenn zwei Tropfen davon in ein Schwimmbad geträufelt werden. Es ist verwandt mit dem Analsekret von Stinktieren – und riecht auch so ähnlich.

MBT bildet sich, wenn man Bier der Sonnenstrahlung aussetzt. Dabei geht die Gefahr nicht vom sichtbaren Licht aus, sondern vom ultravioletten – genauer gesagt von den UVA-Strahlen. Je dunkler das Bier, umso gefährdeter ist es, weil dunkle Biersorten mehr Sonnenstrahlen schlucken.

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Also gilt es, das Bier vor den gefährlichen Strahlen zu schützen. Dosen sind da optimal, aber zumindest der deutsche Bierfreund trinkt doch lieber aus der Flasche. Das nächstbeste Mittel ist getöntes Glas, deshalb sind die meisten Bierflaschen braun oder grün. Braune Flaschen haben dabei eine messbar bessere Filterwirkung.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Die Wirkung von Glas unterschiedlicher Farbe lässt sich aber auch am Geschmack nachweisen. Das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks & Co. hat im Jahr 1996 Bier in braunen, grünen und klaren Glasflaschen fünf Tage lang draußen der Sonne ausgesetzt. Die Unterschiede danach waren gewaltig: Am schlechtesten schnitt das Bier aus den klaren Flaschen ab, das aus den grünen Flaschen schmeckte schon besser – mit Abstand die besten Noten aber bekam der Inhalt der braunen Flaschen. Es gefiel den Testern sogar besser als das Kontrollbier aus dem Kühlschrank.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. steht dieser chemische Prozess mit einem anderen Effekt in Zusammenhang, den ich schon des öfteren festgestellt habe.
    Gehe ich nach einer Feier nach Hause wenn es bereits hell wird/ist, geht es mir in aller Regel schlechter, wie wenn ich im Dunkeln nach Hause komme :-)

    19 Leserempfehlungen
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    dass sie an einer Lederallergie leiden? Immer wenn sie aufwachen und sie haben ihre Schuhe noch an, dröhnt ihnen der Kopf? ;-)

    ... hat sich schon in den 1970er mit Ihrem Phänomen literarisch auseinandergesetzt:

    Bür
    Van demm Büre, van demm Büre
    kimmt di Tumbenhait herrvüre.
    Schaugist du ze tiff ins Glarz,
    kimmt taksdroff de Koppeschmarz.
    Trumb, min Pursch, ück sach dirr offtn:
    Drünck nich Bür, drünck Eppelsofftn.

  2. dass sie an einer Lederallergie leiden? Immer wenn sie aufwachen und sie haben ihre Schuhe noch an, dröhnt ihnen der Kopf? ;-)

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Möglicherweise"
  3. schmeckt deshalb ein frisch gezapftes Bier auch einfach besser als ein Bier aus der Flasche.

  4. Fensterglas ist nicht pauschal gegen UV-Licht undurchlässig, wie gerne immer wieder kolportiert wird.

    Es ist nur für energiereiche UV-B-Strahlung undurchlässig, für die energieärmere UV-A-Strahlung, die hier den Schaden anrichtet, ist es hingegen transparent (gerade eben bei Wiki gelesen).

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  5. Danke dafür.

    Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mit 7-8 Jahren, wenn es mal wieder Sternburger Export Bier gab (unnörig zu erwähnen, in der damaligen DDR) immer die grünen Flaschen aus den Kästen aussortieren sollte und um diese mit braunen zu ersetzen, weil das Bier aus denen besser schmeckt; wie mein Opa damals sagte.

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  6. << Auch wenn Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gebraut wird ... >>

    Schön wärs. Dies trifft aber nur noch auf die kleinen Brauereien zu.

    In Bier darf während des Brauvorgangs fast alles zugesetzt werden, was der Brauer will, solange beim Kunden am Ende ein Produkt ankommt, das dem deutschen Reinheitsgebot entspricht.

    Bevor jetzt Einwände kommen, kann mir sicher jemand erklären, wie es ansonsten sein kann, dass die ganze Industrieplörre (egal ob Bit oder Jever oder ...) heutzutage schon nach 2 bis 3 Wochen fertig ist, obwohl die kleinen Brauer dafür 4 bis 6 Wochen brauchen?

    Die Antwort lautet übrigens: 'Mit Hilfe der chemischen Industrie, die es ermöglicht das Bier schneller fertig wird, und dass die Zusätze später weder in Fass noch Flasche zu finden sind.

    So wird das deutsche Bier immer mehr verwässert.

    Darauf trinke ich heute Abend übrigens ein Aventinus von Schneider (TAP6) oder ein Doppelhirsch von der Allgäuer Hirschbräu. Letzteres ist übrigens eines der ganz wenigen deutschen Weltmeisterbiere des letzten Jahres. Es hat schon seinen Grund weshalb Schneider seine teuren, gelagerten Biere nicht in Deutschland verkauft. Hier will nämlich fast jeder alles nur noch möglichst billig haben, weshalb dies dem deutschen Biertrinker von der Industrie auch prompt geliefert wird..

    2 Leserempfehlungen
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    nach marburg, da gibt es die sogenannte Drecksacktour, wo man von Kneipe zu Kneipe zieht und nur Aventinus trinjt meist 2 pro Kneipe.

    Und Marburg liegt meines erachtens noch in Deutschland :D zumindest sagt mir das Land Hessen dies. Ich nehme an ,daß in anderen Staedten aehnliche Angebote gestellt werden , und Aventinus sich lediglich nicht in Supermaerkten finden laeßt ^^

    ....Zusammenhang auf die "Fränkische Schweiz" verweisen - auch der Pilstrinker wird hier fündig ;-)

    @Nr.8
    Sehr interessant - Danke!

  7. nach marburg, da gibt es die sogenannte Drecksacktour, wo man von Kneipe zu Kneipe zieht und nur Aventinus trinjt meist 2 pro Kneipe.

    Und Marburg liegt meines erachtens noch in Deutschland :D zumindest sagt mir das Land Hessen dies. Ich nehme an ,daß in anderen Staedten aehnliche Angebote gestellt werden , und Aventinus sich lediglich nicht in Supermaerkten finden laeßt ^^

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  8. wenn auch unbewusst, kann ich ais Chemikerperspektive eine lustige Begebenheit beitragen.

    Die zugehörigen Anlagen wurdn schon immer relativ regelmäßig gereinigt, Begasungen mit Phosgen waren üblich. Etwas moderner und weniger akut toxisch ist das Spülen mit Bromessigsäure. Leider nimmt man es manchmal nicht so genau diese durch weiteres Spülen vor dem nachfolgenden Brauansatz zu entfernen.
    So trägt die verbleibende Bromessigsäure zur Konservierung des Bieres bei. Das lässt sich übrigens sehr gut wegendes Bormatoms bis in den Spurenbereich massenspektrometrisch nachweisen; ist also keine erfundene Geschichte

    Peter

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    Welche Brauerei macht denn so 'ne Sauerei?

    In einer Großbrauerei, die ich gut kenne, und in der ich einige Monate in der Qualitätskontrolle gearbeitet habe, wird ausschließlich mit (heißer) Natronlauge, Salzsäure und Wasserstoffperoxid gereinigt... wenn man so will das Reinheitsgebot der Anlagen- und Gebindereinigung. Es würde mich offen gestanden sehr wundern, wenn heute überhaupt noch jemand in der Lebensmittelindustrie mit Bromessigsäure arbeitete.

    @norbertZ: Man darf sich glaube ich sehr sicher sein, dass keine der größeren Brauereien in Deutschland das Reinheitsgebot vorsätzlich verletzt und irgendwelche Stoffe zusetzt. Das Publikwerden würde mit hoher Sicherheit das Ende des betroffenen Unternehmens bedeuten. Andererseits ist es sehr wohl erlaubt, zur Qualitätsverbesserung Stoffe im Laufe des Brauprozesses zu entfernen... eine Art Lücke im Reinheitsgebot, die aber in der Praxis ausschließlich das Wasser betrifft.

    Das ein Bier aus der Großbrauerei weniger Zeit braucht, ist einfach eine direkte Folge der Industrialisierung. Ein Unternehmen, dass jedes Jahr sechs- bis siebenstellige Summen in Forschung, Entwicklung und Produktionsoptimierung steckt, sollte nach einigen Jahrzehnten schon auch effizienter arbeiten als ein Kleinbrauer.

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Bier | Glas | Sonne | Wasser
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