DiskriminierungGanz schön gratismutig

Die UN rügen Deutschland wegen Sarrazin. Wirkt irre? Ist es gar nicht von 

Allein der Name! "Internationale Übereinkunft über die Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung". Man sieht sie vor sich, die Staatssekretäre und Menschenrechtsbeauftragten mit ihren John-Lennon-Brillen und Mao-Anzügen, wie sie 1965 in New York zusammenkamen, um in einem Akt äußerster politischer Korrektheit gleich alle Formen des Rassismus auf einmal vertraglich abzuschaffen.

Gerade hat das UN-Komitee, das besagte Übereinkunft zu exekutieren hat, uns Deutsche verurteilt. Es geht noch einmal um Thilo Sarrazin und seine Ansichten über Türken und "Kopftuchmädchen", nachzulesen in einem berüchtigten Interview der Zeitschrift Lettre International. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg hatte Sarrazins Äußerungen als Akt der Volksverhetzung aufgefasst und Strafantrag gestellt, die Berliner Staatsanwaltschaft fand an dem strittigen Interview aber rechtlich nichts zu beanstanden – was das Antidiskriminierungskomitee der UN nun rügt.

Anzeige

Die Fronten sind also klar: politisch korrekte Eiferer gegen liberale Rechtsstaatsvertreter, Gedankenpolizei gegen Meinungsfreiheit.

Den Sachverhalt schlichtweg abstreiten?

Wer das Urteil der UN liest, muss nach Belegen nicht lange suchen. Die Deutschen, heißt es da, hätten nicht genau genug geprüft, ob Sarrazins Aussagen "auf die Verbreitung von Ideen hinausliefen, die auf rassischer Überlegenheit oder Rassenhass beruhen". Verbreitung von Ideen? Wer das verbieten will, der schätzt die Meinungsfreiheit gering.

Könnte man meinen, wenn man zufällig der etablierten Mehrheit einer Einwanderungsgesellschaft angehört. Es ist nur so: Wer sich als liberaler Hurra-Patriot in die Kritik des UN-Komitees vertieft, der erlebt, wie das anfängliche Vorurteil mehr und mehr ins Wanken gerät.

Was hatten die deutschen Vertreter zu unser aller Verteidigung vorzubringen? Zum Beispiel dies: Es gebe "keine Hinweise" darauf, dass Übergriffe gegen Einwanderer nach Sarrazins öffentlichen Äußerungen zugenommen hätten.

Das kann man anders sehen. Nicht deutsche Teilnehmer der Debatte berichteten damals von einer regelrechten Flut der Hassmails und Drohungen. Nun sind für solche Zumutungen die Täter verantwortlich, nicht Intellektuelle, durch die sie sich möglicherweise ermutigt fühlten. Aber den Sachverhalt schlichtweg abstreiten, das hat etwas sehr Selbstzufriedenes. Und man kann sich fragen, ob diese satte Bequemlichkeit Behörden zusteht, die zehn Jahre lang eine neonazistische Terrorgruppe übersehen haben und die rechtsradikale Gewalt auch dann noch leugnen, wenn sie öffentlich dokumentiert ist.

Traditionell berufen sich deutsche Liberale im Streit um die Meinungsfreiheit auf eine Kommunistin, Rosa Luxemburg. Auch das ist eine Übung, die bei der Lektüre der Sarrazin-Kontroverse zunehmend abwegig erscheint. Der schöne Satz über die Freiheit der Andersdenkenden stammt von einer Frau, die für ihre Sache ihr eigenes Leben riskiert und am Ende verloren hat. Während es von den Vertretern der Mehrheitsgesellschaft nur ein wenig Gratismut verlangt, Einwanderer zu Gelassenheit im Umgang mit Zeitgenossen wie Sarrazin aufzufordern.

Leserkommentare
  1. ...auf der einen Seite denke ich schon das "Name and Shame" richtig ist damit Staaten es sich nicht zu bequem machen, auf der anderen Seite lass ich mir von Blinden nichts über Farbe sagen.

    31 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bzw. von Eunuchen nichts über die Liebe.

  2. wenn sie auf Deutsche gemünzt in einer Schweizer Monatszeitschrift ständen?

    Die Antwort ist einfach:
    Ein denkender Mensch muss sich immer damit auseinandersetzen, ob eine Behauptung mit Realität unterfüttert ist. Die deutschen Migranten in der Schweiz sind zu fast 100 % in festen Arbeitsverhältnissen.
    Eine solche Behauptung über Deutsche wäre also schlicht schwachsiinig und falsch.
    Dahingegen muss man sich nur die Statistiken anschauen, seien es Arbeitslosen- oder Kriminalitätsstatistiken um zu erkennen, dass eben tatsächlich ihrem prozentualen Anteil an der Bevölkerung nach arabische und türkische Bürger dieses Landes überdurchschnittlich häufig kriminell sind und vom Staat alimentiert werden.
    Damit wären wir auch bei dem wirklichen Grund, warum Sarrazin soviel Zuspruch erhalten hat:
    Diese Fakten werden von den Verantwortungsträgern unter den Tiscg zu kehren versucht, obwohl jeder von ihnen weiß. Wer sie äussert wird gleich beschimpft, ob als Nazi, Schlechtmensch oder Rassist und das nur, weil er die Tatsachen benennt die statistisch belegt sind.
    Indem man potemkinsche Dörfer errichtet und sich weigert der Realität ins Auge zu schauen, werden aber keine Probleme gelöst.
    Da kann Claudia Roth noch so empört und betroffen sein, es ist erforderlichdie Dinge beim Namen zu nennen und nicht, sie zu beschönigen um auch bloß niemanden zu verletzen.

    72 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DDave
    • 25. April 2013 13:58 Uhr

    Die Abschaffung der Meinungsfreiheit hat begonnen. Ersetzt wird sie durch die politisch korrekte Meinungsfreiheit(freedom of political correct expressions).
    Wahre Tatsachen dürfen nicht mehr ausgesprochen werden, weil andere Leute sich auf dem Schlips getreten fühlen könnten. Dies ist eine Selbstbeschränkung.
    "Wie fände man wohl Behauptungen dieser Art, wenn sie auf Deutsche gemünzt in einer Schweizer Monatszeitschrift ständen?"
    Jeder vernünftige Mensch würde diese Aussage als Stammtischparole abtun, weil sie nicht wirklich mit Fakten zu untermauern ist. Während die Aussagen von Thilo Sarrazin sehr wohl mit Fakten versehen sind.
    Es gibt integrierte Ausländer(, die Bildungsgewinner verlassen sogar De und gehen in ihr "Heimatsland" zurück), aber es gibt auch integrationsunwillige Ausländer und bei denen stellt sich mir die Frage, warum diese Personen in Deutschland sind?
    Sollte ich jemals in ein anderes Land auswandern, ist es meine Pflicht, die Sprache zu lernen bzw. schon gelernt zu haben und dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen.(Um es extrem auszudrücken: als Ausländer muss ich ein besserer Einheimischer sein, als die Einheimischen jemals werden.)

    • AndreD
    • 25. April 2013 15:07 Uhr

    Meiner Meinung nach wurde die Debatte um Sarrazins Aussagen in keiner Weise offen geführt.
    Er hat Dinge gesagt, die man in Statistiken nachlesen kann. Man hat so getan, als ob diese Statistiken von Teufels Hand geschrieben seien.

    Im Artikel gibt es folgende Aussage von Sarrazin:
    "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin."

    Allein das hätte zehn Talkshows und Dokumentationen auf dem Fernsehsender Phoenix füllen können. Denn dort werden, wenn überhaupt im deutschen Fernsehen (außer um 3 Uhr nachts in 3Sat oder ZDF) ernsthafte Debatten geführt.

    Was wäre passiert?
    Man hätte untersuchen müssen, ob und WARUM es Migranten gibt, die den deutschen Staat ablehnen. Man hätte untersuchen müssen, warum und ob es so viele Ausländer gibt, die vom Staat leben. Man hätte untersuchen müssen, ob es der Anteil dieser Staatsablehner und Hilfeempfänger wirklich so hoch ist.

    Man hätte jedoch auch schauen müssen, ob diese Verhaltensweisen und Haltungen auch bei Nichtmigranten vorhanden sind und woher es bei diesen rührt.

    Dies hätte dazu geführt, dass einerseits die wirtschaftlichen Verhältnisse, das Elitendenken und andere Dinge in dieser unserer Gesellschaft hätten debattiert werden müssen.

    Anders gesagt: Wäre Uli Hoeness Ausländer....

    Die Tatsache (?), daß in Deutschland aufgewachsene Menschen im Ausland häufiger zu Arbeit kommen, liegt doch ganz klar an dem höheren Ausgangswohlstand und dem (noch) besseren Bildungssystem. Mehr nicht.

    Dund die Tatsache, daß Menschen mit Migrationshintergrund hierzulande seltener in Lohn und Brot kommen, ist vor allem ein Versagen der Integrationspolitik - wie man ebenfalls im Vergleich mit zivilisierteren Ländern feststellen kann.

    Darum kann ich Ihre implizite Aussage, daß die Deutschen die besseren Menschen wären, so nicht stehen lassen. Diese Aussage ist unwissenschaftlich und ferner durchaus mit dem Begriff "Rassismus" treffend zu beschreiben.

    Abgeshen davon ist es doch irgendwie immer grotesk, wenn Menschen, die es aufgrund der besseren Ausgangslage eher leichter im Leben hatten, sich über andere mokieren, deren Lebenssituation sie nicht im mindesten nachvollziehen können.

    • mick08
    • 26. April 2013 0:24 Uhr

    mit Statistiken, dass siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin: 1) vom Staat leben + 2) diesen Staat ablehnen + 3) für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgen + 4) ständig neue kleine Kopftuchmädchen produzieren.

    Das ist Verunglimpfung auf übelstem Niveau.

    Wenn sich die Vertreter von z.B. China, Weißrussland oder Russland hinstellen und Deutschland Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, wirkt das schon reichlich surreal.

    Aber wenn dann die deutsche Presse fragt, ob das irre ist und zur Antwort gelangt, dass es gar nicht irre ist, dann ist das noch surrealer.

    "...ob eine Behauptung mit Realität unterfüttert ist." Doch, es ist nicht auszusliessen. Sogar bei: "Die deutschen Migranten in der Schweiz sind zu fast 100 % in festen Arbeitsverhältnissen." sind, wie bekannt die deutschen Migranten in der Schweiz nicht sehr beliebt, aus welchen Gründen noch immer.
    Die Geschichte oder die Überheblichkeit, oder zusammen, die spiellen vielleicht eine Rolle.

    • Bashu
    • 26. April 2013 12:54 Uhr

    Apothekenbesitzer? Sind türkische Arbeiter krimineller als deutsche Arbeiter? Sind türkische Salafisten krimineller als deutsche Neonazis?

    Der Punkt ist also: Türken und Araber in Deutschland stammen überwiegend aus den unteren konservativen Schichten. Türkische Akademiker, die ich kennengelernt habe (im Ausland, denn in DE gibt's nicht so viele), distanzieren sich selbst oft von diesen Menschen.

    Ferner: Ist Kriminalität oder Gewalt wirklich nur kulturell bedingt? Ja, es gibt kulturelle Unterschiede. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Türken und Araber deutlich aggressiver in der Umgangsweise sind als Deutsche (in Istanbul wurde ich von einem Verkäufer geschlagen weil ich nichts kaufen wollte). Das gilt aber wiederum nicht für die Akademiker, die ich traf! Auch dürfen wir die anderen Ursachen nicht ausblenden: Chancenlosigkeit, Geldmangel, fehlende Akzeptanz, usw, alles Ursachen von Gewalt und Kriminalität.

    Das Integrationsproblem sollte unvoreingenommen und auf Augenhöhe zusammen(!) mit den Migranten analysiert werden.

    Was mir am meisten Angst macht, ist die Untätigkeit der deutschen Politik. Denn dies Problem kann man nicht wegwischen, und die Unzufriedenheit gärt in der Bevölkerung. Auf beiden Seiten. Es wäre Aufgabe von Merkel und Gauck, hier einen ehrlichen und UNvoreingenommenen gesellschaftlichen Dialog in Gang zu setzen, bei dem man auch Klartext sprechen darf.

    "Dahingegen muss man sich nur die Statistiken anschauen, seien es Arbeitslosen- oder Kriminalitätsstatistiken um zu erkennen, dass eben tatsächlich ihrem prozentualen Anteil an der Bevölkerung nach arabische und türkische Bürger dieses Landes überdurchschnittlich häufig kriminell sind und vom Staat alimentiert werden."

    Und dass dem so ist liegt natürlich vor allem, wenn nicht gar ausschließlich, an ihrer Ethnizität.

    Unsere Umwelt ist komplex und um mit dieser Komplexität klar zu kommen vereinfacht der Mensch, kategorisiert. Um Probleme zu erklären, sehen wir Zusammenhänge, wo nicht immer welche sind. Insofern sind einfache Antworten (vor allem die mit einem "wahren" Kern) so verlockend.

    So mage es ja durchaus zustimmungswürdig sein, dass jeder der in Deutschland leben möchte auch die deutsche Sprache beherrschen sollte.

    Ich kann Ihnen aber aus eigener Erfahrung berichten, dass das nicht so einfach ist: Ich lebe seit 2 Jahren in Polen mit der Absicht hier auch (vorerst) zu bleiben und bin sogar mehr als willens die Landessprache zu sprechen. Allerdings ist Polnisch ziemlich schwierig, werde ich nicht jünger und lebe ich auch (so wie wahrscheinlich jeder Mensch) in einer ziemlich üblen "Parallelgesellschaft" (was ist das eigtl.?!) wo alle reichlich gut Englisch reden.

    Wir als Sprechende - und das gilt besonders für öffentlich Sprechende - erschaffen durch unsere Aussagen Realität. Daher empfiehlt es sich seine Worte mit Bedacht, Respekt und Rücksicht zu wählen.

    Dass viele Probleme mit Immigranten in der BR Deutschland eine gewichtige Rolle spielen, kann selbst der größte Integrations-Optimist nicht vom Tisch wischen.

    Nun scheint mir in der BR Deutschland ein öffentlicher Meinungs-Mainstream zu bestehen, der Kritik an bestimmten Erscheinungen und Problemen mit Immigranten nicht gestattet. Der Autor schreibt: „Deutsche Migranten sind auch nicht überall willkommen. Wie fände man wohl Behauptungen dieser Art, wenn sie auf Deutsche gemünzt in einer Schweizer Monatszeitschrift ständen?“

    Was will er damit sagen, dass die Deutschen in der Schweiz ähnlich wie z. B. Türken in der BR Deutschland ungebildet sind und keinen Berufsabschluss haben? Nach einer Studie aus dem Jahr 2009 haben 30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen in Deutschland keinen Schulabschluss, nur 14 Prozent haben das Abitur. Auch haben Menschen mit türkischem Immigrationshintergrund den geringsten Anteil am Erwerbsleben: Sie sind häufig erwerbslos, viele sind abhängig von Sozialleistungen.

    Man ändert Probleme nicht dadurch, dass man sie unter den Tisch zu kehren versucht, obwohl alle wissen, dass sie da sind. Auch wer sachlich kritisiert, wird als Rechter oder gar als Rassist beschimpft und das nur, weil er die Tatsachen benennt, die auch in öffentlichen Statistiken belegt sind. Wir sollten und angewöhnen, endlich die Dinge beim Namen zu nennen und dieses Terrain nicht politischen Wirrköpfen überlassen.

    • DDave
    • 25. April 2013 13:58 Uhr

    Die Abschaffung der Meinungsfreiheit hat begonnen. Ersetzt wird sie durch die politisch korrekte Meinungsfreiheit(freedom of political correct expressions).
    Wahre Tatsachen dürfen nicht mehr ausgesprochen werden, weil andere Leute sich auf dem Schlips getreten fühlen könnten. Dies ist eine Selbstbeschränkung.
    "Wie fände man wohl Behauptungen dieser Art, wenn sie auf Deutsche gemünzt in einer Schweizer Monatszeitschrift ständen?"
    Jeder vernünftige Mensch würde diese Aussage als Stammtischparole abtun, weil sie nicht wirklich mit Fakten zu untermauern ist. Während die Aussagen von Thilo Sarrazin sehr wohl mit Fakten versehen sind.
    Es gibt integrierte Ausländer(, die Bildungsgewinner verlassen sogar De und gehen in ihr "Heimatsland" zurück), aber es gibt auch integrationsunwillige Ausländer und bei denen stellt sich mir die Frage, warum diese Personen in Deutschland sind?
    Sollte ich jemals in ein anderes Land auswandern, ist es meine Pflicht, die Sprache zu lernen bzw. schon gelernt zu haben und dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen.(Um es extrem auszudrücken: als Ausländer muss ich ein besserer Einheimischer sein, als die Einheimischen jemals werden.)

    52 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • EPIKIE
    • 25. April 2013 14:14 Uhr

    möglicherweise Fakten benannt, kann ich nicht beurteilen.
    Er hat sich aber in einer verächtlichen Sprache bedient: "... ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert..." etc.
    Das hat mit Meinungsfreiheit nicht das geringste zu tun. Das ist einfach nur unanständig.

    "Die Abschaffung der Meinungsfreiheit hat begonnen." Zitatende

    Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" gehört zu dem meistverkauften Sachbüchern (Hardcover) der Nachkriegsgeschichte. Wer trotzdem vom "Beginn der Abschaffung der Meinungsfreiheit" spricht, verdreht bewusst die Tatsachen - das heißt: polemisiert.
    Im Übrigen hat auch ein UN-Komitee ein Recht auf Meinungsfreiheit.
    Es ist allerdings folgerichtig, dass den Verteidigern des Polemikers Sarrazin ebenfalls nur Polemik bleibt. Sachargumente schließt diese Denkweise ganz offensichtlich aus.
    Wer Aussagen wie "Kopftuchmädchen produzierende Türken und Araber" unterstützt, begibt sich in einen Gegensatz zum Grundgesetz und sollte nicht mit Meinungsfreiheit daherkommen.

    Das der Vorwurf mal wieder in der Luft schwebt habe ich mal eine Frage:
    Wer hat Sarrazin von seiner freien Meinungsäußerung abgehalten? Er hat seine Meinung frei geäußert, er konnte völlig ungehindert ein Buch schreiben und damit Geld verdienen.
    Dann kamen aber Menschen, die anderer Meinung waren als er und die haben dann ihre Meinung geäußert. Das nennt sich Meinungsfreiheit! Meinungsfreiheit ist übrigens auch ein Dialog, den ihr allerdings nicht führen wollt.
    Ein paar Antifa Spinner, die Nazis raus rufen und mehrere Morddrohungen kamen weder von medialer noch von politischer Seite, sie entstammen einer kleinen Minderheit aus der Bevölkerung, die seine Meinung nicht akzeptieren wollte. Solche Menschen gibt es immer wieder, in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen.
    Hört endlich mal auf euch ständig als Opfer aufzuspielen!
    Und was dieses ganze Gerede über vermeintliche Fakten anbelangt, so geht es euch doch nur um die Fakten, die eure Meinung bestätigen. Überhaupt, ihr redet nicht über Fakten ihr redet über Statistiken! Es wurden oft genug andere Statistiken angeführt oder auf die Fehler und verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten der Statistiken von Sarrazin hingewiesen, aber ihr wolltet sie nicht hören.

  3. Entweder Sarrazin hat Recht oder nicht. Wenn er Recht hat, darf man ihm seinen Mund nicht verbieten. Wenn er nicht Recht hat, dann soll man ihn widerlegen. Da ihm der Mund verboten werden soll, kann man davon ausgehen, dass seine Beschreibung der Realität nahe kommt.

    59 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • iWitz
    • 25. April 2013 14:11 Uhr

    Sarrazin wurde wiederholt belegt, das ist auch kein Kunststück. Es ist nur so, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, die hier ein Fazit zieht oder eine finale Bewertung abgibt über Richtig oder Falsch. Nur weil Sarazzin sich einer Basta-Sprache bemächtigt, glauben viele Sarrazin-Fans, die ebenfalls dem Basta-Denken verhaftet sind, irgendwer müsse ihnen das Sarrazinsche Basta definitiv bestätigen. Leider müssen Sie die Spannung aushalten, selbst zu entscheiden, ob Sie von den Sarrazinschen Thesen überzeugt sind oder nicht. Sie müssen ebenfalls aushalten, dass in einer offenen Gesellschaft einer These widersprochen werden kann, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Wer das damit verwechselt, Sarrazin würde "der Mund verboten", kann offenbar mit der Meinungsvielfalt in einer offenen Gesellschaft nicht umgehen. Und zu dieser Meinungsvielfalt gehört auch die Rüge, die sich jemand einfangen kann. Ein Gremium wie das der UN hat nämlich - im Sinne der Meinungsfreiheit - durchaus das Recht, eine solche Rüge auszusprechen. Wo ist da das Problem?

    in einer offenen Gesellschaft sollte es keine übergeordnete Instanz geben, die eine offzielle Meinung vorgibt, weder in dem eine Meinung sanktioniert wird, noch indem andere Meinungen gefördert werden. Sie schreiben dass Sarrazin widerlegt worden sei, anderen sehen dies nicht so. Gehe ich durch Stadtteile Kölns bin ich geneigt dem ehemaligen Senator zuzustimmen.

    • sf2000
    • 26. April 2013 12:14 Uhr

    ... und das nicht nur wissenschaftlich, sondern auch moralisch, juristisch und sogar mit seinen eigenen Statistiken. Und die Antwort war jedes Mal: Aber dass muss man doch mal sagen dürfen, und wie eingeschränlt doch die Meinungsfreiheit ist.

    Ein ziemlich lahmer Versuch, die Meinungsfreiheit von Sarrazins Gegnern einzuschränken.

    • iWitz
    • 25. April 2013 14:11 Uhr

    Sarrazin wurde wiederholt belegt, das ist auch kein Kunststück. Es ist nur so, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, die hier ein Fazit zieht oder eine finale Bewertung abgibt über Richtig oder Falsch. Nur weil Sarazzin sich einer Basta-Sprache bemächtigt, glauben viele Sarrazin-Fans, die ebenfalls dem Basta-Denken verhaftet sind, irgendwer müsse ihnen das Sarrazinsche Basta definitiv bestätigen. Leider müssen Sie die Spannung aushalten, selbst zu entscheiden, ob Sie von den Sarrazinschen Thesen überzeugt sind oder nicht. Sie müssen ebenfalls aushalten, dass in einer offenen Gesellschaft einer These widersprochen werden kann, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Wer das damit verwechselt, Sarrazin würde "der Mund verboten", kann offenbar mit der Meinungsvielfalt in einer offenen Gesellschaft nicht umgehen. Und zu dieser Meinungsvielfalt gehört auch die Rüge, die sich jemand einfangen kann. Ein Gremium wie das der UN hat nämlich - im Sinne der Meinungsfreiheit - durchaus das Recht, eine solche Rüge auszusprechen. Wo ist da das Problem?

    17 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es ist relativ einfach"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • iWitz
    • 25. April 2013 14:18 Uhr

    Sorry, hier ist mir ein Freudscher Versprecher unterlaufen. Soll heißen:

    Sarrazin wurde wiederholt widerlegt, das ist auch kein Kunststück. ...

    • AndreD
    • 25. April 2013 15:13 Uhr

    Zuerst: Ich finde Sarrazins Thesen einfach nur daneben.
    Wie ich aber in Kommentar 15 ausgeführt habe, wurde nur eine oberflächliche Debatte in der Hauptsache über die Person Sarrazin geführt, aber seine Position inhaltlich nicht wirklich profund diskutiert.
    Im Gegenteil brach ein medialer Shitstorm los, der Sarrazin nicht das Wort verbat, aber einen solchen Geräuschteppich produzierte, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte.

    Es wie auch jetzt im Fall Hoeness eine Debatte, die um die Person geführt wird, aber nicht an die grundsätzliche Problematik geht.

    Kurz gesagt: Viel Lärm um das Falsche.

    Das Problem liegt schlicht und ergreifend darin, dass einem Menschen mit einem vernünftigen Verstand klar sein muss, dass man eine Aussage nicht zu rügen hat solange man sie nicht widerlegen kann.
    Wenn man sie rügen möchte, weil sie einem nicht passt, hat man gefälligst nach Beweisen zu suchen die die unbequeme Aussage widerlegen. Ansonsten besser mal den Mund halten um sich nicht zu blamieren.

    • EPIKIE
    • 25. April 2013 14:14 Uhr

    möglicherweise Fakten benannt, kann ich nicht beurteilen.
    Er hat sich aber in einer verächtlichen Sprache bedient: "... ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert..." etc.
    Das hat mit Meinungsfreiheit nicht das geringste zu tun. Das ist einfach nur unanständig.

    33 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    irgendwie geht das in Richtung Preussler/Lindgren-Diskussion...

    vollkommen richtig und alles berücksichtigt.
    Diese Beweisführung sollte als Gesetz in die Gesetzesbücher kommen.

    • TDU
    • 25. April 2013 14:16 Uhr

    Zit.: "Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg hatte Sarrazins Äußerungen als Akt der Volksverhetzung aufgefasst und Strafantrag gestellt, die Berliner Staatsanwaltschaft fand an dem strittigen Interview aber rechtlich nichts zu beanstanden – was das Antidiskriminierungskomitee der UN nun rügt."

    Dann verbiete man in Zukunft solche Bücher, bzw. lasse sie von einer Behörde prüfen. Die Frage ist ob Mails und böse Briefe nicht ein Unterschied sind zur Austragung von Konflikten in anderen Ländern.

    Der Autor mit seiner, mit Verlaub, indifferenten Stellungnahme wird sich freuen, aber die Freiheit vermutlich nicht. Ich habe aber keinen Bock auf Generalklauseln, die in anderen Ländern nun gar nicht gerügt werden.

    Auf der Welt sind genug Schriftsteller und Journalisten im Gefängnis. Und irgendwelche Verbände oder Vereinigungen, die das auch hier gerne hätten, sollte man entgegentreten.

    Ausserdem wer ist dann als Nächstes dran? Der Klimasünder, der Staatsschädiger, der Unkorrekte? Jetzt ist gerügt worden, Deutschland hat sich entschuldigt, und es muss gut sein.

    Für die Zukunft muss man dann von Fall zu Fall entscheiden. Aber Verhinderung des geringsten "Anzeichens" ist Zensur. Dann braucht man sich über entstehende Gewalt nicht wundern.

    19 Leserempfehlungen
  4. in einer offenen Gesellschaft sollte es keine übergeordnete Instanz geben, die eine offzielle Meinung vorgibt, weder in dem eine Meinung sanktioniert wird, noch indem andere Meinungen gefördert werden. Sie schreiben dass Sarrazin widerlegt worden sei, anderen sehen dies nicht so. Gehe ich durch Stadtteile Kölns bin ich geneigt dem ehemaligen Senator zuzustimmen.

    16 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es ist relativ einfach"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Meinung wird nicht sanktioniert. Und das wird auch gar nicht gefordert. Das Verbreiten einer Meinung kann und sollte aber sanktioniert werden; immer dann, wenn dadurch die Rechte anderer eingeschränkt werden.

    Die Äußerungen Sarrazins gehen oft genug nunmal über die bloße Darlegung von Tatsachen hinaus und beinhalten eine polemische und abwertende Wortwahl, wie z.B.:
    "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin."

    ich kein Problem, da es niemanden gibt, der Sarrazin zwingen kann, seine Meinung zu ändern. Diskriminierung sollte es von Seiten des Staates geben, ansonsten sollte jeder so diskriminieren (wörtlich: unterscheiden) wie er es für richtig hält.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service