Während Deutschland letztes Jahr zur EM seine Autos und Balkone mit schwarz-rot-goldenen Fahnen dekorierte, fand in Berlin das Jüdische Filmfestival statt. Es gibt keinen direkten Zusammenhang außer den, dass Karten relativ leicht zu bekommen waren. Man konnte im Dokumentarfilm Oma & Bella die Bekanntschaft von Regina Karolinski und ihrer Freundin Bella Katz machen, beide über 80. Sie wohnen zusammen in Berlin-Charlottenburg und kochen jeden Tag die Gerichte ihrer Kindheit in Polen und Litauen. Sie verloren ihre Familien im Holocaust, überlebten und kochten weiter. Der Film, gedreht von Alexa Karolinski aus Enkelinnenperspektive, berührte einen irgendwie noch mal anders als die auch erschütternde Tatsache, dass Mario Balotelli Deutschland aus der EM warf.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Die Rezepte der beiden sind jetzt als Kochbuch erschienen (hier erhältlich: omabella.com). Man erfährt darin unter anderem, dass die osteuropäisch-jüdische Küche vor allem als Grundlage im Magen fürs Wodkatrinken dient. "Niemals Wodka auf leeren Magen", war der Ratschlag, den Alexa Karolinski bereits als 12-Jährige von ihrer Großmutter erhielt. Bei diesem Rezept für deftige Kartoffellatkes, auch Kartoffelpuffer genannt, gilt andersherum, dass ein Wodka dazu sicher nicht schaden kann.

Die Kartoffeln werden geschält und gerieben. In einem Sieb 15 Minuten lang abtropfen lassen. In einer Schüssel mit Ei, Mehl, Salz und Pfeffer vermengen. Öl in der Pfanne erhitzen, einen handflächengroßen Pfannkuchen formen und mit dem Pfannenheber ins heiße Öl geben. Ein paar Mal wenden, bis die Latke goldbraun ist. Diesen Vorgang mit dem restlichen Teig wiederholen. Es schmeckt dazu Apfelmus, besser aber noch ist die Variante mit saurer Sahne und Kaviar.

Kartoffellatkes
(für 5 Stück)

450 g festkochende Kartoffeln
1 Ei
2 EL Mehl
100 bis 150 ml Pflanzenöl
1 TL Salz, etwas Pfeffer
1/2 Becher saure Sahne
5 TL Kaviar vom Lachs oder Saibling