Alternative Energie : Das falsche Versprechen

Solaranlagen halten ewig? Irrtum! Viele sind schon bei der Montage defekt. Die Garantien der Hersteller sind oft wertlos.

Es ist ein todsicheres Anlagemodell. So dachten viele Hausbesitzer: Ich investiere mit einem Kredit in eine Solaranlage, kassiere die staatlich garantierte Einspeisevergütung, zahle damit den Kredit ab – und danach produziert die Anlage nur noch Geld. Mindestens zehn Jahre lang, wartungsfrei, die Sonne liefert kostenlos die Energie. Photovoltaik war scheinbar eine einfache Gleichung, ganz ohne Unbekannte. Leider geht für immer mehr Investoren die Rechnung nicht auf.

Im Jahr 2007 platzten für die ersten Solar-Kleinunternehmer die Illusionen. Ihre Anlagen, die nur wenige Jahre alt waren, warfen nicht einmal mehr genug ab, um die Kredite zu bedienen. Man raunte von geheimnisvollen optischen Veränderungen am Modul, die längerfristig für Schäden sorgten. Inzwischen zeigt sich: Das waren keine Einzelerscheinungen. Dass Solarzellen reparaturbedürftig sind, ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und da auch die öffentlichen Mittel nicht mehr so sprudeln wie in der Vergangenheit, wird das Geschäft mit der Sonne mehr und mehr zum Risikospiel.

Die Bremer Firma Adler Solar verdient ihr Geld mit Solarmodulen, die nicht das tun, was sie eigentlich tun sollten. Ins Geschäft kam Adler einst durch eine umfangreiche Rückrufaktion der britischen BP Solar – ein Serienfehler betraf 120.000 Module. Heute gehören bekannte Hersteller wie die amerikanische Sunpower und die norwegische REC solar zur Kundschaft. Die amerikanische First Solar, die sich inzwischen aus Europa zurückgezogen hat, überlässt Adler sogar komplett die Abwicklung des europäischen Kundendiensts und der Gewährleistung.

Diese Geschäfte machten Adler Solar zu Europas größtem Prüfbetrieb für Solarzellen. Würde man all die dünnen Glasplatten hintereinanderlegen, die bei Adler im vergangenen Jahr getestet worden sind, ergäbe sich ein schwarzblau schimmerndes Band, das von Köln bis nach Palermo reicht. Eine Million Solarmodule haben die Mitarbeiter allein im vergangenen Jahr in die Hand genommen, geprüft, vermessen. Einen Teil haben sie für okay befunden und zurückgeschickt, einen anderen Teil repariert. Der Rest wird aussortiert und verschrottet.

Die Module kommen direkt vom Hersteller, aus China, Indien, Deutschland und den USA. Oder von Händlern, die vermuten, dass die gelieferte Ware nicht einwandfrei ist. Sie stammen vom Dach eines Einfamilienhauses, weil sich der Betreiber über die geringe Leistung seiner Anlage wundert. Oder aus einem großen Solarpark. Nicht selten geht es auch um Begutachtungen für Versicherungen. Doch eines haben die zahllosen hier geprüften Module gemeinsam: Sie stehen unter dem Verdacht, weniger sauberen Strom zu produzieren als versprochen. Wenn das keinen Schatten auf die sonnige Branche wirft.

Tatsächlich hätte man vor fünf Jahren, bei der Gründung des Test- und Begutachtungsdienstleisters für Photovoltaik, nicht einmal geahnt, dass es im solaren "After-Sales-Geschäft", also im Kundendienst und bei der Gewährleistung, heute dermaßen viel zu tun gibt. Damals, das "1.000 Dächer"-Solarförderprogramm war zum "100.000 Dächer"-Programm gewachsen und im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert, galt die Photovoltaik als eine der zuverlässigsten Techniken. Leistungsverluste? Ach wo! Die Forscher waren sich einig, dass es, physikalisch gesehen, keinen Grund für Alterungserscheinungen bei den Modulen gebe – vorausgesetzt, sie sind professionell installiert. Prinzipiell spreche nichts gegen eine Laufzeit von 40 Jahren.

Ein roter Daumen im Test bedeutet: Das Modul ist müde. Aussortieren!

Eine unüberschaubare Menge großer Pakete liegt in der 4.500 Quadratmeter großen Testhalle herum. Stück für Stück heben die Prüfer die Module heraus. Sie stammen von einem namhaften Hersteller, der sie gleich containerweise auf Leistung testen lässt. Ein "Flasher" simuliert für Sekundenbruchteile die Sonne, gemimt von einer kräftigen Xenon-Blitzlampe. Die bescheint die "Sonnenseite" der Solarmodule. Eine Messeinrichtung zeigt an, was das Solarpanel aus dem Sonnenlicht produziert: 53 Watt elektrischer Leistung. Auf dem Bildschirm zeigt ein grüner Daumen nach oben. Doch bei jedem dritten Modul zeigt ein roter Daumen nach unten, es wird aussortiert.

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