Galerist David Zwirner"Hipness ist auf Dauer uninteressant"

Hier spricht einer der wichtigsten Galeristen der Welt: David Zwirner über die Macht der Superreichen, die Tricks im Umgang mit Sammlern und seine Neugier. von Moritz von Uslar

David Zwirner und Jeff Koons auf dem Wohltätigkeitsdinner für Haiti, 2011

David Zwirner und Jeff Koons auf dem Wohltätigkeitsdinner für Haiti, 2011  |  © Andrew H. Walker/Getty Images

DIE ZEIT: Im Oktober letzten Jahres brach der Wirbelsturm Sandy über New York herein und richtete auch im Galerienviertel Chelsea erhebliche Zerstörung an – als der Künstler Jeff Koons bei Ihnen überraschend anrief. Was hat er gesagt?

David Zwirner: Ich dachte gleich, er riefe wegen einer Spendenaktion an – vor zwei Jahren hatten wir bei meiner Initiative für die Erdbeben-Opfer von Haiti zusammengearbeitet. Wir haben uns dann in seinem Büro getroffen, und er hat mich vor all seinen Mitarbeitern gefragt, ob ich daran interessiert wäre, seine neuen Arbeiten zu zeigen. Da sagt man nicht Nein.

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ZEIT: Die neuen Arbeiten von Jeff Koons werden vom 8. Mai an in Ihrer New Yorker Galerie zu sehen sein. Ihr Kollege Larry Gagosian, bisher Koons erster Galerist in New York, hat – als Reaktion auf Ihre Ausstellung – die Eröffnung einer eigenen Koons-Show angesagt: für den 9. Mai. Verstehen Sie das als Kampfansage?

Zwirner: Ich sehe das als defensive Entscheidung. Es gibt nur eine neue Koons-Werkgruppe, und die wird bei uns gezeigt. Die Ausstellung bei Larry ist eine kuratierte Ausstellung mit Arbeiten, die über die letzten Jahre verkauft wurden.

ZEIT: Auf den Power-Listen der Fachmagazine, die die Kunstwelt so liebt, wird Larry Gagosian seit Jahren als Nummer eins der einflussreichsten Galeristen geführt, Sie stehen auf Platz zwei. Macht es Spaß, einer der beiden großen Elefanten im Kunstzirkus zu sein?

Zwirner: Ach, da wird von der Presse natürlich viel aufgebauscht. Die zwei Galeristen, die sich da an den Kragen wollen – das ist natürlich Unsinn. Unsere Firmen werden ganz unterschiedlich geführt. Unser Programm ist sehr selektiv, und da sind wir stolz drauf: Wir nehmen nicht nur Künstler rein, die sich gut verkaufen. Wir nehmen Künstler, die uns interessieren.

ZEIT: Würden Sie die Vorgänge denn selber nicht als spektakulär bezeichnen?

Zwirner: Der Jeff Koons hat das natürlich schön inszeniert: Die Ausstellung, die jetzt bei uns stattfindet, war ja ursprünglich dort geplant. Da wird ein Galerist brüskiert, man kann es nicht anders sagen. Das hat sicher alles Gründe, die kenne ich nicht, und die möchte ich nicht hinterfragen. Ich freue mich jetzt einfach. Ich war immer schon ein riesiger Jeff-Koons-Fan.

ZEIT: Was können Sie uns über die neuen Werke von Koons erzählen?

Zwirner: Die Skulpturen heißen Gazing Ball: Das sind diese Glasbälle, die man sich in Amerika in die Vorgärten legt. Diese Kugeln reflektieren die Welt, und sie sind ein Gruß an den Nachbarn. Eine freundliche Geste, wie man in den USA sagt. Jeff hat die Gazing Ball zum ersten Mal in Neuschwanstein gesehen: Schon König Ludwig hatte diese Kugeln in seinen Gärten.

ZEIT: Ist Koons heute insofern Kanon, als dass seine Arbeiten von allen verstanden werden?

Zwirner: Der Künstler Koons wird natürlich missverstanden. Es ist in den letzten Jahren bei Koons fast ausschließlich über den Wert der Werke geredet worden, kaum noch über Inhalte. Und das ist sicherlich einer der Gründe, warum er uns angerufen hat.

ZEIT: Die Frage ist doch, wozu ein derartig am Markt etablierter Künstler wie Koons überhaupt noch einen Galeristen braucht. Könnte er seine Skulptur nicht in eine Fabrikhalle stellen und selber verkaufen?

Zwirner: Es ist so, wie ich eben erklärt habe: Das Geldverdienen ist nicht sein primäres Interesse. Ein Koons genießt es, das Platzieren und Verkaufen seiner Werke an einen Händler zu delegieren, dem er vertrauen kann.

ZEIT: Wenn Sie jetzt die Freude haben, den großen Jeff Koons auszustellen, fragen Sie sich da nicht automatisch: Wo ist der neue Jeff Koons?

Zwirner: Eine Figur wie Jeff Koons kommt nicht alle Jahre daher. Er ist eben ein ganz Großer. Er ist für viele junge Künstler auch eine problematische Figur, weil er viel Raum besetzt: Da, wo Koons ist, kann kein neuer Koons entstehen.

Leserkommentare
  1. Kostengünstige PR für den Händler. Natürlich ohne Fragen nach den bekannten internationalen Kunsthändler- und Sammlerkartellen. Ohne Fragen nach den bekannten Manipulationen im internationalen Ausstellungsbetrieb. Ohne Fragen nach den Milliarden, die in den Kunstmarkt aus bekannten dunklen Quellen fliessen. Keine Frage nach den von Zwirner entdeckten Künstlern. Oder: warum hat Zwirner immer nur fertige Produkte übernommen?

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  2. Ich kann dieses Geschwafel um das Wandgold nicht mehr hören. Hier: Zwirner pisst Gagosian ans Bein. Fein, fein. Und ich dachte immer, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Dann noch: Zwirner und seine Liebe zur Kunst. Ein Guter. Geschmunzelt bei dem rührenden Missverständnis: Neugieriger Zwirner und Berlins Mittelschichtkundschaft - passt das zusammen? Lieber Herr von Uslar, hätten Sie es doch mit Ihren 99 Fragen probiert. Vielleicht wäre dann etwas Interessantes zu erfahren gewesen.

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    • garl
    • 06. Mai 2013 11:39 Uhr

    zwirner ist galerist. will (muss wie jeder andere) etwas geld verdienen. dieses postpubertäre, besserwisserische rumgemäckere von halbwissenden geht gehörig auf den geist.

    • garl
    • 06. Mai 2013 11:39 Uhr
    3. jaja..

    zwirner ist galerist. will (muss wie jeder andere) etwas geld verdienen. dieses postpubertäre, besserwisserische rumgemäckere von halbwissenden geht gehörig auf den geist.

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    und danke für Ihren aufschlussreichen Kommentar.

  3. und danke für Ihren aufschlussreichen Kommentar.

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    Antwort auf "jaja.."
  4. Das Interwiew mit dem Galeristen von Jeff Koons, David Zwirner über Jeff Koons und der Wertigkeit seines Werkens bringt jeden Mensch, der noch einen gesunden Hausverstand besitzt einfach zum Kotzen.
    Es ist allgemein gewiss, dass das Kotzen von Übelkeit hervorgerufen wird, wenn man was ganz Verdorbenes zum Schlucken hat.
    Wir leben in einer entgleisten Welt, wo Geld deckungslos produziert wird, Reichtum und Gewinne rücksichtslos nachgejagt und erzielt werden und die Welt von einer Finanzelite beherrscht ist, die Politik und Medien angekauft hat und dahinter die Welt (mindestens die amerikanische –europäische) regiert.
    So ist einen Jeff Koons (egal wer, könnte Donald Duck oder irgendwer sein), einfach zu finden und zu etablieren, dazu die Galeristen und Kuratoren beizustellen und die Medien zu disponieren, welche die ganze Inszenierung in der Öffentlichkeit unter Kunst darstellen.
    Die Milliardäre, die € 43 Millionen für einen hochpolierten Metallwrack ausgeben, die sind auch Mitglied dieses Marionettentheaters, die essen was ihnen serviert, tanzen wie ihnen die Musik gespielt wird und aus eigenen Überlegung nie einmal imstande seien zu unterscheiden zw. einem (vergoldeten) Dreckhaufen und einem Bild.
    Ein Täuschungsspiel, wo Kunst vorgetäuscht wird
    Ich möchte gern die Erzählung von Andersen " Des Kaisers neue Kleider" zur Lektüre empfehlen

    Viel Vergnügen
    mirandathor
    Kunstmanagerin

    Miranda Thor
    Kunstmanagerin

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