Wer in Wien unterwegs ist, stößt auf zahllosen Plätzen auf Sockel, Statuen und in Stein gemeißelte Erinnerung. Der heilige Antonius steht, mit dem Jesuskind auf dem Arm, am Rooseveltplatz. Ludwig van Beethoven thront in Denkerpose zwischen dem Luxushotel The Ritz-Carlton und dem Eislaufverein. Das Donauweibchen, eine Sagenfigur, krönt einen der sechs Brunnen im Stadtpark. Sisi, respektive Elisabeth, Kaiserin von Österreich, beherrscht, übergroß und in Marmor gefasst, eine weitläufige Anlage mit Wasserspielen im Volksgarten. Ein Kubus aus Stahlbeton, der nach außen gewendete Bibliothekswände zeigt, erinnert auf dem Judenplatz an den Holocaust. "Denkmale sollen berühren, vermitteln, kontemplativ verweilen lassen", schreibt Clemens Ottawa im Vorwort zu seinem Buch Die steinernen Zeugen der Erinnerung. Mahnmale dagegen, so der Journalist und Autor, seien Aufrufe zum immer Gleichen, dem Wichtigsten: Nie wieder zuzulassen, dass im Namen des Volkes Untaten und Gewaltverbrechen geschehen. Das Buch ist mehr Nachschlagewerk als Reiseführer. Gegliedert nach den 23 Stadtbezirken und in alphabetischer Reihenfolge, listet Ottawa, so sein Anspruch, sämtliche Statuen und Büsten, Stelen und Gedenkstätten Wiens auf, informiert mit knappen Zeilen über die dargestellte Persönlichkeit beziehungsweise das Ereignis, auf das Bezug genommen wird, nennt Bildhauer und Architekten und gibt den Standort an. Kleine Schwarz-Weiß-Fotografien lockern die lexikalischen Einträge auf. Diese Sammlung großer und weniger beachteter Denkmale beeindruckt, und sie öffnet den Bewohnern wie den Besuchern Wiens einen besonderen Zugang zur Geschichte der Stadt sowie zu den Motiven derer, die mit Monumenten Erinnerung lenken und prägen wollen.