Jake Gyllenhaal"Ich habe Menschen erlebt, die mit Schusswaffen aufeinander losgingen"

In Vorbereitung auf eine Rolle begleitete Jake Gyllenhaal monatelang die Polizei von L.A. Die Gewalt, die er dort miterlebte, verfolgte ihn in seine Träume. von Jörg Böckem

Meine Träume sind oft sehr intensiv. Nach dem Aufwachen bleiben meistens nur einzelne Bilder zurück und vor allem Stimmungen und Gefühle. Manchmal sind sie so stark, dass sie mich für Stunden durch den Tag begleiten. Besonders intensive Träume stellen eine Verbindung zwischen unserem Bewusstsein und unserem Unbewussten her, sie beleuchten, wer wir sind, und bringen uns dazu, über uns selbst nachzudenken – was nicht immer angenehm ist. Für gelungene Filme gilt meiner Meinung nach dasselbe.

Bestimmte Themen wiederholen sich in meinen Träumen immer wieder, im vergangenen Jahr waren es vor allem Gewalt und Tod, in vielfältiger Weise. Ich träumte, dass mir nahe stehende Menschen starben oder wurde selbst ermordet. In einem Traum bin ich sogar zum Mörder geworden.

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Zur Vorbereitung auf meinen letzten Film habe ich fünf Monate lang an zwei Tagen in der Woche Polizisten in Los Angeles bei ihren Einsätzen begleitet. In dieser Zeit habe ich sehr viel Gewalt erlebt. Eine Erfahrung, die mein Bewusstsein und sicher auch mein Unbewusstes stark beeinflusst hat. Schließlich sind unsere Träume ja nichts anderes als Schlaglichter auf Dinge, die uns nicht bewusst sind. Die Frage, wie Gewalt und Tod uns beeinflussen und wie wir mit ihnen umgehen können, hat mich sehr beschäftigt, im Wachen und im Schlafen.

JAKE GYLLENHAAL

32, wurde in Los Angeles geboren und steht seit dem zwölften Lebensjahr vor der Kamera. Bekannt wurde er als Hauptdarsteller in "Donni Darko", 2005 glänzte er in "Brokeback Montain". In "End of Watch", soeben auf DVD erschienen, spielt er einen Polizisten, der in die Schusslinie eines Drogenkartells gerät

Die Polizeieinsätze fanden meistens zu einer Zeit statt, in der ich normalerweise schlafe. Es hatte eine ganz eigene, traumartige Atmosphäre, in den frühen Morgenstunden durch die Stadt zu fahren, in der so viele Menschen friedlich schliefen. Ich war unterwegs mit Polizisten, die immer hellwach sein mussten und sich mit all den Alpträumen herumschlagen mussten, die aus den Schatten gekrochen kamen. Im Inneren des Streifenwagens fühlte ich mich wie in einem abgeschlossenen Raum, wie in einer Schutzblase, sicher und geborgen, wie in einem Traum. Den Streifenwagen zu verlassen, sich der bedrohlichen Realität zu stellen war dann jedes Mal wie eine Art Aufwachen. Ein merkwürdiges Gefühl.

In dieser Zeit habe ich Menschen erlebt, die mit Fäusten, Messern oder Schusswaffen aufeinander losgingen, in den eigenen vier Wänden oder auf der Straße, und die anderen schwere Verletzungen zufügten. Einmal verblutete ein Mann nach einer Schießerei vor meinen Augen. Wenn man so etwas erlebt, verändert sich etwas, die Welt um uns herum fühlt sich anders an als zuvor, wie ein Alptraum. Für mich war das nur schwer zu ertragen.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Wenn ich am Morgen nach Hause kam, nach dem Ende der Schicht, fand ich oft keinen Schlaf. Wenn es mir dann doch irgendwann gelang, einzuschlafen, verfolgten diese Bilder mich bis in meine Träume. Das war eine Art Katharsis. Die Träume halfen mir, mit dem Erlebten zurechtzukommen. Alle diese Alpträume, die realen und die im Schlaf, warfen ein neues Licht auf mein eigenes Leben, das ich neu zu schätzen und zu genießen gelernt habe.

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Leserkommentare
  1. Willkommen in der Welt außerhalb von Hollywood.

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    ...außerhalb von Hollywood und habe noch nie miterlebt, wie Menschen mit Schusswaffen aufeinander losgehen.

  2. als Jake Gyllenhall, als Vorbereitung für seinen nächsten Film, ihm dabei zusah. Jetzt hat Jake schlechte Träume und all this sxxt. Though stuff man. The real Derek Zoolander...

    3 Leserempfehlungen
  3. Helden macht nur Hollywood.

    Eine Leserempfehlung
    • Mavel
    • 04. Mai 2013 23:10 Uhr

    ...ist sein Film dazu auf DVD erschienen :-) Das ist reine Werbung und sollte meines Erachtens auch so gekennzeichnet werden.

    6 Leserempfehlungen
  4. ...vor Jake Gyllenhaal. Es ist beeindruckend, wie intensiv er sich auf diese Rolle vorbereitet hat. Die gute Performance von "End of Watch" ist jetzt nachvollziehbar. Am besten sollte man sich den Film in der Original-Synchro ansehen.

    "End of Watch" ist erfrischend anders: Straight, Dunkel und evtl. sogar zu realistisch. Der Film hat selbstverständlich auch einige humorvolle Sequenzen, täuscht aber nicht über die gewaltigen Abgründe der modernen Gesellschaft, den ethischen Verfall, hinweg.

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    In den deutschen Städten ist aufgezeichnet, das man sich in der guten alten Zeit vor 400 Jahren nachts besser nicht vor den Toren aufgehalten hat - aus sehr gutem Grund.

    Oder im London des 19. Jahrhunderts galt es als Selbstmord, mit einer teuren Uhr in der Dock-Gegend herumzulaufen.

    Nach jedem Krieg machten die entlassenen und traumatisierten Soldaten Gegenden unsicher.

    Jede Zeit hat ihren Sittenverfall und dies ist schwerer Tobak selber mitzuerleben. Alle Achtung vor Jake Gyllenhaal!

    Was ist denn eine Original-Synchro? Werden da englische Filme englisch synchronisiert?

  5. und lebe zum Glück jetzt in der Schweiz, wo jeder Bürger seine Armeewaffe im Haus hat. Das macht Trauma und Angst vergessen.

    Ein gutes Gefühl, wenn sich der Bürger dem Orwell-Polizei-Staat und Martial-Law entgegenstellen kann.

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    Jaja, die Schweizer mal wieder. Das ist nur trügerische Sicherheit mit der Armeewaffe. Aber anscheinend leben die Schweizer auch in einer Blase mitten in Europa. :P
    Zumindest gehen in der Schweiz ja nicht ihre Militärs und Polizei auf Ihre Bürger los, sonst würde doch ein Bürgerkrieg losbrechen.

    Was Jake da erlebt hat, macht ihn als Schauspieler auch authentischer. Ich habe End of Watch jedenfalls noch nicht gesehen. Vll sollte ich es machen.

    _________________________
    „Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“ Benjamin Franklin

    Moin Noin,

    hat nun die Tatsache, dass jeder in den Gegenden in denen JG unterwegs war, eine Knarre hat, diese Gegenden sicherer gemacht? Hat das Flyover- Country sich explizit gegen staatliche Schnüffeleien gestellt?
    Nein! In beiden Fällen Nein!
    Ist Waffen wie Kamelle in die Menge zu streuen, ein Beitrag zur Sicherheit?
    Nein!

    CU

  6. In den deutschen Städten ist aufgezeichnet, das man sich in der guten alten Zeit vor 400 Jahren nachts besser nicht vor den Toren aufgehalten hat - aus sehr gutem Grund.

    Oder im London des 19. Jahrhunderts galt es als Selbstmord, mit einer teuren Uhr in der Dock-Gegend herumzulaufen.

    Nach jedem Krieg machten die entlassenen und traumatisierten Soldaten Gegenden unsicher.

    Jede Zeit hat ihren Sittenverfall und dies ist schwerer Tobak selber mitzuerleben. Alle Achtung vor Jake Gyllenhaal!

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Respekt..."
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    - Wo habe ich das denn geschrieben?

  7. - Wo habe ich das denn geschrieben?

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  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Film | Atmosphäre | Bewusstsein | Gewalt | Jake Gyllenhaal | Schlaf
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