PersonalwechselZiemlich beste Freunde

Die deutsche Wissenschaft leidet unter Mangel an Spitzenpersonal. von 

Wissenschaftler sind wie alle Experten gern unter sich. Weil man sich im wahrsten Sinne des Wortes gut versteht. Dass Ähnliches auch für Wissenschaftsmanager gilt, zeigen die neuesten Drehungen im Personenkarussell deutscher Forschungsorganisationen.

Matthias Kleiner wird neuer Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Zuvor war er sechs Jahre lang Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Als sein Nachfolger bei der DFG rückte Peter Strohschneider nach. Der kam vom Wissenschaftsrat, dem er sechs Jahre lang als Vorsitzender diente. Und den Deutschen Akademischen Austauschdienst leitet seit Januar Margret Wintermantel, die davor die Hochschulrektorenkonferenz führte. Nur Peter Gruss darf bis 2014 bleiben, wo er seit 2002 arbeitet: bei der Max-Planck-Gesellschaft – wobei... Nach einer Kreativpause könnte Gruss mit Jürgen Mlynek von der Helmholtz-Gemeinschaft das Büro tauschen. Oder Mlynek kehrt zur DFG zurück. Die kennt er gut. Da war er mal Vizepräsident.

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Nun ist es in der Wissenschaft nicht neu, dass verdiente oder auch etwas weniger verdiente Führungskräfte nach ihrem Ausscheiden rasch eine Anschlussverwendung finden. Der (sehr verdiente) Reimar Lüst stand zwischen 1969 und 1999 an der Spitze von: Wissenschaftsrat, Max-Planck-Gesellschaft, der Europäischen Weltraumorganisation Esa und der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Man kann zudem argumentieren, dass es doch egal sei, wer wo wann den Hut auf hat. Es geht ja ohnehin immer um das Gleiche: Mehr Geld für die Wissenschaft, für das Gute, Wahre und Schöne also. Da hilft es, wenn man sich untereinander kennt und die Geldgeber, sprich die Minister, gleich mit.

Manchmal wird die Nähe aber zum Problem. Das war so in der Causa Schavan und ihrer des Plagiats verdächtigten Doktorarbeit. Da glaubten die Wissenschaftsmanager, einer der ihren mit Solidaritätsbekundungen bei. Die "Verteidigt-Annette-Aktion" kam in der Öffentlichkeit nicht so gut an (was einige der Beteiligten bis heute nicht verstehen).

Und das ist jetzt ein Problem, da es darum geht, die Strukturen der Wissenschaft neu zu ordnen. Das ist deshalb notwendig, weil alle großen Förderprogramme des Bundes – der Hochschulpakt für die Lehre, der Pakt für Forschung und Innovation, die Exzellenzinitiative – in absehbarer Zeit auslaufen. Seit Monaten sitzt der Wissenschaftsrat an einer entsprechenden Empfehlung. Dabei geht es nicht nur um Vorschläge, wie das Geld der Wissenschaft insgesamt erhalten bleibt, sondern ebenso darum, wie es neu verteilt werden kann – dass die einen (Universitäten) also vielleicht mehr, die anderen (Forschungsorganisationen) vielleicht weniger bekommen.

Dass zwei Entwürfe, wie man hört, schon durchgefallen sind, wundert nicht wirklich. Denn auch im Wissenschaftsrat sitzen die ziemlich besten Freunde aus Politik und Wissenschaft beisammen. Es wird also Zeit, den Wissenschaftsbetrieb einmal etwas durchzulüften.

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Leserkommentare
  1. Diese Betrachtung passt ja wunderbar zu dieser Studie von Hartmann:
    http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2013-02/eliten-forscher-hartmann-st...

    Wobei die Bildungs"eliten" sich vom Großbürgertum eben nur durch mangelndes Kapital unterscheiden (siehe Bourdieu).

    Interessant wäre mal eine Studie, die sich mit dem "Stallgeruch" dieser akademischen "Rotierier" befasst - da dürfte das Bürgertum nicht weit sein!

    7 Leserempfehlungen
  2. deutsche Wissenschaft leidet unter Mangel an Spitzenpersonal.

    Aus dem Text des Artikels geht dann jedoch hervor, dass es an Spitzenlobbyisten für die Wissenschaft mangelt.

    und ich dachte schon, wir hätten keine guten Wissenschaftler.

    3 Leserempfehlungen
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    Ich gebe Ihnen voellig Recht; gute Wissenschaftler gibt es, finden in D aber kein gehoer, da sie sich eben mit ihrer tatsaechlichen Arbeit beschaeftigen und wenig bis keine Politik machen.
    Wenn man das bestehende dt. System ernsthaft aendern moechte, musste radikal fuer mehr Transparenz gesorgt werden. Das faengt beim Promotionssystem an, geht ueber Berufung von Professoren und schliesslich bis zu den im Artikel angesprochenen Leitungsfunktionen.
    Die viel gepriesene Unabhaengigkeit von der Wirtschaft mag zwar fuer die dt. Wissenschaftslandschaft sprechen, dafuer wird sie besonders von jungen Wissenschaftlern erkauft mit einer intensiven Abhaengigkeit von oft 1 Vorgesetzten, was die Karriere von aufstrebenden Nachwuchstalenten einer sagenhaften Willkuer unterwuerft.
    Es ist wie so oft in D: es gibt exzellente Infrastruktur, exzellente Mitarbeiter, aber das Potential wird nicht ausgeschoepft, da die Systemstrukturen mit deren oberen Koepfen gegen jegliche Innovation arbeiten.

    • Stt
    • 10. Mai 2013 19:46 Uhr
    3. […]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf nicht seriös belegbare Aussagen. Danke, die Redaktion/jp

  3. ''dass die einen (Universitäten) also vielleicht mehr, die anderen (Forschungsorganisationen) vielleicht weniger bekommen''.

    Ohne eine vollumfassende und ausreichende Forschung kann es keine gute Uni geben! Die Studenten sitzen noch immer auf der Treppe, falls sie sich nicht schon eine Stunde vor Beginn der Vorlesung einen Platz gesichert haben. Und dann soll auch noch den Forschungseinrichtungen das Geld gekürzt werden ? Eine Uni lebt von der Forschung, tagtäglich und seit Anbeginn der Bildung. Auch wenn ich es den Studenten gönne, eine schöne, moderne und vielfältige Uni zu haben. Forschung ist die Vorraussetzung zum akademischen Erfolgsprodukt!

  4. Vor 100 Jahren war Deutschland wissenschaftliche Weltspitze. Heute nicht mehr. Was ist da passiert ?

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    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke, die Redaktion/jp

    • F.K.
    • 10. Mai 2013 21:31 Uhr

    Ein Land (genau wie eine Uni oder ein Unternehmen) ist Spitze auf einem Gebiet, wenn es dort Menschen gibt, die Spitze auf diesem Gebiet sind und auch entsprechenden Positionen bekleiden, um wegweisende Entwicklungen durchsetzen zu können. Und meistens ist das im Endeffekt eine Einzelperson, an dern diese Spitzenleistung hängt. Damit soll nicht gesagt werden, dass dahinter nicht Teams von sehr guten Experten stehen. Diese Einzelpersonen wollen wir aber nicht mehr, wichtig ist offiziell soziale Kompetenz und solcher Scheiß, als Insider sage ich Ihnen aber, Spitzenpositionen in der Wissenschaft werden heute nach der Prämisse vergeben, dem Ideal der politischen Gleichschaltung von Ministerien bis in die letzte Arbeitsgruppe so Nahe wie möglich zu kommen. Das heißt dann z.B. "Bündelung der Kapazitäten" oder so ähnlich. Ich schließe mich da @2 an. Deutschland mangelt es nicht an Spitzenpersonal, sondern an Spitzenpersonal in Spitzenpositionen.

    der deutsche christliche professor sagte: so ist das, das ist die erklärung!
    der deutsche juedische professor fragte: warum?

  5. 6. […]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "Schlimm, schlimm."
    • F.K.
    • 10. Mai 2013 21:31 Uhr

    Ein Land (genau wie eine Uni oder ein Unternehmen) ist Spitze auf einem Gebiet, wenn es dort Menschen gibt, die Spitze auf diesem Gebiet sind und auch entsprechenden Positionen bekleiden, um wegweisende Entwicklungen durchsetzen zu können. Und meistens ist das im Endeffekt eine Einzelperson, an dern diese Spitzenleistung hängt. Damit soll nicht gesagt werden, dass dahinter nicht Teams von sehr guten Experten stehen. Diese Einzelpersonen wollen wir aber nicht mehr, wichtig ist offiziell soziale Kompetenz und solcher Scheiß, als Insider sage ich Ihnen aber, Spitzenpositionen in der Wissenschaft werden heute nach der Prämisse vergeben, dem Ideal der politischen Gleichschaltung von Ministerien bis in die letzte Arbeitsgruppe so Nahe wie möglich zu kommen. Das heißt dann z.B. "Bündelung der Kapazitäten" oder so ähnlich. Ich schließe mich da @2 an. Deutschland mangelt es nicht an Spitzenpersonal, sondern an Spitzenpersonal in Spitzenpositionen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schlimm, schlimm."
  6. Ich gebe Ihnen voellig Recht; gute Wissenschaftler gibt es, finden in D aber kein gehoer, da sie sich eben mit ihrer tatsaechlichen Arbeit beschaeftigen und wenig bis keine Politik machen.
    Wenn man das bestehende dt. System ernsthaft aendern moechte, musste radikal fuer mehr Transparenz gesorgt werden. Das faengt beim Promotionssystem an, geht ueber Berufung von Professoren und schliesslich bis zu den im Artikel angesprochenen Leitungsfunktionen.
    Die viel gepriesene Unabhaengigkeit von der Wirtschaft mag zwar fuer die dt. Wissenschaftslandschaft sprechen, dafuer wird sie besonders von jungen Wissenschaftlern erkauft mit einer intensiven Abhaengigkeit von oft 1 Vorgesetzten, was die Karriere von aufstrebenden Nachwuchstalenten einer sagenhaften Willkuer unterwuerft.
    Es ist wie so oft in D: es gibt exzellente Infrastruktur, exzellente Mitarbeiter, aber das Potential wird nicht ausgeschoepft, da die Systemstrukturen mit deren oberen Koepfen gegen jegliche Innovation arbeiten.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sie schreiben"
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    Ja, volle Zustimmung, Deutschland bringt zwar noch gute Wissenschaftler hervor, aber sie verlassen entweder verbittert die akademische Welt und machen sich selbststaendig oder gehen in die Wirtschaft oder gleich in ein anderes Land. Denn um eine der viel zu wenigen Professuren in Deutschland zu erhalten, zaehlt die Qualifikation nur zu einem geringen Teil und politische Argumente und Beziehungen den groessten Teil. Das kann ich sagen, da ich selbst in entsprechenden Auswahlkommissionen sass aber dort nur vor Waende rannte. Am Ende wurde meist der kleinste gemeinsame Nenner gewaehlt was aber nie der am besten qualifizierte Kandidat/in gewesen waere...

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