AssistenzsystemeMobil mit Oma-Navi

Was taugen die vielen technischen Assistenzsysteme – helfen sie älteren Menschen beim Autofahren? Britische Forscher testen das von 

Pamela Stephens hat ihren Führerschein seit über 40 Jahren, doch heute kommt es ihr vor, als säße sie zum ersten Mal hinter dem Steuer. "Wenn mir der Weg vertraut ist, habe ich kein Problem", sagt sie, "aber wenn ich die Straße nicht kenne, bin ich sehr, sehr vorsichtig." Auf dieser Straße hier ist Pamela Stephens garantiert noch nie gefahren. Sie erscheint nämlich nur auf den Computerbildschirmen vor und neben ihr. Die elegant gekleidete Seniorin mit weißen Highheels sitzt in einem Fahrsimulator im Driving Lab der nordenglischen Universität Newcastle.

Ein Team aus Transportwissenschaftlern, Geografen und Informatikern sucht dort in einem groß angelegten Forschungsprojekt nach technischen Assistenzsystemen, die auch im hohen Alter sicheres Autofahren ermöglichen. "Wenn Senioren nicht mehr Auto fahren können, entstehen hohe soziale Kosten", sagt der Projektleiter, Phil Blythe. "Denn die Generation, die jetzt ins Rentenalter kommt, hat ihren ganzen Lebensstil rund ums Auto organisiert." Öffentliche Verkehrsmittel seien ihr oft fremd, der Verzicht auf den Führerschein werde als großer Verlust an Mobilität erlebt, Isolation und Depression seien die Folgen.

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Pamela Stephens hat sich derweil einen Messgürtel umgeschnallt. Er überwacht den Puls und die Hautfeuchtigkeit, Indizien für Aufregung und Angst. Über ihre Brille wird ein Blickbewegungsmesser gestülpt. So erfassen die Forscher, ob sie beim Fahren auf die Straße, auf den Tacho oder das Navi guckt. Hoch konzentriert und ziemlich langsam steuert Stephens ihr virtuelles Auto über die Landstraße. Dann kommt eine Stadt. Der Verkehr nimmt zu, am Straßenrand fordern spielende Kinder, Verkehrsschilder und Werbetafeln Aufmerksamkeit. "Sie nähern sich einer Tempo-30-Zone", warnen eine Computerstimme und ein blinkendes Warnschild.

Die Testpilotin findet die Ermahnung unsinnig, als defensive Fahrerin bleibt sie sowieso unterhalb des Tempolimits. "Die blinkende Warnung lenkt mich nur unnötig ab", sagt sie in der anschließenden Auswertung. "Doch für meinen Mann wäre das was. Er fährt zu schnell und wurde schon öfter geblitzt." Gerry Stephens lächelt verlegen, der pensionierte Schiffbauingenieur hat sich auch als Testfahrer zur Verfügung gestellt. "Bei so vielen Schildern an der Straße kann man schon mal eines übersehen", sagt er. Tempolimits änderten sich so häufig, "da wäre eine Anzeige unten an der Windschutzscheibe hilfreich".

Zu viel Geblinke verunsichert Senioren am Steuer

Der Unterschied zwischen Herrn und Frau Stephens ist ein typisches Ergebnis der Forschung im Simulator. "Jeder Fahrer ist anders", sagt Chris Emmerson. Der junge Geograf nutzt die Testergebnisse für seine Doktorarbeit. "Selbst unter Leuten, die eine akustische Warnung gut finden, gibt es Unterschiede: Für die einen ist sie zu lang, für die anderen zu kurz." Solche Erkenntnisse führen immer wieder zurück in den Simulator, bis eine möglichst geringe Zahl guter Kompromisse zwischen den verschiedenen Ansprüchen gefunden ist. "Wir suchen nicht nach der einen Technik für alle, sondern nach dem besten Weg für die sinnvolle Unterstützung möglichst vieler Menschen."

25 Testpersonen hat Emmerson bereits für einen halben Tag im Simulator fahren und dabei allerlei Assistenzsysteme erproben lassen. Optische und akustische Tempowarnungen gehören ebenso dazu wie Einschränkungen für das Gaspedal, damit Geschwindigkeitsbeschränkungen gar nicht erst überschritten werden können. Ein "Oma-Navi" hilft, unübersichtliche Kreuzungen zu meiden, und zeigt zur Orientierung statt einer abstrakten Karte markante Gebäude. Eine Nachtsichtbrille soll Fahrten bei Dunkelheit erleichtern. Per Mausklick kann der Simulator auch von Nacht auf Nebel, Schneeglätte oder Platzregen umgeschaltet werden. Nur Technik, die sich in ersten Tests bewährt hat, wird anschließend auch im echten Verkehr erprobt.

Ein kleiner Peugeot mit Elektroantrieb parkt in der Institutsgarage. Auch das Testauto ist vollgestopft mit Sensoren: Alle Lenk-, Beschleunigungs- und Bremsvorgänge werden aufgezeichnet und ans Institut gefunkt, ebenso wie Kopf- und Blickrichtung, Herzschlag und Schwitzen des Fahrers. Heikle Verkehrssituationen lassen sich an den Daten sofort ablesen.

Etwa beim Einfädeln auf die Autobahn. "Der Puls geht hoch, und wir sehen den Stress deutlich", erklärt Emmerson auf einer Spritztour durch Newcastle. Dann wird ein Assistenzsystem aktiviert, zum Beispiel ein Radargerät im Heck, das vor Fahrzeugen im toten Winkel des Außenspiegels warnt, die sonst nur durch Blicke über die Schulter erkennbar wären. Oder ein Assistent, der bei ungewolltem Abdriften hilft, die Spur zu halten. Die Daten zeigen dann, ob der Stress beim Auffahren auf die Autobahn tatsächlich abnimmt.

Die meisten Assistenzsysteme, die im Forschungsprojekt erprobt werden, sind bereits in modernen Autos erhältlich. Untersucht werden vor allem ihre Akzeptanz bei Senioren und ihr Nutzen. "Auf keinen Fall wollen wir Technik einführen, die den Fahrer hinter dem Steuer unterfordert und ihn unaufmerksam werden lässt", erklärt Emmerson. Gleichzeitig solle auch Überforderung vermieden werden, also Technik, die mit zu viel Geblinke, Alarm- und Warnmeldungen verunsichert. Das sei "immer eine Gratwanderung".

Sehkraft, Beweglichkeit und Reaktionsvermögen nehmen im Alter ab. Dennoch verursachen Senioren durchschnittlich weniger Unfälle als junge Fahrer, in England wie in Deutschland. "Die älteren Autofahrer sind wesentlich besser als ihr Ruf", sagt Beate Pappritz, im ADAC-Vorstand für Verkehrssicherheit zuständig. Die körperlichen Einschränkungen würden Senioren durch Erfahrung ausgleichen – auch durch "Besonnenheit, Vorsicht, Rücksicht und verminderte Risikofreude". Eine Altersgrenze für Führerscheinbesitzer oder verbindliche Gesundheitsprüfungen für ältere Autofahrer lehnt der ADAC deshalb strikt ab.

Leserkommentare
  1. so ein System kommt mir nicht ins Auto. Punkt.

    Wenn ich nicht mehr weiß, wie ich am besten zum Bahnhof komme und wo ich mein Auto abstellen kann - dann rufe ich lieber ein Taxi, als mich von einem Überwachungssystem gängeln lassen. Schade um die viele Zeit und das Geld, das mit der Entwicklung solcher Sklaveninstrumente verschwendet wird!

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  2. Solange es keine Hilfen zum Schutz vor Verkehrsunfällen und Fußgängern in Autos gibt sollten keine solch lapidaren Hilfen für Fahruntüchtige Personen eingebaut werden. Alles, was die Leute länger in ihren Fahrzeigen sitzen lässt als sie die Geistesgegenwart zum Fahren haben gefährdet Menschenleben.

    Es ist mir unbegreiflich, warum Leute fahren dürfen, die einen durch die Seitenscheibe nicht einmal erkennenweil sie so blind sind und nicht selbst einparken können weil die die Begrenzungen nicht mehr sehen. Automatik machts möglich, dass die Karre an der Kreuzung anfährt. Reaktionsfähigkeit? Keine Ahnung, wenn man nichts sieht kann man auch nicht reagieren. -> Ich rede von meiner Schwiegeroma.

    Ich fordere die erneute Führerscheinprüfung mit Eintritt ins Rentenalter (spätestens)

  3. ... aber normale Menschen, denen ihr Leben lieb ist, sollten dann vielleicht doch daheim bleiben:

    "Etwa beim Einfädeln auf die Autobahn. "Der Puls geht hoch, und wir sehen den Stress deutlich", erklärt Emmerson auf einer Spritztour durch Newcastle. Dann wird ein Assistenzsystem aktiviert, zum Beispiel ein Radargerät im Heck, das vor Fahrzeugen im toten Winkel des Außenspiegels warnt, die sonst nur durch Blicke über die Schulter erkennbar wären. Oder ein Assistent, der bei ungewolltem Abdriften hilft, die Spur zu halten. "

    Wenn jetzt Leuten geholfen werden soll, die offensichtlich noch nicht mal mehr zu einem simplen Spurwechsel in der Lage sind, ja noch nicht mal mehr zum Spurhalten, dann wird mir angst und bang.

  4. "Die Testpilotin findet die Ermahnung unsinnig, als defensive Fahrerin bleibt sie sowieso unterhalb des Tempolimits. "Die blinkende Warnung lenkt mich nur unnötig ab", sagt sie in der anschließenden Auswertung."

    Bitte geben Sie umgehend ihren Führerschein ab! Leute wie Sie, sind der Grund für unüberlegt Überholmanöver der hinten dran hängenden Verkehrsteilnehmer, die schnell mal in einem Unfall enden. Sie sind keinen Deut besser als Raser, denen man auch den Lappen abnehmen sollte. Aber hier in Deutschland wird bekanntermaßen mit zweierlei Maß gemessen. Schließlich befinden sich "defensive Fahrer" (welch Euphemismus) ja "moralisch im Recht."

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    Defensive Fahrer befinden sich nicht nur moralisch im Recht. Sie scheinen zu vergessen, daß die schwarzen Zahlen im roten Kreis nur die erlaubte Höchstgeschwindigkeit angeben. Es steht jedem frei langsamer zu fahren, außer ein rundes Schild mit weißen Zahlen auf blauem Grund behauptet etwas anderes.

    Es sollte im Straßenverkehr doch darauf ankommen sicher von A nach B zu kommen. Eine defensive Fahrweise unterstützt dies, da mit jedem km/h weniger die kinetische Energie der Fahrzeuge abnimmt. Ich wäre auch stark für eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf Straßen mit nicht baulich getrennten Richtungsfahrbahnen. Denn dort geschehen immer noch die meisten schweren Unfälle. Unfälle in der Stadt beschränken sich meist auf Blechschäden, Unfälle auf den Autobahnen passieren selten genug.

    • sjdv
    • 03. Juni 2013 17:06 Uhr

    Menschen, die mit einer alltäglichen Verkehrsituation überfordert sind, gehören nicht hinter das Steuer !
    Nichts gegen Assistenzsysteme, aber diese können niemals das gesunde Urteilsvermögen eines Fahrers ersetzen. Eine solche Entwicklung wäre fatal. Schon jetzt gibt es viel zu viele Menschen, die ihren Führerschein längst abgeben sollten. Solche Systeme gaukeln ihnen vor, dass sie eigentlich noch viel länger fahren könnten, auch wenn sie dazu körperlich gar nicht mehr im Stande sind.

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  5. Defensive Fahrer befinden sich nicht nur moralisch im Recht. Sie scheinen zu vergessen, daß die schwarzen Zahlen im roten Kreis nur die erlaubte Höchstgeschwindigkeit angeben. Es steht jedem frei langsamer zu fahren, außer ein rundes Schild mit weißen Zahlen auf blauem Grund behauptet etwas anderes.

    Es sollte im Straßenverkehr doch darauf ankommen sicher von A nach B zu kommen. Eine defensive Fahrweise unterstützt dies, da mit jedem km/h weniger die kinetische Energie der Fahrzeuge abnimmt. Ich wäre auch stark für eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf Straßen mit nicht baulich getrennten Richtungsfahrbahnen. Denn dort geschehen immer noch die meisten schweren Unfälle. Unfälle in der Stadt beschränken sich meist auf Blechschäden, Unfälle auf den Autobahnen passieren selten genug.

    Antwort auf "Oh Gott."

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