Händler an der New Yorker Börse © Getty Images

Als die Nachrichtenagentur AP kürzlich über Twitter Explosionen im Weißen Haus meldete, brachen an der Wall Street prompt die Aktienkurse ein. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die Meldung falsch war und von Computerhackern bei AP lanciert worden war. Doch zeitweise waren an den Börsen mehr als hundert Milliarden Dollar verloren gegangen. Verstärkt wurde der Absturz durch schnelle automatische Handelsprogramme, die heute oft im Einsatz sind. Im Gegensatz zu menschlichen Händlern, die Verdacht schöpfen, kann Software, die Nachrichten entschlüsselt und in Aufträge umwandelt, eine solche Meldung nicht als falsch erkennen und herausfiltern.

Der Twitter-Absturz war nur der jüngste Zwischenfall, bei dem die Finanzmärkte hilflos einem Computerchaos ausgeliefert waren. Am 1. August 2012 verlor das Brokerhaus Knight Trading binnen Minuten durch scheinbar verrücktspielende Algorithmen Hunderte Millionen Dollar und war zum Büroschluss praktisch pleite. Nur wenige Wochen zuvor war das Debüt von Facebook an der Technologiebörse Nasdaq zum peinlichen Spektakel geraten. Grund auch hier: fehlerhafte Formeln und Computerprogramme. Und nach wie vor rätseln selbst Insider, was am 6. Mai 2010 passierte, als beim sogenannten Flash-Crash der Aktienindex Dow Jones binnen Minuten um rund 900 Punkte fiel. Klar ist nur, dass auch hier Computer und Hochfrequenzhändler eine Rolle spielten.

Lange haben die Staaten zugesehen, jetzt wollen sie die Gefahr bannen. Der Deutsche Bundestag hat im Februar ein Gesetz verabschiedet, das die Algorithmen, auch kurz Algos genannt, bremsen soll. Auf europäischer Ebene soll eine Finanztransaktionssteuer gegen die ultraschnellen Zocker helfen. Während diese Initiativen aber erst noch umgesetzt werden müssen, macht die US-Börsenaufsicht SEC nun schon Ernst. Die Behörde hat das FBI um Mithilfe bei der Untersuchung der Vorgänge bei den Blitzhändlern gebeten. FBI-Agenten sollen ermitteln, ob und wie Hochfrequenzfirmen den Handel manipulieren und sich auf Kosten anderer Investoren bereichern. Etwa, indem sie den Markt in Bruchteilen von Sekunden mit Millionen Aufträgen fluten, um den Kurs nach oben oder unten zu treiben, nur um die Orders genauso schnell wieder zu stornieren. Die Beamten sollen auch klären, ob die übermenschliche Geschwindigkeit, mit der die Computer auf Nachrichten reagieren können, den Tatbestand unzulässigen Insiderhandels erfüllt.

Die Aufgabe ist enorm. Hochfrequenzhandel ist längst keine Randerscheinung mehr. Er macht bei US-Aktien inzwischen mehr als die Hälfte des täglichen Handelsvolumens aus, nach manchen Schätzungen sind es eher 70 Prozent. Im Devisenhandel sollen es 50 Prozent sein.

Die Beamten sehen sich einem Gegner gegenüber, der viel in Technologie investieren kann. Hochfrequenzhändler steckten etwa hinter dem Projekt, ein neues Datenkabel zwischen der Londoner City und New York zu verlegen. Für ein ähnliches Projekt hatten sie zuvor sogar schon Bergkegel gesprengt, um die Verbindungen zwischen den Börsen in Chicago und an der Wall Street um Sekundenbruchteile zu beschleunigen.

Während die Supercomputer der Firmen selbst die Nasa neidisch machen könnten, kämpft die Börsenaufsicht gegen Mittelkürzungen. Das Budget der SEC – mit dem sie alle ihre Aufgaben und die Verwaltung bezahlen muss – beträgt im derzeitigen Haushalt 1,3 Milliarden Dollar im Jahr. Die Branche der Hochfrequenzhändler gibt mindestens doppelt so viel für neue Maschinen und Produkte aus.

Ein anderes Hindernis plagt die Aufseher fast noch mehr: Die Behörde wird beherrscht von Juristen, die Schwierigkeiten haben, der immer komplexeren Technologie an den Börsen und in den Handelsfirmen zu folgen. Für die Blitzhändler und die Handelsabteilungen der Banken arbeiten dagegen Mathematiker, Physiker, Softwareprogrammierer. Sie schreiben die Computerprogramme, die die elektronischen Netze der weltweiten Finanzmärkte durchkämmen, immer auf der Suche nach Preisdifferenzen, die sie für sich nutzen können.