Fotoschule"Bewegung macht das beste Foto"

Für Einsteiger: Eine kleine Fotoschule in neun Schritten mit dem Fotografen Armin Smailovic

Ich habe zum ersten Mal eine Kamera in der Hand. Wie lege ich los?

Schalten Sie die Kamera ein, und stellen Sie sie auf Automatik. Lernen Sie Ihre Kamera kennen, indem Sie ein paar Testaufnahmen machen: Fotografieren Sie jemanden in Ihrer Wohnung, mit dem Fenster im Rücken. Gehen Sie dann ins Freie, und nehmen Sie die Person noch einmal auf. Stellen Sie sie in den Schatten unter einen Baum, dann in die Sonne. Achten Sie auch hier darauf, dass Sie das Licht im Rücken haben. Wenn Ihnen alle Bilder gelungen erscheinen, arbeitet die Automatik gut. Wahrscheinlich aber werden Sie den Porträtierten auf dem Bild, das Sie im Schatten gemacht haben, nicht gut erkennen. Es kann nötig sein, die Fehler der Automatik in ähnlichen Lichtsituationen manuell auszugleichen (dazu gleich mehr).

Sollte ich wissen, was eine Blende ist?

Ja, denn nur dann können Sie auch mal ohne Automatik fotografieren – und das lohnt sich. Die Blende ist die Öffnung, durch die Licht in die Kamera fällt. Je größer die Blende, desto mehr Licht. Große Blenden, die viel Licht hereinlassen, sind die Blenden 1,4 bis 4 – kleine Blenden 5,6 bis 22. Die Lösung für das Porträt im Schatten ist, die Automatik auszuschalten und die Blende zwei bis drei Stufen größer zu wählen.

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Muss ich mich auch mit Schärfentiefe befassen?

Ja, denn die wichtigste Frage beim Fotografieren ist, wie viel Schärfentiefe ich in einem Foto haben will – wie groß also der Bereich im Bild ist, den man scharf sieht. Über die Blende kann man die Schärfentiefe steuern. Große Blende bedeutet: wenig Schärfentiefe – ein kleiner Bereich im Bild wirkt scharf. Kleine Blende bedeutet: große Schärfentiefe – ein großer Bereich im Bild wirkt scharf. Um das besser zu verstehen, machen Sie wieder einige Probeaufnahmen. Fotografieren Sie einen Gegenstand, einmal mit Blende 4 und dann mit Blende 16. Sie sehen, wie unterschiedlich der Effekt ist: Die große Blende 4 sorgt dafür, dass Sie nur den Gegenstand scharf sehen, während Vorder- und Hintergrund verschwimmen. Die kleine Blende 16 bewirkt, dass praktisch alles scharf abgebildet ist. Wer diesen Kniff kennt, kann auswählen, was er eigentlich zeigen will. Unschärfe wirkt sehr emotional, denn das menschliche Auge sieht die Welt ähnlich differenziert: Es fokussiert auf bestimmte Dinge. Ein kleines Hilfsmittel ist die Zeitautomatik (auf der Kamera oft bezeichnet mit "S"): Sie müssen nur die Blende wählen, die Belichtungszeit wird automatisch eingestellt.

ARMIN SMAILOVIC

Jahrgang 1968, ist Porträt- und Reportagefotograf. Für eine ZEITmagazin-Geschichte über einen Überlebenden des Massakers von Srebrenica wurde er 2010 mit einem Lead Award in Silber ausgezeichnet

Kann ich auch bei Gegenlicht fotografieren?

Ja, aber mit der Automatik wird das Motiv meistens zu dunkel. Benutzen Sie einen Blitz, oder stellen Sie die Blende zwei oder drei Stufen größer ein.

Wie lichte ich am besten bewegte Dinge ab?

Entweder mit sehr kurzer Belichtungszeit: 1/500 Sekunde oder weniger. So fotografiert, wirkt zum Beispiel ein Snowboarder wie eingefroren. Oder bei langer Belichtungszeit: die Kamera mit dem bewegten Objekt mitführen (1/30 Sekunde und länger). Das müssen Sie aber lange üben, etwa mit einem Freund auf einem Fahrrad. Dann wird das Motiv relativ klar, aber der Hintergrund ist unscharf.

Was bedeutet eigentlich "Brennweite"?

An der Zahl erkennen Sie, welchen Raum Ihr Objektiv abdeckt (es wird wohl ein Zoom sein). Eine kleine Brennweite ist ein Weitwinkel (unter 25 Millimeter), eine große Brennweite ein Teleobjektiv (ab 80 Millimeter). Ich empfehle, gar kein Zoom zu benutzen, sondern ein Normalobjektiv (etwa 35 Millimeter, abhängig vom Kameratyp). Gehen Sie lieber näher ran!

Gibt es Regeln für den Aufbau von Bildern?

Nehmen Sie das Motiv in die Mitte. Machen Sie immer mehrere Bilder aus leicht veränderten Positionen: mal ein, zwei Meter auf das Motiv zu, dann wieder weg. Mal einen Schritt nach links, nach rechts. Auch mal ganz nah ran. Vielleicht finden Sie einen noch interessanteren Winkel. Bewegung macht das beste Foto.

Worauf muss ich achten, wenn ich Menschen fotografiere?

Kündigen Sie an: Wir machen jetzt drei, vier, fünf Fotos. Sorgen Sie dafür, dass sich die Fotografierten auch mal bewegen, sich hinsetzen oder aufstehen, rumlaufen. Probieren Sie Hoch- und Querformat. Wenn Leute Grimassen schneiden, sagen Sie ruhig: Bitte nicht rumblödeln! Lächeln ist natürlich okay. Wenn Ihnen ein Motiv hinterher besonders gefällt, können Sie eine Situation auch wiederholen. Zeigen Sie die Bilder erst, wenn Sie die Serie abgeschlossen haben.

Wie fotografiere ich Gebäude, Landschaften, Straßen?

Das Wichtigste: nicht mittags, wenn die Sonne über einem steht. Dann ist das Licht am langweiligsten. Lieber frühmorgens – oder ab Spätnachmittag. Ich finde, das schönste Licht ist morgens. Kein Teleobjektiv!

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Leserkommentare
  1. "For every complicated problem there is a solution that is simple, direct, understandable and wrong."

    3 Leserempfehlungen
  2. Er hätte erstmal erklären müssen, daß ein Smartphone keine Kamera ist.

    7 Leserempfehlungen
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    die man dabei hat. Letztlich muß der Fotograf dann das beste aus diesen Möglichkeiten machen.

    Allerdings eine, die gnadenlos aufzeigt, wie fähig der Fotograf ist.

    Ich bin selber sehr ambitionierter Hobby und Profifotograf (weil für Geld) und habe Smartphone-Fotografien gesehen, vor denen ich meinen imaginären Hut ziehe. Sicherlich leben die meisten der Fotos mehr durch ihre Stimmung und die Gefühle als durch technische Perfektion. Aber es sind trotzdem manchmal bewundernswerte Werke.

    Das tägliche geknipse von Web 2.0 Kaffe und Kuchen meine ich damit natürlich nicht.

  3. Für den Anfänger sind im Artikel sicherlich ein paar ganz brauchbare Tipps dabei.

    Allerdings findet sich im Text auch zumindest eine grobe Ungenauigkeit: Die größte Blendenstufe ist nicht 1,4 sondern 1. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass Anfängerfotografen über ein Objektiv verfügen, das diese Lichtstärke aufweist, dennoch es gibt sie.
    Diese grundlegende Tatsache sollte man nicht einfach verschweigen. Ganz abgesehen davon ist es schwierig die Systematik der Blendenreihe zu verstehen (und diese auswendig zu lernen), wenn man nicht die ersten beiden Blenden kennt.

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    • thikwa
    • 19. Mai 2013 19:30 Uhr

    @ mr.murdock

    bevor Sie hier den profi geben ;) und richtiges mit falschem korrigieren ... es gibt auch objektive mit größeren blenden, beispielsweise das 50mm 1:0,7mm von zeiss..

  4. Hab ich was verpasst ? Selbst für mich als Laie wirkt das Motiv in der Mitte meistens langweilig. Leicht versetzt nach rechts oder links sieht es meistens viel besser aus. Das ist aber auch Standardwissen. Goldener Schnitt, Drittel-Regel. Komische Tipps ...

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    @peter42hb:
    "Zentrales Motiv etwas außerhalb der Mitte" ist auch mein Wissensstand. Man kann das schön ausprobieren, wenn man bei einem Bild einen Teil abdeckt.

    Ich würde davon abweichen, wenn ich Symmetrie betonen will (z.B. wenn sich etwas im Wasser spiegelt) oder der Horizont bei einem Fischauge, wenn ich es als Weitwinkel und nicht als Effekt einsetzen will.

    Meiner Meinung nach fehlt der Hinweis, beim Fotografieren auf störende Dinge im Bild zu achten, die einem vor Ort oft nicht gleich auffallen und die man teilweise mit ein paar Handgriffen oder einigen Schritten zur Seite abstellen kann. Der überquellende Mülleimer am Bildrand z.B. oder die Hochspannungsleitung, die dem Portraitierten scheinbar zum einen Ohr rein- und zum anderen wieder rausgeht

    Und was den letzten Satz betrifft:
    Warum kein Tele? Zwei Absätze vorher heißt es noch, man solle mal näher ran und mal weiter weggehen.

    • thikwa
    • 19. Mai 2013 19:30 Uhr

    @ mr.murdock

    bevor Sie hier den profi geben ;) und richtiges mit falschem korrigieren ... es gibt auch objektive mit größeren blenden, beispielsweise das 50mm 1:0,7mm von zeiss..

    Antwort auf "Blendenreihe"
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    0,7 ist so etwas wie eine Zwischenblende. Davon gibt es in der Tat einige. Etwa Blende 0,95 (Noctilux von Leica) oder diverse Standardobjektive mit Lichtstärke 1,8.

    Das ändert aber nichts daran, dass die echten (ganzen) Blendenstufen bei 1 beginnen (1, 1,4, 2, 2,8, 4, 5,6, ...). Die Bezeichnungen sind etwas irreführend, da sie sich erst mit jeder zweiten Stufe verdoppeln. Physikalisch fällt aber durch die Blendenöffung bei Blende 1 doppelt so viel Licht wie bei Blende 1,4. Blende 1,4 ist wiederum doppelt so lichtsstark wie Blende 2 usw. Die Zwischenblenden fügen sich nicht in diese Verdoppelungssystematik ein und sind daher keine echten Blenden.

    ... mit einer Ausgangsblende von 0,95, einmal mit 25 und einmal mit 42,5 mm Brennweite; auch das Leica M-Noctilux 50 mm hat(te) als größte Blende 0,95.

  5. 0,7 ist so etwas wie eine Zwischenblende. Davon gibt es in der Tat einige. Etwa Blende 0,95 (Noctilux von Leica) oder diverse Standardobjektive mit Lichtstärke 1,8.

    Das ändert aber nichts daran, dass die echten (ganzen) Blendenstufen bei 1 beginnen (1, 1,4, 2, 2,8, 4, 5,6, ...). Die Bezeichnungen sind etwas irreführend, da sie sich erst mit jeder zweiten Stufe verdoppeln. Physikalisch fällt aber durch die Blendenöffung bei Blende 1 doppelt so viel Licht wie bei Blende 1,4. Blende 1,4 ist wiederum doppelt so lichtsstark wie Blende 2 usw. Die Zwischenblenden fügen sich nicht in diese Verdoppelungssystematik ein und sind daher keine echten Blenden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wobei, ich mich korrigieren muss, denn ich war jetzt etwas vorschnell.

    Blende 0,7 ist in der Tat keine Zwischenblende, denn sie entspricht ja genau der von mir beschriebenen Systematik. Allerdings beginnt die Blendenreihe in der Theorie dennoch üblicherweise mit Blende 1. Dass es in der Praxis noch größere Blendenöffnungen geben kann, steht außer Frage.

    ... feed this troll anymore ...

    • Chaled
    • 20. Mai 2013 9:40 Uhr

    Ich fand die Kommentare von mr_murdock über die Blendenreihe sehr hilfreich. (Sehr gut , kurz und einleuchtend erklärt.) Ich lese die Kommentare unter solchen Artikeln gerade deshalb, um noch etwas zu lernen.

    Wenn Daniel_Duesentrieb denkt schon alles zu wissen, OK. Ich würde es begrüßen, wenn er in jedem Fall so "Troll"-Kommentare unterlassen würde.

    Ein Beispiel: Die Lichtstärke eines Objektives sei f/2.8 (f ist die Brennweite).

    Das bedeutet vereinfacht: Eine Photographie einer monochromen Fläche mit dieser Blende aufgenommen (und richtig gemessen/belichtet) würde so aussehen wie die gute alte Kodak Graukarte (neutralgrau - 18% Reflektion...).

    Die Blendenzahlen ergeben sich dann so:

    Eine Blendenzahl auf (Faktor 2^1/2 ):
    2.8/1.414=~2

    Noch eine Blendenzahl auf:
    2/1.414=~1.4
    1.4/1.414=?

    Überraschung ;-)

    Eine Blendenzahl zu zu:
    2.8*1.414=~4
    ...usw.

    Berechnung für halbe Blendenstufen: * oder / ist 2^1/4
    Berechnung für drittel Blendenstufen: * oder / ist 2^1/6

    Gruß Karl

  6. ... mit einer Ausgangsblende von 0,95, einmal mit 25 und einmal mit 42,5 mm Brennweite; auch das Leica M-Noctilux 50 mm hat(te) als größte Blende 0,95.

  7. Wobei, ich mich korrigieren muss, denn ich war jetzt etwas vorschnell.

    Blende 0,7 ist in der Tat keine Zwischenblende, denn sie entspricht ja genau der von mir beschriebenen Systematik. Allerdings beginnt die Blendenreihe in der Theorie dennoch üblicherweise mit Blende 1. Dass es in der Praxis noch größere Blendenöffnungen geben kann, steht außer Frage.

    Antwort auf "Blendenreihe"

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