Stefan Labude, 52, Kirchberg an der Jagst: Maler drehen mitunter ihre Werke um 180 Grad, stellen diese also "auf den Kopf". Was halten Sie von diesem Kunstgriff?

F.C. Gundlach: In Ihrem Fall finde ich das Ergebnis der Drehung spannend. Die bildfüllenden Schatten erhöhen die Dramatik des Motivs.

Martina Spanka, Datteln: Was ich immer mal wissen wollte: Haben alle großartigen Fotografen pausenlos ihre Kamera ausgepackt und schussbereit auf dem Schoß liegen oder in der Hand, sind also ständig auf der Lauer?

F.C. Gundlach: Ja, sie gehen durch die Welt und begegnen permanent unerwarteten Situationen. Wichtig ist, Menschen, das Umfeld und die Dramatik des Augenblicks wahrzunehmen und wiederzugeben. Hierzu muss die Kamera immer griffbereit sein.

Tamara Bertran y Kaiser, 27, Hannover: Wie empathisch sind Sie mit Ihren Models umgegangen? Können Sie auch eine Situation nennen, die eskaliert ist?

F.C. Gundlach: Gern habe ich den Models Spielraum für Interpretationen gelassen. Die Models haben mich inspiriert, manchmal wurde Freundschaft daraus. Gelegentlich aber musste ich auch mit Models arbeiten, zu denen sich ein kompliziertes Verhältnis entwickelte. Mitunter sind gerade aus dieser Spannung heraus gute Bilder entstanden.

Pamela Koroll, 45, Berlin: Sobald meine Schwiegermutter jemanden fotografieren sieht, sagt sie: "Etwas Rotes muss mit aufs Bild!" Hat sie recht?

F.C. Gundlach: Das Rot muss eine dramatische Wirkung innerhalb des Bildes haben, nur dann ist es berechtigt.

Rüdiger Burow: Ich habe seit Jahrzehnten Tausende Negative gesammelt, nun möchte ich sie sortieren und eventuell digitalisieren, um sie zu archivieren und zu vergrößern. Gibt es einen günstigen Anbieter?

F.C. Gundlach: Zunächst sollten Sie die Negative in Hüllen tun, damit sie nicht zerkratzt werden – am besten in Folien aus Mylar. Pergaminhüllen könnten mit den Negativen verkleben. Dann sollten Sie alle Bilder sorgfältig katalogisieren, also beschriften und datieren. Das kann man nur selbst machen. Auch Familienbilder sind ja nur dann interessant, wenn man weiß, wann und wo sie gemacht wurden. Digitalisieren ist auch sinnvoll. Dafür gibt es unterschiedlich gute Anbieter, ich kann aber niemanden empfehlen. Sie sollten den Anbieter wählen, bei dem Sie einen Ansprechpartner haben, mit dem Sie gut klarkommen.

Adda Kruse, 47, Hamburg: Dieses Foto hat mein Sohn gemacht, als wir zu Weihnachten 2010 an der Nordsee waren. Es zeigt die Insel Föhr. Ich möchte es auf Alu drucken lassen, habe aber keine Erfahrung mit der Methode. Können Sie mich beraten? Es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Foto von Adda Kruse © Adda Kruse

F.C. Gundlach: Dieses Motiv könnte man gut in größerem Format – vielleicht 80 mal 100 Zentimeter – zeigen. Es sollte allerdings sehr gut geprintet sein und auf Alu-Dibond kaschiert werden. Das Bild ist dann aber mit dem Träger verbunden. Am besten, Sie arbeiten immer wieder mit demselben Fachlabor zusammen, dann entsteht eine Partnerschaft, und man kennt Ihre Intentionen.

Heike Heuser, 49, Marburg: Sammeln Sie selbst nur Fotografien, die Ihnen gefallen, oder/und auch nach kommerziellen Gesichtspunkten?

F.C. Gundlach: Eine Sammlung sollte wie ein lebendiger Organismus sein. Sie ist ein Spiegel der Interessen und Emotionen des Sammlers. Ein richtiger Sammler gleicht einem Verliebten, dem es nur um den Gegenstand seiner Anbetung geht. Wichtig ist auch, ein Thema zu entwickeln. Eine Sammlung ohne Konzept ist eine Ansammlung. Wenn eine Wertsteigerung hinzukommt, ist das erfreulich. Wer glaubt, Sammeln sei ein harmloses Hobby, der irrt gewaltig. Sammeln ist ein ganz besonderes Virus.