Sogar Jean Paul ist da meiner Meinung.

So was kommt mir in Sinn, wenn ich den Roman Der Komet meines Freundes Hannes Stein vor mir liegen seh: Ich denke erst mal an Jean Paul. Dieser Berühmteste unter unseren unbekannten Dichtern der Goethezeit veröffentlichte gegen Ende seines Lebens das immerhin dreibändige Fragment eines spöttischen Romans mit ähnlichem Titel, eine langweilige Schnurre über die Kleinstaaterei in Deutschland. Er schrieb eine Anmerkung über die Hintergründe seines Werks: "Gerade im politisch-bösen Jahre 1811, da in mir der ›Komet Nikolaus Marggraf‹ aufging, entwarf ich den Plan zu einem großen Romane, welchen ich auf dem Titel ›mein letztes komisches Werk‹ nennen wollte, weil ich darin mich mit der komischen Muse einmal in meinem Leben ganz auszutanzen vorhatte."

Dieses Werk blieb unvollendet und hatte keinen Erfolg. Ein anderer aber schaffte es mit einem kurzweiligen Geniestreich über die Kleinstaaterei in Deutschland: Georg Büchner. Wenige Jahre später wagte der junge Mann diesen Tanz in seiner Komödie Leonce und Lena. Meine Frage an einen Kenner, der womöglich diese Rezension liest: ob Georg Büchner als Jüngling das Komet-Romanfragment von Jean Paul gelesen haben könnte? Vielleicht hat Jean Pauls Buch den Büchner animiert!

Und noch eine Frage: ob der Autor das fast vergessene Komet-Romanfragment des Jean Paul überhaupt kennt.

Keine Frage allerdings für mich: Der große Sonderling Jean Paul kennt den Roman Der Komet meines Freundes Hannes Stein. Jean Paul erzählte mir nämlich heute früh in einem Wachtraum, dass er von Steins Buch begeistert sei. Er sagte: "Ja! Genau so hatte ich meinen Roman Der Komet oder Nikolaus Marggraf eigentlich schreiben wollen. Da merkt man noch, dass das deutsche Wort ›Witz‹ nichts bedeutet als ›Geist‹! Dieser Hannes Stein hat Witz genug zum Witzeln, er hat die tragische Kraft zum Komischen! Dieser deutsche Jude aus Österreich in den USA, der kommt mir vor wie mein auferstandener Doppelgänger in New York!"

Aber als ich dann meinen Traum-Jean-Paul Genaueres fragen wollte, erhaschte ich nur ein paar Wortfetzen. Und als ich endlich halb wach war, krakelte ich mir hastig und ohne Brille ein paar dunkle Stichwörter auf einen Zettel.

Nun las ich also in wenigen Tagen das Buch. Die Grundidee des Romans Der Komet von Hannes Stein ist einfach: Was hätte aus unserer europäischen Weltgeschichte werden können, wenn der Anlass zum Ersten Weltkrieg nicht passiert wäre. Der Leser wird zeit-verzaubert, wird rückwärtsgeschleudert in ein fiktives 20. Jahrhundert einer blühenden k. u. k. Monarchie. Und Hannes Stein hat diesen Grundeinfall seines österreichisch verpuppten Romans erst – und elegant beiläufig – gegen Ende entpuppt.

Die Geschichte des Ersten Weltkriegs fing ja "in echt" an mit dem Attentat eines Nationalisten in Sarajevo auf den Erzherzog Franz Ferdinand, den Thronfolger der Monarchie Österreichs.

Wäre dieser Mord im Jahre 1914 aber nicht gelungen, dann folgt daraus, in Steins Geschichtslogik, hätte es überhaupt keinen Weltkrieg gegeben; dann logischerweise auch keinen "Schandfrieden" von Versailles. Der russische Zar hätte seine moderaten Reformen gemacht, statt sich in den modernen Krieg der Großmächte zu stürzen.

Sodann hätte es auch keine russische Oktoberrevolution im November 1917 gegeben, und also keine Weimarer Republik und also auch nicht die politische Karriere des abgerissenen Postkartenmalers Adolf Hitler aus dem Kaff Braunau. Logo: kein "Stalingrad" und logo: kein Auschwitz und auch kein Gulag.