Goldfisch im HotelBist du Happy?

Zur Gesellschaft auf dem Hotelzimmer einen Goldfisch – ein Gespräch mit dem englischen Hotelier Jeff Riley, der für seine Gäste ein ausgefallenes Angebot bereithält von Karin Ceballos Betancur

Goldfische

Goldfische   |  © yasa_/flickr

DIE ZEIT: Mr. Riley, seit ein paar Wochen kann man sich in Ihrem Hotel neben Frühstück oder Champagner auch einen Goldfisch aufs Zimmer bestellen. Da fragt man sich doch: Wer sollte das tun wollen?

Jeff Riley: Nun, etwa die Hälfte unserer Gäste sind Geschäftsreisende, das heißt: Sie sind allein unterwegs. Tagsüber arbeiten sie zusammen mit Menschen, die sie kaum kennen, weil sie nur vorübergehend in der Stadt sind. Da ist es doch schön, wenn man abends aufs Zimmer kommt und schon jemand da ist.

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ZEIT: Ein Fisch nämlich. Hat er denn einen Namen?

Riley: Er heißt Happy. Wie unser Hotel, die Happy Guests Lodge, da lag der Name nahe. Aber er sieht auch tatsächlich glücklich aus.

ZEIT: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee mit dem Goldfisch gekommen?

Riley: Als Hotelier versucht man immer, interessante Angebote zu entwickeln, neben dem üblichen In-Room-Entertainment: Fernseher, WLAN und so weiter. Vor einiger Zeit haben wir beispielsweise einen kostenlosen Brettspielverleih eingeführt, Monopoly und so.

ZEIT: Davon hat man als Alleinreisender wenig.

Riley: Doch, wir haben auch Solitaire. Jedenfalls fragten wir uns, was die Leute sonst noch auf ihrem Zimmer gebrauchen könnten. Und so kamen wir auf den Goldfisch. Also haben wir einen gekauft und ihn erst mal getestet.

ZEIT: Wie muss man sich das vorstellen?

Riley: Wir wollten ausprobieren, ob das Aquarium mobil genug ist, wie oft man ihn füttern muss. Dabei stellten wir bald fest, dass Happy eine sehr eigene Persönlichkeit hat.

ZEIT: Im Ernst?

Riley: Doch, absolut! Ich bin bisher nie auf die Idee gekommen, mir einen Fisch zu kaufen. Aber Happy macht irgendwie süchtig. Wenn man das Zimmer betritt, schwimmt er ans Glas und sieht einen an. Er freut sich, wenn er gefüttert wird. Und ich spreche auch mit ihm.

ZEIT: Sind das Gespräche, wie man sie mit Gummibäumen führt?

Riley: Na ja, ich sage Dinge wie: Hast du Huuuunger? Möchtest du Fuuuutter? Er sieht nämlich immer aus, als wollte er Futter, auch wenn er gerade welches gekriegt hat. Wir sprechen also über das Essen und darüber, wie der Tag war.

Jeff Riley

© Privat

ZEIT: Und Sie meinen, Happy mag das?

Riley: Ich denke schon, ja. Er ist sehr aufmerksam und zutraulich, wissen Sie. Und kein bisschen schüchtern! Er versteckt sich zum Beispiel nie in seinem Aquarium.

ZEIT: Das kann er ja vermutlich auch gar nicht. Ich stelle mir das ehrlich gesagt eher deprimierend vor, wenn ich allein in mein Hotelzimmer komme, und dann steht da so ein Goldfisch im Glas. Das ist doch das Symbol für Einsamkeit schlechthin!

Riley: Ach, Happy ist so ein lebendiger, lustiger kleiner Fisch... Und er hat schon etwas mehr Platz, ein geräumiges Aquarium mit einem Ananashaus und einer Art Triumphbogen.

ZEIT: Trotzdem – haben Sie keine anderen Begleiter in Betracht gezogen? Welche, mit denen man auch mal ein bisschen kuscheln kann?

Riley: Sie denken an Hamster? Hasen? Klar, wir haben uns das überlegt, aber dann war uns das Risiko zu groß, dass das Tier abhaut, im Hotel rumspringt und dann irgendwo Sachen kaputt macht.

ZEIT: Was ist mit Guppys? Die sind wenigstens zu mehreren.

Riley: Ja, aber die Farben unseres Hotels sind Orange und Grün, da passt Happy natürlich ideal dazu.

ZEIT: Hat ihn denn bisher schon jemand gebucht?

Riley: Nein, aber wir bieten ihn ja auch noch nicht allzu lange auf der Webseite an. Im Internet ist allerdings die Hölle los! Wir kriegen Mails von überall her, aus Südafrika, Russland, Gambia... Und ich bin sicher, dass es Gäste geben wird, die ihn immer wieder buchen wollen, wenn sie ihn erst mal auf dem Zimmer hatten.

ZEIT: Wie kommen Sie darauf?

Riley: Man hängt ja doch schnell an einem Tier, selbst wenn es nicht das eigene ist. Man streichelt es...

ZEIT: Na ja ...

Riley: ...man interagiert jedenfalls, irgendwie. Und irgendwann wird Happy dann ein Grund mehr sein, wieder in unser Hotel zu kommen, wenn man in der Gegend ist – um die Beziehung zum Fisch zu erneuern. Es ist einfach schön, abends nach Hause zu kommen und ein vertrautes Gesicht zu sehen.

ZEIT: Vor allem wenn es schweigt. Wie viel hat Happy eigentlich gekostet?

Riley: Ein Pfund.

ZEIT: Und wie lange leben Goldfische?

Riley: Etwa zehn Jahre. Wir hoffen also, dass er uns noch eine Weile begleiten wird.

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Leserkommentare
  1. dass happy 10 jahre alt wird.
    wahrscheinlich wird der fisch alle 3-4 wochen ersetzt werden müssen.

    3 Leserempfehlungen
  2. Ich hoffe, "Happy" wird dann nicht jedesmal gekescht und durch das ganze Hotel geschleppt, wo der Kunde es gerade will. Goldfische sollten auch nicht alleine gehalten werden und brauchen viel Platz...

    ...Aber was rede ich hier, geht doch nur um den lustigen Gag! Also dann: Goldfisch im Hotel! Verrückt!

    Eine Leserempfehlung
    • Hagmar
    • 26. Mai 2013 16:08 Uhr

    In einem "gehobenen" Restaurant im Elsass stand einmal ein kleines Kugelglas mit einem Goldfisch drin auf dem Tisch. Als Deko. Sogar die Mitspeiser, die - anders als ich - durchaus gerne Tiere essen, fanden das geschmacklos. Irgendwie verdarb das Gespräch über den Goldfisch - und warum der als Deko nicht geht - den Appetit...
    Ich jedenfalls habe das Restaurant weder weiterempfohlen noch je wieder besucht.

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    das Personal den Goldfisch entfernt.

  3. Gerade gestern suchte ich ein Hotel naehe Frankfurt Flughafen. Die meisten der preiswerteren in der Umgebung haben immer noch kein verlaessliches Internet, obwohl sie sich "Flughafen-Hotels" nennen.
    Eines verlangt 15 Euro fur WLAN.

    Bitte schreiben Sie doch lieber darueber.

  4. das Personal den Goldfisch entfernt.

    Antwort auf "Appetitverderber"
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    • Hagmar
    • 27. Mai 2013 16:21 Uhr

    ...wäre ich allein gewesen. Im Ausland bemühe ich mich allerdings, in Gesellschaft mit Kritik zurückhaltend zu sein (gelingt mir nicht immer). So aber war immerhin die sich ergebende Diskussion spannend, und es ist in der Tat ein interessantes Phänomen, zu beobachten, wie intellektuell absolut nicht unterbemittelte Menschen Entenleberterrine verspeisen und sich gleichzeitig über einen Goldfisch im Glas echauffieren. Es wurde irgendwann immerhin bemerkt.

  5. Den Goldfisch bieten die Hotels der Kimpton Gruppe schon länger an, ebenfalls gibt es Yoga Matten, Leihfarräder, eine tägliche Weinverkostung, etc.

    Also, netter Gag aber leider nur geklaut!

    • Hagmar
    • 27. Mai 2013 16:21 Uhr

    ...wäre ich allein gewesen. Im Ausland bemühe ich mich allerdings, in Gesellschaft mit Kritik zurückhaltend zu sein (gelingt mir nicht immer). So aber war immerhin die sich ergebende Diskussion spannend, und es ist in der Tat ein interessantes Phänomen, zu beobachten, wie intellektuell absolut nicht unterbemittelte Menschen Entenleberterrine verspeisen und sich gleichzeitig über einen Goldfisch im Glas echauffieren. Es wurde irgendwann immerhin bemerkt.

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