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...ich will Arzt werden! Wer Medizin studieren möchte und kein Spitzenabitur hat, muss warten, klagen oder auswandern von Julia Schwarz

Da passt etwas nicht zusammen: Tanja Schmitt will unbedingt Medizin studieren – und hat einen Abiturschnitt von 2,5. Keine Chance, sagen die Freunde, sagen die Studienberater. Zwei Jahre müsse sie warten, mindestens, heißt es bei der ZVS, der zentralen Zulassungsstelle, die jährlich etwa 43.000 Bewerber auf 9.000 Studienplätze in Medizin vermittelt. Es ist das Jahr 2006, direkt nach ihrem Abitur. Aber Schmitt will ihr Wunschstudium nicht aufgeben. Sie will alles versuchen, um doch noch einen Studienplatz zu ergattern.

Eine Ausbildung machen

Tanja Schmitt erfährt, dass einzelne Hochschulen diejenigen bevorzugen, die einen fachnahen Ausbildungsberuf erlernt haben. Also lässt sie sich zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ausbilden: Jeder Tag, den sie während der Ausbildung im Krankenhaus verbringt, führt sie näher an ihr Ziel. Sie ist motiviert, begleitet jede Visite und löchert die Ärzte mit Fragen. Manchmal wird ihr gesagt, dass sie als Krankenschwester gar nicht so viel wissen müsse. Das ärgert sie. Zu Hause liest sie die Bücher, die sie im Studium lesen würde, und schlägt die Krankheiten ihrer Patienten nach. Sie beendet die Ausbildung erfolgreich. Jedes Semester bewirbt sie sich erneut um einen Studienplatz. Ohne Erfolg. Die Nachfrage nach Medizinstudienplätzen ist weiter gestiegen.

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Etwas Ähnliches studieren und dann wechseln

In der Hoffnung, sich später Scheine in Physik, Chemie und Biologie anrechnen lassen zu können, beginnt Schmitt 2009, Biowissenschaften an der Uni Heidelberg zu studieren. "Ich habe gleich gemerkt, dass das Fach nichts für mich ist", sagt sie. Trotzdem wälzt sie Formelsammlungen, absolviert Prüfungen in Chemie und Physik. Doch sie merkt bald, dass sie zu wenige Scheine macht, um in der Medizin eine Chance zu haben. Und: Während sie an einer Universität eingeschrieben ist, werden ihr keine Wartesemester angerechnet.

Ins Ausland gehen

Nächster Versuch. Tanja Schmitts Hausarzt rät ihr, sich in Ungarn zu bewerben. Er habe dort studiert, seine Tochter ebenfalls. Die Studiengebühren schrecken sie erst einmal ab: 6.600 Euro kostet ein Semester in Pécs, einer Stadt nahe der kroatischen Grenze. Die dortige Universität ist beliebt bei ausländischen Studenten, sie bietet Medizinstudiengänge in deutscher Sprache an. Der Abischnitt ist nicht so wichtig. Ähnliche Möglichkeiten gibt es in Budapest, im tschechischen Brünn und in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei. Schmitt hätte sich auch in Österreich bewerben können. Aber das Nachbarland nimmt immer weniger deutsche Studenten. Eine Quote soll die Unis vor deutschen NC-Flüchtlingen schützen: Nur noch 20 Prozent der Studienplätze werden an EU-Bürger vergeben.

Schmitt bewirbt sich also in Pécs. Erst als sie die Zusage hat, erzählt sie ihrem Vater davon. Und von den Studiengebühren. Der übernimmt sie schließlich. Beide glauben, sie bleibe nur ein Semester dort und bekomme dann einen Studienplatz in Deutschland.

Leserkommentare
    • QW
    • 20. Mai 2013 18:30 Uhr

    Warum werden die Anforderungen während des Medizinstudiums in den ersten Semestern nicht durch Integrierung geistig anspruchsvoller Fächer bzw. Inhalte erhöht und als Folge dessen die Erfolgsquote verringert, sodass mehr Studienanfänger aufgenommen werden können. Z.B. könnten die Fächer Chemie und Physik nicht auf Grundkurs Niveau der Oberstufe gelehrt werden, sondern anspruchsvoller gestaltet werden. Das Physikum könnte auf dieser Grundlage ebenfalls geändert werden. Viele derjenigen, die in die in der Schule durch Auswendiglernen gute Noten erhalten haben, obwohl sie nichts annähernd tiefgehend verstanden haben, studieren Medizin und werden Ärzte. Auch die Promotionsordnungen in Medizin knüpfen an dieses oberflächliche Studium an. Stichwort „Flachforscher“ Das ZVS existiert nicht mehr.

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    • Jove
    • 20. Mai 2013 19:28 Uhr

    Ich persönlich habe mehrere angehende Mediziner im Freundeskreis, und kann Ihnen versichern, dass sich Biochemie weit über Oberstufen-LK-Niveau bewegt.

    Ja, man muss in Medizin auch viel auswendig lernen, aber kann ein Medizinstudent etwas dafür, dass sich anatomische Strukturen nicht durch eine Formel berechnen lassen, oder sich Nebenwirkungen von Medikamenten leider nicht immer logisch ergeben?
    Zudem muss man in Medizin gerade im biochemischen Bereich auch "verstehen", soviel kann man gar nicht auswendig lernen.

    Zudem man ein 1,0er-Abi nicht einfach nur mit auswendig gelerntem Wissen schaffen kann, auch in der Oberstufe werden Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie und Biologie gewertet.

    Zum Thema Selektion während des Studiums: Das ist natürlich schön und gut, aber durch zu große Selektion haben die Rausgeprüften mehrere Semester verschwendet und nehmen anderen wichtige Plätze weg. Es gibt nun mal nicht unendlich Körperspender und die Qualität der Lehre steigt sicher nicht, wenn sich statt 15 Studenten 30 eine Leiche "teilen" müssen von denen Nachher eh die Hälfte "ausselektiert" wird.

    • nitric
    • 20. Mai 2013 19:45 Uhr

    Dies wird in anderen Ländern auch so geregelt. In Frankreich zum Beispiel darf jeder Medizin studieren. Die Anforderungen in Physik, Chemie und Mathe sind hoch und nach 2 Semestern gibt es eine Prüfung. 90% fallen durch, die schlausten und fleißigstes kommen weiter. Der Rest darf es noch einmal versuchen. Klappt es wieder nicht war's das mit Medizin... Ganz nach französischer Staatsraison "égalité" hat jeder seine Chance. Von "fraternité" ist allerdings nichts zu sehn, die Kommilitonen sind ja Konkurrenten.

    ... für Mediziner. Denn ausgebildete Ärzte sind in Deutschland nun einmal Mangelware. In welchem anderen Fach gibt es das schon, dass einfach jeder einen Job bekommt? Und jetzt holen wir uns die Leute von Universitäten aus Kasachstan. Mangelnde Sprachkenntnisse sollenin den Kliniken langsam zum Sicherheitsproblem werden: (http://www.spiegel.de/kar.... Das kann nicht die Lösung sein.

    Da sind mir in Deutschland ausgebildete Mediziner allemal lieber - auch solche die besonders gut auswendig lernen können und die sie als „Flachforscher" bezeichnen würden. "Kompetenzentwicklung statt auswendig lernen" klingt schick, ich lasse mich trotzdem lieber von einem Arzt behandelt, der weiß, wo meine Aorta verläuft.

    dann verlieren die jungen Menschen noch zwei Jahre mehr.
    Ist es nicht sinnvoll, dass nur die Besten unsere zukünftigen Ärzte werden?
    Warum ist das Abi nicht mehr geeignet die Spreu vom Weizen bei den Studenten zu trennen? Falls das Deutsche Abi wirklich kein geeignetes Selektionskriterium wäre, müsste man eben Studienzugangstests einführen - aber bitte nicht die jungen Menschen 2-5 Jahre studieren lassen, bis sie merken - Medizin ist zu schwer - danach 2-5 Jahre das nächste.

  1. ...das war das Abitur ja eigentlich mal. Alle Hürden die zunehmend dazwischengeschaltet werden laufen letztlich darauf hinaus dass zu wenig Geld für zu wenig Studienplätze zur Verfügung gestellt wird und der Mangel eben irgendwie verwaltet werden muss. Dass das anders geht zeigt u.a. Österreich, was im Artikel kurz genannt wird.

    Weiterhin ist das Abitur, entgegen der Nostalgie mancher deren Schulzeit schon länger her ist ("Wir haben damals noch richitg gelernt!" etc.), stetig anspruchsvoller geworden. Dass die Zahl der Abiturienten gestiegen ist liegt einfach an der allgemeinen Bildungsexpansion, es gab und gibt immer mehr Gymnasien (vor 40 Jahren war es für ein Kind vom Land schlicht fast nicht möglich das Abi zu machen weil es in seiner Umgebung einfach kein Gymnasium gab) und der Druck ist enorm gestiegen. Es geht ja letztlich um einen Verteilungskampf und man kann sich in unserer Arbeitswelt eben durch nichts so gut abheben wie durch möglichst hohe formale Bildungsabschlüsse. Auch hier geht es aber eher um "Verwaltung des Mangels" - nämlich an attraktiven Arbeitsplätzen.

    Ich würde lieber darüber nachdenken z.B. diesen jungen Leuten, die solche Mühen auf sich nehmen um ihren Traumberuf zu ergreifen, dies auch zu ermöglichen anstatt dies von der Abinote abhängig zu machen - es sagt ja auch reichlich wenig über die Befähigung den Arztberuf zu ergreifen wenn jemand in Geschichte oder der zweiten Fremdsprache das Abitur "verhauen" hat. Herzblut ist wohl keine Qualifikation.

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    • Lyaran
    • 20. Mai 2013 18:50 Uhr

    Sicher ist ein NC ein Zugeständnis an zuwenige Studienplätze. Man will dann nur die Besten haben. Ob dies durch eine Querschnittsnote über sämtliche Abitursfächer dargestellt wird kann man durchaus anzweifeln.

    "Ich würde lieber darüber nachdenken z.B. diesen jungen Leuten, die solche Mühen auf sich nehmen um ihren Traumberuf zu ergreifen, dies auch zu ermöglichen anstatt dies von der Abinote abhängig zu machen"

    Nun, das kann man auch anders sehen. Meiner Meinung nach gehören zwei Dinge dazu:
    1. Ausreichendes Engagement und Herzblut für den Beruf und
    2. Die Befähigung dazu

    Ich würde weder von einem begeisterten Pfuscher noch einem gelangweilten Genie gerne behandelt werden.

    Und wenn man schon von früh den Wunsch hat Medizin zu studieren dann muss man eben die Anstrengungen in der Schulzeit auf sich nehmen und nicht erst bei der Suche nach einem Schlupfloch. Die Regeln sind ja bereits bekannt.
    Ob die Anforderungen in der Schule wirlkich gestiegen sind sei mal dahin gestellt. Vor zwei Jahrzehnten habe ich in BW ohne wirklich etwas zu tun eine 2,2 geschafft. Da sollte es auch heute noch möglich sein einen 1.x Schnitt zu bekommen wenn man auf seinen Lebenswunsch hinarbeitet.

    dass das Abi schwerer geworden ist? Schon die Bedingungen zur Zulassung zum Abitur einerseits und zum Bestehen andererseits sind weicher geworden (man kann eine Menge 5en aus der Oberstufe rausstreichen, sich im Abi eine 5 leisten und sogar eine 6 ausgleichen!) Auch die Anforderungen in den meisten Fächern sind gesunken: Man darf Wörterbücher in den Fremdsprachen, den Duden in Deutsch verwenden, Taschenrechner in Mathe und den Naturwissenschaften, in den Fremdsprachen werden weder Übersetzungen noch Grammatik verlangt, sondern Textverständnis, -produktion und eine Mediation, wo man in eigenen Worten ungefähr in der Fremdsprache sagen soll, was da auf Deutsch steht - und bekommt sogar noch Punkte fürs Verstehen des deutschen!!! Textes. In Mathematik kommen schon lange keine mathematischen Beweise mehr dran und dergleichen mehr. Die Folge: in den Unis beschweren sich die Professoren zurecht über die mangelnde Studierfähigkeit der Studenten.
    Das hat dann zur Folge, dass zu viele in ihren Studienfächern, die sie mit Herzblut gewählt haben, scheitern, weil BWLer nicht mir Mathekenntnissen aufwarten können, Medizinstudenten keine Ahnung von Chemie haben und durchs Physikum rasseln.
    Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass es nicht unbedingt des 1er-Abiturs eines fleißigen Bienchens bedarf, um ein guter Arzt zu werden. Aber einige Kenntnisse aus dem Gymnasium und analytische Fähigkeiten sollten neben den kommunikativen Geschick und Herzblut schon vorhanden sein!

    wirklich leichter geworden. Sicher kann man es nicht direkt vergleichen, denn Zeitgeist bedingt ist weniger Hard-Skill erforderlich und mehr Soft-Skill, darüber mag man denken wie man will, es macht die Sache nicht unbedingt leichter.

    Allerdings gibt es Fächer, das kann man mit Soft-Skills Inkompetenz nicht wett machen. Wenn man Mathe und Physik. Chemie und Biologie betrachtet, sieht man schon, dass die Messlatte gesunken ist. Nicht gleichmäßig und auch nicht überall gleich, aber schon fühlbar.

    Beispiel: In Niedersachsen lernt der Mathe-EAN-ler nicht mehr das umgehen mit Termen, sondern lässt fast jede Rechnungn vom CAS, dem "Taschenrechner", machen, der sogar symbolisch rechnet. Das ist eine Katastrophe für jeden, der in den MINT-Fächern studieren will.

    • Lyaran
    • 20. Mai 2013 18:50 Uhr

    Sicher ist ein NC ein Zugeständnis an zuwenige Studienplätze. Man will dann nur die Besten haben. Ob dies durch eine Querschnittsnote über sämtliche Abitursfächer dargestellt wird kann man durchaus anzweifeln.

    "Ich würde lieber darüber nachdenken z.B. diesen jungen Leuten, die solche Mühen auf sich nehmen um ihren Traumberuf zu ergreifen, dies auch zu ermöglichen anstatt dies von der Abinote abhängig zu machen"

    Nun, das kann man auch anders sehen. Meiner Meinung nach gehören zwei Dinge dazu:
    1. Ausreichendes Engagement und Herzblut für den Beruf und
    2. Die Befähigung dazu

    Ich würde weder von einem begeisterten Pfuscher noch einem gelangweilten Genie gerne behandelt werden.

    Und wenn man schon von früh den Wunsch hat Medizin zu studieren dann muss man eben die Anstrengungen in der Schulzeit auf sich nehmen und nicht erst bei der Suche nach einem Schlupfloch. Die Regeln sind ja bereits bekannt.
    Ob die Anforderungen in der Schule wirlkich gestiegen sind sei mal dahin gestellt. Vor zwei Jahrzehnten habe ich in BW ohne wirklich etwas zu tun eine 2,2 geschafft. Da sollte es auch heute noch möglich sein einen 1.x Schnitt zu bekommen wenn man auf seinen Lebenswunsch hinarbeitet.

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    Vor zwei Jahrzehnten habe ich in BW ohne wirklich etwas zu tun eine 2,2 geschafft. Da sollte es auch heute noch möglich sein einen 1.x Schnitt zu bekommen wenn man auf seinen Lebenswunsch hinarbeitet.

    Dumm nur, dass ein Abiturschnitt von 1,5 für ein Medizinstudium in Deutschland (ohne Wartesemester) nicht ausreicht.
    Wenn man beispielsweise gezwungen ist, ein Fach wie Musik/Kunst/Sport im Abitur einzubringen und dafür überhaupt kein Talent hat, war es das möglicherweise schon mit dem 1,1er-Abitur, ganz unabhänigig von der intellektuellen Begabung.
    Und dabei habe ich noch nicht berücksichtigt, dass die Notengebung in manchen Fächern (z. B. Deutsch) durchaus subjektiv ist.
    Wenn solche Faktoren über die Zulassung zum Medizinstudium entscheiden, halte ich das nicht für gerechtfertigt.

  2. dass das Abi schwerer geworden ist? Schon die Bedingungen zur Zulassung zum Abitur einerseits und zum Bestehen andererseits sind weicher geworden (man kann eine Menge 5en aus der Oberstufe rausstreichen, sich im Abi eine 5 leisten und sogar eine 6 ausgleichen!) Auch die Anforderungen in den meisten Fächern sind gesunken: Man darf Wörterbücher in den Fremdsprachen, den Duden in Deutsch verwenden, Taschenrechner in Mathe und den Naturwissenschaften, in den Fremdsprachen werden weder Übersetzungen noch Grammatik verlangt, sondern Textverständnis, -produktion und eine Mediation, wo man in eigenen Worten ungefähr in der Fremdsprache sagen soll, was da auf Deutsch steht - und bekommt sogar noch Punkte fürs Verstehen des deutschen!!! Textes. In Mathematik kommen schon lange keine mathematischen Beweise mehr dran und dergleichen mehr. Die Folge: in den Unis beschweren sich die Professoren zurecht über die mangelnde Studierfähigkeit der Studenten.
    Das hat dann zur Folge, dass zu viele in ihren Studienfächern, die sie mit Herzblut gewählt haben, scheitern, weil BWLer nicht mir Mathekenntnissen aufwarten können, Medizinstudenten keine Ahnung von Chemie haben und durchs Physikum rasseln.
    Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass es nicht unbedingt des 1er-Abiturs eines fleißigen Bienchens bedarf, um ein guter Arzt zu werden. Aber einige Kenntnisse aus dem Gymnasium und analytische Fähigkeiten sollten neben den kommunikativen Geschick und Herzblut schon vorhanden sein!

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    Also ich weiss nicht von welchem Abitur Sie sprechen, aber hier in Bayern sind die Bedingungen mit der G8 Reform nochmals verschärft worden. Es gibt zahlreiche Hürden zu meistern um überhaupt zur Abiturprüfung zugelassen zu werden, außerdem wurde auf den ohnehin schon engen Lehrplan (bayrische Gymnasiasten haben im Durchschnitt bis 15 Uhr Unterricht - an einem Tag kann es mal "nur" bis 13 Uhr sein, an einem anderen dann sogar bis 17 Uhr - und das nur bei den Pflichteinbringungen!) noch das sog. P-Seminar und das W-Seminar obendraufgesetzt. In beiden Seminaren sind ebenfalls gewisse Hürden einzuhalten, beispielsweise ist man nicht zum Abi zugelassen wenn man auch nur die mündliche Präsentation (!) der eigenen Seminararbeit "versemmelt". Eine 6, also 0 Punkte, kann man nicht ausgleichen - hat ein Schüler 0 Punkte, egal ob er die entsprechende Halbjahresleistung in das Abitur einbringen muss oder nicht, so ist er automatisch nicht zur Abiturprüfung zugelassen. Auch müssen die addierten Halbjahresleistungen bestimmte Mindestsummen erfüllen. Deutsch verpflichtend ist - im G9 System, wie es über viele Jahrzehnte praktiziert wurde, konnte man Mathe z.B. noch entgehen.

    Wörterbücher durfte man in Bayern zumindest schon immer verwenden, dafür sieht das Englischabitur (schriftlich) inzwischen so aus: 1. eine mündliche Prüfung (als Teilprüfung der schriftlichen Prüfung!) 2. eine Hörverstehensprüfung mit einer zentral gestellten Tonaufnahme 3. das eigentliche Zentralabitur bestehend aus der Bearbeitung eines literarischen Textes, freier Textproduktion sowie einer Version (entweder Übersetzung ins Deutsche oder Mediation); es gibt drei schriftliche Prüfungen und zwei mündliche Colloquien. Ebenfalls neu ist, dass die Prüfung in Mathe und Deutsch verpflichtend ist, im G9 konnte man sich mit geschickter Fächerwahl der Matheprüfung im Abi z.B. gänzlich entledigen.

    Und die Förderung der "Kultur des Mündlichen", indem schriftliche und mündliche Zensuren 1:1 verrechnet werden in der neuen bayrischen Oberstufe, führt in der Praxis dazu dass das Mündliche weiter verdrängt wurde, weil die Lehrer die gesteigerte Bedeutung der "mündlichen" Note in der Weise untermauern, dass regelmäßige zusätzliche "kleine Leistungsnachweise" geschrieben werden - gerne auch alle zwei Wochen in Fächern wie Mathe. Zusätzlich zu dem normalen Klausurenplan und den natürlich stets dräuenden "Rechenschaftsablagen" (Ausfragen).

    Im Mathe Abi darf man in Bayern einen Taschenrechner verwenden, aber nur einer der maximal eine Wertetabelle anzeigt (anders in anderen Bundesländern, ich weiss). Nicht einmal eine Formelsammlung ist erlaubt, nur eine dünne "Merkhilfe" des Ministeriums.

  3. Wie wäre es, wenn man einen Anteil der Medizinstudienplätze denjenigen reserviere, die sich verpflichten, (z.B. 5 Jahre) dort zu arbeiten, wo Ärzte fehlen?

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  4. Es gibt eine begrenzte Menge an Ressourcen. Medizinstudenten sind nun mal sehr teuer. Diese muss möglichst effizient aufgeteilt werden.

    Der NC ist keine perfekte Lösung. Aber auf der anderen Seite: Es gibt ja genug Leute, die ein gutes Abitur haben, sonst gäbe es keinen NC.

    Die Leute, die ein besseres Abitur haben, haben nun mal bei den Prüfungen besser abgeschlossen. Punkt. Die sollten dann auch den Studienplatz bekommen.

    Man kann sicherlich darüber diskutieren, was ein perfektes Abitur über die Befähigung zum Arzt aussagt, aber einstweilen ist es wie es ist und jeder Gymnasiast weiß inzwischen, dass, wenn er oder sie Arzt oder Psychologe werden will, ein sehr gutes Abitur erforderlich ist.
    Wer also wirklich diesen Traum hat, kann sich auf den Hintern setzen und dafür arbeiten. Es machen ja auch viele andere, wie gesagt, sonst gäbe es ja keinen NC.
    Bei den Klagegeschichten habe ich eher das Gefühl, auch wegen des hohen finanziellen Aufwandes, dass es sich dabei um Menschen handelt, die eher die monetären und statusbezogenen Aspekte, vielleicht auch die Erbfolge, als Grund für das Medizinstudium haben. Allerdings kann ich die Sache nicht vollständig überblicken.

    Das beste wären mMn Eignungstest, die meinetwegen bis 50% der Zusage ausmachen. Dann wäre das Abitur durch spezifisch medinzinische Kompetenztest ergänzt.

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    Nun, den Medizinertest gibt es bereits seit '78 und die Zahl der Unis steigt, die den Test akzeptieren und ab einer gewissen Prozentzahl die Abinote um einige Kommastellen nach oben gen NC korrigieren, was für viele bereits die Immatrikulationsbescheinigung bedeutet hat. Eine schöne Sache eigentlich. Wenn man sich jedoch einmal genauer unter Medizinstudenten umhört, die diese 50€-Nummer (im Regelfall parallel zu Abitur-/Abschlussprüfungen liegend) sie maximal auf IMPP-technisches Denken vorbereitet, auf das Anwenden von MC-Strategien und vllt minimale analytische Kenntnisse voraussetzt.
    Mit Studieren an sich hat das weniger zu tun, schon gar nicht mit der sagenumwobenen Studierfähigkeit. Zu der finden die meisten sowieso erst im Studium, lernen viel über sich selbst und merken, wie man diverse Dinge einpendeln muss; dazu gehört neben Schreibtisch, Bibliothek und Hörsaal auch das Ermöglichen eines Studentenlebens, das einen auf menschlicher Ebene voranbringt.

    "Die Leute, die ein besseres Abitur haben, haben nun mal bei den Prüfungen besser abgeschlossen. Punkt. Die sollten dann auch den Studienplatz bekommen."

    Die Abiturprüfungen sind ja nicht wirklich miteinander vergleichbar.
    Man könnte sich auch fragen, ob ein Studienbewerber mit einem Schnitt von 1,4 wirklich "schlechter" ist als einer mit 1,1. Es kann auch nicht das Ziel sein, dass Abiturienten vermeintlich leichtere Fächer in der Oberstufe wählen, die nichts mit dem Zielstudiengang zu tun haben, nur um zu diesen zugelassen werden zu können.
    Ansonsten verweise ich auf meinen Kommentar Nr. 17.

  5. wirklich leichter geworden. Sicher kann man es nicht direkt vergleichen, denn Zeitgeist bedingt ist weniger Hard-Skill erforderlich und mehr Soft-Skill, darüber mag man denken wie man will, es macht die Sache nicht unbedingt leichter.

    Allerdings gibt es Fächer, das kann man mit Soft-Skills Inkompetenz nicht wett machen. Wenn man Mathe und Physik. Chemie und Biologie betrachtet, sieht man schon, dass die Messlatte gesunken ist. Nicht gleichmäßig und auch nicht überall gleich, aber schon fühlbar.

    Beispiel: In Niedersachsen lernt der Mathe-EAN-ler nicht mehr das umgehen mit Termen, sondern lässt fast jede Rechnungn vom CAS, dem "Taschenrechner", machen, der sogar symbolisch rechnet. Das ist eine Katastrophe für jeden, der in den MINT-Fächern studieren will.

    4 Leserempfehlungen
    • nitric
    • 20. Mai 2013 19:24 Uhr

    Und was will uns der Artikel sagen? Das es schwer ist in Medizin einen Studienplatz zu bekommen, oder dass man sich das Studium wahlweise für 20.000 € Anwaltskosten, oder 26.400 € Semestergebühren erkaufen kann?
    Wie schön das man als Vermögender immer die Regeln umgehen kann. Der Rest muss halt warten, oder doch was anderes studieren.

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    ... sehr teuer. Es gibt aber zu wenig Mediziner. Was kann einem Staat dann besseres passieren, wenn es Leute gibt, die in Ungarn auf eigene Kosten studieren? Was soll deshalb die Neiddebatte?

    Ein Arzt und Kind reicher Eltern ist immer noch besser als kein Arzt.

    ich selber habe in Ungarn mein Physikum gemacht, und dann auch noch ein Deutschland geklagt, um danach weiter studieren zu können. Klar mein Abi war zu schlecht, aber deshalb habe ich mir das Studium nicht gekauft. Ich kann sogar im vergleich sagen, dass die Leute die in Ungarn waren um länger engagierter sind als die 1,0er. Das sind die Leute die sich Gedanken machen und aus Nächstenliebe Arzt werden. Sonst würde keiner solche Kosten auf sich nehmen. Es gibt Leute die das ganze per Kredit finanzieren und nach dem Studium auf riesen Schulden sitzen. Mit anderen Worten Ungarn ist der härtere Weg und man macht es nicht einfach so. Diese Vorurteile man würde sich das Studium kaufen gehen mir auf den Sack.
    Hier in Deutschland habe ich viel mehr Kommilitonen die aus Erbfolge oder Prestige den Beruf ergreifen. Zwischenmenschlich habe viele von denen gar nichts drauf. Das ist vielleicht traurig, entspricht aber leider der Wahrheit.

    • nitric
    • 21. Mai 2013 14:32 Uhr

    Ich habe in der Tat einen kleinen Formulierungsfehler begangen und hätte lieber Studienplatz schreiben sollen.
    Die Anforderungen in Ungarn sind wahrscheinlich genau so hoch, oder höher als in Deutschland. Gute Noten sind auch nicht käuflich, egal wo man studiert, oder ob man sich eingeklagt hat oder nicht.
    Ihre Wahl und Motivation für diesen Beruf stelle ich damit auch überhaupt nicht in Frage, im Gegenteil, wer wirklich will der findet einen Weg.
    Wenn man das ganze mit einem Kredit finanziert, ist es eine mutiger Schritt, der sich hoffentlich auch auszahlen wird.
    Dennoch beruht die Möglichkeit überhaupt studieren zu können einzig und allein auf die Aufbringung erheblicher finanzieller Mittel.
    Der Punkt ist, dass das gängige Vergabeverfahren mit Geld umgangen werden kann.

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  • Schlagworte Medizin | Hochschule | Abitur | EU-Bürger | Studiengebühr | ZVS
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