Medizinstudium : Lassen Sie mich durch...

...ich will Arzt werden! Wer Medizin studieren möchte und kein Spitzenabitur hat, muss warten, klagen oder auswandern

Da passt etwas nicht zusammen: Tanja Schmitt will unbedingt Medizin studieren – und hat einen Abiturschnitt von 2,5. Keine Chance, sagen die Freunde, sagen die Studienberater. Zwei Jahre müsse sie warten, mindestens, heißt es bei der ZVS, der zentralen Zulassungsstelle, die jährlich etwa 43.000 Bewerber auf 9.000 Studienplätze in Medizin vermittelt. Es ist das Jahr 2006, direkt nach ihrem Abitur. Aber Schmitt will ihr Wunschstudium nicht aufgeben. Sie will alles versuchen, um doch noch einen Studienplatz zu ergattern.

Eine Ausbildung machen

Tanja Schmitt erfährt, dass einzelne Hochschulen diejenigen bevorzugen, die einen fachnahen Ausbildungsberuf erlernt haben. Also lässt sie sich zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ausbilden: Jeder Tag, den sie während der Ausbildung im Krankenhaus verbringt, führt sie näher an ihr Ziel. Sie ist motiviert, begleitet jede Visite und löchert die Ärzte mit Fragen. Manchmal wird ihr gesagt, dass sie als Krankenschwester gar nicht so viel wissen müsse. Das ärgert sie. Zu Hause liest sie die Bücher, die sie im Studium lesen würde, und schlägt die Krankheiten ihrer Patienten nach. Sie beendet die Ausbildung erfolgreich. Jedes Semester bewirbt sie sich erneut um einen Studienplatz. Ohne Erfolg. Die Nachfrage nach Medizinstudienplätzen ist weiter gestiegen.

Etwas Ähnliches studieren und dann wechseln

In der Hoffnung, sich später Scheine in Physik, Chemie und Biologie anrechnen lassen zu können, beginnt Schmitt 2009, Biowissenschaften an der Uni Heidelberg zu studieren. "Ich habe gleich gemerkt, dass das Fach nichts für mich ist", sagt sie. Trotzdem wälzt sie Formelsammlungen, absolviert Prüfungen in Chemie und Physik. Doch sie merkt bald, dass sie zu wenige Scheine macht, um in der Medizin eine Chance zu haben. Und: Während sie an einer Universität eingeschrieben ist, werden ihr keine Wartesemester angerechnet.

Ins Ausland gehen

Nächster Versuch. Tanja Schmitts Hausarzt rät ihr, sich in Ungarn zu bewerben. Er habe dort studiert, seine Tochter ebenfalls. Die Studiengebühren schrecken sie erst einmal ab: 6.600 Euro kostet ein Semester in Pécs, einer Stadt nahe der kroatischen Grenze. Die dortige Universität ist beliebt bei ausländischen Studenten, sie bietet Medizinstudiengänge in deutscher Sprache an. Der Abischnitt ist nicht so wichtig. Ähnliche Möglichkeiten gibt es in Budapest, im tschechischen Brünn und in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei. Schmitt hätte sich auch in Österreich bewerben können. Aber das Nachbarland nimmt immer weniger deutsche Studenten. Eine Quote soll die Unis vor deutschen NC-Flüchtlingen schützen: Nur noch 20 Prozent der Studienplätze werden an EU-Bürger vergeben.

Schmitt bewirbt sich also in Pécs. Erst als sie die Zusage hat, erzählt sie ihrem Vater davon. Und von den Studiengebühren. Der übernimmt sie schließlich. Beide glauben, sie bleibe nur ein Semester dort und bekomme dann einen Studienplatz in Deutschland.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Oberstufen-LK

Wie wollen Sie mir dieses Versichern? Biochemie existiert in der Schule als eigenständiges Fach in der Regel doch überhaupt nicht. In der Oberstufe ist es möglich, zumindest in meinem Bundesland, alle Naturwissenschaften, bis auf eine, abzuwählen. DIe Aufgaben des Physikums sind im Internet einsehbar und somit auch der Schwierigkeitsgrad, bzw. der Anspruch in den einzelnen Fächern.

Wir haben einfach zu wenig Studienplätze ...

... für Mediziner. Denn ausgebildete Ärzte sind in Deutschland nun einmal Mangelware. In welchem anderen Fach gibt es das schon, dass einfach jeder einen Job bekommt? Und jetzt holen wir uns die Leute von Universitäten aus Kasachstan. Mangelnde Sprachkenntnisse sollenin den Kliniken langsam zum Sicherheitsproblem werden: (http://www.spiegel.de/kar.... Das kann nicht die Lösung sein.

Da sind mir in Deutschland ausgebildete Mediziner allemal lieber - auch solche die besonders gut auswendig lernen können und die sie als „Flachforscher" bezeichnen würden. "Kompetenzentwicklung statt auswendig lernen" klingt schick, ich lasse mich trotzdem lieber von einem Arzt behandelt, der weiß, wo meine Aorta verläuft.

LK-Niveau

Nachdem Biochemie gar nicht als eigenständiges Fach existiert, muss es ja per definitionem ein höheres Niveau haben :)

Aber nachdem Biologie und Chemie als eigenständige Fächer existieren, kann man durchaus einen Vergleich ziehen. Und die Studenten in meinem Bekanntenkreis finden das Niveau subjektiv höher als in den jeweiligen LKs. Natürlich sind das Einzelmeinungen aus bestimmten Abiturjahrgängen in BW bzw. BY, aber Grundkursniveau ist wahrlich untertrieben.

Na toll

dann verlieren die jungen Menschen noch zwei Jahre mehr.
Ist es nicht sinnvoll, dass nur die Besten unsere zukünftigen Ärzte werden?
Warum ist das Abi nicht mehr geeignet die Spreu vom Weizen bei den Studenten zu trennen? Falls das Deutsche Abi wirklich kein geeignetes Selektionskriterium wäre, müsste man eben Studienzugangstests einführen - aber bitte nicht die jungen Menschen 2-5 Jahre studieren lassen, bis sie merken - Medizin ist zu schwer - danach 2-5 Jahre das nächste.

So im nachhinein hat QW recht.

Für meine Biochemie-Klausur habe ich 6 Tage gelernt (5 Tage ein Buch(Intensivkurs) gelesen und Stoffwechselkreisläufe gepaukt, 1 Tag alte Fragen gekreuzt)... hat für ne 2 gereicht.

Das Chemie-LK Niveau war wirklich höher...

Es werden ja auch kaum Verständnis-Fragen gestellt, leider.
Das wirkt sich auf die QALY der Ärzte aus.

(Um es mal etwas überspitzt zu formulieren: auf die qualitätskorrigierten Lebensjahre die den Patienten verbleiben!)

Es wäre wirklich von Vorteil wenn der Zugang zum Studium durch objektive Eingangstests ermöglicht wird. (chemisches-, biologische-, physikalisches Verständnis)

Jedenfalls sinnvoller als die jetzige Regelung an vielen Unis, das Gymnastiklehrer, Logopäden, Bademeister usw. bevorzugt werden.

Aber absolvierte Studienzeit in Bio,Chemie... nicht anerkannt wird.

Hier muss sich echt was tun mir wird Angst und Bange wenn ich sehe was für ahnungslose Leute die Klausuren bestehen!

Unmenschlich?

Naja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig, aber unmenschlich?

Zum Thema, dass die "armen Ärzte" sich ja auch noch zum Facharzt ausbilden lassen müssen. Die Facharztausbildung ist Teil der ärztlichen Tätigkeit und nicht eben mal eine Fortbildung. Die Ärzte sollten nicht vergessen, dass sie die Facharztausbildung nicht nur nicht bezahlen müssen, sondern derweil auch angestellt sind, von der Solidargemeinschaft also bezahlt werden.

Erzählen Sie das mal einem angehenden Psychotherapeuten, der seine mehrjährige Therapieausbildung nicht nur selber bezahlen muss, sondern derweil auch noch ein Jahr unbezahlt in der Psychiatrie arbeiten muss - während das Krankenhaus dafür von der Krankenkasse die vollen Sätze einstreicht.

was genau wollen Sie uns jetzt sagen?

Ihre Ärzte in Facharztausbildung übernehmen oft genug die Stationsleitung und führen Nachtdienste eigenverantwortlich nur mit Hintergrunddienst durch.
Sie hospitieren also nicht nur, sondern sind Ärzte im wahrsten Sinn.
Zudem nur ihre ärztliche Tätigkeit bezahlt wird. Kurse, die zu besuchen sind, finden außerhalb der Arbeitszeit und gegen Entgelt statt.

der Vergleich mit Psychotherapeuten hinkt - niemand in Deutschland ist verpflichtet, für die psychotherapeutische Ausbildung vorher Psychologie studiert zu haben. Die Ausbildung ist Ärzten genauso erlaubt, zumal Sie ja selbst davon sprechen, dass diese für Ärzte auch noch günstiger ist.

Zumal auch die Kassenzulassung für ärztl. Psychotherapeuten schon viel länger da ist, als für die der psychol. Psychotherapeuten.

Wenn sich nunmehr Psychologen, die 9-10 Semester Regelstudienzeit haben, darüber beklagen, dass Ärzte, die 12 Semester Regelstudienzeit haben, für ihre Ausbildung zum Therapeuten ein Jahr kostenlos arbeiten müssen, dann ist das m.E. deren Problem.

Bitte geben Sie Ihrem Kommentar eine aussagekräftige Übersc

Ich habe in der Tat einen kleinen Formulierungsfehler begangen und hätte lieber Studienplatz schreiben sollen.
Die Anforderungen in Ungarn sind wahrscheinlich genau so hoch, oder höher als in Deutschland. Gute Noten sind auch nicht käuflich, egal wo man studiert, oder ob man sich eingeklagt hat oder nicht.
Ihre Wahl und Motivation für diesen Beruf stelle ich damit auch überhaupt nicht in Frage, im Gegenteil, wer wirklich will der findet einen Weg.
Wenn man das ganze mit einem Kredit finanziert, ist es eine mutiger Schritt, der sich hoffentlich auch auszahlen wird.
Dennoch beruht die Möglichkeit überhaupt studieren zu können einzig und allein auf die Aufbringung erheblicher finanzieller Mittel.
Der Punkt ist, dass das gängige Vergabeverfahren mit Geld umgangen werden kann.