Sie integrieren junge Arbeitslose in die Berufswelt und helfen privaten Pleitieres, wieder ins Leben zurückzufinden. Sozialunternehmer kümmern sich um die Benachteiligten der Gesellschaft und sind dabei manchmal erstaunlich innovativ. Eine gute Sache also. Bloß gibt es in Deutschland nur wenige Firmen dieser Art. Rund 1.700 zählte der Mercator Forschungsverbund im Sommer 2011.

Der Hauptgrund dafür: Es fehlt an Geld. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Forschungsgesellschaft Impact Investing in Deutschland Impact in Motion im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Demnach schreckt viele Investoren die Aussicht, ihr Geld in einen noch jungen und eher unübersichtlichen Markt zu stecken. Bislang beträgt das geschätzte Investitionsvolumen in soziale Unternehmen in Deutschland gerade einmal 24 Millionen Euro.

Damit sich mehr soziale Firmen entwickeln können, bedarf es laut der Studie mehr Möglichkeiten, in sie zu investieren. Das können Sparbriefe, direkte oder indirekte Unternehmensbeteiligungen sein, die Fondsgesellschaften oder sozial orientierte Banken wie die GLS Bank anbieten.

Darüber hinaus schlägt die Studie eine Art Anschubfinanzierung vor – Subventionen und Fördermittel, die vom Staat, von Stiftungen und privaten Wohltätern aufgewendet würden. Mit diesem Geld könnten soziale Investmentfonds mit Kapital ausgestattet, und es könnte eine Investmentbank aufgebaut werden, die ausschließlich soziale Unternehmen finanziert. In Großbritannien gibt es eine solche Bank bereits – sie verfügt über ein Volumen von 600 Millionen Pfund. Auch sollen Informationsportale und soziale Börsen entstehen, über die Interessenten Angebote überhaupt erst finden. Spezielle Berater könnten potenzielle Geldgeber bei ihrem Investment unterstützen.

Aber funktioniert das? Niemand kann Privatleute oder Institutionen verpflichten, ihr Geld in soziale Projekte zu stecken. Zudem ist die Wirkung von Subventionen umstritten. In der Solarbranche etwa flossen reichlich staatliche Mittel und erzeugten ein künstliches Wachstum. Die Folge: Viele Unternehmen fielen im Wettbewerb zurück.

Johannes Weber, Gesellschafter von Impact in Motion, ist Gründungsmitglied des Social Impact Fund, eines der wenigen Fonds, der in soziale Firmen investiert. Er glaubt, dass Subventionen am Anfang den Markt für soziale Unternehmen beleben würden. "Besteht dann einmal großes Angebot, entwickelt sich die Nachfrage dazu." Mehr Kapital und Übersicht im Markt bewege Anleger wie Banken und Vermögensverwalter dazu, ihr Geld zum Wohl der Gesellschaft anzulegen. So wiederum könne das langfristige Ziel erreicht werden: ein Markt ohne Subventionen.

Es ist allerdings zweifelhaft, ob mehr Angebot wirklich mehr Nachfrage schafft. Michael Thöne, Geschäftsführer des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Universität Köln, bezweifelt das. Künstlich erzeugte Nachfrage sei nicht nachhaltig, sagt Thöne. Der Wissenschaftler beobachtet, dass indirekte staatliche Subventionen wie Steuererleichterungen Investoren anlocken, die sonst nie in ein Projekt investiert hätten. Thöne hält andere Ansätze der Studie für sinnvoller – etwa den Vorschlag, Stiftungen flexibler zu machen. Vermögensverwaltung und Fördertätigkeit sind bei Stiftungen strikt getrennt: Die Vermögensverwaltung erwirtschaftet die Mittel, die später ausgeteilt werden. Impact Investing ist laut Studie für Stiftungen ein geeignetes Mittel, um Teile ihres Vermögens zu gewinnen und diese Mittel dann in soziale Projekte zu stecken. "Mehr Spielraum kann dazu beitragen, dass vielversprechende soziale Unternehmen Finanzierer finden", sagt Thöne.

Um das Potenzial auf dem jungen Markt zu fördern, ist auch die Politik aktiv geworden. Das Bundesfamilienministerium hat Anfang 2012 ein Programm mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufgelegt, über das ein Sozialunternehmen bis zu 200.000 Euro Beteiligungskapital erhalten kann. Um sich für das Programm bewerben zu können, muss das Sozialunternehmen allerdings bereits einen Investor gefunden haben.