Soziale UnternehmenKaum Geld für Gutes

Warum es soziale Unternehmen in Deutschland schwer haben. von Christina Kyriasoglou

Sie integrieren junge Arbeitslose in die Berufswelt und helfen privaten Pleitieres, wieder ins Leben zurückzufinden. Sozialunternehmer kümmern sich um die Benachteiligten der Gesellschaft und sind dabei manchmal erstaunlich innovativ. Eine gute Sache also. Bloß gibt es in Deutschland nur wenige Firmen dieser Art. Rund 1.700 zählte der Mercator Forschungsverbund im Sommer 2011.

Der Hauptgrund dafür: Es fehlt an Geld. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Forschungsgesellschaft Impact Investing in Deutschland Impact in Motion im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Demnach schreckt viele Investoren die Aussicht, ihr Geld in einen noch jungen und eher unübersichtlichen Markt zu stecken. Bislang beträgt das geschätzte Investitionsvolumen in soziale Unternehmen in Deutschland gerade einmal 24 Millionen Euro.

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Damit sich mehr soziale Firmen entwickeln können, bedarf es laut der Studie mehr Möglichkeiten, in sie zu investieren. Das können Sparbriefe, direkte oder indirekte Unternehmensbeteiligungen sein, die Fondsgesellschaften oder sozial orientierte Banken wie die GLS Bank anbieten.

Darüber hinaus schlägt die Studie eine Art Anschubfinanzierung vor – Subventionen und Fördermittel, die vom Staat, von Stiftungen und privaten Wohltätern aufgewendet würden. Mit diesem Geld könnten soziale Investmentfonds mit Kapital ausgestattet, und es könnte eine Investmentbank aufgebaut werden, die ausschließlich soziale Unternehmen finanziert. In Großbritannien gibt es eine solche Bank bereits – sie verfügt über ein Volumen von 600 Millionen Pfund. Auch sollen Informationsportale und soziale Börsen entstehen, über die Interessenten Angebote überhaupt erst finden. Spezielle Berater könnten potenzielle Geldgeber bei ihrem Investment unterstützen.

Aber funktioniert das? Niemand kann Privatleute oder Institutionen verpflichten, ihr Geld in soziale Projekte zu stecken. Zudem ist die Wirkung von Subventionen umstritten. In der Solarbranche etwa flossen reichlich staatliche Mittel und erzeugten ein künstliches Wachstum. Die Folge: Viele Unternehmen fielen im Wettbewerb zurück.

Johannes Weber, Gesellschafter von Impact in Motion, ist Gründungsmitglied des Social Impact Fund, eines der wenigen Fonds, der in soziale Firmen investiert. Er glaubt, dass Subventionen am Anfang den Markt für soziale Unternehmen beleben würden. "Besteht dann einmal großes Angebot, entwickelt sich die Nachfrage dazu." Mehr Kapital und Übersicht im Markt bewege Anleger wie Banken und Vermögensverwalter dazu, ihr Geld zum Wohl der Gesellschaft anzulegen. So wiederum könne das langfristige Ziel erreicht werden: ein Markt ohne Subventionen.

Es ist allerdings zweifelhaft, ob mehr Angebot wirklich mehr Nachfrage schafft. Michael Thöne, Geschäftsführer des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Universität Köln, bezweifelt das. Künstlich erzeugte Nachfrage sei nicht nachhaltig, sagt Thöne. Der Wissenschaftler beobachtet, dass indirekte staatliche Subventionen wie Steuererleichterungen Investoren anlocken, die sonst nie in ein Projekt investiert hätten. Thöne hält andere Ansätze der Studie für sinnvoller – etwa den Vorschlag, Stiftungen flexibler zu machen. Vermögensverwaltung und Fördertätigkeit sind bei Stiftungen strikt getrennt: Die Vermögensverwaltung erwirtschaftet die Mittel, die später ausgeteilt werden. Impact Investing ist laut Studie für Stiftungen ein geeignetes Mittel, um Teile ihres Vermögens zu gewinnen und diese Mittel dann in soziale Projekte zu stecken. "Mehr Spielraum kann dazu beitragen, dass vielversprechende soziale Unternehmen Finanzierer finden", sagt Thöne.

Um das Potenzial auf dem jungen Markt zu fördern, ist auch die Politik aktiv geworden. Das Bundesfamilienministerium hat Anfang 2012 ein Programm mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufgelegt, über das ein Sozialunternehmen bis zu 200.000 Euro Beteiligungskapital erhalten kann. Um sich für das Programm bewerben zu können, muss das Sozialunternehmen allerdings bereits einen Investor gefunden haben.

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Leserkommentare
    • Nous
    • 19. Mai 2013 17:40 Uhr

    Hallo alle zusammen,

    was ich mir bei diesem Artikel und allgemein beim Thema Soziale Arbeit (und soziale Unternehmen) frage ist, wie in diese Unternehmen investierte Mittel wiederum Gewinn abwerfen sollen? Ich meine, wenn ein Investor eine Investitionsmöglichkeit sucht, dann will er doch daraus Gewinn ziehen, aber wie kann ein soziales Unternehmen mit den investierten Mitteln Gewinn erzielen? Ich hoffe da kann mir jemand helfen :-)

    Liebe Grüße,
    Alex

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    Soziale Unternehmen können prinzipiell Gewinne erwirtschaften wie andere Unternehmen auch, indem die Erträge über den Aufwendungen liegen. Als Fair-Trade-Unternehmen können Sie bspw. wirtschaften wie jedes normale Unternehmen auch, aber sie garantieren bestimmte soziale Faktoren und reichen die Kosten an die Kundschaft weiter, die aus ideellen Gründen bereit ist, diese höheren Kosten zu übernehmen. Diese sozialen Unternehmen verkaufen praktisch zwei Produkte. Einmal das klassische Produkt (bspw. Kaffeee) und zum anderen ein gutes Gewissen (dem Kaffeebauer geht es besser als dem Kaffeebauern der konventionellen Hersteller).

    Dass soziale Unternehmen so wenig Unterstützung bekommen, ist bedauerlich. Überall beschweren sich Leute über mangelnde Solidarität, soziale Ungerechtigkeit etc. pp. Dagegen kann jeder etwas tun, aber natürlich ist es bequemer, die soziale Verantwortung allein den "Reichen" zuzuschieben. Dabei ist nicht mal ein schmaler Geldbeutel eine Ausrede. Über Crowdfunding kann man mittlerweile auch mit kleinem Geld einen Beitrag leisten.

    • Nous
    • 19. Mai 2013 19:58 Uhr

    Vielen Dank Herr Wilke für die Antwort. Das mit dem Verkauf von Produkten wie Kaffee zu fair gehandelten Preisen leuchtet natürlich ein, aber wie können z.B. Unternehmen die Jugendlichen bei der Eingliederung ins Arbeitsleben helfen, Gewinne erzielen? (Ich denke mal nicht, dass diese dann den berufstätigen Jugendlichen eine Rechnung vorlegen.)

    Liebe Grüße

  1. ist eine Plattform wo geber und nehmer sich treffen können.

  2. 3. Gewinn

    Soziale Unternehmen können prinzipiell Gewinne erwirtschaften wie andere Unternehmen auch, indem die Erträge über den Aufwendungen liegen. Als Fair-Trade-Unternehmen können Sie bspw. wirtschaften wie jedes normale Unternehmen auch, aber sie garantieren bestimmte soziale Faktoren und reichen die Kosten an die Kundschaft weiter, die aus ideellen Gründen bereit ist, diese höheren Kosten zu übernehmen. Diese sozialen Unternehmen verkaufen praktisch zwei Produkte. Einmal das klassische Produkt (bspw. Kaffeee) und zum anderen ein gutes Gewissen (dem Kaffeebauer geht es besser als dem Kaffeebauern der konventionellen Hersteller).

    Dass soziale Unternehmen so wenig Unterstützung bekommen, ist bedauerlich. Überall beschweren sich Leute über mangelnde Solidarität, soziale Ungerechtigkeit etc. pp. Dagegen kann jeder etwas tun, aber natürlich ist es bequemer, die soziale Verantwortung allein den "Reichen" zuzuschieben. Dabei ist nicht mal ein schmaler Geldbeutel eine Ausrede. Über Crowdfunding kann man mittlerweile auch mit kleinem Geld einen Beitrag leisten.

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  3. "Soziale Untrenehmen haben es immer noch (wieso immer noch?) schwer, Geldgeber zu finden".
    So auf Anhieb würde ich sagen, daß 95 Prozent derjenigen, die Geld haben und Geld geben könnten, dieses nur hergeben (investieren), wenn sie Profit zu erwarten haben.
    Das ist der Mainstream, der Strom, der den Kapitalismus antreibt. Es ist Lehrstoff eines jeden betriebswirtschaftlichen Studiums, nicht in etwas zu investieren, was nicht Profit verspricht.
    Die Universitäten werfen Jahr für Jahr fertige Wirtschaftsfachleute auf den Markt, die nichts gelernt haben als in Profitraten zu denken und zu rechnen.

    Prüfungsfrage: Ein Schiff fährt mit 500 Sklaven an Bord von Afrika nach Amerika. Davon werden ca. 10 Prozent unterwegs sterben. Nimmt der Kapitän gleich 550 mit sterben 15 Prozent. Was soll der Kapitän machen?
    Richtige Lösung: 550 mitnehmen.

    In dieser Welt leben wir, müssen wir leben. Diese Welt wurde so gemacht, von denen, die leben um Profite zu "erwirtschaften". Selbst unsere Demokratie hat uns vor solchen Menschen nicht beschützt. Wie schon immer in der Geschichte der Menschheit, müssen viele Menschen für einige wenige arbeiten.

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    • Nous
    • 19. Mai 2013 19:58 Uhr

    Vielen Dank Herr Wilke für die Antwort. Das mit dem Verkauf von Produkten wie Kaffee zu fair gehandelten Preisen leuchtet natürlich ein, aber wie können z.B. Unternehmen die Jugendlichen bei der Eingliederung ins Arbeitsleben helfen, Gewinne erzielen? (Ich denke mal nicht, dass diese dann den berufstätigen Jugendlichen eine Rechnung vorlegen.)

    Liebe Grüße

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    [...aber wie können z.B. Unternehmen die Jugendlichen bei der Eingliederung ins Arbeitsleben helfen, Gewinne erzielen? (Ich denke mal nicht, dass diese dann den berufstätigen Jugendlichen eine Rechnung vorlegen.]

    Nun ja, prinzipiell möglich wäre es natürlich schon, dass die Jugendlichen nach erfolgreicher Eingliederung ins Arbeitsleben einen Teil ihres dieser Eingliederung zu verdankenden Einkommens an das Sozialunternehmen überweisen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Sozialunternehmer diese Jugendlichen qualifizieren und schließlich an Unternehmen vermitteln, denen dafür eine Rechnung gestellt wird. Gerade ersteres würde aber sich auf Protest stoßen.

    Weil die Monetarisierung schwierig ist und mir auch keine Beispiele bekannt sind, halte ich es für etwas problematisch, gerade diesen Bereich als Beispiel für soziales Unternehmertum im Artikel zu nennen. So verschwimmt die sowieso schon schwere Abgrenzung von spendengetriebenen Non-Profit-Organisationen und sozialen Unternehmen. Ein Unternehmen wie Lemonaid wäre da besser gewesen,

    Ein soziales Unternehmen verdient damit Geld, dass es bspw. 100 EUR fuer die Eingliederung von schwervermittelbaren Jugendlichen in den Arbeitsmarkt erhaelt, aber nur 50 EUR dafuer ausgibt. Man solle bloss nicht glauben, weil Sozial im Namen davor steht, waeren das grundsaetzlich besser gesinnte Menschen, nein sie bieten Leistungen fuer den Staat an mit dem Versprechen etwas billiger machen zu koennen als der Staat. Die Differenz faellt dann zum Teil als Profit an, aber das kann auch bedeuten, dass die Mitarbeiter schlechter bezahlt werden, als die Mitarbeiter die das gleiche beim Staat machen wuerden. Ich habe als Zivildienstleistender bei der Caritas gearbeitet, der Laden hat seinerzeit ungefaehr 2000 DM pro Monat vom Bund bekommen, ich davon DM 800 bekommen und der zu betreuende Behinderte hatte noch DM 600 zu bezahlen. Also hat die Caritas einen Rohgewinn von DM 1,600 gemacht. Das Bundesamt fuer Zivildienst sah sich offensichtlich nicht in der Lage einen Behinderten zu finden, den ich 7-Tage die Woche, 24 h am Stueck bei ihm zuhause und dann eine Woche frei betreuen konnte. Dafuer haben die jeden Monat DM 1,600 bezahlt, 24 Monate lang. Macht einen Rohgewinn von ca DM 39000. Gut ein paar Formulare musste die Caritas auch ausfuellen. Das ist sozial.

  4. Der Sozialm,arkt - wenn man es so nennen will - in D ist von großen Organisationen wie der Caritas besetzt. Dank des Sozialstaats fehlt es auch an der Bereitschaft, auch noch so wenig für soziale Leistungen zu bezahlen. Startup-Investoren gehen dort hin, wo die meiste Rendite winkt und im sozialen Bereich gibt es sie sicher nicht. Dabei gibt es schon interessante Projekte etwa im Bereich Behinderung, siehe http://www.aktion-mensch....

  5. [...aber wie können z.B. Unternehmen die Jugendlichen bei der Eingliederung ins Arbeitsleben helfen, Gewinne erzielen? (Ich denke mal nicht, dass diese dann den berufstätigen Jugendlichen eine Rechnung vorlegen.]

    Nun ja, prinzipiell möglich wäre es natürlich schon, dass die Jugendlichen nach erfolgreicher Eingliederung ins Arbeitsleben einen Teil ihres dieser Eingliederung zu verdankenden Einkommens an das Sozialunternehmen überweisen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Sozialunternehmer diese Jugendlichen qualifizieren und schließlich an Unternehmen vermitteln, denen dafür eine Rechnung gestellt wird. Gerade ersteres würde aber sich auf Protest stoßen.

    Weil die Monetarisierung schwierig ist und mir auch keine Beispiele bekannt sind, halte ich es für etwas problematisch, gerade diesen Bereich als Beispiel für soziales Unternehmertum im Artikel zu nennen. So verschwimmt die sowieso schon schwere Abgrenzung von spendengetriebenen Non-Profit-Organisationen und sozialen Unternehmen. Ein Unternehmen wie Lemonaid wäre da besser gewesen,

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  6. Ein soziales Unternehmen verdient damit Geld, dass es bspw. 100 EUR fuer die Eingliederung von schwervermittelbaren Jugendlichen in den Arbeitsmarkt erhaelt, aber nur 50 EUR dafuer ausgibt. Man solle bloss nicht glauben, weil Sozial im Namen davor steht, waeren das grundsaetzlich besser gesinnte Menschen, nein sie bieten Leistungen fuer den Staat an mit dem Versprechen etwas billiger machen zu koennen als der Staat. Die Differenz faellt dann zum Teil als Profit an, aber das kann auch bedeuten, dass die Mitarbeiter schlechter bezahlt werden, als die Mitarbeiter die das gleiche beim Staat machen wuerden. Ich habe als Zivildienstleistender bei der Caritas gearbeitet, der Laden hat seinerzeit ungefaehr 2000 DM pro Monat vom Bund bekommen, ich davon DM 800 bekommen und der zu betreuende Behinderte hatte noch DM 600 zu bezahlen. Also hat die Caritas einen Rohgewinn von DM 1,600 gemacht. Das Bundesamt fuer Zivildienst sah sich offensichtlich nicht in der Lage einen Behinderten zu finden, den ich 7-Tage die Woche, 24 h am Stueck bei ihm zuhause und dann eine Woche frei betreuen konnte. Dafuer haben die jeden Monat DM 1,600 bezahlt, 24 Monate lang. Macht einen Rohgewinn von ca DM 39000. Gut ein paar Formulare musste die Caritas auch ausfuellen. Das ist sozial.

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