Stimmt’s?Neigen verliebte Köche dazu, das Essen zu versalzen?

...fragt Guy Poupart aus Rygge (Norwegen) von 

Salz galt schon in der Antike als regelrechtes Aphrodisiakum. Wollen Koch oder die Köchin mit einer übermäßigen Zugabe von Salz den möglichen Sexualpartner in Stimmung bringen? Oder sind sie einfach mit den Gedanken woanders, sodass ihnen der Salzstreuer ausrutscht?

Mit einer ganz wissenschaftlichen Erklärung wartete im März das Technologie-Transfer-Zentrum (ttz) Bremerhaven auf, das vor allem für die Lebensmittelindustrie forscht. Rechtzeitig zum Valentinstag hatte man 46 Testpersonen ins Labor geholt, ein Teil davon nach eigenen Angaben frisch verliebt. Mit den Probanden wurden Geschmackstests durchgeführt, die Forscher untersuchten aber auch ihr Blut auf Hormone, die mit der Liebe zu tun haben, wie Testosteron und Oxytocin. Und tatsächlich stellte sich heraus, "dass die frisch Verliebten eine eher hohe Salzschwelle im Vergleich zu den Singles und den Personen, die schon länger in einer Beziehung leben, besitzen". Höhere Salzschwelle – das heißt, sie müssen mehr Salz ins Essen schütten, um subjektiv denselben Geschmackseindruck zu erreichen.

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Das sieht nach einer glanzvollen wissenschaftlichen Bestätigung des Spruchs vom verliebten Koch aus. Geht man allerdings ins Archiv, dann findet man eine Meldung aus dem Jahr 2010: Ebenfalls am ttz wurden Geschmackstests mit 70 Probanden durchgeführt, die Hälfte war ebenfalls verliebt – aber damals kam heraus, dass die Verliebten das Salz stärker schmeckten. Was stimmt denn nun?

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Auf den Widerspruch angesprochen, betont der ttz-Sprecher Christian Colmer, dass die neuere Studie (also die mit der höheren Salzschwelle) der älteren vorzuziehen sei, weil sie objektive Messwerte heranziehe. Es handele sich aber nur um eine Art Vorstudie, die "erste wissenschaftliche Aussagen" erlaube.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Ich bin immer davon ausgegangen, dass verliebte Köche deswegen das Essen versalzen, weil sie im Überschwang der Ausnahmesituation dazu neigen alles zu übertreiben. Tänzelnd und singend, an die Geliebte denkend, werfen sie wild mit Gewürzen um sich. Die Hormone wirken wie eine Line Koks auf sie und sie glauben mit einem geübten Wurf aus dem gelockerten Handgelenk lässig die richtige Menge Salzes zu erwischen. Beim Abschmecken sind sie dann genauso nachlässig und denken nur an das Date nach der Schicht.

    Die beschrieben Studien geben möglicherweise Hinweise daruf, ob sich der Geschmacksinn unter dem Einfluss des Verliebtseins verändert (oder eben nicht). Aber sie sagen nichts darüber aus, ob das Sprichtwort vom liebestrunkenen und versalzenden Koch richtig ist oder nicht, weil die Autoren der Studien andere Ursachen für das Versalzen als einen veränderten Geschmacksinn überhaupt nicht in Betracht ziehen (soweit aus diesem Artikel erkennbar), wie bespielsweise eine gesteigerte Überschwänglichkeit und Abgelenktheit. Die Akuratesse lässt nach, weil der Verliebte auf seiner rosa Wolke glaubt, dass es das Schicksal so gut ihm meint, dass von jetzt an in seinem Leben nichts mehr schief gehen kann, vollzieht sich doch gerade das größte denkbare Glück an ihm.

    4 Leserempfehlungen
  2. "Ist die Suppe versalzen, war der Koch verliebt – so lautet zumindest eine alte Binsenweißheit."

    hans, der rechtschreibflamer ;-)

    Eine Leserempfehlung
    • Oyamat
    • 20. Mai 2013 17:18 Uhr

    Unter Beobachtung verhalten sich nicht nur Elementarteilchen, sondern auch Menschen nicht so wie sonst. Wenn dann noch Verliebtsein dazukommt, was ja zumindest bei manchen Leuten das Verhalten auch ändert... was soll da bei einem Versuch noch herauskommen, wenn nicht total aberrante Ergebnisse?

    Ach ja, @ Kommentar 1 (arthur_digby_sellers): Sie sollten den Artikel lesen, bevor Sie behaupten, er würde etwas "überhaupt nicht in Betracht ziehen"...

    MGv Oyamat

    Eine Leserempfehlung
    • raflix
    • 20. Mai 2013 19:11 Uhr

    ... sind 46 oder 70 Menschen überhaupt statistisch relevant?

  3. ...steht da jetzt "Weißheit" statt "Weisheit"...wenn man schon so einen Artikel veröffentlichen muss, dann doch bitte ohne peinliche Rechtschreibfehler.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...sind der Artikelschreiber und die Leute in der Redaktion ja auch frisch verliebt - und sind deswegen "blind vor Liebe" ;-)

  4. ...sind der Artikelschreiber und die Leute in der Redaktion ja auch frisch verliebt - und sind deswegen "blind vor Liebe" ;-)

    Antwort auf "Seit 8 Stunden..."
  5. Er/sie denkt beim Salzen zehn Minuten an den/die Liebste(n). Danach ist das Essen versalzen.

    So jedenfalls die Folklore hier.

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Köche | Essen | Liebe
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