Studienanfänger : Die Lückenfüller

Studienanfänger kommen zunehmend ohne Abitur oder schlecht vorbereitet an die Unis. Diese müssen nun Nachhilfe geben

So einer wie Leopold Kittel, der hat doch an einer Universität nichts verloren. Einer mit Realschulabschluss, Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker und mit Meistertitel. Das hätte man früher gedacht. Doch heute ermutigen Bildungspolitiker gerade Berufstätige wie ihn zu einem Studium; denn es fehlen Ingenieure.

Kittel möchte Fahrzeugtechnik studieren, aber sein Vorwissen reicht dafür nicht. "Ich habe kein Abitur und bin seit vier Jahren aus der Schule", sagt der 21-Jährige aus Aschaffenburg, "ich habe in fast allen Fächern Nachholbedarf." Fünf Monate noch hat er Zeit, dann beginnt das Wintersemester. "Ich muss sehen, was ich aufholen kann."

Leopold Kittel nimmt jetzt Nachhilfe. An der Uni. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Universität Stuttgart haben seit 2011 ein Kolleg, an dem studienvorbereitende und studienbegleitende Kurse in Mathematik, Chemie und Physik angeboten werden. Damit sollen Studienanfänger nachqualifiziert werden vor allem für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Hier sind die Abbrecherraten im Studium besonders hoch, zugleich herrscht Fachkräftemangel. "Wir wollen die Leute frühzeitig erreichen, damit sie erfolgreich ins Studium starten können und nicht gleich frustriert abbrechen, wenn sie in einem Fach Probleme haben", sagt Claudia Goll, Leiterin des Mint-Kollegs. 

Immer mehr Unis bessern Wissenslücken ihrer Studienanfänger aus

Man könnte auch sagen: Sie muss das ausbügeln, was die Schulen versäumt haben. An den Vorkursen im vergangenen Wintersemester haben an den beiden Standorten fast 4.000 junge Leute teilgenommen, 1.500 Studenten sind derzeit in den Semesterkursen eingeschrieben. Jeder zweite Studienanfänger in den Mint-Fächern in Stuttgart und Karlsruhe belegt mindestens einen Nachhilfekurs. Es gibt Teilnehmer wie Leopold Kittel, die extra dafür nach Stuttgart ziehen, auch wenn sie später woanders studieren wollen.

Auch in anderen Bundesländern bessern immer mehr Unis die Wissenslücken ihrer Studienanfänger aus. An der TU Ilmenau etwa gibt es eine sogenannte Basic Engineering School für Erstsemester, die Uni Hamburg hat ein Universitätskolleg aufgebaut, das unter anderem Crashkurse in Naturwissenschaften anbietet. Daneben florieren private Nachhilfeinstitute wie etwa Vlax in Dresden, wo jährlich rund 600 Studenten pauken.

Der Bedarf ist offenkundig groß. Nach noch unveröffentlichten Zahlen des Hochschul-Informations-Systems (HIS) fühlten sich 61 Prozent der im Wintersemester 2011/12 befragten Studienanfänger nicht gut vorbereitet auf das akademische Lernen. Selbst bei denjenigen, die Mathematik studieren, sagt jeder Fünfte, dass die Mathekenntnisse aus der Schule nicht ausreichen für das Studium.

Dabei sind die Studenten heute nicht unbedingt dümmer als früher, aber sie sind jünger, und sie rekrutieren sich, anders als vor 20 Jahren, nicht mehr ausschließlich aus Gymnasien. Das ist politisch gewollt, führt jedoch zu Anpassungsschwierigkeiten. 2009 hat die Kultusministerkonferenz die Hochschulen auch für Berufstätige ohne Abitur geöffnet. Konnten vorher schon Meister studieren, kommen nun auch Techniker oder Buchhändlerinnen mit Berufserfahrung in den Hörsaal. Dazu wächst die Zahl der ausländischen Studenten. "Die Studierendenschaft ist vielfältiger geworden", sagt Goll, "und damit auch der Leistungsstand."

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Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Och ja, der einsame Wolf der Orthographie.

Stimmt, der fehlte noch. Das sind nämlich alles keine Fehler, das ist Ausdruck der persönlichen Kulturrevolution und der sich über den/die Profanschreiber/in erhebenden Wörtergiganten vom Wörtersee.
Laß stecken. Ich lese auch lieber Belletristik als Fachbücher - dennoch ist nun mal die geschriebene und gesprochene Sprache mit ein Garant für das Verstehen von bestimmten Zusammenhängen (geschenkt, daß Sprache [und auch Mathe] selbstverständlich ein konstruiertes "Ding" und normativ ist - genau deshalb funktioniert sie).
Außerhalb dieses Verstehenszusammenhanges ist es mir so was von schnurzpiepegal, wie die Leute schreiben - und auch in experimentellen Gemanistkseminaren hätte sowas seinen Platz, jedoch sind innerhalb eines wissenschaftlichen Gegenstandes nun mal ganz bestimmte Zubereitungen der Welt gefragt - sonst gelten die nicht, sondern werden beliebig - ebenso wie bestimmte persönliche "Akzente" in der Interpunktion. s.o.: eine beliebte Ausrede, wenn was danebengeht: "War volle Absicht."

Interessante Thesen

zum ersten was Profs und Lehrkräfte erwarten,
a) das Studenten besonders bei Ing. den Dreisatz, halbwegs Überschlagsrechnung und einfache Volumenberechnungen beherrschen
Hatte Studeka, die konnten Gleichungen herleiten, dass es eine Freude war, dann nur zwei Buchstaben vertauscht und aus war's, leider
Nehmen sie mal Rechenschieber, erklären sie den Studeka, wie man den bedient und sie werden ihr blaues Wunder erleben, was da an Lösungen rauskommt. wo sie wahrscheinlich sagen würden, dass kann doch schon überschläglich nicht stimmen.
b) Halbwegs ordentliche Umgangsformen haben, das geht bei Hallo Herr X los, über sie morgen nach X (100 km entfernt) kommen, da will ich meine Diplomarbeit verteidigen.

Glauben sie mir die Unis/HS (FHs gibt es ja wohl in dem Sinne nicht mehr) haben in D ihre Anforderungen schon runtergeschraubt, aber es wird lt. Kollegen in D immer schlimmer, dass liegt aber am System der Gleichmacherei und dass jeder Hans und Franz studieren muss.

Zu Nordamerika, habe hier auch dt. Austauschstudenten getroffen, die dann 101 Kurse belegen und denken sie sind fit. Wenn man die dann aber in 201 und 301 Kurse schickt, besonders Statistik oder differential equations. dann sieht es auch nicht mehr so rosig aus.
Besonders in Statistik gibt es dann hier auch eine Durchfallquote von +50% und das wird akzeptiert, in D würde der Lehrkraft rspk, dem Prof. der Arsch hochgebunden werden, da man nur noch nach Masse bewertet wird, leider.