Jane Goodall"Als ich jünger war, träumte ich oft, ein Mann zu sein"

Als junges Mädchen, es war 1944, träumte Jane Goodall von einem Leben in Afrika - und setzte es später um. Ihr Einsatz für den Umwelt- und Tierschutz hält bis heute an. von Jörg Böckem

Mein Lebenstraum begann mit einem Buch. Ich war ein zehnjähriges Mädchen, neugierig und in Tiere vernarrt, als mir Edgar Rice Burroughs Tarzan bei den Affen in die Hände fiel. Die Schilderungen des Urwalds und seiner Bewohner faszinierten mich, ein wenig war ich auch in Tarzan verliebt. Von diesem Tag an träumte ich davon, irgendwann nach Afrika zu reisen, mit Tieren zu leben und Bücher über sie zu schreiben.

JANE GOODALL

79, ist die bekannteste Primatenforscherin der Welt. Ihre erste Afrikareise machte sie mit 23. Für ihre berühmteste Studie beobachtete sie 45 Jahre lang Schimpansen in Tansania. Aus dem Jane Goodall Institute, das sich für Umwelt- und Tierschutz einsetzt, ging die Jugendorganisation Roots & Shoots hervor, die heute in über 100 Ländern vertreten ist. Der Dokumentarfilm »Schimpansen«, an dessen Produktion Goodall mitwirkte, ist vom 9. Mai an in deutschen Kinos zu sehen

Jeder, dem ich von meinem Traum erzählte, hat mich ausgelacht. Es war 1944, meine Familie lebte in England, in Europa tobte der Zweite Weltkrieg. Meine Familie war arm, wir konnten uns nicht einmal ein Fahrrad leisten. Afrika war unendlich weit entfernt, wild und in weiten Teilen unerforscht. Unerreichbar. Vor allem für ein Mädchen. Ich solle doch von etwas träumen, das ich auch erreichen könne, hieß es immer wieder. Nur meine Mutter hat anders reagiert. "Wenn du etwas wirklich willst, nutze deine Chancen und gib nicht auf, dann wirst du einen Weg finden", hat sie gesagt. Sie hat recht behalten. Meiner Mutter verdanke ich sehr viel.

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Heute träume ich davon, dass mehr und mehr junge Menschen begreifen, dass wir eine neue Denkweise entwickeln müssen, um eine zukunftsfähige Welt zu schaffen. Wir befinden uns in einer kritischen Phase. Es macht keinen Sinn, auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen an unbegrenztes Wachstum zu glauben. Wir brauchen eine neue Mentalität und eine andere Lebensweise. Mit unserer Jugendorganisation Roots & Shoots versuche ich, junge Menschen zu ermutigen, sich für diese Veränderung einzusetzen. Denn wenn die Jugend den Glauben an die eigene Gestaltungsfähigkeit verliert, sind wir erledigt. Wenn es uns aber gelingt, eine kritische Masse von jungen Menschen zu motivieren, ist eine Veränderung auch im großen Rahmen möglich.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Davon träume und dafür kämpfe ich. Auch wenn es mir oft schwerfällt, ständig unterwegs zu sein. Manchmal träume ich davon, zur Ruhe zu kommen, in meinem Elternhaus an der Südküste Englands, dort unter den Bäumen zu sitzen und in den Himmel zu sehen. Und endlich Zeit zu finden, mich mit meinen Nachtträumen zu beschäftigen. Sie sind meist sehr lebendig und bizarr.

Als ich jünger war, träumte ich oft, ein Mann zu sein. In diesem Traum, den ich über Jahre wieder und wieder geträumt habe, wusste ich, dass ein anderer Mann mich töten wollte. Meine einzige Chance war, ihn vorher umzubringen. Der Traum endete damit, dass ich ihn mit einem Messer erstach. Aber obwohl dieser Traum schockierend und beängstigend war, habe ich ihn nicht als Albtraum empfunden. Ich hoffe, dass ich irgendwann die Zeit finde, mich mit den seltsamen Dingen zu beschäftigen, die in meinem Kopf vor sich gehen, wenn ich schlafe. Aber noch fordert der Kampf für meine realen Träume meine Zeit und jedes Quäntchen Energie, das ich aufbringen kann.

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Leserkommentare
    • conure
    • 08. Mai 2013 9:28 Uhr

    die für eine großartige Sache kämpft.

    Meine Generation hat versagt......Wachstum und Gier...grenzenlos,
    zerstörerisch für die Natur und letztendlich für den Menschen selbst.

    Ob die Generation meiner Kinder/Enkelkinder klüger sein wird ?

    Ich habe versucht, meine Kinder von kleinauf so zu erziehen.

    In der Gesellschaft allerdings ist das Problem der unwiderbringlichen
    Ausrottung von Arten zwar in Diskussionen präsent....aber bei
    den Aktionen, der Umsetzung in die politische, gesellschaftliche
    Realität, da ist von "Gestaltungswillen" wenig zu bemerken.

    Und das fängt schon bei den ganz kleinen Dingen an....Verzicht
    auf "Gift" im eigenen Garten, um Insekten, Vögel , Amphibien
    am Leben zu erhalten.
    Ich bemerke da leider wenig Umdenken in meiner Umgebung.

    3 Leserempfehlungen
  1. Ich erinnere mich noch gut an einen Vortrag von Jane Goodall, den ich vor 20 Jahren erleben konnte - diese in der Tat großartige Frau hat in ihrer Natürlichkeit eine beeindruckende Ausstrahlung, deren Wirkung lange anhält. Zumindest bei mir. Kein professorales Rumgegockele, ihr geht es um die Tiere und nicht um ihre Person, das spürt man.
    Zwei Dinge finde ich bemerkenswert am Artikel: Die Kraft, die Bücher auf Kinder ausüben und die ausdauernde Ermutigung durch die Mutter. Beides würde ich heutzutage allen Kindern wünschen, doch ich fürchte... tja, schade.

    Eine Leserempfehlung
  2. wer irgendwo Gelegenheit hat, einen ihrer Vorträge zu besuchen, sollte unbedingt hingehen - wer weiss, ob sie nicht eines Tages doch ernst damit macht, sich in Südengland zur Ruhe zu setzen.... ;-)

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  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Affe | Jane Goodall | Tier | Urwald | Afrika
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