So wie ein Kind mit dem Erwachsenwerden begreift, dass es etwas Beglückendes ist, abends ins Bett zu gehen, und nicht etwas, gegen das man sich schreiend zur Wehr setzen muss, so lernt es auch, dass Bitteres wohlschmeckend sein kann. Zum Beispiel Chicorée, dunkle Schokolade, Kaffee, Alkohol und Radicchio. Ein Vorbehalt bleibt aber, und den Anflug von Furcht muss auch der Erwachsene überwinden, wenn etwas bitter schmeckt. Deshalb wird Zucker in den Espresso gegeben und Soda in die Drinks, deshalb verzichtet die Lebensmittelindustrie in ihren Fertiggerichten auf die bittere Geschmacksrichtung gleich ganz. Und deshalb schmeckt vieles, was mal bitter war, heute gar nicht mehr so bitter. Die neueren Züchtungen des Radicchio zum Beispiel sind meistens so mild, dass man daraus ganz ohne Angst ein schönes, kleines Gemüsegericht machen kann.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Dafür werden die Blätter nicht wie üblich mit Dressing angemacht, sondern in der Pfanne gegrillt und zusammen mit Ziegenkäse, Walnüssen und Cranberries gegessen (oder Rosinen, wenn die leichter zu besorgen sind). Die Blätter vom Salatkopf lösen. In einer Grillpfanne erhitzt man etwas Olivenöl und brät die Blätter von jeder Seite ungefähr eine Minute lang scharf an. Sie sollten ein bisschen gebräunt sein, aber noch Biss haben. Die Blätter auf einer Platte anrichten. Darüber gibt man die restlichen Zutaten: die Walnüsse, den zerbröselten Ziegenkäse, Cranberrys, Petersilie. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Gegrillter Radicchio
(für 1 bis 2 Personen)

1 mittelgroßer Kopf Radicchio
Olivenöl
2 EL geröstete, grob gehackte Walnüsse
60 g junger Ziegenkäse
2 EL gehackte getrocknete Cranberrys
2 EL gehackte Petersilie
Salz, Pfeffer